CF_02_2021_Aktuell

02 | 2021

CellitinnenForum

Zeitschrift der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria

Operationen

IM FOKUS

Genießen Sie den Sommer!

Ihre Cellitinnen zur hl. Maria Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria

Foto: Getty Images (Montage Sonja Bender)

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CellitinnenForum 02 | 2020

WILLKOMMEN

J eder zweite Deutsche fürchtet sich vor einer Operation, so das Mei- nungsforschungsinstitut Forsa.Das Ausgeliefertsein, der Kontrollver- lust, der Gedanke an Komplikationen unter dem Eingriff, Geschich- ten von vergessenen Scheren im Körper oder postoperativen Schmerzen lösen mindestens ein ungutes Gefühl aus. Auch die Angehörigen lei- Willkommen

den mit. Das kann ich bestätigen: Als unsere Tochter nach dem Griff in eine Glasscherbe an der Hand operiert wer- den musste, war mir flau im Magen. Als ‚Insider‘ weiß ich natürlich, wie eine Operation abläuft, dass es im OP klare Regeln und Abläufe gibt, die die Risiken mi- nimieren, dass Narkosen heute sehr fein abgestimmt sind, benutze Instrumente gezählt werden und nach operativen Eingriffen die Gabe von Schmerzmitteln üblich ist. Dieses Wissen gab mir damals trotz aller vä- terlichen Sorge um unser Kind Sicherheit.

Allein in unserem Verbund werden rund 34.000 Operationen pro Jahr an stationär aufgenommenen Patienten durchgeführt. Viele von ihnen bekommen schon wegen der eingenommenen Beruhigungs-

medikamente nicht mit, was hinter der Tür zu den Operationssälen passiert. Deshalb stellen wir Ihnen mit dieser Ausgabe vor, wie ein OP-Be- reich aufgeteilt ist, wer am guten Gelingen eines Eingriffes beteiligt ist, wie für Ihren Schutz ge- sorgt wird und welche Narkoseverfahren heute zur Verfügung stehen. Wie auch mir, so möchte ich, dass Ihnen Wissen Sicherheit gibt. Sie sollen sich in unserem Verbund gut aufgehoben fühlen,

Sie sollen sich in unserem Verbund gut aufgehoben fühlen.

wenn bei Ihnen oder einem Angehörigen eine Operation angeraten ist. Auch in Zeiten der Covid-19-Pandemie können unsere Mediziner aufgrund der hohen Standards Eingriffe in allen Fachbereichen gut und sicher vornehmen.

Herzlichst

Thomas Gäde, Geschäftsführer der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria

Foto: Melanie Zanin

CellitinnenForum 02 | 2021

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INHALT

Inhalt

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F UNDAME N T

F ORUM

6 Meldungen 11 Porträt: Lena Hallen

28 Zeichen der Nähe Gottes 30 Thomas von Kempen 32 Ein Tag mit ... 34 Ein Kleid für gut und zwei für alltags

T H EMA

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Als Notfall ins Krankenhaus

KOMP E T E N Z

16 „Wir öffnen nur die Tür“ 17 Kinder im OP 18 Ein Pieks und weg

38 ProPhysio GmbH –

16 Jahre erfolgreich eigenständig 40 Mit allen Sinnen im Hier und Jetzt 41 Professionelle Wundversorgung 42 Einfach nur einen wunderbaren Tag erleben 44 Behandlungsqualität nach Darmkrebs

20 Was passiert im OP? 22 Roboter und High-Tech 24 Förderprojekt VR-Brille 25 Nach der OP ‚aus der Spur‘?

Foto: Kirsten Pfennings, Stadt Kempen

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INHALT

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ME N S CH E N

45 Willkommenskultur im Verbund 46 Pflegealltag in der Notaufnahme 48 Wer hilft im Ernstfall? 49 Premiere in Wuppertal 50 „Ich hatte großes Glück“ 52 Gesichtsrekonstruktion 53 Mehr als nur ein Regelschmerz 54 Schüler leiten eine Überwachungsstation 56 Gut versorgt im Verbund 57 Brücke zum Leben 58 Televisite in Beatmungs-WG 59 #Minimalinvasiv – Zusammenarbeit im Team 60 „Ein gewisses Maß an Gelassenheit ist wichtig“

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„Do kütt d‘r Trötemann“

„Liebe Königinnen und Könige, ...“

Trotz Corona um die Welt reisen

D ’ r Zoch kütt

S TA NDA RD S

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Editorial

71 Rätsel 72 Unsere Krankenhäuser 75 Unsere Seniorenhäuser 74 Impressum

Foto: DK Fotokunst

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FORUM

Meldungen

Hinter ‚Bliggit‘ verbirgt sich eineApp, an der zwei Jahre konzeptioniert und entwickelt wurde, um in einer zentralen Anlaufstelle Wuppertal zu digitalisieren. Mithilfe der App lässt sich so gut wie jede Dienstleistung buchen, von der Taxibestellung bis zur Terminreservierung beim Stra- ßenverkehrsamt. Auch der Klinik- verbund St. Antonius und St. Josef präsentiert sich als Gesundheits- dienstleister imWuppertaler Cyber- space. Interessenten können sich hier über bevorstehende Patienten- veranstaltungen informieren oder auch direkt mit den Krankenhäu- sern des Klinikverbundes via Chat in Verbindung treten. Die Zahl der Nutzer wächst seit dem offiziellen Start Anfang 2021 stetig. ‚Bliggit‘ kann über die App-Stores von App- le und Android kostenfrei herunter- geladen werden. Wuppertal hat den ‚Durchbligg‘

Dr. Norbert Röttgen (li) bei der Übergabe der Tassen.

Anerkennung für die Mitarbeiter im Seniorenhaus St. Josef

Dr. Norbert Röttgen (CDU) besuchte das Se- niorenhaus St. Josef, um sich für den Einsatz der Mitarbeiter während der Coronapandemie zu bedanken. Gemeinsam mit Seniorenhaus- leiter Clemens Pollmann übergab er Ge- schenkgutscheine und Tassen mit der Auf- schrift #LieblingsteamSt.Josef an die Vor- sitzende der Mitarbeitervertretung, Helena Bossert. Röttgen wurde 1965 im sogenannten ‚Klösterchen‘ in Meckenheim geboren, als in dem Gebäude noch eine Entbindungsstation untergebracht war. Heute ist es ein moder- nes Seniorenhaus, in dem 92 Bewohner und 27 Mieter leben. Die Bewohner und Mitar­ beiter bedankten sich ihrerseits bei Röttgen mit selbstgemachter Marmelade.

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CellitinnenForum 02 | 2021

FORUM

Schlüsselübergabe in der Chirurgie

Superhelden gesucht

Mit einer Werbekampagne schlägt das Kölner St. Vinzenz-Hospital neue Wege auf der Su- che nach Mitarbeitern ein. Dabei sind fünf ‚Su- perhelden‘ das zentrale Motiv der Aktion. Die ‚Superhelden‘, alle fünf sind Mitarbeiter des Krankenhauses, werden auf verschiedenen Großplakaten und digitalen Werbeflächen so- wie auf insgesamt zehn gebrandeten Bussen im gesamten Kölner Stadtgebiet zu sehen sein. Neben der großflächigen Werbung wird es zusätzlich eine Google-Ads-Kampagne sowie ein gezieltes In-App-Targeting geben. Zentrale Kampagnenseite ist www.wir-sind- das-vinzenz.de, auf der besonders der Be- reich der Pflege und das St. Vinzenz-Hospital als vielseitiger Arbeitgeber vorgestellt werden. Begleitet wird die Kampagne auf Instagram (@st.vinzenz.hospital) und der Facebook- Seite des Krankenhauses.

