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4-2016

35

Was war der Auslöser, diesen Schritt

zu gehen?

Günter (Kessler) wollte diese Verände-

rung bei mir schon vor ca. 15 Jahren

durchführen, aber ich habe es damals immer

abgelehnt. Als ich jedoch nach meinen drei

Siegen (Open de France, Trophée Hassan II.,

BMWMasters) und meiner guten Weltrang-

listenposition trotzdem zweimal die Quali-

fikation zur PGA Tour über die

Web.com

-

Finalserie vermasselt habe, hat mich das ge-

waltig genervt. Immerhin hatte ich die ganze

Saison darauf ausgelegt und bin dafür große

Risiken eingegangen. In einer ruhigen Minute

habe ich alles nochmal Revue passieren lassen

und mir eingestanden, dass die Konstanz,

um langfristig unter den Top 50 der Welt zu

spielen und regelmäßig in den Top 10 eines

Turnierfelds mitmischen zu können, ein-

fach nicht da war. Das war der auslösende

Moment. Ich möchte unbedingt ein Global

Player sein und halb in den USA, halb in

Europa spielen. Dafür arbeite ich gerade.

Wie sieht die Umstellung technisch

gesehen aus, was machst du anders?

Ich habe mein Take-away immer mit

einer Unterarm-Rotation gestartet,

dadurch war das Schlägerblatt offen. Jetzt

winkle ich sofort. Dadurch stelle ich das

Schlägerblatt am höchsten Punkt square zur

Ziellinie und kreuze den Schläger nicht

mehr. Früher war das Schlägerblatt offen und

ich musste die rechte Schulter reinnehmen.

Dadurch kam ich etwas von außen an den

Ball. Dank der optimierten Position kann

ich bedenkenlos runterschwingen, ohne dass

die rechte Schulter rüberkommen muss.

Dadurch entsteht eine ideale Draw-Position.

Knifflig für mich ist jedoch, dass ich immer

noch eine Rotationstendenz im Treffmoment

habe. Und dann ist das Schlägerblatt plötz-

lich zu, was kombiniert mit der Schwung-

richtung von innen im ungünstigsten Fall

einen Pull-Draw ergibt. Die wilden Runden,

wie bspw. in Indien, resultierten daraus.

Ebenfalls neu und wichtig ist, dass ich

nicht mehr ausschließlich über die linke

Schulter aufdrehe und dadurch Gefahr laufe,

in eine Kippbewegung zu geraten. Jetzt ver-

lagere ich mein Gewicht im Rückschwung

wirklich nach rechts. So richtig natürlich

fühlt sich das alles jedoch noch lange nicht

an, aber ich bin auf einem guten Weg. Ich

hoffe, dass ich, sofern die Verletzungen

schnell auskurieren und keine neuen hin-

zukommen, spätestens im Winter 2016 voll-

ständig im neuen Schwung angekommen

bin.

Es gab auch sonst einige Veränderungen:

neuer trainer, neuer Caddie und der Zopf ist

auch ab...

Ich habe 26 Jahre mit Günter Kessler

zusammengearbeitet. Er ist auch heute

noch ein sehr guter Freund und Berater.

Doch ich habe eine Veränderung und frische

Ansätze gebraucht, die ich mit meinem

neuen Trainer Damian Taylor gefunden

habe. Mit meinem Caddie Guy Tilston habe

ich drei Turniere gewonnen. Aber nach drei-

einhalb Jahren und vor allem nach der

schwierigen USA-Phase – in der es nur Miss-

erfolge und kaum Preisgeld gab und man vier

Wochen aufeinanderhing – kamen negative

Gefühle auf. Da haben wir beschlossen,

lieber weiterhin Freunde zu bleiben, aber uns

an diesem Punkt zu trennen.

Meinen neuen Caddie, den Iren Brian Mar-

tin, hat mir mein Kumpel Nicolas Colsaerts

bzw. sein Caddie Brian Nilsen empfohlen,

der eng mit Brian (Martin) befreundet ist. Er

ist übrigens ein hervorragender Golfer mit

Handicap +4. Er hat früher mit Padraig

Harrington Amateurgolf gespielt. Ich brauche

vor allem jemanden, der lustig drauf ist und

der mich mental bei der Stange halten kann.

Es gibt Caddies, die wollen dir erzählen, wie

man Golf spielen müsste. Das geht bei mir

nicht, dazu bin ich ein viel zu kreativer

Spieler. Nur wenn es total wild wird, darf er

in mein Spiel eingreifen, sonst nicht.

Was den Pferdeschwanz angeht, so waren

meine Töchter begeistert davon, dass ich ihn

abgeschnitten habe. So etwas tragen doch

nur Mädchen, haben sie gesagt. Doch wahr-

scheinlich wird er wieder zurückkommen,

denn mit den kurzen Haaren fühle ich mich

nicht wirklich wohl. Darum züchte ich gerade

schon wieder.

GT

»Ich war mir bewusst,

dass ich erst einmal

ein paar Rückschläge

erleben werde, wenn

ich nach 26 Jahren

meinen Schwung

umstelle«

»Ich habe mir

eingestanden,

dass die

Konstanz, um

langfristig un­

ter den Top 50 der Welt mitzu­

spielen, einfach nicht da war«