CF_01_2022_web

01 | 2022

CellitinnenForum

Zeitschrift der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria

Intensivstation

Frohe Ostern! „Christus ist auferstanden! Öffnen wir uns der Hoffnung und machen wir uns auf den Weg!“ (Papst Franziskus)

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und Ihren Angehörigen eine inspirierende Fastenzeit und ein frohes, segensreiches Osterfest!

Ihre

Cellitinnen zur hl. Maria Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria

Foto: Getty Images

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CellitinnenForum 02 | 2020

WILLKOMMEN

Mit Beginn der Pandemie rückte vor zwei Jahren besonders die Lage auf den Intensivstationen in den Fokus. An den dort beschäftigten Mitarbeitern und verfügbaren Intensivbetten richten sich seit- Willkommen

dem in Deutschland die Maßnahmen zur Pandemiebe- kämpfung aus. Es gilt, vorausschauend zu planen, um die Situation auf den Intensivstationen zu jeder Zeit unter Kontrolle zu haben.

Eine große Herausforderung lastet damit auf den Schultern der Intensivpflegekräfte und

-mediziner, die, wie ich fin- de, eine großartige Arbeit leis- ten, die oft über die psychischen und physischen Grenzen hinausgeht.

Der Einsatz der Mitarbeiter auf den Intensivstationen verdient allerhöchste Anerkennung

Seit zwei Jahren herrscht – abgesehen von den Sommermonaten – auf den Intensivstationen der absolute Ausnahmezustand: Wann trifft uns die nächste Welle, reichen die Kapazitäten aus, um alle Patienten behandeln zu können? Der Ein- satz der dort Beschäftigten für die Covid19-Pa- tienten und andere Schwersterkrankte verdient allerhöchste Anerkennung. Dafür an dieser Stelle mein ausdrück- licher und von Herzen kommender Dank! Für diese Ausgabe haben wir für Sie nachgesehen, was sich hinter den Türen einer Intensivstation abspielt. Welche Professionen arbei- ten auf den Intensivstationen Hand in Hand? Welche medizintech- nischen Geräte kommen an den Betten zum Einsatz und was treibt die Mitarbeiter an, in jeder Schicht aufs Neue um das Leben der ihnen anvertrauten Patienten zu kämpfen? Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre.

Herzlichst Ihr

Thomas Gäde, Geschäftsführer der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria

Foto: Melanie Zanin

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INHALT

Inhalt

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F UNDAME N T

F ORUM

6 Meldungen 9 Porträt: Justin Nüsser

28 Das Leben ist kein

Sonntagsspaziergang

30 Ein Tag mit ... 32 Ausdrucksstarke Passion 34 Gottesdienste für Menschen mit und ohne Demenz 36 Begegnung virtuell

T H EMA

12 Einsatz für Schwerstkranke 18 Nach 68 Tagen zurück ins Leben 19 Abschied auf Intensivstation 20 Der Patient steht an erster Stelle 22 Was uns antreibt

KOMP E T E N Z

40 Die Zentralapotheke 42 Von jetzt auf gleich ist alles anders 44 Komplementäre Medizin ergänzt die Krebstherapie 45 (Alten-)Pflege am Limit

24 Wenn die Niere versagt 25 Der neurologische Patient

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INHALT

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46 Wir fördern Anerkennung 49 Moderne Stents für schonende Eingriffe 50 Fortschrittlich und effizient 52 Frühe Lungenkrebs-Untersuchung kann Leben retten 54 Neues Altersmedizinisches Zentrum Köln 56 Wieder fit und mobil mit der dritten Hüfte 58 War es ein epileptischer Anfall? 59 Die grüne Seite: Regionales Einkaufen

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Engagiert on Ice

Gleich dreimal eine runde Sache 68 Die schnellste Seniorenhausleiterin von Köln 70 Koch(en) mit Herz

S TA NDA RD S

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Editorial

71 Rätsel 72 Unsere Krankenhäuser 75 Unsere Seniorenhäuser 74 Impressum

ME N S CH E N

62 „Wenn ich an Corona denke ...“ 64 Aufstehen, Krönchen aus dem Schlamm fischen, lächeln

