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Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe
F rtbildung aktuell – Das Journal
Nr. 1/2014 der Apoth kerkammer Westfalen-Lippe 18
ten) von durchschnittlich 10 μmol/l. Diese
Zunahme tritt bei den meisten Patienten
kurz nach Behandlungsbeginn auf und
erreicht nach sieben Tagen ein Plateau.
Der Anstieg ist jedoch kein Zeichen einer
Nierenfunktionseinschränkung, sondern
wird auf eine Hemmung der tubulären
Sekretion von Kreatinin zurückgeführt.
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Überwachen der Nierenfunktion
Generell sind Arzneimittel mit 30 Pro-
zent die häufigste Ursache für ein aku-
tes Nierenversagen. Im Prinzip kann jeder
Arzneistoff Nierenschäden verursachen.
Häufig sind sie allergisch und immunolo-
gisch bedingt. Sie können aber auch to-
xischer Natur sein, wenn nierengängige
Arzneistoffe, beispielsweise Zytostatika,
die Membranen oder die Zellen in ihrem
Stoffwechsel schädigen.
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Arzneimittel können die Durchblutung
der Nierengefäße herabsetzen, was
schlimmstenfalls zu einem akuten Nie-
renversagen führt. Diagnostisch kann der
Arzt eine Nierenschädigung durch einen
Anstieg des Serumkreatininwerts erken-
nen. Kreatinin entsteht im Muskel durch
Abbau von Kreatin und Kreatinphosphat
und wird fast vollständig über die Nie-
ren ausgeschieden. Der Serumkreatinin­
spiegel korreliert mit der Filterfunkti-
on der Nieren und somit mit der glome-
rulären Filtrationsrate (GFR). Von einem
Nierenschaden kann der Arzt in der Re-
gel ausgehen, wenn der Serumkreatinin-
wert auf über 300 μmol/l ansteigt (Refe-
renzbereich 44 bis 88 μmol/l). Aber: Eine
normale Serumkreatinin-Konzentration
im Blut schließt eine leichte Niereninsuffi-
zienz nicht aus (kreatininblinder Bereich).
Denn Kreatinin wird nicht nur glomerulär
filtriert, sondern bei leicht eingeschränk-
ter Nierenfunktion auch zunehmend tu-
bulär sezerniert. Die Kreatininkonzentra-
tion im Blut steigt also nur bei einer stär-
keren Einschränkung der Nierenfunktion
an und ist daher zum Nachweis einer Nie-
renerkrankung im Frühstadium nicht ge-
eignet. Mediziner ziehen zum Abschätzen
der Nierenfunktion häufig die Kreatinin-
Clearance vor. Diese kann im Sammelurin
über 24 Stunden bestimmt oder beispiels-
weise nach der mathematischen Formel
von Cockroft und Gault berechnet wer-
den. Die Kreatinin-Clearance ist wesent-
lich empfindlicher, mit ihr lässt sich die
GFR besser abschätzen.
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Die Nierenfunktion überwachen sollte
der Arzt zum Beispiel vor und während
der Gabe der Thrombinhemmer Dabiga-
tran (Pradaxa
®
) und Rivaroxaban (Xarel-
to
®
). Bei Patienten mit eingeschränkter
Nierenfunktion reichert sich der Wirkstoff
im Körper an und es kommt zu einem er-
höhten Blutungsrisiko. Der Arzt sollte ein-
mal jährlich die Kreatinin-Clearance über-
prüfen. Dabigatran ist kontraindiziert bei
Patienten mit einer Kreatinin-Clearance
unter 30 ml/min, Rivaroxaban ab einer
Kreatinin-Clearance unter 15 ml/min.
Eine Überwachung der Nierenfunktion
wird auch bei der antihypertensiven The-
rapie mit ACE-Hemmern und AT
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-Antago-
nisten empfohlen. Diese Wirkstoffe ha-
ben zwar im Allgemeinen einen schüt-
zenden Effekt auf die Nieren, sie kön-
nen jedoch die Nierendurchblutung post-
glomerulär infolge einer Vasodilatation
herabsetzen und so zu einem Abfall der
GFR führen. Problematisch kann das bei-
spielsweise bei einer Nierenarteriensteno-
se, schwerer Herzinsuffizienz oder gleich-
zeitiger Gabe von Diuretika werden. Ein
besonderer Fall von Nephrotoxizität kann
bei der Therapie chronisch entzündlicher
Darmerkrankungen mit Mesalazin auftre-
ten (siehe Infobox oben).
Diabetes mellitus durch Arzneimittel
Viele, auch häufig eingesetzte Arznei-
stoffe können die Glucosetoleranz ver-
schlechtern oder sogar einen Diabetes
mellitus auslösen. Einige atypische Anti­
psychotika führen zu einer Gewichtszu-
nahme und verschlechtern die Insulin-
empfindlichkeit. Das trifft besonders auf
Olanzapin und Clozapin zu. Auch Ris-
peridon ist mit einer Gewichtszunahme
und einem erhöhten Diabetesrisiko asso­
ziiert, der Effekt scheint jedoch deutlich
geringer auszufallen als bei den anderen
beiden Wirkstoffen. Bei Olanzapin be-
steht – in höherem Maße als bei Risperi-
don – auch das Risiko einer akuten dia-
betischen Ketoazidose, insbesondere bei
Fallbeispiel:
Chronische interstitielle Nephritis bei einem 15-jährigen
Mädchen unter Langzeittherapie mit Mesalazin
2001 erkrankte ein 13-jähriges Mädchen an Colitis ulcerosa. Die Patientin wur-
de daraufhin mit Mesalazin behandelt. Die Serumkreatininwerte bewegten sich
stets im Normbereich, eine letzte Kontrolle erfolgte im Oktober 2002. Ein Jahr
später fiel bei einer geplanten Koloskopie ein stark erhöhter Kreatininwert von
569 μmol/l auf, außerdem fanden die Ärzte Proteine und Erythrozyten im Urin.
Die Mesalazintherapie wurde sofort beendet und die Patientin zur weiteren ne-
phrologischen Diagnostik in eine Klinik verlegt. In der Nierenbiopsie zeigte sich
eine schwere diffuse destruierende und chronisch-vernarbende nichteitrige inter-
stitielle Nephritis, eine entzündliche Erkrankung des Zwischenraums im Nieren-
gewebe. Zwei Monate nach dem Absetzen der Mesalazintherapie besteht weiter
eine chronische Niereninsuffizienz mit einem Kreatininwert von 330 μmol/l.
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Medikamentenmonitoring
– as
r al
de Apothek k mmer Westfalen-Lippe
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