Priv.-Doz. Dr. Burkhard Stoffels (li) und Prof. Dr. Ernst Eypasch.

In der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirur- gie des Kölner Heilig Geist-Krankenhauses gab es zum 1. April einen Wechsel in der Chefarztposition. Prof. Dr. Ernst Eypasch, der die Klinik rund 17 Jahre leitete, übergab an Priv.-Doz. Dr. Burkhard Stoffels, Facharzt für Chirurgie und spezielle Viszeralchirurgie. Stoffels hatte bisher an der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Visze- ral-, Thorax- und Gefäßchirurgie der UKBonn die Posi- tion des stellvertretenden geschäftsführenden Oberarz- tes inne. „Ich freue mich, den symbolischen Schlüssel zur Klinik für Chirurgie an Dr. Stoffels übergeben zu dür- fen, obwohl ich natürlich nach so vielen Jahren auch mit einem weinenden Auge gehe“, sagte Prof. Eypasch. „Ich war durch und durch Chirurg aus Überzeugung und Lei- denschaft für dieses großartige Fach.“ Mit der Expertise des Nachfolgers wird die Klinik nun auch einen beson- deren Schwerpunkt auf dem Gebiet der Robotik haben. Der 46-Jährige verfügt über langjährige Erfahrungen bei Eingriffen mit dem DaVinci-Operationsassistenten.

Werde ein Superheld! Bewirb Dich bei uns! www.wir-sind-das-vinzenz.de

Studie zeigt: Adipositas-Operationen auch während der Corona-Pandemie sicher Adipositas-Operationen sind auch in Zeiten der Co- vid-19-Pandemie sicher. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie mit mehr als 2.000 Teilneh- mern, an der auch das St. Franziskus-Hospital in Köln mitgewirkt hat. Die Untersuchung wertete 30-Tages- Ergebnisse von bariatrischen Operationen (Schlauch- magen, Magenbypass) aus 133 Krankenhäusern in 35 Ländern aus. „Die Studie zeigt eindeutig, dass das

Risiko bei bariatrischen Operationen für Adipositas-Pati- enten nicht erhöht ist“, so der Leiter des Adipositas-Ex- zellenzzentrums Dr. Karl Peter Rheinwalt. Zu Beginn der Pandemie habe man viele Eingriffe verschoben, inzwi- schen könne man wieder guten Gewissens zur OP raten: „Das größere Risiko für die Patienten ist, wenn Adiposi- tas nicht behandelt wird und die Gefahr von schweren Folgeerkrankungen bestehen bleibt.“

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FORUM

Seelsorge am Krankenbett

Damit Krankenhausseelsorge in den Kölner Ein- richtungen der Hospitalvereinigung St. Marien wei- terhin umfassend und verlässlich gewährleistet ist, arbeitet das Team um Pfarrer Ulrich Hennes an einem neuen Konzept. Dazu gehört auch ein Blick auf die Krankensalbung – die Stärkung in der Kri- se der Krankheit, nicht die ‚letzte Ölung‘ kurz vorm Tod. Jeder ernsthaft erkrankte Katholik kann die Krankensalbung empfangen. Am besten bewusst und in der Hoffnung, gesund zu werden. Das wird täglich möglich sein, wenn auch nicht zu jeder Uhrzeit. Und weiterhin soll niemand alleine ster- ben müssen, wobei jeder Seelsorger, nicht nur der Priester, mit Gebet, Sterbesegen und falls möglich mit der Kommunion einem Sterbenden beistehen kann. Nachts könnten diese Aufgaben auch dazu befähigte Mitarbeiter übernehmen. Damit Kranke und Sterbende auch geistlich rund um die Uhr er- fahren: der Mensch in guten Händen.

Monika Linn, Wundexpertin und Mitarbeiterin in der Pflege, ist von der ILCO e.V., dem größten Selbsthilfeverein für Stomaträger, für die beste Weiterbildungsabschlussarbeit ausgezeichnet worden. Erich Grohmann, erster Vorsitzender der ILCO, übergab den Scheck über 1.000 Euro. Die Arbeit von Linn mit dem Titel ‚Hilfe aus dem Netz - Stomaberatung 2.0‘ hat die Jury nach eigenen Angaben sofort überzeugt. In Deutsch- land leben circa 150.000 Träger von künstlichen Darmausgängen oder künstlicher Harnablei- tung. Wie die Betroffenen auch über Online- Kanäle sinnvolle Unterstützungsangebote wahr- nehmen können, trifft gerade in diesen Zeiten bei den Betroffenen einen Nerv. ILCO vergibt Sonderpreis

Smarte Prävention des diabetischen Fußsyndroms

Der bytes4diabetes-Award bietet Unternehmen, Forschern und kre- ativen Köpfen aus allen Bereichen des Gesundheitswesens eine Büh- ne, um sich und ihre Projekte vor- zustellen. Zu den Gewinnerprojek- ten 2021 gehört das Projekt iFoot, an dem auch das St. Vinzenz- Hospital als Pilotkrankenhaus be-

teiligt ist. Hier werden in der Dia- betologie Verbände mit Sensoren angelegt, die sich verändernden Druck, Temperatur oder Feuchtig- keit am Fuß an die entsprechende Smartphone-App melden, und so dem Patienten einen Warnhinweis geben. Auch der behandelnde Arzt wird auf diesem Wege informiert.

Grafik/Foto: Getty Images

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FORUM

ASV Sarkoidose im St. Marien-Hospital

Die Ambulante Spezialfachärztliche Versor- gung (ASV) ist eine Möglichkeit, an Sarkoido- se erkrankte Patienten von niedergelassenen und Klinikärzten gemeinsam zu behandeln. Seit März 2021 ist Dr. Andreas Schlesinger, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Köl- ner St. Marien-Hospital, als Teamleiter der ASV Sarkoidose eingesetzt. Bei Sarkoidose handelt es sich um eine akute oder chroni- sche entzündliche Erkrankung. Die häufigste Krankheitsform ist die chronische Sarkoido- se der Lunge mit Reizhusten und Atembe- schwerden. Für die Behandlung durch ein ASV-Team brauchen Patienten lediglich eine Überweisung ihres Hausarztes.

