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58

GOLF TIME

|

1-2018

www.golftime.de

GÖTZ

ZITAT

GÖTZ SCHMIEDEHAUSEN

Seit 2011 Mitarbeiter bei

GOLF TIME. Würde gerne

etwas Sinnvolles mit seiner

Zeit anfangen.

F

ang an Golf zu spielen“, hat mir mal

jemand geraten. „Golf ist Balsam für

die Seele, schärft den Geist und trai-

niert den Körper.“ Die schicksalhafte

Begegnung mit dem begeisterten Golfer, der

mir seinen grünen Floh ins Ohr gesetzt hat,

erscheint mir rückblickend wie der Erstkontakt

zu einem Crackdealer.

Heute denke, lebe und atme ich Golf – 24 Stun-

den am Tag. Der erste kritische Blick nach dem

Aufstehen überprüft nicht den Aggregatszustand

meines Spiegelbildes, sondern geht aus dem

Fenster gen Himmel. Schon ein Streifen ver-

heißungsvolles Blau versetzt meinen Körper

umgehend in die Art Aufruhr, die sonst nur

Junkies vorbehalten sein sollte, die nach den

nächsten Schuss gieren. Schlagartig befinde

ich mich im Tunnel, er- und entledige hektisch

lästigeAlltagsstörfelder wie Frau, Kinder, Arbeit

und Körperhygiene, da ich in Gedanken schon

im Stechschritt zum ersten Abschlag eile.

Auch ein wolkenverhangener Tag schreckt

mich nicht ab. Denn die „50 Shades of Grey“ am

Himmel können, müssen jedoch nicht zwangs-

läufig schmerzhaft sein. Sofern derWetterbericht

die Wahrscheinlichkeit für Starkregen mit

unter 99 Prozent berechnet, gilt für mich

der Grundsatz: „Jedes Risiko birgt auch eine

Chance.“ Entweder liege ich tot am Stock oder

halbtot mit einer Lungenentzündung im Bett.

Doch so wie einem Suchtraucher eine Zigarette

nur noch selten wirklich schmeckt, hält sich

auch mein Spaß am „Everyday“-Golf eher in

Grenzen. Meist fühle ich mich schon am ersten

Abschlag mies, vor allem, wenn ich allein spie-

len muss, da meine Golfkumpel allesamt unab-

kömmlich sind (wegen Job oder Familie…diese

Luschen). Schon während der Autofahrt zum

Golfclub rechne ich damit, dass genau in dieser

Sekunde ein Dutzend Seniorenspieler ein spon-

tanes Zählspielturnier ansetzen. Atemlos hetze

ich zur ersten Bahn und sehe wider Erwarten

ein freies Feld vor mir. Dann schweift mein

Blick rüber zum zweiten Tee. Dort entdecke ich

die Busladung AK 65-Spieler, die heute für ihr

Liga-4-Spiel trainieren. Zeitgleich kommt die

Platzaufsicht angefahren und informiert mich

darüber, dass die hinteren neun Bahnen noch

zwei Stunden wegen Platzpflegemaßnahmen

gesperrt sein werden.

Erst durch Golf habe ich gelernt, chronisch

negativ zu denken. So gehe ich immer vom

Schlimmsten aus und rechne damit, dass die

Sieger bei hochdotierten Turnierserien – vor

allem bei nichtvorgabewirksamen Formaten –

allesamt geschummelt haben, jeder Gast-

spieler in den Wintermonaten ein notorischer

Schwarzspieler ist und Martin Kaymer nie

wieder ein Golfturnier gewinnen wird. Fahre

ich in den Golfurlaub, weiß ich, dass mein Golf-

gepäck verloren geht, das Wetter schlecht sein

wird und die Startzeiten so gebucht wurden,

dass spätestens auf Loch 14 die Nacht herein-

bricht. Ich weiß auch schon heute, dass ich mein

erstes Hole in One während einer Solorunde

ohne Zeugen erzielen werde oder mit einem

zweiten Schlag nach einem Ausball. Deshalb

ziele ich bei einem Par 3 meist schon gar nicht

mehr ernsthaft auf die Fahne. Auch wenn das

alles nicht stimmt, habe ich im Vorfeld schon

so intensiv darüber lamentiert, dass es letztlich

keinen Unterscheid mehr macht.

Ich versuche derzeit, etwas Abstand vom Golf

zu gewinnen. Ich gehe viermal die Woche ins

Fitnessstudio, wobei ich ein spezielles Trainings-

programm namens „Golfathlet“ absolviere,

welches bis zu 30 Metern Längengewinn

prophezeit. Zudem fördere ich die Jugend.

Meine vierjährige Tochter spielt schon seit

einem Jahr Golf und 2018 soll das Training

endlich professioneller werden. Wir haben

keine Zeit zu verlieren, denn Lexi Thompson

war 12, als sie erstmals bei der U.S. Open

mitmischen durfte. Da fällt mir ein: Hat Peter

Graf eigentlich eine Biografie über seine

Arbeit mit Steffi geschrieben? Oder kennt

jemand die Telefonnummer von einem dieser

koreanischen „Golfpädagogen“, die Rohdia-

manten zu Brillanten schleifen können ..?

GT

Nur noch einen

letzten Schuss!

»Für mich gilt der

Grundsatz: Jedes

Risiko birgt auch

eine Chance!

Entweder liege ich

tot am Stock oder

halbtot mit einer

Lungenentzündung

imBett«