ETT_Jahresbericht_2021_2022

Diese interaktive Publikation wurde mit FlippingBook erstellt, einem Service für das Online-Streaming von PDF-Dateien. Ohne Download oder Wartezeit. Öffnen und gleich lesen!

Jahresbericht engelberg–titlis tourismus ag 1. MAI 2021 - 30. APRIL 2022

VORWORT DES VERWALTUNGSRATSPRÄSIDENTEN STEPHAN OETIKER

VON SCHWARZEN SCHWÄNEN… In seinem 2007 erschienen Buch «Der schwarze Schwan» hat Nassim Nicholas Taleb auf eindrückli- che Art beschrieben, warum es uns Menschen fast immer unmöglich ist, auf grosse Veränderungen pro- aktiv zu reagieren – selbst wenn sie schon fast direkt vor unserer Haustüre stehen. Covid-19 hat uns allen eindrücklich gezeigt, was Taleb damit gemeint hat. Noch im Januar 2019 schien es uns unvorstellbar, dass schon kurze Zeit später der gesamte globale Tourismus kollabieren und ein über Jahrzehnte auf- gebautes und erfolgreiches Geschäftsmodell kom- plett ins Leere laufen würde. Eine weitere menschliche Eigenart besteht darin, dass wir ganz lange die Erwartung in uns tragen, dass nach der Krise dann wieder alles so sein wird wie vorher. Immer wieder müssen wir aber die Erfah- rung machen, dass dem nicht so ist. Und Covid-19 ist da natürlich keine Ausnahme – auch wenn sich der Tourismus in Engelberg im Winter und laufenden Sommer schon wieder sehr gut und erfreulich erholt hat. Die Auswirkungen von Covid-19 (gerade im Tou- rismus) sind noch lange nicht abgeklungen. So feh- len aktuell allein im Schweizer Tourismus tausende von früheren Arbeitskräften, die – Coronabedingt – eine neue Anstellung in einer anderen Industrie su- chen mussten, und nun wegen u.a. regelmässigeren Arbeitszeiten und zum Teil besserer Bezahlung nicht mehr zurückkommen. Wer aktuell beispielsweise eine Köchin oder einen Koch sucht, kann ein Lied- chen davon singen.

In ein paar Jahrzehnten werden wir wohl auf die heu- tige Zeit zurückblicken und dabei feststellen, dass die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts deshalb so heraus- fordernd und interessant waren, weil sich gleich meh- rere schwarze Schwäne gleichzeitig zeigten. Covid-19 war und ist kein isolierter «game changer», mit dem wir es zu tun haben. Das deutsche Wirtschaftsmaga- zin «brandeins» sprach diesen Sommer bereits vom «Zeitalter der Gleichzeitigkeits-Wenden». Damit ist gemeint, dass sich aktuell mehrere «Wenden» gleich- zeitig abspielen und es werden unter anderem die Mobilitäts-, die Energie-, die Demographie-, die Ar- beits- und die Klima-Wende beschrieben. … UND GOLDENEN MÖGLICHKEITEN Gerade für den Tourismus sind solche Situationen – so einschneidend sie auch sind – eher die Regel als die Ausnahme. Der Tourismus musste sich schon im- mer – wie kaum eine andere Industrie – stetig neu er- finden, um erfolgreich zu bleiben. Denn nahezu alle gesellschaftlichen Veränderungen hatten und haben immer auch eine Auswirkung auf das Freizeit- und Fe- rienverhalten von Menschen. Die Aussage, «in jeder Krise steckt immer auch eine Möglichkeit», gilt darum insbesondere für den Touris- mus schon seit Anbeginn. Und das ist auch jetzt nicht anders. Ich wage sogar zu behaupten, dass die aktu- ellen Entwicklungen sogar goldene Möglichkeiten für den Tourismus beinhalten – insbesondere für Engel- berg. Zum Teil spüren und sehen wir sie bereits.

Titelbild: Geschäftsreisen bilden ei- nen wichtigen Pfeiler für den Engel- berger Tourismus. Mit diesem Bild bewerben wir dieses Geschäftsfeld in spezifischen Kanälen.

2

Unsere Nähe zu mehreren urbanen Zentren der Schweiz bringt uns ganz oben auf die Liste, wenn Menschen nicht nur alternative Ferien-, sondern auch neue Arbeitsorte suchen. Dass wir diesen Menschen einen bestehenden Ganzjahresbetrieb, sehr gute öffentliche Verkehrslösungen und erstklassige Bil- dungsangebote anbieten können, sind grosse Plus- punkte. Um diese beneiden uns viele. Nun gilt es, die- se Pluspunkte auch aus touristischer Sicht zu nutzen und auszubauen. Dass wir in Engelberg die Kraft der Resilienz besit- zen, haben schon unsere Vorgängerinnen und Vor- gänger immer wieder bewiesen. Sie wurde auch im Geschäftsjahr 2021/22 deutlich. Viele Leistungs- träger haben ihre Geschäftsmodelle in Windeseile angepasst und investiert. Ganz besonders sticht im abgelaufenen Geschäftsjahr natürlich der Mut der Projektinitianten und Betreiber des neuen Kempinski Palace Engelberg hervor. Dass dieses Projekt – trotz Covid-19-Unsicherheiten – seine Tore im Juni 2021 erstmals öffnete, ist nichts weniger als beeindru- ckend und ein Geschenk für die gesamte Destination für die kommenden Jahrzehnte. Ich bin überzeugt, dass sich dieser Mut auszahlt. Denn so herausfordernd die Covid-19-Jahre waren und sind, so haben sie doch eines deutlich gezeigt: Das Bedürfnis, zu reisen und zu entdecken, ist tief in uns Menschen verankert und kann auch von einem Virus nicht gestoppt werden. Lasst uns darum, in guter Engelberger Tradition, hin- ter den schwarzen Schwänen auch dieses Mal die goldenen Möglichkeiten erkennen und gemeinsam all unsere Energie und unser Herzblut dazu einset- zen, um aus diesen Möglichkeiten eine nachhaltige Zukunft für Engelberg zu erschaffen.

Mein grosser Dank geht zum Schluss an alle unsere Partner, Mitstreiter, «guten Seelen» und mutigen In- itianten*innen sowie an fleissigen Mitarbeiter*innen an der Front und im Hintergrund, die Engelberg zu demmachen, was es heute ist und morgen sein wird. Besonders verdanken möchte ich unsere Hauptakti- onäre, die Bergbahnen, die Hotel- und Gastrobetrei- ber*innen, die lokalen Gewerbetreibenden und die Einwohnergemeinde. Wir freuen uns auf eine weiterhin gute Zusammen- arbeit.

Stephan Oetiker, Präsident des Verwaltungsrats

3

JAHRESBERICHT 2021/22 ANDRES LIETHA (DIREKTOR)

DA WAR DOCH MAL COVID-19 Corona hat fast das ganze Geschäftsjahr geprägt (sie- he Box) und sowohl uns wie auch den Betrieben alles abverlangt. Aber wie hat der Tourismus in Engelberg diese Massnahmen verkraftet? Wir konnten Erstaun- liches beobachten: Nach sehr schlechten Zahlen im Mai und Juni näherten sich die Hotellogiernächte von Juli bis Dezember schrittweise wieder dem Vor- Covid-19-Niveau. Die über ETT vermieteten Ferien- wohnungen zeigten ab Juli gar Werte, die konstant über dem 5-Jahres-Durchschnitt lagen. Es scheint so, dass ab Juli die Gäste Covid-19 nicht mehr als Grund betrachtet haben, nicht zu reisen – jedenfalls da, wo es gesetzlich möglich war. Massnahmen wur- den als notwendiges Übel hingenommen und selbst die Verschärfungen im Dezember hielten die Gäste nicht vom Skifahren und Reisen ab. Man hatte ganz einfach genug und wollte, so gut es geht, normal weiterleben. Dies zeigte sich in durchwegs guten Zahlen bis zum Ende des Geschäftsjahres sowohl in der Hotellerie, bei den Ferienwohnungen wie auch im Bahnbetrieb. Für die Betriebe bestand die gros- se Herausforderung darin, diesen Aufschwung per- sonell zu bewältigen – zumal im Herbst und Winter viele Mitarbeitenden immer wieder in Quarantäne oder Isolation waren.

Für den Betrieb und die Mitarbeitenden der En- gelberg-Titlis Tourismus AG hiess Covid-19 im Ge- schäftsjahr vor allem sehr viel Homeoffice, was sich, je länger es dauerte, als eine grosse Belastung für die Mitarbeitenden sowie für die Betriebsorganisa- tion und -kultur zeigte. Gleichzeitig galt es, die im Vorjahr ausgiebig geübte Flexibilität weiterzuführen. Die zeitweise sehr hohe Nachfrage in den Bereichen MICE, Ferienwohnungen und in der Tourist Informa- tion erfolgte jeweils sehr kurzfristig und war kaum planbar.