„Ihre Versorgung in besten Händen“ ist der Leitsatz, der sich durch den neuen Internetauftritt der ProServ Management GmbH www.proserv.de zieht. Im Februar 2021 wurde die Homepage im neuen, modernen und anwenderfreundlichen Design veröffentlicht. Von nun an werden die beiden Standorte sowie die vier Ge- schäftsbereiche miteinander vereint. So entsteht ein Gesamtbild über das facettenreiche Unternehmen, das die bestmögliche Versorgung der Kunden durch die Leistungsbereiche der Medicalversorgung, Speisen- versorgung, Instrumentenaufbereitung und Transport- dienstleistung sicherstellt. Neuer Internetauftritt

Kirchengemeinden, Orden und Einzelpersonen schicken ihre ab- gestempelten Briefmarken zu den Steyler Missionaren, die sich weltweit für Bedürftige einsetzen. Seit mehr als sechzig Jahren be- teiligen sich auch die Cellitinnen zur hl. Maria an der Aktion. Die Ordensfrauen schneiden die Briefmarken der eingehenden Post aus und senden sie nach Sankt Augustin an das Briefmarkenapos- tolat der Steyler Mission. Gereinigt und sortiert werden sie dann an Sammler in aller Welt verkauft. Bis zu 19.000 Euro kommen so in einem Jahr zusammen. Der Erlös geht vollständig an die Hilfspro- jekte der Steyler Mission – etwa nach China, Paraguay oder Indien. Weitere Informationen unter https://www.steyler-mission.de. Briefmarken für Missionsaufgaben

Foto: Getty Images

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FORUM

Neuer Pflegedirektor im St. Marien-Hospital

Die Schulung ‚Gewaltprävention und Freiheitsentziehende Maßnahmen‘ der Seniorenhaus GmbH geht vorübergehend mit einem neuen Format an den Start. Was bisher als Prä- senzschulung durchgeführt wurde, findet heute als Online- Schulung per Zoom statt. Für einen reibungslosen Ablauf wurde einiges geändert. Neben dem neuen Inhalt bezüglich des Institutionellen Schutzkonzeptes mit dem Schwerpunkt sexualisierte Gewalt schrumpfte die Teilnehmerzahl von 50 auf maximal 15 Personen. In der Schulung wurden Gruppen gebildet, welche in einem extra ‚Raum‘ Aufgaben bearbeiten. Von den Teilnehmern gab es bisher viele positive Rückmel- dungen. So freuten sich viele über die entfallende Anreise, über den Austausch mit den Kollegen und das Sammeln von neuen technischen Erfahrungen. Das Einzige, was fehle, sei die Beköstigung, so eine Teilnehmerin. Weiterbildung mit Zoom

Dominik Müller ist seit dem 1. Februar 2021 neuer Pflegedirektor im Kölner St. Marien-Hospital. Wirklich neu ist er in Haus und Verbund aber nicht. Seit 2018 hat Müller als stellvertretender Pflegedi- rektor die Arbeit seines Vorgängers tat- kräftig unterstützt. Davor war er bereits seit 2010 im Heilig-Geist-Krankenhaus in Longerich, zunächst als Gesundheits- und Krankenpfleger, dann als stellver- tretender Stationsleiter und schließlich als Stationsleiter tätig. Während dieser Zeit absolvierte er berufsbegleitend den Studiengang Pflegewissenschaft und Pflegemanagement mit dem Abschluss ‚Master of Arts‘ an der Katholischen Hochschule NRW in Köln.

Alles sehen können – in vielen Teilen der Welt bleibt dieser Wunsch unerfüllt. Deshalb unterstützt die Seni- orenhaus GmbH der Cellitinnen zur hl. Maria seit vie- len Jahren das Deutsche Katholische Blindenhilfwerk. Die Organisation sammelt ausgemusterte Brillen, die fachmännisch gereinigt den Hilfsorganisationen über- geben werden. Bisher kamen im Verbund so stattliche 5.300 Brillen zusammen. Die Brillenspenden können am Empfang der Senioreneinrichtungen, der Kranken- häuser oder des Klosters abgeben werden. Die Brille – ein Luxusgut?

Fotos: IGetty Images (2)

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P O R T R Ä T

Lena Hallen

Operationstechnische Assistentin (OTA) im St. Vinzenz-Hospital.

Erzählen Sie etwas über sich. Mein Name ist Lena Hallen. Ich bin 24 Jahre alt, ausgebildete OTA. Seit 2017 bin ich im St. Vinzenz-Hospital im OP tätig, seit 2019 auch als Praxisanleiterin für den OTA-Nachwuchs. Für mich war schon früh klar, dass ich im OP arbeiten möchte. Was sind die Aufgaben einer OTA? Wir haben eine Reihe an Aufgaben im OP. Morgens wird der OP-Tag vorberei- tet und wir stellen alle chirurgischen In- strumente, Medizinprodukte und Gerä- te für die geplanten Operationen bereit. Dann geht es mit der konkreten OP- Vorbereitung weiter. Wir arbeiten immer zu zweit. Während der OP teilen wir uns dann auf. Einer ist in der Sterilzone, das heißt ganz nah am Operationstisch. Er arbeitet eng mit den Chirurgen zusam- men und instrumentiert die OP. Der zwei- te OTA agiert als Springer: Er dokumen- tiert die OP, bringt Materialien, wenn zum Beispiel unplanmäßig andere Instrumen- te benötigt werden, und ist Verbindungs- glied zwischen Sterilzone und dem restli- chen OP-Saal. Am Ende der OP sind wir auch für die Zählkontrolle verantwortlich, das heißt, es wird abgeglichen und doku- mentiert, was an Materialien und Instru- menten verbraucht wurde.

Was schätzen Sie an Ihrem Beruf? Es wird nie langweilig. Wir OTAs arbeiten eng mit der Anästhesie und Chirurgie zu- sammen und sorgen gemeinsam für den Patienten. Es ist toll, bei den Operationen dabei zu sein, und es fühlt sich gut an, wenn man vorausschauend instrumentie- ren kann. Was muss man mitbringen, wenn man OTA werden möchte? Hohe Belastbarkeit, Stresstoleranz, Spaß an ‚handwerklichen‘ Tätigkeiten, ein großes Herz für die Patienten, Team- geist und Kommunikationsfähigkeit. Der Job hört sich stressig an. Was ma- chen Sie als Ausgleich zur Arbeit? Am liebsten mit meinem Hund spazieren gehen.

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Thema Operationen

THEMA

Als Notfall ins Krankenhaus Von der Einlieferung bis zur Entlassung.

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Übelkeit, Erbrechen und kolikartige Bauchschmerzen traten bei Hannah Lotta Giertz ganz plötzlich auf. Eine Magenverstimmung? Doch die Schmerzen werden un- erträglich. Giertz alarmiert den Rettungsdienst, der die 24-Jährige in das Wuppertaler Krankenhaus St. Josef einliefert.

Im Schockraum der Zentralen Notaufnahme (ZNA) erhält die Patientin gleich Hilfe. Pflegefachkräfte messen ihre Vitalparameter, nehmen Blut ab und schätzen die Dringlichkeit der Beschwerden ein. Eine Notfallärztin schallt den Unterleib.

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Nun geht es schnell. Giertz wird umgezogen und in den OP-Bereich gefahren. An der sogenannten ‚Schleu- se‘ tauscht sie ihr Bett gegen einen mobilen und desinfizierten OP-Tisch. Im Vorraum des OPs stellen sich ihr eine Anästhesistin und eine OP-Pflegefach- kraft vor. Die Patientin wird zu ihrem Gesundheitszu- stand befragt und über die Narkose aufgeklärt.

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Die Diagnose lässt nicht lange auf sich warten. Der Blinddarm ist kurz davor, durchzubrechen. Der Leitende Oberarzt der ZNA, Sebastian Windmöl- ler, erklärt der Patientin nach Rücksprache mit dem Oberarzt der Viszeralchir- urgie, Dr. Afshin Roshan, dass sie noch heute ope- riert werden muss.

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Der OP ist gereinigt und desinfiziert – es kann losgehen. Die OTAs Srdan Jakovljevic und Serhat Köksal legen ihre sterile OP-Kleidung an und bereiten das Instrumentarium für den Operateur Dr. Roshan vor.

