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2 / 2016
Artikel: Rolf Krahe, Leiter Investment Research der BCA AG
Chance Risiko
„Natürlich interessiert mich die Zukunft. Ich will schließlich den
Rest meines Lebens darin verbringen“.
Dieses Zitat stammt von Mark Twain. Viele kennen ihn als Autor
der Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Twain war
aber auch an einer Druckerei und einem Verlagshaus beteiligt.
Mit den Beteiligungen scheiterte er als Unternehmer. Dadurch
war er gezwungen, die entstandenen Verluste und Schulden
durch Einnahmen aus seinem zweiten Standbein, der Literatur,
auszugleichen. Mark Twain könnte damit natürlich als Beispiel für
eine gelungene Diversifikation gelten. Schließlich verdiente er
durch die Schriftstellerei nicht nur Geld – er wurde berühmt. Inte-
ressanter ist aber, dass beide – letztlich unternehmerischen – Be-
tätigungen zu Ergebnissen führten, die er vorab so nicht erwartet
und angestrebt hatte: hier Totalverlust mit Schuldenberg, da Welt-
ruhm. Wer hätte das gedacht – oder wie es an den Kapitalmärk-
ten mit einem Schuss Selbstironie lautet:
„Prognosen sind
schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen.“
Zwar liegen die einschlägigen Indexprognosen der Kapital-
marktspezialisten oft „daneben“; der Start in das Jahr 2016 war
mal wieder so ein Fall. Wir haben uns daher entschlossen, den
Artikeln aus dem Hause Drescher & Cie für BCA Investment Re-
search in dieser TopNews einen roten Faden zu geben, der ei-
nerseits aktuelle Bezüge hat, andererseits wichtige Aspekte der
Geldanlage tiefer beleuchtet.
Ein qualifizierter Blick auf die Kapitalmarkthistorie begrenzt das
Ausmaß der Prognoseirrtümer und hilft bei der Einschätzung der
Fehlprognosen. Die Geschichte kann dazu genutzt werden, um
aus ihr zu lernen. Kein echter Kapitalmarktexperte würde sich
auf eine Indexprognose einlassen, ohne einen Blick auf die histo-
rischen Wertverläufe von Kapitalmarktindizes geworfen zu ha-
ben. Welche „normalen“ Chancen und „normalen“ Risiken gab
es in welchen Marktsegmenten? Im Beitrag „Aus Krisen lernen“
spannen wir den Bogen von der „Tulpenmanie“ anno 1637 bis
hin zum Crash 2008. Wir gehen der Frage nach, ob ein Indexver-
lust von 25% ein triftiger Grund ist, am Aktienmarkt vorbehaltlos
einzusteigen. Vor dem Hintergrund der Krisenanalysen mit
Schwerpunkt auf den letzten 30 Jahren sollten aber zwei Dinge
nicht übersehen werden: zum einen die Risiken, die für die Geld-
anlage Börse im wahrsten Sinne des Wortes „existenziell“ wären,
zum anderen die Chancen, die entstanden sind und entstehen
werden, falls existenzielle Risiken ausbleiben.
Existenzielle Risiken sind in den letzten 30 Jahren nicht aufge-
taucht. Naturkatastrophen zum Beispiel: kein Ausbruch des Vul-
kans Vesuv in Italien. Keine Sturmflut, gegen die die Dämme
und Deiche vor dem Hintergrund des gestiegenen Meeresspie-
gels keinen Schutz mehr bieten. Fukushima lässt als Andeutung
grüßen. Eine Serie von Erdbeben, die – wie jüngst in Ecuador –
Regierungen dazu zwingen, den Ausnahmezustand zu verkün-
den. Die Ballungsräume Los Angeles und San Francisco stehen
auf der Gefährdungsliste. Wer würde beim Stand der Staatsver-
schuldung in Japan, den USA und Europa einen umfangreichen
Wiederaufbau der Infrastruktur, um nur ein Beispiel zu nennen,
finanzieren? Welche Versicherungen sind dem Ausnahmefall
wirklich gewachsen?
©Sergey Nivens – Fotolia.com
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