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Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe
Verena Arzbach
F rtbildung aktuell – Das Journal
Nr. 1/2014 der Apoth kerkammer Westfalen-Lippe 14
Medikamentenmonitoring
Polypharmazie und Multimorbidität neh-
men im Alter zu. Damit steigt auch die
Häufigkeit unerwünschter Arzneimittel-
wirkungen (UAW). Die sichere Umset-
zung der Arzneimitteltherapie in der Pra-
xis ist daher wichtig: Risiken und arznei-
mittelbezogene Probleme sollen wäh-
rend des gesamten Medikationspro-
zesses möglichst im Vorfeld erkannt und
unerwünschte arzneimittelbedingte Er-
eignisse (UAE) vermieden werden. Das
Konzept der Arzneimitteltherapiesicher-
heit umfasst dabei alle Maßnahmen, mit
denen Fachleute, wie Arzt und Apothe-
ker, den bestimmungsgemäßen Gebrauch
eines Arzneimittels gewährleisten, ins-
besondere solche Maßnahmen, die dazu
beitragen, Medikationsfehler zu vermei-
den.
Der gesamte Medikationsprozess reicht
von der Diagnose über eine Medikations-
überprüfung in Arztpraxis und Apotheke,
die richtige Information und Abgabe bis
hin zur korrekten Anwendung durch den
Patienten. In einigen Fällen ist der Medi-
kationsprozess damit aber noch nicht ab-
geschlossen. Bei bestimmten Wirkstoffen
steht am Ende des Prozesses das Monito-
ring, die regelmäßige Bestimmung von
Laborparametern und / oder des Konzen-
trationsspiegels des Wirkstoffs im Blut.
Dies ist vor allem sinnvoll bei Patienten,
die langfristig ein Medikament mit ge-
wissem Risikopotenzial für UAE einneh-
men.
Beim Monitoring können – wie auch bei
den anderen Teilschritten des gesamten
Medikationsprozesses – Fehler auftreten:
Beispielsweise wird zu selten getestet, der
Therapieerfolg wird mit den Labortests
nicht erfasst, der Arzt fragt nicht nach
Symptomen oder ob der Patient das Arz-
neimittel korrekt anwendet. Diese Fehler
können mitunter dramatische Folgen ha-
ben. Das folgende Beispiel ist angelehnt
an den Fallbericht Nr. 201 aus der Online-
Datenbank „Jeder Fehler zählt“, bei der
Ärzte anonym Behandlungsfehler melden
können.
Fallbeispiel
Wegen einer rheumatoiden Arthritis er-
hielt ein 79-jähriger Patient wöchentlich
7,5 mg Methotrexat als Basistherapie. Der
Hausarzt führte Blutbild-, Leber- und Nie-
renwertkontrollen anfangs in 14-tägigen
Abständen durch, später alle vier Wo-
chen. Eine im März durchgeführte Blut-
bildkontrolle blieb ohne Befund, danach
versäumte der Arzt, den Patienten für
weitere Kontrollen einzubestellen. Im No-
vember besuchte der Arzt den Patienten
zu Hause, zu diesem Zeitpunkt war al-
les in Ordnung. Im darauffolgenden Fe-
bruar rief die Ehefrau des Patienten den
Hausarzt schließlich nach Hause. Ihrem
Mann ging es plötzlich sehr schlecht. Das
Blutbild des Patienten war katastrophal:
Leukozyten 2,2 × 10
3
/µl, Erythrozyten
2,1 × 10
3
/µl, Hämoglobin 5,9 g/dl, Throm-
bozyten 21 × 10
3
/µl. Der Patient wurde
sofort ins Krankenhaus eingewiesen, wo
er eine Woche später verstarb.
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Was war passiert?
Der Hausarzt hatte im Laufe der Zeit die
bei einer Methotrexat-Therapie notwen-
digen Blutkontrollen vernachlässigt (Ab-
bildung 1). Dadurch hatte er eine selten
auftretende, aber schwerwiegende Ne-
benwirkung, die Panzytopenie, überse-
hen. Die Erkrankung ist, wie am Blutbild
erkennbar, gekennzeichnet durch einen
Mangel aller drei Zelltypen des Blutes,
es besteht also gleichzeitig eine Leuko-
zytopenie, eine Anämie (Mangel an Ery-
throzyten) und eine Thrombozytopenie.
Die Panzytopenie kann sich plötzlich und
ohne Warnsignale entwickeln. Die Ursa-
che ist in der Regel die Zerstörung von
Stammzellen als Vorläuferzellen der Hä-
matopoese und damit ein Funktionsver-
lust des blutbildenden Knochenmarks.
Das tragische Fallbeispiel macht deutlich,
wie wichtig regelmäßiges Monitoring bei
der Einnahme bestimmter Wirkstoffe ist.
Treten Organschäden unter einer Arznei-
mitteltherapie auf, können diese zu Kran-
kenhauseinweisung, dauerhaften Schä-
den, Behinderung oder schlimmstenfalls
zum Tod führen. Untersuchungen aus
verschiedenen Ländern haben gezeigt,
Verena Arzbach
(Frankfurt am Main)
studierte Pharmazie an der Rheinischen
Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn.
Nach der Tätigkeit in einer öffentlichen
Apotheke volontierte sie bei der Phar-
mazeutischen Zeitung. Seit April 2013
ist sie als Redakteurin der Pharmazeu-
tischen Zeitung und des PTA-Forums
beim Govi-Verlag in Eschborn tätig.
Organschäden durch Arzneimittel vermeiden
– as
r al
de Apothek k mmer Westfalen-Lippe
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