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THEMA

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Die Patientin ist mittlerweile im OP angekommen und wird an die Medizintechnischen Geräte an­ geschlossen. Über den Venenzugang injiziert ihr Anästhesistin Ana Preto die Narkosemittel – fast augenblick- lich fallen der Patientin die Augen zu. Anästhesiepfleger Dirk Daum ver­ gewissert sich, dass die junge Frau tief schläft, und leitet mit der Kollegin vorsichtig die künstliche Beatmung ein.

Nachdem das grüne OP-Tuch zwischen der Seite der Anästhesisten und der des Chirurgen aufgezogen ist – so können beide Seiten ohne Ablenkung ihrer Arbeit nachgehen – beginnt Dr. Roshan (li) mit dem Eingriff.

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Dort prüft Dr. Roshan regelmäßig den Gesundheitszu- stand seiner Patientin, bevor er sie auf die Station verle- gen lässt.

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Nach vier Tagen und einer letzten Visite darf die junge Frau nach Hause. Der Schreck der letzten Tage hängt ihr noch nach, doch fühlte sie sich im Krankenhaus St. Josef sehr gut aufgehoben. (C.N/S.St.)

Die OP ist gut verlaufen. Nur um sicher zu gehen, kommt Giertz zur Beobachtung für einen Tag auf die Intensivstation.

Fotos: Alois Müller (9), Malte Reiter

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THEMA

ALLES LÄSST SICH ERKLÄREN

„Das alles ist gehirnphysiologisch erklärbar“, so Kahlen. „Wir öffnen den Patienten durch die Hypnose nur eine Tür zu ihrem Unbewuss- ten, oder umgangssprachlich auch Unterbewusstsein, den Rest er- ledigen sie selbst.“ Operationen komplett ohne Narkose sind je- doch deutlich aufwendiger als die bewährte herkömmliche Anästhe- sie und daher eher die Ausnahme. Sie werden nur auf ausdrücklichen Patientenwunsch durchgeführt. POSITIVE KOMMUNIKA- TION STATT BERUHI- GUNGSMITTEL Auf Beruhigungsmittel vor einem Eingriff wird jedoch grundsätzlich verzichtet und die Schmerzmit- telgabe nach Operationen kann deutlich reduziert werden, allein durch eine konsequent positive Kommunikation, in der das ganze Team geschult ist. So bekommen Patienten nach dem Eingriff nicht etwa ein Mittel, das die „Schmer- zen bekämpft“, sondern eins, mit dem es ihnen „gleich noch besser gehen wird.“ (N.H.)

„Wir öffnen nur die Tür“ In der Kunibertsklinik können Operationen ohne Narkose durchgeführt werden.

I ch bin durch und durch Schulme- diziner“, erklärt Thomas Kahlen, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor der Kunibertsklinik, wie, um etwaigen Vorurteilen gleich zuvorzukommen. Der Anästhesist hat jedoch seine Facharztausbil- dung um eine dreijährige Zusatz- qualifikation als Hypnotherapeut am Zentrum für angewandte Hyp- nose ergänzt. Diese Qualifikation ermöglicht es ihm, Patienten ohne Narkosemittel in einen Zustand zu versetzen, in dem sie keine Schmerzen empfinden.

Thomas Kahlen ist ausgebildeter Hypnotherapeut.

Grafik: Getty Images

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THEMA

Benny der Bär macht den Kindern Mut.

kose-Bär Benni an. Der Plüschbär trägt grüne OP-Kleidung, besitzt eine herausklappbare Zunge und rote Plüschmandeln zum Heraus- nehmen. Um eine kindgerechte Atmosphä- re kümmert sich das ganze An- ästhesie-Team: Die Kleinen dür- fen sich ein Armband aussuchen, bevor Blutdruckmanschette und Fingersensor für die Messung der Vitalwerte angelegt werden. Die beruhigenden Medikamente eine halbe Stunde vor der OP werden als ‚Schlafzauber‘ in einem sü- ßen Sirup verabreicht. Durch ein ‚Zauberpflaster‘ mit lokaler Be- täubungs-Creme über einer Vene spürt das Kind den kleinen ‚Pieks‘ für die Infusion nicht mehr. Darü- ber wird dann auch die Narkose- Medizin gegeben. Nur noch sel- ten kommt die ‚Traummaske‘ zum Einsatz. „Wir schaffen es, dass die meisten Kinder keine Angst mehr vor der OP haben“, erklärt Gra- nitzka. Was auch sehr erleichternd ist: Mama oder Papa dürfen beim Einschlafen und Aufwachen dabei sein! (I.G.)

Kinder im OP Mit Empathie und Narkose-Bär Benni gegen die Angst.

W enn Kinder operiert werden müssen, leiden Eltern oft mehr als die jungen Patienten. Wird mein fünf- jähriger Sohn die Mandel-OP gut überstehen? Oder die 13-jährige Tochter den Eingriff in der Wir- belsäulenchirurgie? Mit solchen Ängsten vor der Narkose kennen sich die Anästhesisten gut aus. Im Kölner St. Franziskus-Hospital werden im Jahr rund 500 Patien- ten unter 18 Jahren operiert, die meisten davon in der HNO-Klinik. Gute Kinderanästhesie beginnt mit einer sorgfältigen Aufklärung. „Wichtig ist, dass wir kindgerecht erklären, was auf die kleinen Pa- tienten zukommt“, weiß Chefarzt Dr. Michael Granitzka. Besonders gut kommt bei den Kleinen Nar-

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THEMA

Ein Pieks und weg In Deutschland werden jährlich rund 12 Millionen Anästhesien, umgangssprachlich auch Narkosen, durchgeführt. D urch hochwirksame Me- dikamente, die moderne Medizintechnik und sehr

In diesem Gespräch informiert ein Anästhesist auch über die verschie- denen Möglichkeiten der Betäu- bung und der Schmerzbehandlung. So ist zum Beispiel eine Vollnar- kose nicht immer das sinnvollste Verfahren für bestimmte Eingriffe oder auch Patientengruppen. Ge- meinsam mit dem Arzt wird in die- sem Gespräch das beste Vorgehen für jeden Patienten ganz individuell festgelegt. Bei einem kleinen Eingriff reicht manchmal eine einfache Sedie- rung. Dabei bekommt der Patient

Angst, während der Operation wach zu werden, andere fürchten den Kontrollverlust in der Vollnarkose. In einem Aufklärungsgespräch vor der OP können Patienten alle Fragen stellen, die sie beschäftigen und soll- ten diese Gelegenheit auch nutzen. Viele Unsicherheiten können so be- reits imVorfeld ausgeräumt werden.

schonende Narkoseverfahren sind Eingriffe heute so sicher wie nie. Dessen ungeachtet sind vor einer Operation viele Patienten aufgeregt und sorgen sich, ob alles gut verlau- fen wird. Manche Patienten haben

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THEMA

auch häufig mit einer Sedierung oder einer Vollnarkose kombiniert. Hier spricht man dann von einer Kombinationsanästhesie. Bei einer Vollnarkose werden das Bewusstsein und das Schmerz- empfinden des gesamten Körpers durch die Verabreichung einer Kombination von Schmerz- und Schlafmittel ausgeschaltet. Regel- mäßig werden zusätzlich Medika- mente zur Muskelerschlaffung und zur Beeinflussung des vegetativen Nervensystems verabreicht. Die Zufuhr dieser Medikamente erfolgt häufig kontinuierlich über einen Ve- nenzugang oder diese werden der Atemluft zugemischt. In den meis- ten Fällen wird dem Patienten in Vollnarkose eine Kehlkopfmaske in den Rachen oder ein Beatmungs- schlauch in die Luftröhre einge- führt. Der Patient bekommt hiervon jedoch nichts mit, da er bereits tief schläft. Mit dem Beenden der Me- dikamentenzufuhr erwachen die Patienten und mit Rückkehr der Schutzreflexe und Atmung des Patienten können Kehlkopfmaske oder Beatmungsschlauch entfernt werden. Während des gesamten Narko- severfahrens wird der Patient überwacht und der Anästhesist überprüft während der Operation ständig die Narkosetiefe. So sorgt er permanent für die Sicherheit des Patienten und vermeidet ein ver- frühtes Erwachen. (S.B.)