Events- und Werbemassnahmen waren sinnvoller- weise nur kurzfristig plan- und durchführbar und viele Buchungen wurden durch die sich ständig ver- ändernden Einreisebedingungen storniert und kurze Zeit später wieder gebucht. An dieser Stelle ein rie- siges Dankeschön an das Team für das tapfere Aus- harren im Homeoffice und die immer bereitgestellte Flexibilität!

4

Das Geschäftsjahr 2021/22 dürfte für Engelberg als Jahr der touristischen Erholung nach Covid-19 in die Ge- schichtsbücher eingehen. Wir haben schon fast vergessen, mit welchen Unsicherheiten wir in das Geschäfts- jahr gestartet sind und wie lange uns das Thema noch beschäftigt hat. Zur Erinnerung daher ein kurzer Rück- blick zu den Massnahmen und Lockerungen: • Am 14. April 2021 hatte der Bundesrat entschieden, dass wieder gewisse Veranstaltungen mit Publikum möglich sind und dass die umstrittene und kaum durchsetzbare Schliessung der Restaurantterrassen aufgehoben wird. Maskenpflicht und Abstand gelten immer noch – der Kampf zwischen Impfwilligen und Impfgegnern ist im vollen Gange, Homeoffice bleibt Pflicht. • Erst ab dem 31. Mai dürfen Restaurants ihre Innebereiche wieder öffnen und die Tischgrösse wird auf 6 Personen erhöht. Selbsttests werden kostenlos, Homeoffice wird noch empfohlen. • Ab dem 26. Juni – gerade rechtzeitig auf die Sommersaison – werden die meisten Massnahmen aufgeho- ben und auch die Einreise in die Schweiz wird aus vielen Ländern vereinfacht – was für unsere Gäste aber nicht automatisch heisst, dass die Rückreise genau so einfach ist. • Ab Montag 13. September gilt die vieldiskutierte Zertifikatspflicht im Innern von Restaurants und öffent- lichen Räumen und in Bergbahnen. • Omikron sorgt dafür, dass der Bundesrat am 6. und 20. Dezember wieder verschärfte Massnahmen ein- führt. Wir müssen lernen, was 2G, 2G+ und 3G bedeutet. • Erst am 3. Februar können wieder erste Lockerungschritte erfolgen (Verkürzung Quarantäne und Isolati- on) und am 17. Februar wird endlich die Masken- und Zertifikatspflicht in fast allen Bereichen aufgehoben – es soll jedoch bis zum 2. Mai 2022 dauern, bis die letzten Massnahmen und Einreisebeschränkungen aufgehoben werden.

INVESTITIONEN FÜR DIE ZUKUNFT Covid-19 wird hoffentlich bald eine Randnotiz der Geschichte werden, an die wir uns mit Staunen und Befremden zurückerinnern werden. Für die Touris- musgeschichte in Engelberg werden andere Ereignis- se bedeutender sein. Allen voran die Eröffnung des Hotel Kempinski Palace im Juni. Das Gebäude am Kur- park ist nicht nur optisch eine riesige Bereicherung für das Dorf. Das 5 Stern Hotel – gerade mit dem klin- genden Namen Kempinski – zieht neue Individualgäs- te und Anlässe an, welche auf die ganze Destination eine positive Ausstrahlung haben.

Ebenfalls haben die Titlis Bergbahnen beharrlich an ihrem Projekt Titlis 3020 gearbeitet und stehen nun in den Startlöchern zum Baubeginn. Diese beiden Leuchtturmprojekte haben eine unschätzbare Aus- strahlung und sorgen dafür, dass die Destination En- gelberg-Titlis als attraktiver Investitions-Standort be- trachtet wird.

5

Die Wiedereröffnung des Hotel Spannort, des Grand Hostels (ehem. Spannort Inn), der Wirtschaft Grafen- ort viele Erneuerungsarbeiten in Hotels und die An- siedlung attraktiver Geschäfte und Gastronomiebe- triebe in der Dorfstrasse sind nur einige Beispiele, die dies bezeugen. Auch von Seite ETT haben wir investiert und werden weiter investieren. Unsere Kampagnen konnten wir weiterentwickeln und thematisch breiter aufstellen und haben die europäischen Märkte, insbesondere die Schweiz und Südwestdeutschland in jenen Pha- sen, in denen es sinnvoll war, intensiv bearbeitet. Unsere Social-Media-Kanäle konnten wir ausgiebig bewirtschaften und die Reichweite ausbauen. Auch in die Überarbeitung der Website und Printprodukte wurde viel investiert, um sie inhaltlich und optisch aufzuwerten. Digitalisierungsprojekte sind und blei- ben eine sehr grosse Herausforderung – einerseits für die Aktivitäten von ETT, aber auch um als Desti- nation gemeinsam effizienter und effektiver zu wer- den. Hier haben wir Vorarbeiten durchgeführt, die grösseren Umsetzungsprojekte stehen jedoch noch an und entsprechende Rückstellungen wurden ge- bildet.

Zum Teil neidisch sind meine Kollegen und Kollegin- nen aus anderen Destinationen auf die gemeinsa- men Kampagnen und Projekte, die wir mit den Titlis Bergbahnen sehr erfolgreich durchführen konnten. Beim Sponsoring von Michelle Gisin konnten wir des Weiteren mit dem Kempinski Hotel eine Dreier- kooperation realisieren. Für mich sind solche Ko- operationen der Schlüssel zu einem wirksamen und effizienten Marketing und wir sind bestrebt, solche Modelle auch mit anderen Partnerbetrieben anzu- gehen. FOKUS AUF DAS WESENTLICHE Seit ich die Stelle als Tourismusdirektor antreten durfte, versuche ich in vielen Gesprächen die Rolle von ETT zu definieren und zu erklären. Wir haben einen gesetzlichen Auftrag zur Förderung des Touris- mus. Diese Rolle kann sehr breit interpretiert wer- den und die Ansprüche, welche an uns herangetra- gen werden, sind sehr vielfältig und teilweise auch durchaus phantasievoll. Förderung des Tourismus heisst Förderung einer nach- haltigen touristischen Wertschöpfung. Diese erzielen wir durch neue oder wiederkehrende Gäste in Engel- berg, die nach Möglichkeit übernachten, lange bei uns bleiben, immer wieder nach Engelberg kommen und unsere vielseitigen touristischen Angebote nutzen.

Investiert haben wir auch in die Zusammenarbeit mit den Partnerbetrieben. Wir besprechen die Ziele und koordinieren unsere gemeinsamen Aktivitäten in einem fixen Kernteam bestehend aus Vertretern der Hotellerie/Gastronomie, der Bergbahnen, Gewerbe und den Aktivitätenanbietern. Gemeinsame Themen wie der Genusssommer und der Food Unplugged Event sind ein Resultat dieses Prozesses.

6

ZAHLEN, ZAHLEN, ZAHLEN… Was man nicht messen kann, kann nicht verbessert werden. Von dieser Aussage bin ich ein grosser Ver- fechter. Seit ich hier in Engelberg angefangen habe, war ich auf der Suche nach besseren Zahlen, um zu analysieren, was in der Destination passiert, wo wir erfolgreich sind und wo wir noch Potentiale haben. Die Hochschule Sion bietet zusammen mit Swisscom einen Service an, der uns auf einen Schlag sehr vie- le Informationen liefert. Kernstück des Tools ist eine Auswertung der SIM-Karten, die sich in Engelberg bewegen. Die Swisscom kennt ihre Marktanteile in der Schweiz und beim Roaming im Ausland und kann eine relativ genaue Hochrechnung abgeben, wer mit welchem Herkunftsort nach Engelberg kommt. Er- gänzt werden die Daten durch AirDna – einem Tool, welches das Angebot und die Nachfrage auf Miet- wohnungsplattformen analysiert. Die nicht unerheb- lichen Kosten für diese Daten werden gemeinsam von der Einwohnergemeinde, dem Hotelierverein, den Titlis Bergbahnen und von ETT getragen. Auf den Seiten 24 bis 28 sind erste Analysen und Zahlen aus diesem Tool kombiniert mit unseren ei- genen Erhebungen dargestellt. Zum ersten Mal ha- ben wir Zahlen zu den Tagesgästen, eine Schätzung zum Gesamtferienwohnungsmarkt und eine Schät- zung zur Belegung unserer Zweitwohnungen. Leider haben wir den Vergleich zum Vorjahr noch nicht für alle Zahlen, werden dies aber in Zukunft darstellen können. Ich wünsche viel Spass bei der Lektüre und der Interpretation der Daten!