CellitinnenForum 01 | 2022

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FORUM

Meldungen

Mit Diamanten gegen Gefäßverkalkung Starke Verkalkungen der Herzkranzgefäße sind für die behandelnden Ärzte eine große Herausforderung und können in bestimmten Fällen eine Bypass-Operation notwendig ma- chen. Im Kölner St. Vinzenz-Hospital kommt neben der herkömmlichen Rotablation und der Shockwave-Ballon-Aufdehnung nun ein drittes Verfahren zur Anwendung: die Orbitale Atherektomie mit dem Diamondback-Katheter. Das System schleift mit einem diamant-be- setzten Edelstahlkatheter die Verkalkungen ab und ermöglicht eine Stentimplantation. Auch die Gefäßwand wird wieder elastischer. Seit November 2021 wurden von Chefarzt Profes- sor Dr. Jan-Malte Sinning und dem Leitenden Oberarzt Dr. Jan Pulz bereits etliche Patienten mit dieser schonenden Methode erfolgreich behandelt. In Zukunft wird dieses Verfahren bei stark verkalkten Herzkranzgefäßen routi- nemäßig im St. Vinzenz-Hospital eingesetzt.

Das Team um Prof. Bullmann (Fünfte v.re.)

Herzlichen Glückwunsch

Die Wirbelsäulenchirurgie am St. Franziskus-Hos- pital feierte ihren zehnten Geburtstag. Die Klinik für Orthopädie II unter der Leitung von Professor Dr. Viola Bullmann etablierte vor gut zehn Jahren eine neue allgemeine Wirbelsäulenchirurgie in Köln. Von Anfang an war die operative Therapie schwerer De- formitäten der Wirbelsäule ein Behandlungsschwer- punkt der Klinik. Die Wirbelsäulenchirurgie in Köln- Ehrenfeld genießt insbesondere auf dem Feld der Skoliose-Chirurgie einen exzellenten Ruf. Seit 2016 ist die Klinik zertifiziertes Wirbelsäulenspezialzent- rum der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG) und weiter auf Wachstumskurs. Glückwunsch an Bullmann und an das ganze Team!

Der Diamondback-Katheter schleift die Herzkranzgefäße frei

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FORUM

Altersmedizinisches Zentrum fördert Forschung und Lehre

„Es ist mein Ziel, die Behandlung betagter Patienten mehr in den Fokus der medizinischen Forschung zu rücken“, sagt Professor Dr. Cristina Polidori. Sie ist Inhaberin der neu geschaffenen „Ordentlichen Professur für klinische Alters- forschung“ an der Universität zu Köln, die etwa zur Hälfte durch das Altersmedizinische Zentrum am St. Marien- Hospital gefördert wird. Am St. Marien-Hospital hat man die Bedeutung der Altersmedizin schon früh erkannt. „Uns ist diese Kooperation besonders wichtig, weil wir den medizini- schen Nachwuchs auf die Herausforderungen des demogra- phischen Wandels vorbereiten müssen“, so Zentrumsleiter Professor Dr. Ralf-Joachim Schulz. Im Rahmen der Koope- ration werden Polidori und ihr Team unter anderem die im St. Marien-Hospital erhobenen Daten auswerten, während ihre Studenten in Block-Praktika im Krankenhaus praktische Erfahrungen in der Altersmedizin sammeln können.

Für den guten Zweck

Im Juni fand im St. Vinzenz- Hospital ein Flohmarkt für den guten Zweck statt. Praktisches, alte Schätzchen und verschie- dene Deko-Artikel konnten die Mitarbeiter gegen eine selbst festgelegte Spende ergattern. Es kamen knapp 1.200 Euro zusammen, die für einen beson- deren Relax-Stuhl für Patienten mit Demenz investiert wurden. Dieser Stuhl hat nun seinen Platz in einem Raum im Zentrum für Notfallmedizin gefunden. Der Behandlungsraum ist funktional für die internistische und chirur- gische Notfallversorgung ausge- stattet, zudem aber auch speziell durch Raum- und Lichtgestaltung auf die Bedürfnisse von Patien- ten mit Demenz oder Delirgefähr- dung ausgerichtet.

