FB-aktuell_Journal_1_2014 - page 11

Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe 11
Dr. Hiltrud von der Gathen
die Leistungsfähigkeit einschränken. Zu
Beginn aber auch im weiteren Verlauf
müssen Blutdruck und Blutzucker vor
allem bei Beschwerden überprüft wer-
den, um ein zu starkes Absinken der Wer-
te zu vermeiden. Bei einer Hypertoniebe-
handlung muss bei Männern darauf ge-
achtet werden, welche Arzneistoffe im
Fall einer gleichzeitig bestehenden Pros-
tatahyperplasie zur Anwendung kom-
men, gegebenenfalls auch bei Verord-
nung durch einen Urologen. Die verwen-
deten
α
-Blocker Doxazosin und Tamsulo-
sin senken den Blutdruck möglicherwei-
se zusätzlich. Bei den im Alter bei Herzin-
suffizienz häufig eingesetzten
β
-Blockern
kann die arzneistoffbedingte Einschrän-
kung der Leistungsfähigkeit den Einsatz
limitieren.
Auch ZNS-wirksame Pharmaka führen
zu dieser Nebenwirkung. Dazu gehören
Benzodiazepine, Zolpidem, Zopiclon und
Trizyklika, die als Hypnotika verwendet
werden. Hier muss der Patient eine aus-
reichend lange Bettruhe einhalten und
darf in der Nacht bei Schlaflosigkeit nicht
nachdosieren. Bei den drei Erstgenannten
ist von einem Dauergebrauch abzusehen.
Bei den als Antidepressiva eingesetz-
ten Trizyklika und auch bei Neuroleptika
ist ebenfalls mit einer Einschränkung zu
rechnen.
Auch beeinträchtigen einige Erkran-
kungen die Leistungsfähigkeit (Tabelle 6).
Eine Exsikkose gehört dazu. Diese kann
durch eine unzureichende Flüssigkeits-
zufuhr und / oder die Gabe von Diuretika
hervorgerufen werden. Hier sollte der Pa-
tient nach seinen Trinkgewohnheiten ge-
fragt und ihm deutlich gemacht werden,
dass im Alter das Durstgefühl nachlässt
und er auch dann trinken muss, wenn er
keinen Durst verspürt. Das Hochziehen ei-
ner Handfalte auf dem Rücken, die sich
nicht wieder sofort glättet, ist ein ein-
facher Hinweis, ob die Flüssigkeitszufuhr
ausreicht.
Die Beeinflussung gewisser Blutparame-
ter kann ebenfalls zu einer Einschrän-
kung führen. Bei Klagen sollte dem Pa-
tienten die Untersuchung der Hb- und
Eisenwerte angeraten werden. Die regel-
mäßige Anwendung von Acetylsalicylsäu-
re (ASS) auch zur Thrombozytenaggre-
gationshemmung und die häufige Gabe
nicht-steroidaler Analgetika (NSA) wie
Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und In-
dometacin bei Schmerzen bergen das Ri-
siko gastrointestinaler Mikroblutungen
mit einem Blutverlust, der sich in einer
Leistungsminderung äußern kann. Außer-
dem sollten sowohl die Leber- als auch die
Schilddrüsenwerte überprüft werden. Le-
bererkrankungen können sich ebenso wie
eine Hyper- oder Hypothyreose durch das
Symptom Müdigkeit äußern. Bei den über
65-jährigen leiden ca. vier Prozent unter
einer Hypothyreose und ca. acht Prozent
unter einer Hyperthyreose.
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Bei Klagen über eine Leistungsminderung
sollte der Apotheker immer auch an das
Vorliegen einer Herzinsuffizienz und ei-
ner Depression denken. Beide Erkran-
kungen führen bei Behandlung zu einer
deutlichen Erhöhung der Lebensquali-
tät. Gerade die Altersdepression ist eine
in Deutschland oft unterdiagnostizierte
Erkrankung. Hier erspart Beratung dem
Patienten unnötiges Leid, wenn ihm ein
Arztbesuch empfohlen wird. Auch die im
Folgenden behandelten Schlafstörungen
führen zu einer Einschränkung der Lei-
stungsfähigkeit.
Nebenwirkung Schlafstörungen
Das tägliche Wohlbefinden wird entschei-
dend durch einen erholsamen Schlaf ge-
prägt. Schon Heinrich Heine bezeichnete
den Schlaf als „die köstlichste Erfindung“.
Und der Philosoph Arthur Schopenhauer
bemerkte: „Der Schlaf ist für den Menschen
das, was das Aufziehen für die Uhr ist.“
Viele ältere Menschen klagen über einen
schlechten Schlaf. Objektiv messen lässt
sich die Schlafqualität nur im Schlaflabor.
Die Abfolge von drei bis vier REM-Schlaf-
phasen (REM: Rapid Eye Movements) mit
dazwischen liegenden Tiefschlafphasen
garantiert eine gute Schlafqualität. In
vielen Fällen ist das Problem auch auf ei-
ne falsche Erwartungshaltung zurückzu-
führen. Nach einer Untersuchung des Fo-
cus (Ausgabe 8 / 2014) benötigen knapp
40 Prozent der Bevölkerung nur bis zu
sechs Stunden Schlaf. Da Ältere oft früh
schlafen gehen, ist dann das zeitige Auf-
wachen normal und nicht behandlungs-
bedürftig. Außerdem spielt die Schlaf­
hygiene eine entscheidende Rolle. Eine
gute, nicht durchhängende Matratze, ab-
solute Dunkelheit und Stille sowie eine
eher kühle Zimmertemperatur verbessern
Fortbildung ktuell – Das Journal
MERKE:
Die Einschränkung der Leistungsfä-
higkeit kann nicht nur alters- son-
dern auch arzneimittelbedingt sein.
Tabelle 6:
Arzneistoffe und Erkrankungen,
die die Leistungsfähigkeit vermindern
können.
Arzneistoff
Laxantien
Diuretika
Antihypertonika
Antidiabetika
ZNS wirksame Pharmaka
ASS/NSA bei Daueranwendung
Erkrankungen
Hyper-/Hypokaliämie
Exsikkose
Niedrige Hb-/Eisenwerte
Herzinsuffizienz
Depression
Schlafstörungen
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