ein Beruhigungsmittel über einen Venenzugang gespritzt. Er befin- det sich dann in einem Dämmerzu- stand und atmet selbstständig. Im Rahmen einer Regionalanästhesie ist es möglich, gezielt das kom- plette Schmerzempfinden eines Körperteils oder einer ganzen Kör- perregion während und auch nach einer Operation auszuschalten. Der Patient bleibt hier bei Bewusst- sein. Bei der Regionalanästhesie unterscheidet man verschiedene Verfahren: Die rückenmarksna- hen Anästhesieverfahren, wie z.B. eine Spinalanästhesie, bei der ein

örtliches Betäubungsmittel in das Nervenwasser gespritzt wird und Operationen unterhalb des Bauch- nabels in völliger Schmerzfreiheit durchgeführt werden können. Bei der Periduralanästhesie wird ein Schmerzkatheter außerhalb des Nervenwasserraums eingebracht, der die Spinalnerven mit einem ört- lichen Betäubungsmittel umspült. Eine besondere Entwicklung der letzten Jahre ist die ultraschallge- steuerte Regionalanästhesie, bei der gezielt Nerven des Armes oder des Beins betäubt werden können. Regionalanästhesien werden aber

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THEMA

Was passiert im OP?

Ein Blick hinter die Kulissen.

Vor der OP Der OP-Koordinator kontrolliert alle Arbeitsabläufe und koordiniert in Abstimmung mit den Chirurgen, den Stationen und der Zentralen Notaufnahme die Operationssäle und die Einsatzplanung der dort eingesetzten Mitarbeiter.

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Im Einleitungsraum bereiten Anästhe- sietechnische Assistenten (ATA) oder Anästhesiepflegefachkräfte die Narkose vor. Sie schließen den Patienten an das Monitoring an und legen ihm Zugänge für die Narkosemittel.

In der Eingangsschleuse wird der Patient von OP-Pflegefachkräften auf einen fahrbaren OP-Tisch umgebettet.

Am OP-Eingangsbereich für Patienten übergibt der Hol-Bringdienst oder eine Pflegefachkraft den zu Operierenden an die OP-Mitarbeiter.

Nach der OP

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Ist der Operierte über einen längeren Zeitraum stabil, kommt eine Pflegefachkraft der Station und bringt ihn wieder auf sein Zimmer .

In der Ausgangsschleuse betten OP-Pflegefachkräfte oder Anästhesie- pfleger den Operierten vorsichtig vom Operationstisch in ein Bett um.

Im Aufwachraum werden die Vitalparameter des Patienten ständig von einem Anästhesie – oder OP-Pfleger beobachtet

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THEMA

Hygienemaßnahmen der Mitarbeiter

Unreine Seite Ablegen von Kleidung, Schmuck, ...

Waschraum Hände waschen und desinfizieren

Waschraum Erneut Hände waschen und desinfizieren

Reine Seite Anlegen der OP-Kleidung

Im Operationssaal

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Der Anästhesietechnische Assistent (ATA) oder eine Anästhesiepflegefachkraft unterstützt bei der Narkose und überwacht die Geräte.

Ein Anästhesist leitet die Narkose ein und überwacht diese.

Die OP-Pflegefachkraft oder ein Operationstechnischer Assistent (OTA) überprüft die Patientendaten und dokumentiert die OP relevan- ten Informationen

Die Anästhesie-Pflege- fachkraft unterstützt wie der ATA bei der Narkose.

Zwei Chirurgen führen die OP durch.

Der Chirurgisch- Technische Assistent (CTA) beteiligt sich als Assistent des Operateurs an chirurgischen Eingriffen.

Der Physician Assistant über- nimmt auf ärztliche Anweisung eigenverantwortlich kleinere Eingriffe oder assistiert den Chirurgen.

Der Operationstechnische Assistent (OTA) oder eine OP-Pflegefachkraft ist für die Vor- und Nachbereitung der OP-Säle und der benötigten Instrumente zustän- dig. Sie bereiten die Instrumente vor, reichen diese den Operateuren an und zählen sie nach.

Grafiken: Getty Images

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THEMA

Roboter und High-Tech

Noch vor einigen Jahren hätte die moderne OP-Technik von heute gewirkt wie aus einem Science-Fiction-Film.

Dr. Stoffels operiert mit dem DaVinci.

G elenkersatz aus dem 3-D- Drucker, holografisch as- sistierte Operationen und OP-Roboter, die der Chirurg von einer Konsole aus steuert. Solche High-Tech-Verfahren haben längst Einzug in den OP gehalten und wer- den künftig noch an Bedeutung ge- winnen. Im Kölner Heilig Geist-Krankenhaus kommt mit dem DaVinci ein roboter- assistiertes System zum Einsatz. Am interdisziplinären Robotikzent- rum in Köln-Longerich arbeiten alle drei zertifizierten Krebszentren mit

dem DaVinci-System: Das Prosta- takrebszentrum unter der Leitung von Chefärztin Dr. Petra Stamm, das gynäkologische Krebszentrum mit Chefarzt Dr. Claudius Fridrich sowie das Darmkrebszentrum mit Priv.- Doz. Dr. Burkhard Stoffels, seit April Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie. Der DaVinci-Roboter kann komple- xe Informationen in präzise Bewe- gungen umsetzen. Er besteht aus zwei Hauptkomponenten: erstens der Kontrollkonsole, an der der Ope- rateur während des Eingriffs sitzt

und die Roboterarme über den 3-D- Monitor steuert. Zweitens umfasst das Gerät ein fahrbares Stativ mit vier Armen: Drei Arme werden mit Spezialinstrumenten bestückt, der vierte hält eine 3-D-Kamera, deren Bild in die Konsole übertragen wird. Flexibilität und Präzision sprechen für den DaVinci: Die vergrößerte Visualisierung von Körperinnenräu- men und die sehr hohe Bewegungs- freiheit der Instrumente erlauben schonendes Operieren auch an sehr schwer zugänglichen Stellen. Gerade fachübergreifende Eingrif-

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THEMA

Die Roboterarme des DaVincis.

fe im Becken und Bauchraum kön- nen so interdisziplinär geplant und durchgeführt werden. Die Technik erleichtert dem Operateur die Ar- beit und ist äußerst schonend für die Patienten. „Die Robotik erlaubt es, Eingriffe verschiedener Fachbe- reiche interdisziplinär zu planen und gemeinsam hochpräzise durchzu- führen. Dies bietet gerade bei kom- plexen Operationen im Becken und Bauchraum große Vorteile“, so Stof- fels. Das sei nicht nur eine Erleich- terung für die Operateure, sondern auch schonend für die Patienten.

men, litt unter extremen Schmerzen und saß seit sechs Monaten im Roll- stuhl.Geholfenwerden konnte ihr mit einer maßgefertigten Beckenersatz- teil-Prothese. Digitale Tools kamen gleich mehrfach zum Einsatz. Aus den Daten der Computertomografie (CT) und der digitalen Volumento- mografie (DVT) wurde zunächst ein digitales Modell des Gelenks erstellt und dann am 3D-Printer gedruckt. Anhand dieser originalgetreuen Ko- pie konnte die Operation optimal vorbereitet und das exakt passende Implantat aus dem 3D-Printer (La- sersinterungsverfahren) gedruckt werden. Die individualisierte Total-Endo- prothese wurde in einem nur zwei- stündigen Eingriff eingesetzt. Bei der Operation nutzte Schlüter die Microsoft Hololens-Brille. Anhand ei- nes holografischen 3D-Bildes sieht der Operateur alle Operationsschrit- te dreidimensional vor sich. So konn- te die Patientin höchst effizient und schonend operiert werden. Heute kann die 76-Jährige wieder laufen und die Hüfte voll belasten – dank High-Tech im OP. (I.G./J.P.)