Hier möchten wir unsere Kräfte und die Tourismus- gelder einsetzen – sei es für die Unterstützung und Koordination attraktiver Angebote und Events, für die Bewerbung neuer Gäste und Firmenkunden, für eine hohe Auslastung der Zweitwohnungen, für die Be- treuung und Information der Gäste vor Ort oder für Aktivitäten, um zufriedene Stammgäste zu generieren. Welches Hotel, welche Ferienwohnung, welches Res- taurant, Bergbahn, Skischule oder Konzert sie dann buchen, oder ob sie sogar in einer Zweitwohnung wohnen, überlassen wir der freien Marktwirtschaft und stellen den Betrieben entsprechende Plattformen zur Verfügung. Die Details zu diesen Aktivitäten sind in den nachfolgenden Bereichsberichten ausgeführt. Ein wichtiger Schritt, damit wir uns auf unsere Kern- aufgaben konzentrieren können, ist die Übergabe der Veranlagung der Tourismusabgaben an die Ein- wohnergemeinde. Seit dem 1. Januar 2022 erfolgt die Rechnungstellung an die Betriebe und die Zweit- wohnungsbesitzer durch die Einwohnergemeinde. Diese Umstellung bewirkt einige Veränderungen in der Darstellung der Bilanz und Erfolgsrechnung, da wir die Tourismusabgaben neu monatlich als Akonto- zahlung von der Gemeinde erhalten und die Beiträge an die touristische Infrastruktur bereits abgezogen sind. Auf den Gesamtbetrag, den wir zur Verfügung haben, hat die Umstellung jedoch keinen Einfluss.

Andres Lietha, Direktor

7

MARKETING COMMUNICATION ANDRÉ WOLFENSBERGER (HEAD OF MARKETING COMMUNICATION)

Das Team der Marketing Communication Abteilung hat sich zwischenzeitlich gut eingespielt, so dass auch mit wie- derholten Homeoffice-Pflichtwellen ein effizienter Betrieb mit gutem Output gewährleistet werden konnte.

WERBUNG - KAMPAGNEN Erstmals wurde die Dachkampagne im Sommer ausgespielt. Hierbei setzten wir im Südwesten Deutschlands und in der Schweiz digital auf You- tube (Video Ads), Facebook/Instagram (Video und Bild-Text Ads) sowie Google (Discovery Ads). In der Schweiz wurde zudem eine Plakatkampagne umge- setzt. Die Winterkampagne wurde einerseits durch Fami- lien-Sujets ergänzt und anderseits wurde, wie be- reits im Sommer, die zweite Phase der Kampagne gestartet. Dabei «wanderte» die Headline mit dem Markenversprechen des perfekten Moments (This is it) als Zusatz zum Logo und die Werbemittel wur- den mit individuellen Headlines versehen. Da die erste Welle aufgrund von Covid-19 nicht in allen Märkten ausgespielt wurde, sind wir je nach Markt in unterschiedlichen Stadien.

Zur Kontinuität wurden die Kanäle bei der Ausspie- lung dem Sommer beibehalten. Die Plakatkampag- ne wurde als Fortführung der «Lost Bully»-Kampagne der Titlis Bergbahnen adaptiert und die Head- und Sublines der Werbemittel lokalisiert. Die Botschaft der Plakatkampagne war dabei die Nähe und die gute Erreichbarkeit der Destination. Die Titlis Berg- bahnen unterstützen die Dachkampagne sowohl im Winter wie auch im Sommer substanziell. In den ausländischen Fokusmärkten wurden diverse weitere Kampagnen und Massnahmen umgesetzt. Dies erfolgte mehrheitlich online, wobei mehrere Millionen Impressionen generiert wurden.

Vor Ort in Engelberg zirkuliert neu ein Autobus mit Sujets der Dachkampagne.

8

SOCIAL MEDIA Die Planung und Prozesse wurden verfeinert und die Zusammenarbeit mit der Brunni- und Fürenalp- bahn verbessert. Durch die neue Co-Autoren-Funk- tion können wir Partner deutlich besser unterstüt- zen. Meta hat als Massnahme zum Aufsteig von Tik Tok die Kurzclips (Reel) aufgewertet. Mit den Reels und entsprechend attraktivem Content lassen sich nun auch auf Instagram/Facebook wieder bessere organische Reichweiten erzielen. Auf Instagram und Facebook sind wir beinahe täglich aktiv und vermehrt auch LinkedIn. Gute Resultate werden auch mit dem Engagement von Google MyBusiness erzeugt.

SOCIAL MEDIA

40’446 Instagram-Abonnenten (+29% ggü. VJ)

30‘377 Facebook-Abonnenten (+3% ggü. VJ)

3‘888 LinkedIn-Abonnenten

(+22% ggü. VJ)

1.7 Mio. Aufrufe auf Youtube Kanal (-26% ggü. VJ)

10‘443 Stunden Wiedergabezeit auf Youtube (+17% ggü. VJ)

WEBSEITE Nach dem Relaunch im Winter wurden auf den Som- mer hin die letzten Seiten angepasst – visuell wie auch inhaltlich. Allgemein wurden viele «Aufräum- arbeiten» vorgenommen, aber auch neue Inhalte er- stellt wie beispielsweise ein komplett neuer Bereich für Medienschaffende, Video-Headers, neue Lan- dingpage für das Surenental (Little Patagonia) oder das neue Blogmodul. Die neu integrierte Funktion für Browser-Benachrichtigungen verzeichnet eine erfreuliche Anmeldequote. Der Chat für Webseitenbesucher kommt im gleichen Look & Feel daher wie bisher, wurde im Hintergrund jedoch mit dem Account der Titlis Bergbahnen ver- knüpft, so dass Stellvertretungen und Weiterleitun- gen möglich wurden. Diese Zusammenlegung er- folgte anlässlich von einem der drei Use Cases der touristischen Datenkooperation Zentralschweiz.

WEBSEITE

+12% Nutzer/Web-Besucher ggü. VJ

+4% Organischer Traffic ggü. VJ

+7%

Direct Traffic ggü. VJ

+4%

Anteil Schweizer Web- Besucher ggü. VJ

9

PRODUKTIONEN Zusätzlich zu den neuen Sujets der Dachkampagne wurden im einheitlichen Look weitere Keyvisuals er- schaffen wie u.a. MICE Sommer und Winter oder das Weltcup Skispringen. Die allgemeinen «This is it»-GIFS wurden mit wei- teren Sommer- und Wintermotiven ergänzt und erfreuen sich grosser Beliebtheit. Sie helfen einer verbesserten Wiedererkennbarkeit und dem Bran- dingeffekt.

Bei allen Druckerzeugnissen wurde das Thema Nachhaltigkeit integriert (natürlich auch online). Die entsprechenden Content-Elemente wurden sämtlichen Betrieben zur Verfügung gestellt – mit dem Aufruf, das Thema auf den eigenen Kanälen ebenfalls aufzunehmen. ETT selber hat im übrigen das Label Swisstainable erhalten und entsprechend wurde dieses auf den eigenen Kanälen integriert. Wöchentlich wird ein Eventkalender aufbereitet und den Hotels zur Verfügung gestellt sowie auf dem digitalen Dorfplatz veröffentlicht.

Nach dem Redesign der Webseite und Einführung einer einheitlichen Bildsprache im Vorjahr waren nun die Broschüren an der Reihe, welche komplett überarbeitet wurden. • Neuer Wanderguide • Neuer Familienguide – Sommer und Winter als Flip Flop • Redesign der Erlebniskarte

10

11

PROJEKTE UND NEUE ANGEBOTE In diesem Geschäftsjahr wurden viele neue Ange- bote und Projekte in der Destination lanciert, wel- che es zu kommunizieren galt. Unter anderem: • LandArt (Highlight: Tagesschaubeitrag am 6. Juni) • Digital Detox Ferien • Gratwanderung Stanserhorn-Engelberg • Engelberger Lichtblicke – million stars circuit • Dynamische Skitarife Titlis • Fondueschlitten • Globis und Schmugglis Kinderfest • 4-Seen Duell • Trail-Arena Eröffnung

MEDIEN Zu den neuen Angeboten und den bestehenden Kernthemen wurden Medienmitteilungen aufge- setzt, Journalisten in Engelberg begrüsst und beglei- tet sowie Fragen und Anliegen aller Art beantwortet. Total wurden über 200 touristische Medienanfragen (exkl. Anfragen zu wirtschaftlichen Aspekten) be- arbeitet und entsprechende Publikationen bewirkt. Ein kleiner Auszug davon ist auf der Folgeseite ab- gebildet. Starke Medienpräsenz lösten unter anderem folgen- de Ereignisse und Angebote aus: • Tiny House auf Brunni und die Ecocapsule im Space Camp auf Titlis • Olympische Erfolge der Engelberger Athleten, insbesondere die beiden Olympiamedaillen von Michelle Gisin. • 901 bzw. 902 Jahresfeier des Klosters Engelberg • Kempinski Palace Engelberg Eröffnung Die Eröffnung des Kempinski Palace erzeugte gene- rell viel Aufmerksamkeit und Interesse an der Desti- nation.

