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GOLF TIME

|

1-2018

www.golftime.de

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TOMMY FLEETWOOD

durch, dass sich die Welt nicht nur um Golf dreht.

Als ich das erkannte, spielte ich sofort besser. Tiger

Woods sagte nie, dass er Mist gespielt hat. Auch

Jack Nicklaus vermied negative Aussagen über sein

Spiel. Heute kann ich mich nicht daran erinnern,

wann ich auf dem Platz zuletzt etwas Negatives

gesagt habe. Angefangen hat das als bewusste

Disziplinierung, mittlerweile ist es ganz natürlich.

Ich bin heute die Geduld in Person.

Dank eines Sieges bei der Kasachstan Open 2011

gelang Tommy der Sprung von der Challenge Tour

auf die European Tour. Sein erstes Jahr in Europas

Oberliga gestaltet sich dann jedoch als Nerven-

probe. Denn erst durch eine Top-10-Platzierung bei

der South African Open, dem letzten Turnier, für

das Fleetwood startberechtigt war, konnte er seine

Tourkarte absichern. Bei der JohnnieWalker Cham-

pionship 2013 in Gleneagles gewann Tommy seinen

ersten European Tour-Titel, als er sich in einem

Drei-Mann-Stechen gegen Stephen Gallacher und

Ricardo González durchsetzen konnte. Mitte 2014

hatte Tommy sich schließlich in die Top 50 der Welt

vorgearbeitet und war für die Open Championship

bzw. die PGA Championship startberechtigt. 2015

begann sein Stern jedoch schon wieder zu sinken.

Welche Erkenntnis hat dir die Krisenzeit beschert?

Verändere nie ohne Not ein funktionierendes

System! Als ich anfing, meinen Schwung zu verän-

dern, war mir nicht klar, dass jeder Golfer mit einer

Schwungtendenz geboren wird. Ich wollte unbe-

dingt meinen natürlichen Draw korrigieren, denn

mein ganzes Leben hatte ich Angst vor der linken

Seite der Spielbahn. Ich habe meine Schlagfläche

gerade gestellt und versucht, mehr mit dem Körper

zu arbeiten. Doch das lag mir überhaupt nicht und

ich habe die Bälle dramatisch nach rechts verzogen.

Als dies häufiger passierte, hatte ich plötzlich auch

Angst vor der rechten Seite und mein Selbstvertrauen

ging verloren. Als ich Thommo (Alan Thompson)

im Juni 2016 um Hilfe bat, war er schockiert, wie

schlecht ich spielte. Er sah Dinge, von denen er

wusste, dass sie nicht gut für mich sein konnten.

Thommo ermutigte mich, zurück zu meinen Wur-

zeln zu gehen und meinen natürlichen Tendenzen

nachzugeben. Während schier endloser Stunden

auf der Driving Range entdeckte ich mein altes

Spiel und damit auch mein Urvertrauen in meinen

Schwung wieder. Ich war überzeugt davon, dass wir

es früher oder später hinbekommen würden, war

jedoch überrascht, wie schnell es letztlich ging.

Schon in der zweiten Saisonhälfte 2016 deutete

sich an, dass es mit Tommy Fleetwood wieder berg-

auf geht. Fünf Top-10-Platzierungen, darunter ein

geteilter dritter Rang bei der UBS Hong Kong Open

belegten, dass Team Fleetwood sich auf dem richti-

gen Weg befand. Und nicht nur auf dem Trainings-

platz, auch an seiner Tasche befand sich ein Mann

aus Tommys Vergangenheit.

War die Verpflichtung deines besten Freundes Ian

Finnis als Caddie ein kalkuliertes Wagnis?

Wenn überhaupt, dann nur für ihn. Er hatte eine

sichere Anstellung als Golflehrer, war Vater einer

einjährigen Tochter und ich verpasste vier von fünf

Cuts. Wir sind seit Ewigkeiten die besten Freunde

und allein seine Anwesenheit entspannte mich.

Klar haben wir nicht soviel gelacht, als ich schlecht

gespielt habe, aber wir arbeiteten hart und dann hat

es angefangen, sich für uns beide auszuzahlen.

Seit Beginn ihrer Zusammenarbeit hat Tommy

über fünf Mio. Euro Preisgeld erspielt, was für Fin-

nis mehr als eine halbe Mio. Euro Verdienst bedeu-

tet haben dürfte. Das Risiko hat sich also gelohnt.

Abu Dhabi und die French Open, in puncto

Preisgeld kann man sich kaum bessere Turniere

aussuchen.

Kann man so sagen. Der Sieg bei der Rolex

Series (Frankreich) war gigantisch, denn als die

Tour die Serie einführte, war klar, dass jeder Top-

Spieler dabei sein wollte, weil es soviel Geld und

Weltranglistenpunkte zu gewinnen gibt. Ich spielte

am Wochenende mit Martin Kaymer, und Dustin

„Verändere nie ohne Not

ein funktionierendes

System!“