Hololens-Brille. Segensreich ist die Technik vor allem bei Patienten mit schweren Schädigungen der Ge- lenkstrukturen. Bestes Beispiel ist die Operation einer 76 Jahre alten Patientin, die Ende 2020 in einer ho- lografisch assistierten OP eineTotal- Endoprothese der Hüfte erhielt. Bei dieser ‚Weltpremiere‘ kamen sowohl digitale OP-Planung und 3D-Druck als auch holografische Assistenz im OP zum Einsatz. Die 76-jährige Patientin hatte vor 25 Jahren eine Hüftprothese bekom-

3-D-PLANUNG UND HOLOGRAFISCH GESTÜTZTES OPERIEREN

Um höchste Präzision geht es auch am Endoprothetikzentrum am Köl- ner St. Franziskus-Hospital. Chefarzt Dr. Klaus Schlüter-Brust nutzt dort digitale OP-Planung und die 3-D-

Dr. Schlüter- Brust demons- triert die Holo- lens-Kamera.

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THEMA

Förderprojekt VR-Brille Virtuelle Realität als Unterstützung der Anästhesie. M ithilfe von virtueller Rea- lität Patienten in eine an- genehme und beruhigen-

„Unser Anliegen ist es, den Men- schen die bestmögliche Medizin, Pflege, Versorgung und persön- liche Zuwendung angedeihen zu lassen“, betont der Geschäfts- führer. „Hier werden uns jedoch an einzelnen Stellen finanzielle Grenzen gesetzt, die wir mit Zu- wendungen für definierte Förder- projekte überwinden möchten. Dabei sind wir auf Ihre Unterstüt- zung angewiesen. Ganz gleich, ob einmalig oder dauerhaft: Jede Spende ist wichtig und hilft, Pati- enten eine OP so angenehm wie möglich zu machen.“ (M.M)

ren und zu sehen, wie an ihnen ‚herumgedoktert‘ wird. Daher möchte das Krankenhaus für die Patienten ‚Virtual Reality Brillen‘ anschaffen, die es ihnen ermög- lichen, sich an einen sicheren Ort zu träumen. Wie das funktioniert? „Mithilfe der VR-Brillen wird eine Wohlfühlatmo- sphäre geschaffen, in der die Pati- enten die OP imPrinzip vergessen“, erklärt von der Horst. Vor allem sei es wichtig, dass sie die Geräusche der OP nicht hören. Und was eig- net sich dafür besser als eine VR- Brille, mit der man seine Umgebung komplett ausblenden kann?

de Umgebung versetzen – das ist unser Ziel“, so Patrick von der Horst, Geschäftsführer des Köl- ner Heilig Geist-Krankenhauses. Denn es gibt Momente, da möch- te man lieber woanders sein. Eine OP ist für viele Menschen ein sol- cher Moment. Manche Operationen können in Teilnarkose erfolgen. So kann der Patient während einer Operati- on selbst atmen und bleibt wach. Für viele ist es allerdings eine beängstigende Vorstellung zu hö-

Spendenkonto: Heilig Geist-Krankenhaus, IBAN: DE67 3702 0500 0001 0340 13, Kennwort: VR-Brille für Patienten bei einer OP

Einsatzmöglichkeiten der VR-Brille

Zur Entspannung vor der OP

Während der OP

Zur Entspannung nach der OP

Folge: Eine angstlösende Wirkung und ein natürlich entspannter Patient für eine schnellere Erholung nach einer Operation.

Folge: Ein entspannter Patient. Eine Lösung zur Behandlung und Reduzie- rung des Angstempfindens und eine Ergänzung zur Anästhesie, welche die Schmerzen, den Bedarf an Beruhi- gungsmitteln und die Nebenwirkungen verringert.

Folge: Eine langfristige schmerz- lindernde Wirkung, eine drasti- sche Reduzierung des Morphin- Einsatzes und eine schnellere Genesung.

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THEMA

Nach der OP ‚aus der Spur‘? Wie man einem Delir vorbeugen kann. E in Delir kann als Komplikation nach einer Operation entste- hen. Der Begriff bedeutet in

eingeschränkten oder demenziell ver- änderten Patienten. Da deren Anzahl aufgrund der demografischen Entwick- lung zunimmt, haben die Krankenhäu- ser der Stiftung der Cellitinnen nach- haltige Strukturen für eine sogenannte delirsensible Versorgung geschaffen. Seit 2019 findet ein verbundweit erar- beitetes Konzept zum Demenz- und Delirmanagement in allen Kranken­ häusern Anwendung:

ursprünglicher Übersetzung „aus der Spur geraten“ und beschreibt einen Zustand, in dem die Patienten häufig orientierungslos sind, halluzinieren oder unter Angstzuständen leiden.

Das Risiko für ein postoperatives De- lir steigt vor allem bei älteren, kognitiv

 Bereits bei der Aufnahme im Krankenhaus beginnt die Vorbeugung durch die Identifikation von gefähr- deten Patienten mittels ei- nes Eingangsscreenings.  Es werden Narkosever- fahren und Medikamente ausgewählt, die ein gerin- geres Risiko für ein Delir darstellen.  Für eine bessere Ori- entierung rund um die OP können die Patienten ihre Brillen und Hörgerä- te durchgängig benutzen, das gibt ihnen Sicherheit.

 Angehörige können di- rekt nach der Operation zu den Patienten, wenn deren Zustand es zu- lässt, um bei der Orien- tierung nach der Narkose zu unterstützen.  Sollte ein Delir einsetzen, erkennen geschulte Pfle- gekräfte und Ärzte dies frühzeitig und ergreifen ent- sprechende Maßnahmen.  Besonders gefährdete Pa- tienten werden bis zu ihrer Entlassung durch speziell geschulte Pflegekräfte begleitet.

den in die Datenbank ‚Gesundes Land NRW‘ für innovative, qualitätsgesicherte Projekte aufgenommen. (A.Re.)

Dieses Konzept wurde durch das Land NRW gewürdigt: Das St. Vinzenz-Hospi- tal und das St. Franziskus-Hospital wur-

Grafik: Getty Images

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Fundament

FUNDAMENT

Zeichen der Nähe Gottes

Die ökumenische Krankenhausseelsorge an denWuppertaler Krankenhäusern der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria stellt sich vor.

