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Fortbildung aktuell – Das Journal
Nr. 3/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe 9
Dr. Hiltrud von der Gathen
dalafil und Vardenafil können diese Ne-
benwirkung zeigen.
Bei der Beratung ist dem Patienten zu-
nächst zu erklären, dass die Kopfschmer-
zen ein Zeichen der Wirkung sind. Davon
wird er wahrscheinlich nicht begeistert
sein, da er sich gerade in der ersten Zeit
der Blutdrucksenkung schlechter fühlt
als vorher mit höherem Blutdruck. Des-
halb muss ihm weiter erläutert werden,
dass sich die Kopfschmerzen im Laufe von
ca. zwei bis drei Wochen bessern werden,
da sich der Körper an die Gefäßerweite-
rung gewöhnt. Dies gilt natürlich nur für
die gefäßerweiternden Arzneistoffe, die
als Dauermedikation gegeben werden.
Kopfschmerzen können auch als Neben-
wirkung von Estrogenen und Gestagenen
auftreten, die als Hormonersatzthera-
pie (hormone replacement therapy, HRT)
in der Menopause oder als Kontrazep-
tiva eingesetzt werden. Hier verschafft
nur das Absetzen des Arzneimittels Bes-
serung.
Nebenwirkung Obstipation
Gerade im fortgeschrittenen Alter ist Ob-
stipation ein häufig anzutreffendes Phä-
nomen. Neben Bewegungs- und Flüssig-
keitsmangel sowie Einschränkung der Zu-
fuhr von Ballaststoffen, die von Älteren
auf Grund eines Gebisses meist schlech-
ter gekaut werden können, ist oft auch
eine falsche Vorstellung von der notwen-
digen Stuhlfrequenz die Ursache. Die Re-
gel lautet: Der Stuhlgang ist normal, wenn
es zwei- bis dreimal am Tag oder zwei- bis
dreimal pro Woche zu einer Stuhlentlee-
rung kommt. Viele ältere Menschen ha-
ben jedoch die Vorstellung, dass der län-
gere Aufenthalt von Stuhl im Darm schäd-
lich ist. Außer bei einem Darmverschluss
trifft dies nicht zu. Des Weiteren sind sie
häufig von der produzierten Menge ent-
täuscht. Je ballaststoffärmer die Kost ist,
desto geringer ist die Stuhlmenge. Bei
normaler mitteleuropäischer Kost beträgt
das Stuhlgewicht etwa 150 bis 200 g. Die-
se Menge kann dem Patienten anschau-
lich mit einem kleinen Töpfchen Quark
oder Joghurt erläutert werden, das genau
diese Menge fasst.
Bei Klagen eines älteren Patienten über
eine schlechte Verdauung ist immer nach
seiner Medikation zu fragen und zu klä-
ren, ob die Obstipation ein arzneimittel-
bedingtes Problem sein könnte (Tabel-
le 5).
Bei Kenntnis der Einnahme obstipie-
render Arzneimittel ist darüber hinaus
aktiv nachzufragen, wie es um die Ver-
dauung bestellt ist, da viele Patienten
die Probleme nicht mit einer Arzneimit-
telgabe in Zusammenhang bringen. So
ist der Parkinsonpatient besonders von
Verdauungsproblemen betroffen, da die
Beschwerden sowohl durch die Grund­
erkrankung als auch durch die Gabe von
Levodopa und / oder Dopaminagonisten
wie Pramipexol, Rotigotin, Ropinirol als
Nebenwirkung hervorgerufen werden.
Dem Patienten dann zu raten, dass er sich
mehr bewegen soll, um das Problem zu
beheben, ist genauso wenig ethisch ver-
tretbar wie diese Vorgehensweise einem
mit Opiaten oder Opioiden behandel-
ten Schmerzpatienten zu empfehlen. Bei-
den Patienten muss geraten werden, sich
Laxantien wie Macrogol, Bisacodyl oder
Fortbildung aktuell – Das Journal
der Apothekerkam er Westfalen-Lip e 9
Tabelle 4:
Arzneistoffe, die Kopfschmerzen auslösen können.
Arzneistoff
Calcium-Kanal-Blocker wie Amlodipin, Felodipin Diltiazem, Verapamil
Zentrale Antihypertonika wie Clonidin, Moxonidin
NO-Donatoren wie ISMN/ISDN, Nitroglycerin, Molsidomin; PDE-5-Hemmer
Estrogene, Gestagene
Tabelle 5:
Arzneistoffe und Erkrankungen, die Obstipation auslösen können.
Arzneistoff
Opiate und Opioide
L-Dopa und Dopaminagonisten
Anticholinergika: Memantin, Trizyklika wie Amitryptilin, Opipramol, Doxepin, Neuro-
leptika wie Olanzapin, Urologika wie Oxybutynin, Trospium
Diuretika
Eisen
Verapamil
Omeprazol
Gabapentin
Erkrankungen
Parkinson
Multiple Sklerose
Diabetische Neuropathie
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Ileus
MERKE:
Kopfschmerzen können ein Zeichen
der Wirkung sein!
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