Die Informationen zur Einnahme
von Medikamenten in der Stillzeit
sind ebenso spärlich, wie zur Arznei-
mitteltherapie in der Schwanger-
schaft. In der überwiegenden Zahl
der Gebrauchsinformationen findet
sich ein Hinweis auf unzureichende
Erfahrung während der Stillzeit.
Dennoch werden auch während der
Stillzeit relativ viele Arzneimittel
eingenommen. Die Zahl chronisch
kranker Mütter liegt wie auch in der
Schwangerschaft bei etwa fünf Pro-
zent. Die häufigsten chronischen Er-
krankungen sind Epilepsie, Diabetes
und Bluthochdruck. Nach der Ge-
burt kommt es nicht selten zur
postpartalen Depressionssympto-
matik, unter der etwa zehn bis 15
Prozent der Mütter leiden. Außer-
dem treten Infektionskrankheiten
auf, die mit Antibiotika behandelt
werden. In den ersten Tagen nach
der Geburt werden vor allem
Schmerzmittel und Laxantien benö-
tigt.
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In den meisten Fällen muss
das Stillen, die beste Versorgung für
den Säugling während der ersten
Lebensmonate, wegen einer Arznei-
mitteleinnahme der Mutter nicht
unterbrochen werden (Abbil-
dung 1). Bei der Auswahl geeigne-
ter Medikamente werden beim
Säugling keinerlei unerwünschte
Arzneimittelwirkungen zu beob-
achten sein.
Die Besonderheit in der Stillzeit im Ver-
gleich zur Schwangerschaft ist der nun
metabolisch aktive Säuglingsorganismus,
der sich allerdings erst langsam an die An-
forderungen außerhalb des Mutterleibs
anpasst. Auch ist die Plazentaschranke
nicht identisch mit der Milch-Plasma-
Schranke. Man muss also die pharmakolo-
gischen Besonderheiten von Mutter und
Kind gleichermaßen berücksichtigen.
Milchbildung
Die Brust ist aus Drüsen-, Fett- und Bin-
degewebe aufgebaut. Das Drüsengewebe
Medikamente
während der
Stillzeit
Update zur Arzneimittelauswahl
ABBILDUNG 1:
Stillen und Arzneimitteleinnahme schließen sich oft nicht aus.
Dörte Schröder-Dumke (Wedel).
Dr. Constanze Schäfer (Mühlheim
an der Ruhr).
Dörte Schröder-Dumke
Dr. Constanze Schäfer
Foto: Stanislav Uvarov – Fotolia.com
BERATUNGSTIPP: „EIN PAAR
VITAMINE UND MINERALSTOFFE
WÄHREND ICH STILLE SIND DOCH
BESTIMMT GUT?“
Bei einer ausgewogenen Ernährung
sind Vitamine und Mineralstoffe wäh-
rend der Stillzeit eigentlich nicht not-
wendig (Abbildung 2). Besteht post-
partal ein Eisenmangel der Mutter,
sollte dieser natürlich behandelt wer-
den. Auch bestehende Mangelzustän-
de, die Auswirkungen auf das Gedei-
hen des Säuglings haben, wie Vitamin
B 12 und Zink – bei sich vegan ernäh-
renden Müttern zu finden – müs-
sen konsequent substituiert werden.
Vitamin D zur Rachitisprophylaxe
und Fluorid für die Zähne sollte der
Säugling nach Möglichkeit direkt er-
halten, da die über die Muttermilch
zuführbaren Dosen nicht ausreichen.
Einzig bei Jodid wird wegen des guten
Übergangs von Jodid aus dem Plasma
in die Muttermilch (s. Milch-Plasma-
Quotienten), eine tägliche Zufuhr von
260 µg für die Mutter empfohlen, um
den bis zum vierten Lebensmonat auf
50 µg täglich ansteigenden Bedarf des
Säuglings an Jodid sicherzustellen.
AKWL Fortbildung Aktuell – Das Journal /
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DR. CONSTANZE SCHÄFER / DÖRTE SCHRÖDER-DUMKE




