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GOLF TIME
|
1-2018
www.golftime.deTIME
OUT
usch, husch, und jetzt noch
ganz schnell das TIME OUT
lesen. Nur keine Zeit ver-
trödeln. Jeden zweiten Buchstaben
überspringen, mit ein bisserl Mitdenken
geht das schon.
„Ready Golf“ heißt das Motto des
Jahres – und damit haben der R&A
und in Folge der DGV den golferischen
Siebenschläfern den Kampf angesagt.
Bis zu 50 Minuten sollen pro 18-Loch-
Runde eingespart werden, wenn, ja
wenn zügiges Spiel möglich wäre.
Es muss ja nicht gleich ein Loch in
einer Minute und 50 Sekunden runter-
gehetzt werden. Das ist jedenfalls die Zeit des Engländers
Steve Jeffs, der ein Par 5 über 450 Meter im Triverton
GC in Devon sprintete und dabei um zwei Sekunden
den zwölf Jahre alten Guinness-Rekord verbesserte.
Eine andere Idee, die Krötenwanderung auf den Fair-
ways zu unterbinden, hat Matt Tausig, Clubmanager
des Golfresorts „Lodge of Four Seasons“, Missouri, USA,
realisiert: Greenfee nach Zeit – pro Stunde eine Gebühr
von zehn Dollar. Auch nicht schlecht. Nur wenn der
Flight vor mir Kaffeetratsch statt Ready Golf praktiziert,
hilft mir mein zügiges Golfspiel auch nicht weiter.
Es müssen ja nicht gleich derart drastische Maßnah-
men sein, um Runden von sechs bis sieben Stunden (!)
zu verhindern. Mit „Ready Golf – Spielen statt warten“
soll aber das Problem „langsames Spiel“ der Vergangen-
heit angehören. Hut ab vor den DGV-Funktionären,
die mit dieser „Are You Ready?“-Aktion vielfach gegen
die Etikette verstoßen und traditionelle Golfer vor
den Kopf stoßen. Was ab 2019 tatsächlich im neuen
R&A-Regelwerk vorgesehen ist, soll in
Deutschland ab sofort Gültigkeit haben:
„Bestehen Sie im Zählspiel nicht mehr
auf Ihrer Ehre am Abschlag oder der
üblichen Spielfolge‚ am weitesten weg
von der Fahne zuerst, wenn ein Mit-
spieler schon vor Ihnen spielbereit ist.“
Das kennen wir ja: Der Longhitter
wartet, bis das Grün frei ist, alle anderen
drei Flightpartner, ohne eine Chance,
die Fahne zu erreichen, stehen herum
und checken ihre News im Handy.
Neu: Kürzere Spieler zuerst! Ähnliches
gilt beim Putten auf dem Grün oder
beim Ballsuchen: „Spielen Sie Ihren
Ball, bevor Sie Mitspielern bei der Suche helfen.“
Oder: „Spielen Sie Ihren Ball, wenn der Spieler, der
eigentlich an der Reihe wäre, noch den Bunker harkt.“
Eigentlich völlig logisch. Fazit: Traditionelle Etikette
steht ab sofort mit Ready Golf auf Kriegsfuß. Wirklich?
Muss nicht sein. Schließlich muss durch Ready Golf
nicht das Vergnügen einer beschaulichen Golf-Runde
gestört werden. Ready Golf heißt: Spielen, wenn man
bereit, wenn man fertig ist, ohne andere zu gefährden.
Auf den Punkt bringt es Deutschlands Putt-Guru
Wiestaw „Waldi“ Kramski: Wenn jeder pro Loch einen
Putt weniger braucht, ist das eine Zeiteinsparung von
mindestens vier Minuten pro Grün. Mal 18 Löcher sind
das nach Adam Riese 72 Minuten weniger pro Runde …“
Husch, husch, Sie sind dran zum Schlagen. GOLF
TIME lesen während der Runde geht jetzt schon gar
nicht mehr. Aber bitte, nur nicht stressen lassen.
OSKAR BRUNNTHALER
ob@golftime.deKrötenwanderung
ade?
DGV-AKTION
Mit diesem Plakat
wird für „Ready Golf – spielen statt
warten“ in den Clubs geworben
Die nächste
erscheint am 3. April 2018
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