Prof. Schulz (li) und Prof. Polidori freuen sich über die Kooperation

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FORUM

Neue Weiterbil- dungsermächti- gung

Das Zentrum für Notfallmedizin (ZfN) am Kölner St. Vinzenz-Hospital bildet unter einem weiteren Aspekt Ärzte aus: Andrea Pütz-Busch, Ärztliche Leiterin des ZfN, und ihr Stellvertreter Dr. Sascha Gick erhalten gemeinsam die Weiterbildungsermächtigung für Klinische Akut- und Notfallmedizin. Die Zusatzweiterbildung umfasst in Ergänzung zu einer Facharzt- kompetenz die Erstdiagnostik und Initialtherapie von Notfall- und Akut- patienten im Krankenhaus sowie die Indikationsstellung und Koordination der weiterführenden fachspezifischen Behandlung in interdisziplinärer Zu- sammenarbeit.Wir freuen uns auf die neuen Weiterbildungsassistenten und werden bestimmt bald mehr darüber berichten.

Björn Hoffmann (Mitte) und das OP-Team

Perspektivwechsel sorgt für neue Erkenntnisse

Für Björn Hoffmann, Geschäftsführer des Wupper- taler Klinikverbundes St. Antonius und St. Josef, war es ein lohnenswerter Rollentausch: In voller Montur ging es für ihn einen Tag lang in die zwei separaten OP-Bereiche des Wuppertaler Kranken- hauses St. Josef. „Der OP ist im Krankenhaus einer der wichtigsten und teuersten Bereiche, daher sollten die Struktu- ren und Prozesse effizient aufgestellt sein. Nur im direkten Austausch mit den Kollegen vor Ort ist das Reflektieren von Rahmen- und Arbeitsbedingungen optimal möglich und Ideen können direkt visuali- siert werden. Das ist uns sehr wichtig – wir wollen als Geschäftsführung nahbar sein, aber auch ein direktes Gefühl für gewisse Situationen und Rah- menbedingungen bekommen“, so Hoffmann. Bei ei- ner Entspannung der pandemischen Situation sind regelhafte Begehungen verschiedener Bereiche der Krankenhäuser und Tochtergesellschaften geplant.

Andrea Pütz-Busch

Dr. Sascha Gick

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P O R T R Ä T

Justin Nüsser

FSJ-ler (Freiwilliges Soziales Jahr) im Cellitinnen-Seniorenhaus St. Gertrud in Düren

Warum haben Sie sich für ein FSJ entschieden?

Spielen und Veranstaltungen, kleine Ein- käufe für die Bewohner tätigen, sie zum Arzt begleiten und stets Zeit für ein Gespräch finden. Meine Aufgaben machen mir Spaß, sie sind abwechslungsreich und ich habe schnell gelernt, auf Bedürfnisse einzuge- hen. Das Schönste ist natürlich, die Dank- barkeit der Bewohner zu erhalten. Würden Sie ein FSJ weiterempfehlen? Ja und nein. Für diejenigen, die bereits wis- sen, was sie beruflich gerne machen möch- ten, ist so ein Jahr wohl verschenkte Zeit. Wenn man sich jedoch nicht sicher ist, wo der Weg hinführen soll, und gerne mit und für Menschen arbeitet, kann ich das FSJ wärmstens empfehlen. (P.C.)

Für die Anerkennung meines Fachabiturs benötige ich einen einjährigen Praxiseinsatz in einer sozialen Einrichtung. Zum Zeitpunkt meines Abschlusses stand bereits fest, dass ich diesen in der Sozial-Kulturellen- Betreuung (SKB) eines Seniorenhauses ab- solvieren wollte. Im Anschluss meines FSJ werde ich ‚Soziale Arbeit‘ studieren. In der Betreuung älterer Menschen kann ich so bereits erste praktische Erfahrungen für das Studium sammeln. Wie kamen Sie auf das Cellitinnen-Senio- renhaus St. Gertrud, hatten Sie Erwartun- gen? Beworben habe ich mich beim Bistum Aachen und das Bistum vermittelte mich an das Cellitinnen-Seniorenhaus St. Gertrud. Erwartungen über die soziale Arbeit mit Se- nioren hatte ich eigentlich nicht. Für mich war es wichtig, die Arbeit unvoreingenommen kennenzulernen. Gefällt Ihnen die Arbeit? Der SKB bietet einen abwechslungsreichen Aufgabenbereich. Das Organisieren von