12

13

AUSZUG AUS DEM MEDIENSPIEGEL 2021/22

25 ÉVASION

MERCREDI 11 AOÛT 2021

Avec son «kit de survie», le village d’Engelberg offre l’opportunité d’une détox numérique aux touristes Aux anges, sans smartphone

dem Alpkäse-Trail rund um Engelberg gibt es zahl- reiche Kostproben. Die 43 Kilometer lange Wan- derroute lässt sich gut in Etappen aufteilen. Abends fährt man mit der Seilbahn ins Tal zurück. Oder schläft in einer der schlichten Alphütten in luftiger Höhe. Die Chance auf traumhafte Sonnenunter- und -aufgänge ist inklusive, eiskaltes Bergwasser für die Katzenwäsche ebenso. Als wir vor der familiengeführten „Alp Hobiel“ auf eine Holzbank sinken, stehen drinnen in der Küche schon „Älplermagronen“ im Ofen: Ein Nudel-Kar- toffel-Auflauf mit Zwiebeln und Käse von den eige- nen Kühen. Es duftet himmlisch und schneller, als sich die Sonne verabschiedet – diesmal mystisch in Nebelschwaden –, ist alles verputzt! Die Müdigkeit folgt augenblicklich und auch Sepp, der Familienäl- teste, findet, dass es Zeit zum Schlafen ist. Er nimmt einen Holztrichter vom Haken, stellt sich auf die An- höhe vor der Hütte und ruft mit kräftiger Stimme den „Alpsegen“ ins Sprachrohr. „Die Bauern auf der anderen Seite vom Berg wissen dann auch, dass das Tagwerk vollbracht und alles gut ist“, sagt er. Mit diesem Gefühl und erschöpften Beinen schläft es sich wunderbar! Bis der nächste Morgen mit Glo- ckengebimmel beginnt. Die Kühe gehen auf die Wei- de. Und nach Käsebrot und Tee ist es an der Zeit, weiterzuziehen. Erst mal der Sonne nach. Und dann? Mal sehen, was der neue Tag bringt. Tina Schramm

tion: «J’imagine qu’il va y avoir une phase de soulagement et d’adaptation, puis une phase de rage, puis une phase de grand bonheur-repos.» Si vous rem- placez «rage» par «désespoir relatif», vous y êtes à peu de chose près. Niveau soulage- ment, il a été effectivement très agréable de se séparer de ce bourreau du travail qu’est mon smartphone. Fini les mails et groupes professionnels qui vous sonnent les cloches à tout mo- ment. Niveau adaptation, le côté «stationmétéo portable» de l’appareil a été passablement regretté, surtout en montagne en ces temps de fréquentes in- tempéries. Je me retrouvais plus souvent qu’à mon tour dans le lobby de l’hôtel, scrutant l’écran indiquant de succinctes et peu évolutives prévisions météoro- logiques. Pour le «désespoir re- latif», j’ai déjà tout dit en début d’article. Ce que nous avions raté Ce qui a été le plus marquant et surprenant dans cette expé- rience, c’est la rapidité à la- quelle nos enfants ont grandi durant ce séjour. Je ne prétends pas que le temps a soudain ac- céléré. S’il est arrivé quelque chose aux horloges, ce serait plutôt un ralentissement, avec des heures qui comptent enfin réellement soixante minutes. Mais ne plus avoir internet, cela vous contraint à regarder ce que vous avez devant les yeux plutôt que de consulter les résultats des dernières tracta- tions au Sénat américain. Et avoir un nombre limité de cli- chés à disposition, cela vous oblige à interagir avec votre environnement plutôt que de le figer pour un albumque jamais vous ne ferez imprimer. Et sou- dain, en quelques jours, vous découvrez les progrès que vos enfants ont faits durant des mois et que vous avez été inca- pables de voir. C’est à pleurer. Mais ça vous remplit de joie. Et ça les remplit de joie. Et le soir, étendu à côté de votre conjoint, comme tout parent exténué, vous n’avez plus le courage de rien. Norma- lement, vous auriez allumé l’ordinateur et auriez été happé par une série à la noirceur sans espoir. Mais cette fois, le cré- puscule vous révèle de calmes cimes grignotées par de pas- sants et lumineux nuages, den- telles de roches en perpétuelle création. Et ça vous remplit de bonheur. L F Cet article a été rédigé à l’invitation d’Engelberg-Titlis Tourismus. Du 27 septembre au 15 octobre, Engelberg offre un programme gratuit pour les familles. Chaque jour, entre deux et trois activités pour enfants sont prévues. Visite d’une ferme, luge d’été, kayak, la plupart sont des valeurs sûres. Mais d’autres offres sont plus éton- nantes, comme le rappel dans les crevasses du glacier ou la pêche à la ligne. AML F www.engelberg.ch/en/summer/ families Entdecken ! DES ACTIVITÉS GRATUITES

K AUDE-MAY LEPASTEUR

Expérience L Bon. Avouons. J’ai regretté. Lorsque mes trois petits enfants ont eu une érup- tion cutanée ressemblant de manière inquiétante à une rou- geole, j’ai même maudit la vie, Engelberg et moi-même. Il faut dire que je n’étais pas à la mai- son, mais en station. Donc, pas de carnet de vaccination pour vérifier que c’était bel et bien fait à leur âge. Il faut aussi dire que je n’avais plus de smartphone, mais seulement un téléphone d’urgence. Donc pas de numéro de leur pédiatre pour poser la question. Il faut dire que l’heure suivante nous devions prendre une télécabine qui nous mène- rait dans un hôtel en pleine montagne. Donc pas de visite nocturne aux urgences en cas d’aggravation. C’est à pleurer. Mais ça vous remplit de joie. Et ça les remplit de joie Et puis, et puis, j’ai réfléchi. Saviez-vous qu’il existe d’autres êtres humains sur cette pla- nète? De vrais anges qui sont prêts à vous donner un coup de main? Du style… des pharma- ciens? Il s’avère que mes petits avaient trop transpiré lors de la randonnée du jour précédent, irritant leur peau délicate. Fin du drame. Fin de l’histoire. Manque la météo Nous passions quelques jours dans le village d’Engelberg, afin de tester la nouvelle of fre de déconnexion. Tous les touristes résidant dans la station obwal- dienne peuvent gratuitement et pour une durée indéterminée déposer smartphones, ordina- teurs, consoles à l’Office du tou- risme en échange d’un «kit de survie». Dedans: un jeu de Uno, un appareil photo Polaroid, un réveil, une liste de numéros d’urgence et un téléphone, de ceux qui n’ont pas internet mais des touches qui s’enfoncent quand on pèse dessus. Pendant que les voyageurs profitent de leur liberté retrouvée en ran- donnant ou bouquinant, leurs appareils se reposent tranquil- lement au fond d’un coffre, dans une enveloppe scellée. Avant de partir, j’avais écrit à la responsable de communica-

CARNET PRATIQUE L Y ALLER 2h20 en train depuis Fribourg, avec change- ment à Lucerne puis train panoramique. Dans la station, le bus est gratuit. L OÙ DORMIR? Hôtel Terrasse Dans sa nouvelle aile, l’hôtel offre deux chambres connectées par un petit couloir privatif. Idéal pour les familles avec petits enfants, qui seront séduits par la salle de jeux et l’ascenseur souterrain qui mène à l’édifice. Berghotel Trübsee Dans un cadre magique (voir ci-dessous), l’hôtel offre de jolis apparte- ments en demi-pension.

Das Beste aus der Milch Wer sich auf die Spuren des „Chääs“ begibt, kommt an Sälmi Töngi nicht vorbei bzw. sollte un­ bedingt bei ihm auf der Gerschni­ alp reinschauen. Sein Sbrinz, ein ParmesanVerwandter, ist legendär

Bank in Sicht! Von diesem Logenplatz (linke Seite, oben) hat man das Naturtheater perfekt im Blick – und sammelt neue Kräfte. Pausen gehören genauso zum Wandern wie der gleichmäßige Rhythmus des Laufens Kloster Engelberg im Tal ist ein Ort des Innehal­ tens: Nach einem erfüllten Tag in den Bergen lädt der Garten zum Entspan­ nen ein. Bei einem geführ­ ten Rundgang können Besucher die repräsentati­ ven Räume besichtigen In der Ruhe liegt die Kraft

Fotos: Tina Schramm

En haut, œuvre de Claudia Vogel et Matthias Maeder, qu’il est possible de découvrir sur le sentier land art d’Engelberg. En bas, la place de jeux principale du Trübsee. Claudia Vogel et Matthias Maeder/DR

A Engelberg, les enfants au sommet La station mise sur les familles pour ses saisons d’été. Elle a investi en conséquence. sur des radeaux mis gratuitement à la disposition des plaisanciers. Attention, l’eau est fraîche et il faut unmoment pour prendre le coup. N’oubliez pas les man- chons. Des tours, toboggans et grils (bois sur place) complètent l’installation.