Pfarrer Dr. Reiner Nieswandt

1962 in Düsseldorf ge- boren, habe ich in Bonn und Jerusalem Theologie studiert; neben priesterlicher Tätigkeit in verschiedenen Gemeinden habe ich schon früher mehrere Jahre in der Psychiatrieseelsorge in Köln gearbeitet. Vor zwei Jahren übernahm ich die Teamleitung der Katholischen Krankenhaus- seelsorge in Wuppertal. Ich spende das Sakrament der Krankensalbung an allen Wuppertaler Häusern, führe Seelsorgegespräche und feiere Gottesdienste.

D as Team der Kranken- hausseelsorge in Wupper- tal hat sich in den letzten Monaten neu aufgestellt. Es be- steht aus fünf Seelsorgern, die sich und ihre Arbeit hier gerne vor- stellen. Ihre Arbeit erstreckt sich auf alle Standorte des Verbundes in Wuppertal, mit Schwerpunkten

auf das Krankenhaus St. Josef in Elberfeld und das Petrus-Kranken- haus in Barmen. Unser Selbstverständnis: Wir wol- len nahe bei allen Menschen sein, die sich im ‚System Krankenhaus‘ befinden. Dies gilt für Menschen jeglicher Herkunft, Kultur und Re- ligion, Lebensumstände und Iden-

tität, denen wir mit Respekt und Achtung begegnen. Da sind zu- nächst natürlich die Patienten. Zu einer guten Versorgung kranker Menschen gehört auch das Ange- bot einer qualifizierten religiösen beziehungsweise spirituellen Be- gleitung. Ferner die vielen Mitar- beiter in den Häusern, egal in wel-

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FUNDAMENT

Schwester Ritty Chazhoor Georg

Pfarrerin Michaela Kuhlendahl

Schwester Priya Thandappilly

Ich wurde 1963 in Kerala, Indien, geboren und gehöre seit 1984 zur Gemeinschaft der‚Franciscan Clarist Congre- gation‘ (FCC). Seit 1989 lebe ichin Wuppertal, bin ausgebil- dete Krankenschwester sowie Seelsorgerin. Für Menschen als Seelsorgerin ansprechbar zu sein, für ihre Ängste, für das Sortieren ihres Lebens, für Sinnfragen und Zorn, warum einen ein solches Schicksal ereilt, Menschen beim Abschiednehmen und Sterben zu begleiten – das ist nicht im- mer leicht, aber ich bin dankbar, eine solche Arbeit verrichten zu dürfen. cher Tätigkeit. Gerne haben wir für sie ein offenes Ohr, nicht nur wenn es um Belastungen aus der täglichen Arbeit geht. Nicht zuletzt gilt unsere Arbeit auch den vielen Angehörigen, besonders in der aktuellen Zeit der Corona-Pande- mie. Oft erleben wir uns als einen hilfreichen Puffer zwischen Nöten

Ich bin 1966 in Wuppertal geboren und habe evangeli- sche Theologie in Bochum und Wuppertal studiert. Seit 2000 arbeite ich in der Kranken- hausseelsorge im Petrus-Kran- kenhaus. Schwerpunktmäßig begleite ich palliative und Inten- siv-Patienten.Vor fast zwanzig Jahren haben wir ökumenische Gedenk-Gottesdienste für Verstorbene und ihre Angehö- rigen entwickelt und merken bis heute, dass dies ein enorm wichtiges Angebot ist. Men- schen in schweren Krankhei- ten und am Lebensende zu begleiten, verstehe ich als Kern meiner Seelsorgearbeit.

1987 bin ich in die ‚Congrega- tion of Sisters of Charity‘ in Kerala, Indien eingetreten. Seit 2008 bin ich in Wuppertal als Krankenschwester tätig, seit 2014 als Seelsorgerin im Petrus-Krankenhaus. Die Schwerpunkte meiner Ar- beit: Beistand am Krankenbett für Patienten und Angehörige. Ich nehme mir Zeit zum Zu- hören und zum Gespräch, un- abhängig von Konfession und Religion. Ebenso habe ich ein offenes Ohr für die Anliegen der Mitarbeiter, besonders während der Coronazeit.

und Wünschen der Angehörigen und Erfordernissen des laufenden Betriebs. Das Herz unserer Tätigkeit aber sind nicht unsere Büros, sondern die Kapellen in unseren Häusern, als Räume der Stille wie auch des gemeinschaftlichen, oft ökumeni- schen Gebets. (R.N.)

Pastorin Dr. Christine Falkenroth war zum Zeit- punkt der Erstellung dieses Artikels verhindert; sie ist vorwiegend in der Geriatrie des Petrus-Krankenhauses

und am Krankenhaus St. Josef im Einsatz.

Fotos: Malte Reiter

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FUNDAMENT

Die Bronzeplastik von Lambert Piedboeuf.

Thomas von Kempen Eine Erinnerung an den Verfasser der ‚Nachfolge Christi‘, der vor 550 Jahren gestorben ist.

T homas Hemerken wurde weltbekannt als ‚Thomas von Kempen‘, wo er 1379 oder 1380 geboren wurde. Den weitaus größten Teil seines Le- bens verbrachte er ab 1392 in den heutigen Niederlanden, zunächst als Schüler in Deventer und dann als Augustiner-Chorherr in Zwol- le. Vor 1427 hat Thomas dort sein epochales Werk, die ‚Nachfol- ge Christi‘, aus eigenen und ihm

Vertreter der ‚Devotio moderna‘ auf Umkehr und Neubesinnung. Sie waren davon überzeugt, dass sich Erneuerung stets im Herzen jedes Einzelnen vollzieht, dass alles davon abhängt, wie sehr immer wieder die persönliche Be- ziehung zu Christus gesucht und gepflegt wird. So verwirklichten Frauen und Männer ein stilles, geistliches und zugleich guten Taten zugewandtes Leben. Man-

zur Verfügung stehenden Texten zusammengestellt.

Alle von ihm verfassten Schriften sind geprägt von der ‚Devotio mo­ derna‘, jener damals vor allem von Nordwest-Europa ausgehenden Frömmigkeits- und Erneuerungs­ bewegung der Kirche, deren Glaubwürdigkeit durch Machtstre- ben und Verweltlichung massiv be- schädigt war. Dagegen setzten die

Foto: Kulturamt der Stadt Kempen

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FUNDAMENT

che fanden für sich eine Form des Zusammenlebens auch ohne Ordensgelübde, zugleich ent- stand aus dem Ideal des Neu- aufbruchs ein Reformzweig des Augustinerordens, dem Thomas dann lange Zeit angehörte. Die ‚Nachfolge Christi‘ – eine Schrift aus dem 15. Jahrhun- dert – immer noch aktuell? Je- denfalls findet man in beinahe jedem Lexikon- oder Zeitschrif- tenartikel zur ‚Nachfolge Christi‘ den Zusatz, diese sei das nach der Bibel in ca. 3000 Ausgaben meist verbreitete Buch. Es gibt Übersetzungen des lateinisch geschriebenen Textes in 95 Spra- chen und auch eine gut gemach- te, neue deutsche Ausgabe in der Übertragung von Peter Dyckhoff. Die Lektüre ist sicher keine leichte Kost. Deutlich und ohne Um- schweife geht es um menschliche Unzulänglichkeiten, deren Er- kenntnis zur Abkehr von Äußerlich­ keiten und Selbstüberschätzung führen soll. Zu einem vertieften geistlichen Leben gibt das Le- bensvorbild Jesu Christi die nöti- ge Orientierung. In Kempen verbrachte Thomas ei- gentlich nur seine Kindheit, den- noch scheint dort das Gedenken an ihn nach wie vor lebendig zu sein. Dies zeigt sich dem Sportinter­ essierten am örtlichen ‚SV Tho- masstadt 09/24‘, im Stadtbild selbst am Gymnasium Thomaeum, der evangelischen Thomaskirche und an sogar zwei Denkmälern, die im Abstand von mehr als einhun- dert Jahren dem großen Sohn er-

