Previous Page  34 / 116 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 34 / 116 Next Page
Page Background

34

GOLF TIME

|

7-2016

www.golftime.de

COVER |

RYdeR Cup 2016

bislang aussetzen mussten. Warum er nicht

einfach die bewährten drei Erfolgspartien des

Vortages durchspielen ließ und (wenn es denn

unbedingt sein musste) die Rookies Chris

Wood und Matthew Fitzpatrick gemeinsam

ins kalte Wasser schmiss, kann man nicht

wirklich verstehen.

So opferte der Kapitän ein starkes Team

(Stenson, Rose) zugunsten von zwei mittel-

mäßigen. Henrik Stenson konnte an der Seite

des erschreckend schwachen Matthew Fitz-

patrick einfach nichts ausrichten und ihr

Match gegen Brandt Snedeker und Brooks

Koepka ging mit 3&2 verloren. Justin Rose

und Chris Wood jedoch rangen Jimmy

Walker und Zach Johnson nach einem zähen

Kampf nieder. Auf dem 16. Grün gab es dann

einen interessanten Wortwechsel.

„Wie macht er sich?“, fragte Clarke den

Olympiasieger.

„Unglaublich“, schwärmte Rose. „Sein

Touch auf den Grüns ist erstaunlich. Er gibt

mir soviel Selbstvertrauen. Ich würde jeder-

zeit und überall wieder mit ihm spielen.“

Doch offenbar waren das nicht die Worte,

die Clarke hören wollte. Hatte er doch längst

entschieden, dass Rose und Wood keine

Chance als Team bekommen sollten und

mehr noch, er wollte Wood bis zu den Singles

komplett streichen, um erneut seinen Kum-

pel Lee einsetzen zu können. Warum Clarke

Rose trotzdem um seine Einschätzung bat,

um diese dann komplett zu ignorieren, bleibt

sein Geheimnis. Doch es sollte nicht die ein-

zige krasse Fehleinschätzung des Kapitäns an

diesem Samstag bleiben.

Denn die Partie des Tages, zumindest was

die zweite Hälfte angeht, spielten Sergio Gar-

cia und Rafa Cabrera-Bello. Ausgerechnet

gegen das amerikanische Power-Duo Patrick

Reed und Jordan Spieth lagen sie nach elf

Bahnen mit vier Punkten in Rückstand.

Dann jedoch gelangen den Spaniern zwi-

schen Bahn 13 und 17 vier Birdies, mit denen

sie die Partie ausgleichen konnten. Auf dem

18. Grün rollte sogar der Putt zum Match-

gewinn nur knapp am Loch vorbei, doch der

halbe Punkt fühlte sich für Europa trotzdem

an wie ein Sieg. JedemZuschauer war klar, das

Momentum ist wieder auf Seiten der Gäste.

T

rotz des gewaltigen Rückstandes vom

Vormittag hatten es die Blauen geschafft,

in der Gesamtwertung wieder bis auf einen

Punkt aufzuschließen. Aber bevor bei den

europäischen Fans allzu viel Optimismus

aufkommen konnte, wurden die Fourball-

Paarungen für den Nachmittag bekannt-

gegeben.

EISKALTE EuRO-puTTER

In der ersten Paarung holten McIlroy und

Pieters erneut den Punkt für Europa, doch es

sollte der einzige aus dieser Session bleiben.

Denn während der dritten Auflage des Duells

Stenson und Rose gegen Reed und Spieth blie-

ben die Putter der Europäer eiskalt, während

Reed aus jeder Lage einzulochen vermochte.

In den anderen beiden Partien offenbarte sich

dann erneut, wie effektiv ein Kapitän einen

Ryder Cup beeinflussen kann – zum Guten

oder eben zum Schlechten.

Ohne Not zerriss Darren Clarke die

„Spanische Armada“ und ließ Cabrera-Bello

zugunsten Martin Kaymers aussetzen. Der

Deutsche steuerte beim Match gegen Phil

Mickelson und Matt Kuchar erneut kein ein-

ziges Birdie bei. Und Sergio Garcia funktio-

nierte ohne seinen Kumpel Rafa nur halb so

gut, was in der Summe den nächsten (unnö-

tigen) Punktgewinn für Amerika bedeutete.

Seinen Kardinalfehler hob sich Darren

Clarke dann jedoch für den Schluss auf.

Denn er wollte unbedingt testen, ob im Golf

eventuell (so wie in der Mathematik) „Minus

mal minus plus ergibt“. Im Falle von Danny

Willett und Lee Westwood, die zum Ent-

setzen der Fans gemeinsam aufgestellt wur-

den, ging diese Rechnung erwartungsgemäß

überhaupt nicht auf. Dabei hätte es fast so

etwas wie ein Mini-Happy-End gegeben.

Aber Westwood verschob auf dem 18. Grün

kläglich einen Putt aus 60 cm zur Punktetei-

lung. Im Laufe des Wettbewerbs wurde so ein

Tap-in meist geschenkt. Doch es ging um

den psychologisch so wichtigen halben Punkt

zum Endstand von 9 zu 7 für die USA, da

blieb kein Platz für übertriebene Höflichkeit.

kurIOsEs aMrandE

ROARING BACK

Im ersten Matchplay des Final-Tages überboten sich Rory McIlroy und Patrick

Reed an emotionalen Ausbrüchen. Kein Wunder: Sie spielten Golf wie von einem anderen Stern

Die wohl kurioseste Frage eines amerikanischen Journalisten

an Martin Kaymer während der letzten Pressekonferenz vor

dem ersten Abschlag: Warum trägt das europäische Team keine

Kappen? Kaymer, der mit der Frage absolut nichts anfangen

konnte, lachend: „Wahrscheinlich, weil wir unsere schönen Haare

herzeigen wollen.“

Die wohl kurioseste Anfeuerung erlebte Martin Kaymer am

ersten Tee, beim Auftakt-Match zum Ryder Cup: Ein männ-

licher Zuschauer rief lauthals von der Tribüne in deutscher

Sprache: „Ich liebe dich...“ Möglicherweise hat da ein

Kaymer-Fan etwas missverstanden, war doch der

deutsche Mädchenschwarm als einziger der 24 Spieler

bei der Eröffnungszeremonie als Single aufmarschiert.