SITUATION

Lac des Quatre- Cantons

Enfin, le Trübsee au pied du Titlis (pos- sibilité d’atteindre le fameux sommet avec une télécabine panoramique rotative; sur place, grotte dans le glacier et pont sus- pendu vous attendent) vous offre un mer- veilleux lieu de randonnée. Le pourtour du lac est en effet parsemé de places de jeux extraordinairement bien pensées sur le thème des chercheurs d’or. Ou comment faire l’expérience de lois de la physique en s’amusant, en grimpant, en glissant. Ici aussi, place de grillades et chasse au trésor avec un questionnaire à remplir. Des barques gratuites peuvent être emprun- tées pour se promener sur le lac. L AML

Lesen Sie bitte weiter auf Seite 64

63

NW

Vous vous souvenez comment vos parents devaient vous traîner sur les chemins de montagne, agitant pour seule carotte un morceau de Toblerone au sommet? C’est bel et bien fini, tout ça. A Engelberg, les enfants s’amusent en marchant. N’est-ce pas merveilleux? Trois lieux retiennent tout particuliè- rement l’attention. Premièrement, la place de jeuxRobinsonà laGrotzenwäldli. Sur une petite retenue d’eau, vous voguez

OW

UR

Deuxièmement, la station Brunni, ses places de grillades et son charmant Härz- lisee, avec un parcours pieds nus qui en fait le tour. N’oubliez pas les shorts ou les maillots si vous ne voulez pas être trem- pés. Pour les plus âgés, via ferrata juste au-dessus. Pour les plus jeunes, randon- née chasse au trésor pour redescendre à la station intermédiaire Ristis.

Härzlisee

Engelberg

Baden, Ruderboot fahren, den Kühen beim Wiese- Mähen zuschauen – am Trübsee zwischen Engelberg und dem Titlis vergessen wir liebend gern die Zeit…

Trübsee

Titlis

BE

LIB/FC

Göttlich in enGelberG das neue Kempinksi Palace

ei der Trickfilm-Serie „Tom und Jerry“ gibt es eine Szene, in der Mäuserich Jerry von würzigem Käse wie hypnotisiert ist: Der Duft trägt ihn – geistig umnebelt – den riesigen Käseberg hinauf, der um ein Viel- faches größer ist als er selbst. Oben an- gekommen, schlemmt er ein Loch in den Laib, in welches er sich pappsatt und zu- frieden fallen lässt. So ähnlich geht es mir im Käseparadies Engelberg in der Zentral- schweiz. Wo ich mir den Alpkäse-Trail „erknabbere“! „Alpkäse“ – so wird jener Käse genannt, der allein aus der Milch von Kühen, Schafen oder Ziegen gemacht wird, die auf einer Alp weiden. Bis ich in diesen Genuss komme, müssen erst einmal die Der Alpkäse-Trail ist etwa 45 Kilometer lang und bildet einen Rundweg, der uns einmal um Engelberg herumführt – und zu acht Käsereien, die in traditioneller Hand- arbeit ihre Feinschmecker-Laiber herstel- len. Man kann den Wanderweg entweder ganz gehen und in Berghütten übernachten – oder sich eine Teiletappe herauspicken und anschließend in den Ort zurückkehren. Ob so oder so: Der krönende Genuss einer jeden Wanderung ist in jedem Falle der Besuch einer Käserei, wo es allerhand zu naschen und zu lernen gibt. Die Alpler lassen uns sogar bei Gelegenheit über ihre Schulter schauen – vor dem Urlaub also unbedingt schon mal bei der einen oder anderen Käserei anfragen… Der Wanderweg schlängelt sich an saftigen grünenWiesen entlang, an Löwenzahn-Tep- pichen und Klee-Familien. Von Zeit zu Zeit begleitet mich das Glockengebimmel von friedlich grasenden Kühen – wahrschein- lich die urigste Klangmeditation überhaupt. Aber Achtung: Kühe können manchmal ganz schön losstürmen! Einmal werde ich Zeugin, wie eine rund 500 kg schwere Kuh Beine ordentlich arbeiten… Immer dem Käse nach!

Die Aussicht beimWandern – ein Hochgenuss

ielen die Grandhotels, bünden zogen davon. ser Ski-Connoisseur deren Top-Skigebieten . a mh! el

S amih Sawiris hat es in Andermatt mit seinem The Chedi vorgemacht. Das Luxushotel des Ägypters wurde zur Keimzelle für die touristische Auferstehung eines ganzen Ortes. Natürlich ist Sawiris Megaprojekt nicht mit dem neuen Kempinski Palace zu vergleichen – und Engelberg nicht mit Andermatt. Dort kann der milliardenschwere Sawiris praktisch durchregieren, weil ihm neben dem Resort auch das Skigebiet gehört. In Engelberg dauert es – wie in vielen Alpenorten – hingegen ewig, bis alle Anliegen und Einwände unter einen Hut gebracht sind. Dafür ist die Ausgangslage am Fuße des mehr als 3.000 Meter hohen Titlis aber ungleich besser als in Andermatt, das nach dem Rückzug der Armee zu verfallen drohte. Engelberg mag hier und da zwar in die Jahre gekommen sein, das Potenzial ist aber noch da! Das neue Kempinski Palace Engelberg soll nun der „Gamechanger“ für den Ort werden. Dank des im Sommer eröffneten Luxushotels könnte Engelberg jedenfalls bald schon wieder auf der Liste anspruchsvoller Reisender auftauchen. Das Palace ist die einzige Fünf-Sterne-Herberge im Tal. Mitten im Zentrum von Engelberg gelegen, bringt sie verlorengegangene Pracht zurück in einen Ort, der vor rund 100 Jahren noch zu den nobelsten der Alpen gehörte. Das Kempinski knüpft an alten Glanz an, gibt sich dabei aber unprätentiös modern. Sinnbildlich dafür steht die perfekte Fusion des alten Belle-Époque- Trakts mit dem modernen Anbau. Die Architektur ist stimmig, das Spa im Dachgeschoss imposant, der Service herzlich und die von der Berlinerin Michéle Müller geführte Küche mit vielen lokalen Produkten hervorragend. Die wunderschöne Bar im historischen Teil wird sicher zum Hotspot für gepflegtes Après-Ski werden, denn die großen Fenster zur Fußgängerzone ziehen auch auswärtige Gäste magisch an. Die Küken folgen auf der Nahrungs- suche ihren Eltern überallhin.

„Hoffentlich gibt das Kempinski eine Art Initial- zündung für die Entwicklung im Dorf“, sagen Peter Reinle und Marc Gisin unisono. Reinle war viele Jahre in der Geschäftsleitung der Titlis-Bergbahnen, der ehemalige Ski-Weltcupfahrer Gisin bringt sich seit seinem Rücktritt vom Profisport in die Stadt- entwicklung ein. „Ich war schon in vielen Skigebieten der Welt, aber das Panorama hier ist einzigartig“, schwärmt Gisin über seine Heimat. Vom Brunni- Gipfel schweift der Blick über den Ort mit dem neuen Kempinski und dem 1120 gegründeten Kloster zum 3.239 Meter hohen Titlis. Von der Bergstation der Rotair-Bahn führen die Pisten vom Gletscher bis hinunter ins Tal. Links davon ragen die ebenfalls 3.000 Meter hohen Spannort-Gipfel so bizarr in den Himmel, dass die Engelberger den Talschluss „Little Patagonia“ getauft haben. Auf der Titlis-Seite liegen fünf weltbekannte Freeride-Abfahrten. „Die Big Five haben bis zu 40 Grad Gefälle und über 2.000 Höhenmeter“, erklärt Kilian „Kili“ Weibel. Viele halten den Technischen Leiter der Schweizer Skischule für den besten Skilehrer der Schweiz, seine Instagram-Videos genießen Kultstatus. Weibel liebt Tiefschneeabfahrten, aber er weiß auch die anspruchsvollen Pisten am Titlis zu schätzen. „Dort wurde viel investiert“, pflichtet er Ex-Rennläufer Gisin bei. Was Engelberg jetzt noch fehlt, sind ein paar breite, leichte Pisten. Weil diese, auch wegen der strengen Umweltauflagen auf den steilen Hängen unter dem Titlis nicht realisierbar sind, träumen die Engelberger von einem Zusammenschluss mit Melchsee-Frutt (36 Pistenkilometer) und Meiringen-Hasliberg (60 Kilometer), was das Gebiet von 82 auf fast 180 Pistenkilometer vergrößern und mehr Genießer- abfahrten erschließen würde. Eine Verbindung mit den Nachbarn wäre für das Engelberger Skigebiet der erhoffte „Gamechanger“, der das Kempinski Palace für den Ort schon ist. www.kempinski.com, www.engelberg.ch

drauflosgaloppiert – dass das trotz ihres Gewichts überhaupt möglich ist! Und an die „Vorfahrtsregeln“ hält sie sich auf den Wegen natürlich auch nicht unbedingt… Wissenshungrig Schon bei meinem ersten Genuss-Stopp – der Alpkäserei Untertrübsee am Fuße des majestätischen Titlis ( www.alpkaeserei-unter truebsee.ch ) – gerate ich in den Käse-Bann. Von Ende Mai bis Oktober stellen Andrea und Thomas Scheuber dort zusam-

