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GOLF TIME

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7-2017

79

S

ie werden bei mir selten einen Dreiputt sehen.

Vergangenes Jahr war ich auf Platz 15 der PGA-

Tour-Statistik im Dreiputt-Vermeiden – mit nur

25 Dreiputts auf 1.242 Löchern. In der Einputt-Statistik

landete ich mit 43,64 Prozent auf Rang sechs. Aber die

Statistik, auf die ich am stolzesten bin, ist die „Schläge

gewonnen beim Putten“-Statistik. Im Vergleich zum

Rest des Spielerfeldes habe ich durchschnittlich mehr

als einen Schlag pro Runde gewonnen. Vier Schläge

über vier Runden, das ist überragend.

Der Schlüssel für diese beeindruckenden Putting-

Statistiken heißt: Distanzkontrolle. Ich möchte nie

einen Putt zu kurz lassen. Denn: Man kann den Putt

nicht einlochen, wenn der Ball nicht bis zum Loch rollt,

richtig?! Das bedeutet aber nicht, dass ich den Ball ein-

fach mit Schwung in Richtung Loch putte. Es gilt viel-

mehr das richtige Tempo zu finden, damit der Ball das

anvisierte Break nimmt und man einfache, stressfreie

Tap-ins hat, sollte man das Loch verpassen. Ich möchte

keinen meiner Putts mehr als 30 Zentimeter zu lang

sehen. Das ist meine Philosophie beim Putten. Hier

erfahren Sie, wie ich das schaffe.

GT

DESWEGEN HABE ICH MEINE

ROUTINE GEÄNDERT

JASON DAY: „Wie sich meine Veränderung

beim Lesen von Grüns für mich auszahlte“

Es sind meine Drives und

mein langes Spiel, die

die Schlagzeilen in den

Medien beherrschen.

Doch es ist die Qualität

meines Puttens, die

mich Woche für Woche

auf der Tour um Titel

mitspielen lässt«

Fotos: Sam Greenwood

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Mindestens ein halbes Dut-

zend Mal pro Runde habe ich

meinen Caddie Colin Swatton

einen Putt für mich lesen

lassen und ihn nach seiner

Meinung gefragt. Anfang des

Jahres 2015 schlug er dann

vor, dass ich fortan alle Putts

selbst lesen sollte. Meine erste

Reaktion damals war: „Was?!“

Doch er meinte, dass mich

diese Herangehensweise

herausfordern würde, mehr

Informationen zum jeweiligen

Putt aufzunehmen und ich

mich dadurch mehr mit dem

Schlag identifizieren könnte.

Der Punkt, den Col ansprach,

war, dass er mit seiner Ein-

schätzung einer Puttlinie ent-

weder meine bestätigt oder

Verwirrung entsteht. Natürlich

möchte man Zweiteres unbe-

dingt vermeiden.

Wir sind beide gut beim Lesen

eines Grüns und beim Be-

stimmen einer Puttlinie. Der

Unterschied ist aber, dass Col

nicht weiß, wie ich mich fühle,

wenn ich über dem Ball stehe,

und wie fest ich den Ball

putten möchte.

Wenn ich den Putt dann

zu kurz lasse, weil ich in der

Ansprechposition ein etwas

anderes Gefühl habe als

er dachte, fördert das die

Unsicherheit.

War es meine oder seine

Einschätzung, die nicht

stimmte?

Es ist keine Kritik an Swatto;

er hat etwas herausgefunden,

das mir geholfen hat, mehr

Selbstvertrauen aufzubauen –

damit kein Zweifel aufkommt,

wenn ICH über dem Ball

stehe.

VERTRAUEN SIE IHRER LINIE

Der beste Rat, den ich Amateuren gebe, ist, ihrer

gelesenen Puttlinie und ihrem Instinkt zu vertrauen und

bewusst hinter ihrer Einschätzung von Tempo und Linie

zu stehen, wenn sie den Putt ausführen. Überdenkt man

seine Entscheidung, manipuliert man sich selbst beim

Schlag und wird nie konstant putten.

MEIN LIEBLINGSDRILL

Um meine Geschwindigkeit und Distanz zu

kontrollieren, putte ich Bälle aus 4, 5 und

9 Metern in einem flachen Bereich des

Putting-Grüns. Aus diesen Entfernungen geht

es nur ums Gefühl. Du versuchst natürlich,

jeden Putt zu lochen, aber du versuchst auch,

den Ball so nah wie möglich ans Loch zu

putten. Mein Ziel ist immer, dass der Ball nie

mehr als sechs Umdrehungen über das Loch

hinausrollt, wenn ich es verpasse.