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GOLF TIME
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1-2018
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War Thommo von Anfang an dein Golflehrer?
Nein, erst als ich mit 12 oder 13 in den nordeng-
lischen Regionalkader berufen wurde. Meine ersten
Golflehrer waren mein Vater und mein Bruder. Joe
ist zehn Jahre älter als ich, er wurde mit 17 Jahren
Profi, doch als Spieler schaffte er nie den Durch-
bruch. Wenn ich am Southport Municipal Golf Club
vorbeifahre, wo ich mit Golf begonnen habe, muss
ich immer lächeln. Da ist eine kleine Welle auf der
ersten Bahn, etwa 50 Meter vom Abschlag entfernt.
Ich kann mich noch sehr gut an den Tag erinnern,
als ich den Ball das erste Mal weiter als diese Welle
schlagen konnte. Ich war restlos begeistert.
Vater Pete Fleetwood fungierte in Tommys
Kindertagen auch als sein Caddie. Bei einem
Juniorenturnier mussten die Kinder ohne Hilfe
spielen und der kleine Tommy heulte pausenlos,
da er kaum in der Lage war, den schweren Trolley
zu ziehen. „Er spielte eine 132“, erinnert sich Pete
lachend. „Obwohl er bis zum heutigen Tag behaup-
tet, es wäre nur eine 131 gewesen.“
Die Fleetwoods traten 1998 dem Formby Hall
Golf Club vor den Toren Liverpools bei. Dort war
Norman Marshall der Trainer des jungen Tommy.
„Man konnte sofort sehen, wie talentiert er war“,
erinnert sich Marshall. „Deutlich wurde dies bei
einer Übung, bei der wir aus 70 Metern Entfernung
auf eine Art Zielscheibe auf der Range schlugen. Ich
war sehr stolz darauf, dass ich mit 16 Treffern bei
25 Versuchen der Rekordhalter im Club war. Zu-
mindest bis der damals achtjährige Tommy antrat.
Er benötigte ein Eisen 9 für die Distanz, traf das Ziel
jedoch 21-mal und stellte einen Rekord auf, der bis
heute Bestand hat. Da wusste ich, dass wir ein Golf-
genie in unserer Mitte hatten.“
Unter der Regie von Alan Thompson reifte
Tommy Fleetwood zu einem der besten Amateur-
spieler Englands, der kurzzeitig sogar die Ama-
teurweltrangliste anführte. 2009 trat er für Groß-
britannien im Walker Cup an. Im August 2010
gewann Tommy die English Amateur und wurde
kurz darauf Profi.
Was war der größte Schritt im Verlauf deines golfe-
rischen Reifeprozesses vom Amateur zum Profi?
Früher habe ich den Fehler begangen zu glauben,
dass ich ein guter Mensch sei, wenn ich eine 67 spiele,
und ein schlechter, wenn ich 76 Schläge benötige.
Irgendwann setzte sich bei mir die Erkenntnis
TOMMY FAKTEN
» Geboren: 19. Januar 1991 in
Southport, England
» Profi seit 2010
» European Tour-Siege:
Johnnie Walker Championship
2013 / Abu Dhabi HSBC
Championship 2017 & 2018 /
Open de France 2017
» Top-Platzierungen:
4. Platz U.S. Open 2017 /
2. Platz WGC Mexico Cham-
pionship 2017
» Hobbys: Literatur, Musik,
Fan des FC Everton
» Verheiratet mit: Clare Craig
Kinder: Sohn Frankie (2017)