Auf der Stäfeli- Alp gibt’s Geiss- käse von selbst gemolkenen Ziegen

Nicht nur lecker zum Apéro: Sbrinz gibt Pasta und Gemüse- füllungen Würze

ATUR / REISE

88 ENGELBERG Die Schweden haben das Klosterdorf in den letzten zwei Jahrzehnten gehörig verändert: «Fantastisk!», finden auch die Einheimischen. Text: SonjaHüsler WIKINGER EROBERN

men mit ihren Mitarbeitern Käsespezialitäten her – die Milch dazu wird jeden Tag frisch verarbeitet. Zum Probieren bekomme ich ein Tellerchen mit ihren

Der Stäuber- Wasserfall – eine Kraftquelle!

89

FREIZEIT/KULTUR

«Skandinaviens versteckte Paradiese» MO, 7. 2., 18.30 Uhr, Arte «Skifahren» Von der Spur zur Piste FR, 11. 2., 20.15 Uhr, ARD alpha

THE BIG FIVE

Die Freeride- Community wächst unauf- hörlich. Nicht nur junge, sondern auch ältere Sportler sind vomTief- schneefahren fasziniert. In Engelberg sind die «Big Five» (fünf Hänge, die relativ einfach erreichbar sind) das Highlight (engelberg.ch). In der Winter- saison kostet ein Doppel- zimmer mit Frühstück in der «Ski Lodge» ab Fr. 180.– (skilodgeengel- berg.com).

127

kertmit demKopf, während er sich dembraunenWeibchennähert.Das wiederum vollführt eine Demuts- bewegung, beugt denKopf, lässt die Flügel hängen und zeigt demHahn so an, dass er anerkannt wird. Der Hahn paart sich auch mit den Nebenhennen. Danach baut er mehrere Nester. Das Alpha-Weib- chen sucht sich das beste aus, legt acht bis zwölf Eier abund fängtmit demBrüten an. Nähert sich eine Nebenhenne, steht sie auf und tritt zur Seite, so- dassdieBesucherin ihreEierneben deneigenenablegenkann. LautStu- dien ist das nistendeWeibchen die biologische Mutter von bloss un- gefähr der Hälfte der rund 20 Eier im Nest; den Rest tragen unter- geordneteWeibchen bei. Nach der Eiablage werden die Nebenhennen vertrieben, Hahn undHaupthennekümmernsichzu- sammen umdie eigene und fremde Brut. Tagsüberbrütet sie, nachts er. Dabei legt dasWeibchen eigene Eier stets in die Mitte des Nestes, dieanderenwerdenamRandarran-

geVogelmussalsodafür sorgen, s seinNest nicht entdeckt wird. Oder er muss es verteidigen. d das über zwei Monate lang – derEiablagebis zumSchlüpfen Jungen. Scheitern ist da quasi programmiert. Das veranlasst ausse zu einemgenialen kollek- nNistverhalten (siehe später). Strausse sind gern in Gesell- aft, allerdings ist das eher ein beneinander: Die Rangordnung d durch Drohlaute und Droh- ärdenausgehandelt,manchmal h in einemKampf. Besonders brutal wird es zur rungszeit. Denn der stärkste hn bekommt die bestenHennen seinen Harem. Der schwächste hn bekommt die schlechtesten nnen oder er geht leer aus. Drei bis fünf Hennen sind die albesetzung für den Straussen- rem. Dabeiwirdeine zurHaupt- ne, die jüngeren und weniger ahrenen zuNebenhennen. ZumBeeindruckenschwingtder warze Hahn die Flügel auf und bläst den Hals auf und schlen-

Trumpftmit skandinavisch- minimalistischemDesign auf: die «Ski Lodge» in Engelberg.

Straussen-Küken verlassen imAlter von drei Tagen das Nest.

T ourismusdirektor Andres Lietha sagt: «Die Schweden tun unserem Dorf gut, sie haben den Hipster-Groove nach Engelberg gebracht.» Bis 1997machtendieEinheimi- schenalles so,wie sie’s immer taten. Sprich: Rustikales,Kuhglockenund viel Holz. Das war nicht schlecht, doch allzu oft war das Interieur in die Jahre gekommen. Dann entdeckte der schwedi- sche Freerider Johan Andersson das Obwaldner Klosterdorf. Wenig später reisten ihm schwedische Filmer und Fotografen hinterher und machten Engelberg mit spek- takulären«Off-Pisten»-Aufnahmen in ganz Skandinavien bekannt.

giert. Fremd-Eier imNest reduzie- renalsodasRisiko, dassdieeigenen gefressen werden. Wie es den Un- terschiederkennt,weissmannicht. Zurück zumSchakal: Als er sich trotz Tarnen und Ablenken wieder demNest nähert, wählt dasStraus- senweibchen eine neue Methode: dieOpfergabe. Es rennt zurückund schiebt mit dem Schnabel ein Ei vomäusseren Rand (also ein frem- des!) aus demNest. Das klappt. Der Räuber verfolgt das rollende Ei und lässt das Nest links liegen. T

in der Nähe des Bahnhofs über- nommen, das heute ganz simpel «Ski Lodge» heisst. Vor ihnen war in Engelberg niemand auf die Idee gekommen (oder hatte niemand den Mut?), eine nur annähernd so coole Her- berge in modernem und minima- listischem Design zu konzipieren. Seither ist die «Ski Lodge» einer der Places-to-be in Engelberg. Längst trifft man dort nicht mehr nur Freerider an, sondern auchOttoNormalverbrauchermit- samt der Familie. Gerade fürKinder gibt esnichts Schöneres, als im Umfeld wilder Wikinger und Tourengänger zu chillen. Absolut fantastisk! T

Bald eroberte die neue Gästeschar nicht nur die Pulverschneehänge abseits der gesicherten Pisten am Titlis, einige «Ski-Bums» nisteten sich auch in Engelberg ein. «Ski-Bums» nennt man Vaga- bunden, die von Skiresort zu Ski- resort ziehen, stets auf der Suche nachdenbestenTiefschneehängen. Zurzeit lebencirca90Schweden ganzjährig inEngelberg.VorCorona zählte der Ort proWinter gut 9000 Hotellogiernächte und nochmals so viele in Ferienwohnungen, die vor allem von Schweden und Nor- wegern gebucht wurden. Eine be- merkenswert hohe Anzahl. Zwei dieser ehemaligen «Ski- Bums»habendanndasHotelAlpina

Kempinski Palace Engelberg, hoch oben im Herzen der Schweizer Alpen. © Kempinski Palace Engelberg

Kempinski Palace Engelberg Titlis – Juwel in der Zentralschweiz

A ls ich, von Luzern kommend, in Engelberg aus dem Zug steige, fällt mein Blick gleich vom Bahnsteig auf den Hahnen, den Hausberg des Ortes. Mit etwas Phantasie wirkt der schräge, spitze Gipfel, als öffne ein Hahn seinen Schnabel weit für ein Begrüßungs-Kikeriki der neuen Gäste. Nur wenige Schritte sind es zum Kem- pinski Palace Engelberg Titlis, das sich dem Ankommenden mit seiner klassizistischen Balkonfassade stolz und in majestätischer Würde präsentiert. Während ich vom Con- cierge mit einem Drink in der eleganten Palace Bar willkommen geheißen werde und mein Gepäck bereits auf dem Weg zu meinem Zimmer ist, prasselt ein heftiger Regenschauer hernieder. Das war bestens arrangiert. Denn als ich die Flügeltür zum Balkon meines Zimmers öffne, glänzt ein

des Wortes. Denn zwei geschichtsträchtige Luxusbauten am ehemaligen Kurpark aus der Blütezeit des Kur-Tourismus wurden

doppelter Regenbogen über und unter dem Hahnen. Was für ein Empfang! Doch da- mit nicht genug. Als ich mich endlich in meinem großen, eleganten Zimmer um- schaue, entdecke ich auf einem Tablett aus Schiefer eine vom Patissier aus Süßigkeiten gezauberte Dorfidylle, dahinter der steile Berg Titlis aus Schokolade und Zuckerguss- Schnee. Da fühlt man sich wirklich von Herzen willkommen geheißen und unend- lich wohl. Anders kann man sich weder in diesem mit neuestem Chic und Charme wiederauferstandenen Grand Hotel noch in dem kleinen, ruhigen Ort inmitten einer großartigen Bergregion fühlen. Diese war- tet mit gleich zwei, nein neuerdings eben drei Höhepunkten auf: 3.238 m ü. M. der Gipfel des Titlis, 2.606 m ü. M. der des Hahnen. Dazwischen entfaltet wie ein stol- zer Phönix das Kempinski Grand Hotel seine Flügel. Letzteres im wahrsten Sinne

