Die Herstellung von Rezepturarz-
neimitteln ist ein wichtiger Be-
standteil der individuellen Thera-
pie, weil Rezepturarzneimittel den
therapeutischen Handlungsspiel-
raum des Arztes vergrößern und in-
dividuell auf die Erfordernisse der
Behandlung des Patienten abge-
stimmt werden können. Dennoch:
Sowohl die Verordnung, als auch
die Herstellung qualitativ minder-
wertiger Rezepturen wird zu Recht
kritisiert. Das bedeutet: Die Apo-
theke muss das Arzneimittel nicht
bloß nach ärztlicher Anweisung an-
fertigen, sondern Verschreibungen
sachverständig beurteilen, Transpa-
renz für den Patienten herstellen
und die Kommunikation zwischen
Arzt und Apotheker verstärkt aktiv
wahrnehmen. Diese Herausforde-
rung sollte die Apotheke selbstbe-
wusst aufnehmen.
Das gemeinsame Ziel
Bei Rezepturen haben Apotheker und
Arzt ein gemeinsames Ziel: den Patien-
ten individuell mit einem wirksamen und
qualitativ hochwertigen Arzneimittel zu
versorgen. Doch Missverständnisse und
Kommunikationsschwierigkeiten stehen
dem nicht selten imWeg.
Häufig ist der unterschiedliche, kom-
plementäre Blickwinkel von Arzt und Apo-
theker auf die Qualität eines Rezepturarz-
neimittels die Ursache. Der Arzt hat vor
allem die Wirksamkeit im Blick, der Apo-
theker hingegen die Qualitätsanforde-
rungen, wie mikrobiologische Stabilität,
Wirkstoffgehalt und das optische Erschei-
nungsbild der Zubereitung (Abb. 1). Die
Verantwortung, dass aus der Verordnung
ein hochwertiges und sicheres Arzneimit-
tel entsteht, tragen Arzt und Apotheker
gemeinsam. Ziel sollte sein, dass der Apo-
theker das therapeutische Konzept des
Arztes möglichst sinnvoll umsetzt. Das
bedeutet auch, ihn zum Beispiel darauf
aufmerksam zu machen, wenn eine ver-
ordnete Rezeptur nicht hergestellt wer-
den kann und geeignete Alternativen
vorzuschlagen. Der fachliche Austausch
ist wichtig, um den Patienten optimal zu
versorgen.
Die pharmazeutische Qualität im Fokus
(Rezeptur-) Arzneimittel dürfen nach
dem Arzneimittelgesetz (AMG) nur her-
gestellt und zur Abgabe an den Verbrau-
cher in Verkehr gebracht werden, wenn
die in ihnen enthaltenen Stoffe und ihre
Darreichungsformen den anerkannten
pharmazeutischen Regeln entsprechen.
So müssen Rezepturarzneimittel nach der
Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) die
nach der pharmazeutischen Wissenschaft
erforderliche Qualität aufweisen. Gerade
bei den nicht standardisierten Vorschrif-
ten kommt es häufig zu Schwierigkei-
ten mit der pharmazeutischen Qualität.
Hierzu gehören Inkompatibilitäten zwi-
schen den Bestandteilen sowie Zweifel
an der Lokalverträglichkeit, der Praktika-
bilität, der Haltbarkeit und der erforder-
lichen Qualität einzelner Bestandteile.
Dr. Stefanie Melhorn
(Eschborn) ist Mitarbeiterin des Phar-
mazeutischen Laboratoriums des NRF beim DAC/NRF in
der Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH.
Sie arbeitet in der Redaktion des DAC/NRF-Werkes, der
DAC/NRF-Informationsstelle und betreut den Rezepturen-
finder auf
www.dac-nrf.de.
Dr. Stefanie Melhorn
Sinnvoller
Einsatz von
Rezepturarzneimitteln
Eine Aufgabe für Ärzte und Apotheker
ABBILDUNG 1:
Unterschiedliche Forderungen an Rezepturarzneimittel aus Sicht von
Arzt und Apotheker.
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/ AKWL Fortbildung Aktuell – Das Journal
SINNVOLLER EINSATZ VON REZEPTURARZNEIMITTELN