„In allem habe ich Ruhe gesucht und nicht gefunden, außer in einemWinkel mit einem Buch.“

Seit 2018 steht das neue Tho- mas-Gedenkmal am Kempener Donkring. Die Künstlerin Edith E. Stefelmanns hat vier Stelen, drei aus Stahl, eine aus Granit, gestal- tet, die auf einer quadratischen Grundfläche zusammenstehen. Auf der Steinstele sind prägnante Zitate aus der ‚Nachfolge Christi‘ eingraviert. (W.A.)

richtet wurden und die vor allem zeitbedingte Veränderungen in der Denkmalkultur vor Augen führen. Neben der Propsteikirche St. Marien findet man die auf einem Steinso- ckel platzierte, eindrucksvoll-wuchti- ge Bronzeplastik des spätmittelalter­ lichen Gelehrten, die 1901 von dem Aachener Bildhauer Lambert Pied- boeuf geschaffen wurde.

Das neue Thomas-Denkmal der Künstlerin Edith E. Stefelmanns

Foto: Kirsten Pfennings, Stadt Kempen

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FUNDAMENT

Ein Tag mit … Schwester Rency

von den Teresian Carmelites

Das Leben als Ordensfrau ist nichts für Langschläfer. Der Tag beginnt für Schwester Rency mit einem kurzen Morgengebet und anschließenden Turnübungen.

G ott und den Menschen zu dienen, das war Schwester Rencys Mo- tivation, in ihrem Heimatland Indien in den Orden der Teresi- an Carmelites einzutreten. Ihre Vorbilder waren die Ordens- frauen ihrer christlichen Schu- le und ihr Onkel, der Priester war. Vor 25 Jahren schickte der Orden sie nach Deutsch- land. Seit nunmehr neun Jah- ren lebt sie im Seniorenhaus Burg Ranzow, Kleve, wo sie in der Sozial-Kulturellen Be- treuung der Bewohner tätig ist. Wie sieht der Tagesablauf ei- ner caritativ tätigen Ordensfrau aus? Das CellitinnenForum hat Schwester Rency begleitet. (S.St.)

Schwester Rency und ihre Mitschwestern Reetha (re) und Jency finden sich in der Kapelle des Seniorenhauses ein. Die nächsten an- derthalb Stunden gehören dem Morgenlob (Laudes), das die Stun- denliturgie des Tages eröffnet, dem stillen Gebet und der Meditation.

Geistlich gestärkt, geht es zum Frühstück in die ‚Klausur‘. Das ist der Teil des Senioren- hauses, den nur die Teresian Carmelites betreten dürfen, in dem sich ihre Zimmer und Aufenthaltsräume befinden. Um 9:00 Uhr nehmen die Ordensfrauen in der Kapelle an der hl. Messe teil. Bis zum Dienstantritt bleibt ihnen da- nach noch Zeit für ein weiteres stilles Gebet.

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FUNDAMENT

Schwester Rency beginnt ihren Dienst im benachbarten Senioren­ haus St. Monika. Sie betreut die Bewohner und ist zur Stelle, wenn in den Hausgemeinschaften Hilfe benö­ tigt wird. Für das gute Miteinander in St. Monika trägt die Ordensfrau viel bei, allein durch ihre Anwesenheit, ihre Ruhe und ihre Fähigkeit, zuzu­ hören. Sie nimmt sich Zeit für die Menschen, ihre Lebensgeschichten oder Erzählungen von den Enkelkin­ dern. Auch Sorgen und Nöte sind bei Schwester Rency gut aufgehoben. Manchen Bewohnern reicht es auch, einfach ihre Nähe zu spüren.

Nach der Mittagspause warten schon die Bewohner auf Schwester Rency, um ein wenig zu plaudern.

Schwester Rency stimmt mit ihren Mitschwestern das Abendgebet (Vesper) in der Kapelle an. Bis kurz vor 20.00 Uhr beten sie den Rosen­ kranz und meditieren.

Zwischenzeitlich wechselte Schwes­ ter Rency turnus­ gemäß nach Köln, in das Senioren­ haus St. Maria. Das CellitinnenForum wünscht ihr einen guten Einstieg in die neue Um­ gebung!

Die Schwestern beten das Nachtgebet und ziehen sich dann zur stillen Zeit in ihre Zimmer zurück. Falls sie nicht zu einem Sterbenden gerufen wer­ den, klingelt um 5:00 Uhr wieder der Wecker.

Im Wohnzimmer der Klausur geht der Fernseher an: Die Nachrichten beginnen. Danach gibt es Abendbrot und Zeit zur freien Verfügung.

Fotos: Alois Müller, Getty Images

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FUNDAMENT

1900

v. li: Sr. M. Nikomedia, Sr. M. Ansgara, Sr. M. Climaka – drei leibliche Schwestern mit ihren Eltern in der Ordenstracht 1913–1932.

Ein Kleid für gut und zwei für alltags Ordensleute beherrschen das ‚Kleiderschrank- Projekt‘ seit Jahrhunderten. W as ziehe ich heute an? Ein Blick in den Kleider­ schrank ist für viele die

sie sich an die Menschen gewandt hätten, die dieses Prinzip schon seit Jahrhunderten beherrschen – die Ordensleute. Der Habit (lat. habitus = Gesinnung, Verhalten) oder in der deutschen Bezeich­ nung die Ordenstracht verdeutlicht die Reduzierung auf das Wesent­ liche. Sie ist Zeugnis der Armut und des einfachen Lebens sowie Symbol der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft mit einer bestimm­ ten Gesinnung. Viele kontemplati­ ve Ordensleute, beispielsweise die Benediktiner, tragen bis heute ihren Habit fast unverändert, bestehend aus Untergewand (Tunika), Gürtel (Zingulum), Überwurf (Skapulier) sowie zum Chorgebet einem man­

telartigen Übergewand (Kukulle). Hinzu kommt bei den Ordensfrau­ en noch der Schleier, der bis weit in das 20. Jahrhundert Haare und Hals vollständig bedeckte. Die Einkleidung, also der Tag des Anlegens der Ordenstracht, ist ein besonderer Festtag. Der Postulant ersucht um die Aufnahme in die Gemeinschaft. Als sichtbares Zei­ chen der Zugehörigkeit erhält er den Habit, meist mit einem weißen Attribut, und wird so zum Novizen. In vielen Gemeinschaften tragen Novizinnen einen weißen Schleier, der nach der zeitlichen oder ewigen Profess dann durch einen schwar­ zen ersetzt wird.

erste Herausforderung des Ta­ ges: Frauen besitzen im Schnitt 117 Kleidungsstücke, Männer 73. Hinzu kommen noch Unterwäsche, Socken und Schuhe. Studien bele­ gen, dass bis zu 40 Prozent dieser Kleidungsstücke nie oder nur selten getragen werden. Deshalb haben ‚Aufräum-Coaches‘ und ‚Minima­ lismus-Gurus‘ lange am ‚Kleider­ schrank-Projekt‘ gefeilt und kom- men zu dem erstaunlichen Ergeb­ nis: 37 Teile sind genug!

Eine Menge Arbeit hätten sich die­ se ‚Experten‘ sparen können, wenn

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