ERLEBNIS ERDE DOKU (1/4) Planet der Liebe – Unter aller Augen Montag, 7. Februar, 20.15 Uhr, ARD

Bilder: Imago Images (2), Kristoffer Johnsson, Ski Lodge Engelberg (2)

TELE

TELE 21

Kempinsk Palace Engelberg Titlis Grand Double Room. © Kempinski Palace Engelberg

594

ZMK | Jg. 37 | Ausgabe 9 | September 2021 | 594 – 597

14

Eine Leseraktion von

und

SCHWEIZER GOLD

Ein würziger Käse macht eine Bergwanderung erst richtig zum Genuss.Drei outdoor -Leser durften in Engelberg Sennern über die Schulter schauen.

TEXT: ALEX KRAPP | FOTOS: STEFAN KÜRZI

Eine Safari mit Seilbahn, eine Hüttennacht ohne Hüttenwirte und Einsamkeit mitten in der Hochsaison: Das alles nden wir auf einer Wanderrunde hoch über Engelberg. Hoch oben tief schlafen Wandern in der Zentralschweiz

1|

46 outdoor-magazin

Text: Sissi Pärsch Fotos: Sebastian Doerk

NATUR / REISE

Der Einsatz des Verschütteten­ suchgerätes (Bild unten) im Tiefschnee will geübt sein.

Abseits der Piste kann es zu Schreckmomenten kommen. Auch für TELE an den «Snow& Safety Days» in Engelberg. Text: SonjaHüsler ÜBERMUT tut selten gut

Schöne Aussichten Die wuchtigen Felsen hat man im Rücken, das auslaufende Engelbergertal vor sich. Der Blick reicht bis nach Luzern.

20 BERGWELTEN

BERGWELTEN 21

A lles okay?», Bergführer Fredi Krummenacher (45) steht neben mir. Ausser einem mulmi- gen Gefühl imMagen und dass ich das rechte Beinnichtmehr aus den Tiefschneemassen bringe, ist alles in Ordnung. «Gottlob!», sagt er. «Komm, ich helfe dir wieder raus.» Es geschah in den ersten zwei Stundender «Snow&SafetyDays» (siehe Box S. 20) in Engelberg OW, einemder bestenFreeride-Gebiete der Alpen; für manche ist es sogar das beste weltweit. Nach der Einführung in die La- winengefahren-Skalaundwieman eine Tour im Tiefschnee korrekt plant, fährt unsere Gruppe etwa fünfMeter ausserhalbdermarkier- ten Piste, die von der Bergstation «Stand» hinunter nach Trübsee führt, zurMessstationdes Instituts fürSchnee-undLawinenforschung

Davos. Dort will uns Fredi von «Engelberg Mountain Guide» erklären, wieunterschiedlich sichNeuschnee, Triebschnee, Nassschnee und Altschnee verhalten. Die Sicht ist schlecht, alles ist weiss, man erkennt kaumnochKontraste. Eine solcheSituationnenntman «whiteout». Und genau die wird mir zumVerhängnis: IchseheeineSchneeverfrachtungnicht, fahreüber ihre Kanteund fallevierMeter senkrecht indieTiefe.Noch einmal ist alles gut gegangen,meineKnochensindheil geblieben, aber es zeigt auf, wie schnell etwas passie- ren kann, wenn sich die Bedingungen ändern wegen Nebel, Wind oder Schneefall. Kennt man sich im Ge- ländenicht ausoderhatmansichschlecht vorbereitet, kannman in grosse Schwierigkeiten geraten. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu verunfallen in der Schweiz pro Jahr durchschnittlich 1000 Menschen beim Skitourenfahren – rund 20 da- vonverlaufentödlich.DiesesJahrvielleicht sogarmehr: Wegen Corona sind deutlich mehr Menschen ausser- halbder gesichertenPistenunterwegs.Nicht etwanur junge, sondernauchauffallendvieleältereSportler. Ein Grund ist sicher die um die 3000 Franken teure Freeride- oder Skitouren-Ausrüstung, die sich nicht jeder leisten kann. d

Bilder: Engelberg-TitlisTourismus AG, Sonja Hüsler (2)

18 TELE

MET SCIB NAAR LUZERN EN ENGELBERG-TITLIS

EEN 55 UUR ZWITSER- LEVEN-GEVOEL Lisette van Dolderen viert dit jaar haar vierde lustrum bij het Switserland Convention & Incentive Bureau (SCIB). En nog steeds krijgt ze enorme voldoening van het organiseren van workshops en studiereizen die telkens een ander aspect van het Alpenland uitdragen. Eind augustus mocht ze na een jaar wachten eindelijk weer een groep meeting- en eventplanners meenemen naar Luzern en Engelberg-Titlis.

Schweiz_winter-newS

Göttlich in enGelberG das neue Kempinksi Palace

Vor rund 100 Jahren war Engelberg ein Nobelort. Dann verfielen die Grandhotels, und die Rivalen imBerner Oberland, imWallis und in Graubünden zogen davon. Jetzt setzen die Zentralschweizer zum Comeback an. Unser Ski-Connoisseur Bernhard Krieger war vor Ort – und hat sich auch in den anderen Top-Skigebieten der Eidgenossen für uns umgeschaut. Dem Himmel ganz nah!

Tekst Monica Rijpma

ten Stunden wird uns keine Menschenseele mehr begegnen – ein Privileg mitten im Herzen der Schweiz. Wege im Abseits Durch den Arviwald geht es nun bergauf zum Arvigrat auf 2’000 m ü. M. Ein Lüftchen weht. Grüne Fenster umrahmen grandiose Aussichten. Wir gehen schweigend, jeder in seinem Rhythmus und den eigenen Gedanken überlassen, mal der eine, mal der andere voraus. Flauschige Wölkchen spiegeln sich im blauen Sarnersee, Bergspitzen strahlen; die würzige Bergluft ist ein Ge- schenk für die Lungen und die Heidelbeeren am Wegrand sind ein Grund, den Blick für die Nebensächlichkeiten zu schärfen. Kein Wunder, erlebt doch das Wandern besonders in Zeiten wie diesen eine Renaissance. Haben wir für vieles keine Antwort, so wissen wir, wie man von A nach B geht, egal welches Auf und Ab dazwischen liegt. Wandern erfüllt eine geistige Aufgabe mit Muskelmasse; es schenkt Abstand und neue Perspektiven. Wer auf 25 km oder gar 156 km an seine körperlichen Grenzen ge- stossen ist, mag tatsächlich meinen, dem Himmel etwas näher gekommen zu sein. Besonders in Momenten wie jetzt. Auf dem nun folgenden Grat werden alle bisherigen Anstren- gungen belohnt. Die Aussicht ist schlicht überwältigend. Links schlummert das Engelbergertal am Fusse der Nidwalder Berg- welt; rechts erstreckt sich die idyllische Obwaldner Landschaft. Ein kurzer Halt zur Stärkung, denn nun braucht es Präzision. Auf beiden Seiten fällt das grasbewachsene Land fast senkrecht ab, mahnt zur Achtsamkeit. Mit der Konzentration leert sich der Kopf. Die Beine stehen einzig im Hier und Jetzt; der Blick ist auf das Wesentliche gerichtet. Voran balanciert die Gratwanderung in luftiger Höhe munter weiter – zuerst über den Gräfimattgrat zum Gräfimattstand und dann dem Schingrat entlang hinunter zum Zwischenziel auf 1’938 m ü. M: der Alp Laucheren. Unter- wegs begegnet uns eine Herde munterer Geissen, die aufge- regt das Salz von unseren Beinen lecken. Eindrucksvoll und fast schon beneidenswert ihre Standfestigkeit! Gastfreundschaft mit Herz Wenige Gehminuten später ist die Alp Laucheren eine familiäre Angelegenheit. Herzlich ist die Begrüssung, liebevoll die Bewir- tung und ein wahres Geschenk des Himmels der grosse Topf Älplermaggronen mit Apfelschnitzen nach Schwiegermutters Art. 28 Jahre schon pflegen Melk und Agnes jeweils von Anfang Juni bis Ende September inmitten dieses natürlichen Amphitheaters

