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TRAINING |

SPORTPHYSIO

96

GOLF TIME

|

4-2016

www.golftime.de

FAKTOR KRAFT

Wie Sie mit weniger Power

trotzdem weiter schlagen.

Älter iSt

besser

I

n zahlreichen wissenschaftlichen Arbei-

ten kann man lesen: „Mit zunehmen-

dem Alter nimmt die körperliche

Leistungsfähigkeit ab.“ Unser Golfspiel

muss deshalb jedoch nicht schlechter werden!

Wir haben jetzt mehr Zeit. Endlich können

wir uns mit Golf intensiv beschäftigen. Wir

bekommen die Chance, sportlich erfolgreich

zu sein.

Warum ist Golf die perfekte Sportart? Beim

Golf hat Bewegungskoordination einen extrem

hohen Stellenwert. Durch verbesserte Be-

wegungsdurchführung erhöht sich trotz

abnehmender Kraft die Schlagweite.

Vergleiche zwischen verschiedenen Sport-

arten hinken: Oft wird Golf gleich nach

dem Stabhochsprung als eine der technisch

schwierigsten Sportarten eingestuft. Es gibt

jedoch einen riesigen Unterschied: Wir müs-

sen keinen Handstand oder Felgaufschwung

beherrschen, wir stehen mit beiden Füßen

am Boden und sollten eine gut koordinierte

Bewegung durchführen können. Dafür haben

wir noch lange die körperlichen Voraus-

setzungen. Der Vorteil des zunehmenden

Alters ist, dass wir mehr Zeit haben, um die

Bewegungen zu üben, der Nachteil, dass uns

die Kondition fehlt, so intensiv zu üben wie

die Jungen. Zweiteres können wir durch intel-

ligentes Training wettmachen. Je genauer wir

wissen, worauf es ankommt, umso effizienter

wird unsere Vorbereitung.

Die Lösung: Wir lernen jene Bewegungsab-

folge, bei der wir mit minimalem Krafteinsatz

die maximale Leistung erzielen. Zusätzlich

achten wir auf gesunde Bewegungsdurch-

führung.

Die beste Meldung, die uns in unserem

Ehrgeiz bestärkt: Um die optimale Bewegung

durchzuführen, müssen wir uns nicht unnötig

verbiegen. Wir verwenden dieselben physika-

lischen Effekte wie die weltbesten Spieler.

Seit Jahren führen wir Berechnungen am

Golfschwung durch. Die Abstimmungen der

Bewegungen aufeinander sind extrem sensi-

bel. Winzige Veränderungen rufen oft große

Effekte hervor. Wir können hohe Schläger-

kopfgeschwindigkeiten mit geringem Kraft-

aufwand erreichen. Die Frage ist nur, weshalb

sind wir nicht imstande, diese Optimierun-

gen selbstständig in unseren Golfschwung

einzubauen?

Das größte Hindernis scheint zu sein, dass

wir unseren Krafteinsatz spüren möchten.

Dies gelingt uns am besten, wenn wir gegen

einen Widerstand arbeiten. Diesen Wider-

stand erzeugen wir mit fehlerhafter Bewe-

gungsdurchführung. Somit verschwenden

wir unsere Kraft, um Widerstände zu über-

winden, die wir selbst erzeugen.

Ein weiterer Teil unse-

rer Forschung ist die

Beweglichkeit und die

Belastung während der

Bewegungsdurchfüh-

rung. Für die Analyse

der Bandscheibenbe-

lastung bei Drehbe-

wegungen haben wir

1996 eine weltweit hoch

angesehene Auszeich-

nung (Volvo Award

on Low Back Pain Research) erhalten. Die-

ses Wissen fließt in

„Healthy-Swing.at“

ein.

Wir optimieren daher den Golfschwung aus

physikalischer und funktionell anatomischer

Sicht.

Was hier so theoretisch klingt, ist bereits in

die Praxis umgesetzt. Wir vermeiden Hin-

weise wie „Kopf still“ oder „mit dem linken

Arm ziehen“. Solche Anleitungen werden

meistens falsch verstanden. Wir suchen die

Freiheit im Golfschwung und vermeiden ver-

krampftes Halten des Schlägers. Wir erklären,

welche Effekte den Schläger zum Schwingen

bringenundwelcheBewegungendieBelastun-

gen minimieren. Dadurch wird das Training

leicht, macht Spaß und führt zum Erfolg.

Über eines muss man sich jedoch im Klaren

sein. So wie ein Sprinter nicht besser läuft, nur

weil man ihm sagt: „Setze deine Füße schnel-

ler voreinander“, so kann ein Golfer nicht

weiter schlagen, nur weil man sagt „schwing

deinen Schläger schneller“. Der Sprinter

benötigt koordinative Läufe, durch die er

sich langsam steigert. Das dauert. Der Golfer

benötigt detaillierte Hinweise über die

Bewegungsabfolge. Dann kann er mit seinem

koordinativen Training beginnen. Der Erfolg

stellt sich mit etwas Ausdauer garantiert

ein.

GT

Bernhard Langer

ist

ein perfektes Beispiel,

wie lange man sich im

Golfsport im Bereich der

Weltspitze halten kann.

Dass Golf kein reiner

Kraftsport ist, beweist

die Physiognomie von

hyo Joo Kim

Dr. ChrisTian

haiD

Biomechaniker,

Universitätsklinik

Innsbruck