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86

GOLF TIME

|

1-2018

www.golftime.de

TRAINING |

SPORTPHYSIO

DR. CHRISTIAN

HAID

Biomechaniker,

Universitätsklinik

Innsbruck

Sich selbst die

Chance geben

G

olf ist eine eigenartige Sportart. Man

benötigt weder sehr viel Kraft noch

extreme Ausdauer, und doch muss

man Bewegungen über einen langen

Zeitraum gut wiederholbar durchführen

können. Man benötigt Stabilität im Körper

und gleichzeitig die Lockerheit für gute

Schwünge. Demgemäß ist die Vorbereitung

auf die Saison auch etwas anders zu gestalten

als in anderen Sportarten.

Zur

Grundkondition

kommt man relativ

leicht. Spaziergänge und Wanderungen genü-

gen, man sollte darauf achten, dass die Zeit-

dauer einer Golfrunde entspricht. Leichtes

Lauftraining ist ebenfalls eine Möglichkeit,

die Belastungen sind intervallförmig zu

setzen, da das eher golfspezifisch ist.

Ein

Stabilitätstraining

ist einfach durch-

zuführen, es ist auch schon ein Fortschritt,

wenn man lernt, seine Rumpf- und Bein-

muskeln wieder koordiniert einzusetzen. Um

besser vorbereitet in die Saison zu gehen, ist

es schon hilfreich, mit wenigen Übungen die

wichtigsten Muskelgruppen anzusprechen.

Man wird dadurch zwar nicht wesentlich

stärker, aber die koordinativen Fähigkeiten

werden verbessert.

Im Golfschwung benötigen wir

Bewegungs-

geschwindigkeit

. Wann haben Sie sich das

letzte Mal schnell bewegt? Sie können im

Stand laufen und das Tempo steigern, Sie kön-

nen Drehsprünge machen. All das hängt von

Ihrer körperlichen Verfassung ab. Beginnen

Sie schnelle Drehbewegungen zu machen, wir

benötigen diese für weite Schläge.

Und nun noch zur

Lockerheit

. Sobald Sie die

Möglichkeit haben, Bälle zu schlagen, küm-

mern Sie sich nicht um die Schlagweite. Das

führt zu Verkrampfungen. Nehmen Sie sich

vor zu „blödeln“, den Schläger unkontrolliert

pendeln zu lassen. Nehmen Sie sich die Frei-

heit, den Ball nicht gut zu treffen, erlauben Sie

sich unkontrollierte Bewegungen. Zielen Sie

nirgendwo hin, Sie werden schon sehen, wo

der Ball landet (grobe Ausrichtung des Kör-

pers für die Schlagrichtung ist schon notwen-

dig). Halten Sie den Schläger ganz locker. Sie

werden spüren, dass bei gutem Ballkontakt ein

wunderbares Gefühl der Leichtigkeit entsteht.

Geben Sie sich die Chance, diese Saison

unverkrampft zu starten. Golf soll Freude

machen, und aus der Lockerheit entstehen die

schönsten Schläge. Sie werden merken, dass

mit dieser Einstellung auch der Schlagrhyth-

mus verbessert wird, denn bei minimiertem

Krafteinsatz sind wir gezwungen, uns an die

Schwingungsdauer des Schlägers anzupassen.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten und

freudigen Einstieg in diese Golfsaison.

GT

INFO

christian.haid@i-med.ac.at

MAN BENÖTIGT …

» … die Grundkondition, um

18 Holes durchzustehen;

» … Stabilität in den Beinen

und im Rumpf, um wieder-

holbare Bewegungen zu

ermöglichen;

» … Bewegungsgeschwindig-

keit, um weite Schläge zu

ermöglichen;

» …Lockerheit, um die Bewe-

gungen nicht zu behindern.