S amih Sawiris hat es in Andermatt mit seinem The Chedi vorgemacht. Das Luxushotel des Ägypters wurde zur Keimzelle für die touristische Auferstehung eines ganzen Ortes. Natürlich ist Sawiris Megaprojekt nicht mit dem neuen Kempinski Palace zu vergleichen – und Engelberg nicht mit Andermatt. Dort kann der milliardenschwere Sawiris praktisch durchregieren, weil ihm neben dem Resort auch das Skigebiet gehört. In Engelberg dauert es – wie in vielen Alpenorten – hingegen ewig, bis alle Anliegen und Einwände unter einen Hut gebracht sind. Dafür ist die Ausgangslage am Fuße des mehr als 3.000 Meter hohen Titlis aber ungleich besser als in Andermatt, das nach dem Rückzug der Armee zu verfallen drohte. Engelberg mag hier und da zwar in die Jahre gekommen sein, das Potenzial ist aber noch da! Das neue Kempinski Palace Engelberg soll nun der „Gamechanger“ für den Ort werden. Dank des im Sommer eröffneten Luxushotels könnte Engelberg jedenfalls bald schon wieder auf der Liste anspruchsvoller Reisender auftauchen. Das Palace ist die einzige Fünf-Sterne-Herberge im Tal. Mitten im Zentrum von Engelberg gelegen, bringt sie verlorengegangene Pracht zurück in einen Ort, der vor rund 100 Jahren noch zu den nobelsten der Alpen gehörte. Das Kempinski knüpft an alten Glanz an, gibt sich dabei aber unprätentiös modern. Sinnbildlich dafür steht die perfekte Fusion des alten Belle-Époque- Trakts mit dem modernen Anbau. Die Architektur ist stimmig, das Spa im Dachgeschoss imposant, der Service herzlich und die von der Berlinerin Michéle Müller geführte Küche mit vielen lokalen Produkten hervorragend. Die wunderschöne Bar im historischen Teil wird sicher zum Hotspot für gepflegtes Après-Ski werden, denn die großen Fenster zur Fußgängerzone ziehen auch auswärtige Gäste magisch an.

„Hoffentlich gibt das Kempinski eine Art Initial- zündung für die Entwicklung im Dorf“, sagen Peter Reinle und Marc Gisin unisono. Reinle war viele Jahre in der Geschäftsleitung der Titlis-Bergbahnen, der ehemalige Ski-Weltcupfahrer Gisin bringt sich seit seinem Rücktritt vom Profisport in die Stadt- entwicklung ein. „Ich war schon in vielen Skigebieten der Welt, aber das Panorama hier ist einzigartig“, schwärmt Gisin über seine Heimat. Vom Brunni- Gipfel schweift der Blick über den Ort mit dem neuen Kempinski und dem 1120 gegründeten Kloster zum 3.239 Meter hohen Titlis. Von der Bergstation der Rotair-Bahn führen die Pisten vom Gletscher bis hinunter ins Tal. Links davon ragen die ebenfalls 3.000 Meter hohen Spannort-Gipfel so bizarr in den Himmel, dass die Engelberger den Talschluss „Little Patagonia“ getauft haben. Auf der Titlis-Seite liegen fünf weltbekannte Freeride-Abfahrten. „Die Big Five haben bis zu 40 Grad Gefälle und über 2.000 Höhenmeter“, erklärt Kilian „Kili“ Weibel. Viele halten den Technischen Leiter der Schweizer Skischule für den besten Skilehrer der Schweiz, seine Instagram-Videos genießen Kultstatus. Weibel liebt Tiefschneeabfahrten, aber er weiß auch die anspruchsvollen Pisten am Titlis zu schätzen. „Dort wurde viel investiert“, pflichtet er Ex-Rennläufer Gisin bei. Was Engelberg jetzt noch fehlt, sind ein paar breite, leichte Pisten. Weil diese, auch wegen der strengen Umweltauflagen auf den steilen Hängen unter dem Titlis nicht realisierbar sind, träumen die Engelberger von einem Zusammenschluss mit Melchsee-Frutt (36 Pistenkilometer) und Meiringen-Hasliberg (60 Kilometer), was das Gebiet von 82 auf fast 180 Pistenkilometer vergrößern und mehr Genießer- abfahrten erschließen würde. Eine Verbindung mit den Nachbarn wäre für das Engelberger Skigebiet der erhoffte „Gamechanger“, der das Kempinski Palace für den Ort schon ist. www.kempinski.com, www.engelberg.ch

AUFBRUCH INS FREIE Gratwanderung Stanserhorn-Engelberg (Etappe 5 des Tell-Trails)

Stanserhorn-Engelberg | Allein durch die Natur streifen – diese Sehnsucht ist nicht neu. Doch gerade jetzt – zwischen Overtourismus, Instagram-Hype und der alles dominieren- den Pandemie – ist der Wunsch nach Abstand, Weite und unberührter Natur grösser als je zuvor. Und tatsächlich gibt es sie noch, die einsamen Orte direkt vor unserer Haustüre, wo man zwischen Himmel und Erde neue Perspektiven finden kannn. Justin und Karel wurden auf der neuen Gratwanderung vom Stanserhorn nach Engelberg fündig.

Engelberg-Titlis Tourismus +41 (0)41 639 77 77 engelberg.ch Package-Angebot inkl. Ge- päcktransport Stans-Engelberg, Bahnfahrt Stanserhorn, HP und Nacht im Zelt auf der Laucheren-Alp sowie Übernach- tung im Hotel in Engelberg mit Frühstück ab CHF 269 engelberg.ch/gratwanderung

gelohnt. Nach wiederholtem Wetterpech zeigt sich nun das 360° Grad-Panorama auf dem Stanserhorn auf 1’900 m ü. M. in seiner vollen Pracht. Auf der Sonnenterrasse des Drehrestaurants «Rondorama» schweift der Blick beim feinen Zmorge über die 100 km lange Alpenkette in Richtung Engelberger- tal. Gute 25 km oder zwei Tage Fussmarsch ent- fernt liegt dort unser Etappenziel. Die Wanderroute, die dazwischen vorwiegend auf dem Grad verläuft, wurde erst kürzlich neu erschlossen und formt die Königsetappe des «Tell-Trails», der über 156 km von Altdorf bis zum Brienzer Rothorn führt. Beim Einstieg trennt sich die Spreu vom Weizen, also der Aussichtstourist vom Bergwanderer. Jetzt ist gutes Schuhwerk, Trittfestigkeit und Konzent-

Das Panoramaglück beginnt mit der Bergfahrt. Die Sonne lacht; die Haare flattern im Wind. Nur verein- zelte Quellwolken verdecken die Aussicht, die von der Jurakette über zehn Seen bis zum Schwarz- wald reicht. Friedlich ruht die Welt am glitzernden

Vierwaldstättersee zu unseren Füssen, während wir unter den wachsamen Augen von Rigi und Pilatus dem Himmel entgegen- rauschen; zuerst im über 125 Jahre alten offenen Holzwaggon und dann auf dem Dach der weltersten CabriO-Luftseilbahn. Was lange währt, wird gut, heisst es. Und unsere Geduld hat sich

Gratwanderung Stanserhorn-Engelberg Wanderzeit: 10 h, Strecke: 25.1 km Dem Nidwaldner Höhenweg folgend wandern Sie bis nach Engelberg. Höhepunkt des Tell- Trails ist die neu erschlossene Gratwanderung zwischen dem Stanserhorn und Engelberg. Die Wanderung kann gut auch als Rundwan- derung in zwei Tagen begangen werden.

halleluja! Engelberg ist das neue/alte Paradies für Skifahrer

ration gefragt. In spitzen Kehren windet sich der Weg um das «Chli Horn» hinab zum Ächerlipass. Links und rechts führen mit Steinbrocken übersäte Wiesen steil in den Ab- grund. Kuhglocken bimmeln. Bei der «Alpkäserei Chüeneren» ist die Alpsaison in vollem Gange. Ein Helikopter schwirrt über unseren Köpfen, transportiert das mühevoll gesammelte Heu für den Winter ins Tal. Wir nutzen die letzte Möglich- keit, unsere Wasserreserven auf- zufüllen und Proviant einzukaufen; danach lassen wir die Zivilisation endgültig hinter uns. In den nächs- 126

Bilderreihe: S. 44: Gratwander- ung, Anreise auf das Stanserhorn im historischen Holzwag- gon und der CabriO- Luftseilbahn S. 45: Wanderung zur Alp Laucheren, Abendessen und Übernachtung bei Melk und Agnes S. 46: Wagenleis, Lutersee und Blick zum Etappenziel Engelberg

127

44

Spot Magazine l Herbst 2021

✎ Carina Scheuringer

Justin Hession // Karte: zvg

15

Made with FlippingBook - professional solution for displaying marketing and sales documents online