2. Handhabungsprobleme
Frau S. blistert ihre Medikation einmal wö-
chentlich aus und stellt sie in einer Arznei-
dosette mit Klarsichtdeckel. Die Dosette
lagert sie im Wohnzimmer auf der Fens-
terbank. Durch die starke Lichtempfind-
lichkeit des Nitrendipins kann es durch
Einwirkung sowohl von UV-Licht als auch
durch einfaches Tageslicht zu inaktiven
Abbauprodukten und Wirkverlust kom-
men. Nitrendipin wird unter Lichteinfluss
(Sonnenlicht) pro Tag um ca. 10 Prozent
abgebaut. Da sich im Laufe der Woche die
Blutdruckwerte erhöhen, könnte dies an
der Lagerung des Nitrendipins liegen. Frau
S. sollte Dihydropyridine wie Nitrendipin
oder Amlodipin unter Licht- und Feuchtig-
keitsausschluss lagern (Stellen im Blister).
3. Reduktion des kardiovaskulären Risikos
Männer und Frauen mit extrakranieller
Karotisstenose sind vaskuläre Risikopa-
tienten und profitieren von einer konse-
quenten Optimierung des Risikoprofils.
Hierzu gehören Modifikation des Lebens-
stils, Nikotinverzicht, Normalisierung des
Körpergewichtes und ausreichend kör-
perliche Aktivität, sowie medikamentöse
Maßnahmen zur Behandlung einer ar-
teriellen Hypertonie und von Lipidstoff-
wechselstörungen. Die Behandlung mit
Medikamenten ist häufig die Therapie der
ersten Wahl für asymptomatische Patien-
ten mit einem Stenosegrad von weniger
als 60 Prozent. Die Dosis der Statine sollte
auf die maximal verträgliche Konzentrati-
on erhöht werden und zwar unabhängig
vom aktuellen LDL-Cholesterinwert.
Der Nutzen einer Prophylaxe mit Throm-
bozytenaggregationshemmern, wie ASS
100 mg ist bei asymptomatischen Steno-
sen nicht gesichert. So wird bei Männern
zwar das Herzinfarkt-, nicht aber das
Schlaganfallrisiko reduziert. Eine orale
Antikoagulation von Patienten mit athe-
rosklerotisch bedingter Karotisstenose
bringt keinen Vorteil gegenüber einer
ASS-Therapie.
4. Nebenwirkungen
Trockener Mund:
Frau S. klagt über einen
trockenen Mund und Reizhusten. Der
trockene Mund kommt mit großer Wahr-
scheinlichkeit von der Einnahme von Mo-
xonidin. Durch Dosisreduktion auf 0,3 mg
zweimal täglich wird vermutlich schon
eine Verbesserung erreicht. Durch langsa-
mes Absetzen wäre diese Nebenwirkung
in den Griff zu bekommen.
Reizhusten:
Bis zu 30 Prozent der An-
wender von ACE-Hemmern müssen durch
einen Anstieg des Entzündungsmediators
Bradykinin mit trockenem Reizhusten
rechnen. Bei den meisten Patienten hal-
ten die Beschwerden an. Durch Absetzen
des ACE-Hemmers Lisinopril und Umstel-
lung der Therapie auf ein Sartan, wie zum
Beispiel Losartan verschwindet der Hus-
ten innerhalb von einer bis vier Wochen.
Natriumspiegel:
Die Laborwerte zei-
gen einen niedrigen Natriumspiegel. Die
Einnahme von Diuretika, wie HCT ist mit
Auftreten von Hyponatriämien assozi-
iert. Symptome eines zu niedrigen Natri-
umspiegels können Kopfschmerzen, Le-
thargie, Schwindel und Verwirrtheit sein.
Häufig treten allerdings keine Symptome
auf. Im Zuge der Umstellung der Medika-
tion sollte der Natriumspiegel regelmäßig
überwacht werden. Weiterhin sollte mit
der Patientin über ihre Essgewohnheiten
gesprochen werden. Natriumarme Was-
ser sollten zum Beispiel gemieden werden.
Kaliumspiegel:
Der zu hohe Kalium-
spiegel sollte verifiziert werden, da es
durch Fehler bei der Abnahmetechnik
oder Probenaufbereitung zu Hämolyse
der Zellen und Freisetzung des intrazel-
lulären Kaliums kommen kann. Weiterhin
sollte Frau S. nach Kaliumquellen, wie Di-
ätsalzen oder Nahrungsergänzungsmittel,
die Kalium enthalten, befragt werden.
5. Überdosierung
Häufige Blutdruckschwankungen werden
auch durch eine Überschreitung der Ma-
ximaldosis von Moxonidin hervorgerufen.
Die Maximaldosis von Moxonidin liegt bei
0,6mg pro Tag, daher wäre eine Reduktion
auf 0,3 mg zweimal täglich sinnvoll.
Gegebenenfalls könnte die Patientin
auch von einer Umstellung der Therapie
auf einen Beta-Blocker, wie zum Beispiel
Bisoprolol profitieren, da die Herzfre-
quenz mit Werten von 85 bis 100 Schläge
pro Minute zu hoch eingestellt ist.
6. Interaktionen (nach klinischer
Relevanz sortiert)
Durch die gleichzeitige Gabe von HCT und
Pantoprazol besteht ein erhöhtes Risiko
für eine Hypomagnesiämie mit Muskel-
krämpfen. Da Frau S. über Muskelkrämpfe
klagt, würde sie von einer Magnesiumsub-
stitution profitieren.
Die gleichzeitige Gabe von HCT und
Dekristol® kann das Risiko einer Hyper-
kalziämie erhöhen. Es ist auf Zeichen, wie
Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Schwin-
del, Verwirrtheit, Ataxie, gesteigertes
Durstempfinden, Polyurie und Muskel-
schwäche zu achten. Außerdem ist die
Calciumkonzentration im Serum zu über-
wachen (normal: 2,25-2,75 mmol/l).
7. Einnahmezeitpunkt problematisch
Die Einnahme von Pantoprazol jeden
zweiten Tag abends gestaltet sich für Frau
S. schwierig. Um einen besseren Effekt der
Protonenpumpenhemmung zu erzielen
würde die Patientin von einer täglichen
morgendlichen Einnahme, 30 Minuten
ABBILDUNG 1:
Blutdrucktabelle vor der
Intervention. Deutliche Blutdruckschwan-
kungen und hohe Pulsraten sind hier er-
sichtlich. Die Medikation wurde am 20.04.
wieder neu in das Dosiersystem gestellt.
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/ AKWL Fortbildung Aktuell – Das Journal
LAGERUNG UND IHR EINFLUSS AUF DIE WIRKSAMKEIT