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THEMA

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THEMA

Thema Intensivstation

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THEMA

Auf der Intensivstation (ITS) zwischen blinkenden Monitoren und piependen Geräten Platz für ausreichend Zuwendung zu schaffen, ist für Pflegende und Ärzte oft eine Herausforderung. Katrin Meyer aus der Redaktion des CellitinnenForums hat den Alltag und die Atmosphäre auf einer ITS beobachtet. Einsatz für Schwerstkranke

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THEMA

Zahlen rund um die Intensivstation

I ch sitze im Kölner St. Franziskus- Hospital in einem kleinen Raum und warte. Hier hat man sich viel Mühe gegeben, alles freundlich zu gestalten. An der Wand ein Bild mit einer weiten Landschaft: Meer, Sand, Weite. Auf dem Tisch eine Wasserflasche und zwei Gläser. In der EckeeinStändermit Infomateria- lien. ‚Schmerzen nach der Operation …‘ und ‚Patienteninformation Inten- sivstation‘. Ein Flyer der Krankenh- ausseelsorge. Ein Kreuz über dem Türrahmen. Von der anderen Seite der Tür höre ich schnelle Schritte und kurz sich erhebende Stimmen. Ein leises Piepen hier, eine Schie- betür da. Mir ist etwas mulmig. Da- bei liegt keiner meiner Angehörigen auf der anderen Seite dieses Flures. Niemand, den ich kenne, kämpft hier um sein Leben und ist abhängig von maschineller Unterstützung. Ich bin nicht hier, um schlechte Nachrich- ten zu erhalten. Nicht mal, um gute Nachrichten zu erhalten. Ich arbeite in der Unternehmenskommunika- tion und möchte einen Fototermin koordinieren – es ist wichtig, Ange- hörigen von Intensivpatienten ein wenig ihrer Sorgen durch gute und transparente Information erleichtern zu können. Damit sie besser verste- hen und mehr Energie für ihre Ange- hörigen haben.

Personaluntergrenzen auf der Intensivstation

Seit 2021 betreut eine Pflegefachkraft in der Tagesschicht 2 Patienten*

In der Nachtschicht max. 3 Patienten*

Durchschnittliches Brutto-Monatsgehalt einer Intensivpflegefachkraft im Verbund in Vollzeit (ohne Leitungsfunktion)

4.161,-/Monat (Einstiegsgehalt nach AVR) 4.635,-/Monat (mit Berufserfahrung nach AVR)

Anzahl der Intensiv-Betten im Verbund

Intensivbetten (Jahresdurchschnitt 2021) Weaning-Betten Betten auf der Stroke-Unit Inter-Mediate-Care-Betten

67

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Durchschnittliche Patienten-Verweildauer auf einer Intensivstation im Verbund

3,6 Tage

Durchschnittliche Covid-Patienten- Verweildauer auf Intensivstation im Verbund 9,55 Tage

DIE ATMOSPHÄRE

Ruhe und Hektik gleichzeitig. Er- schöpfung und Energie. Gute Lau- ne nah an Leid und Tod. Es muss im Notfall schnell gehen und im nächsten Moment braucht ein Pati-

* max. fünf Prozent dürfen Pflegehilfskräfte sein

Fortsetzung Seite 14

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THEMA

Unfall, um zurück ins Leben zu kommen. Nach einer langen, zer- mürbenden Krankheit, am Ende eines hoffentlich guten Lebens, um den letzten Schritt zu gehen. Das prägt die Atmosphäre, die hoch- technisiert und gleichzeitig zutiefst menschlich ist.

ARBEITSPLATZ INTENSIVSTATION

„Darf ich mir eure Station mal an- sehen“, frage ich nach meinem beruflichen Wechsel in das Kölner St. Vinzenz-Hospital bei einem meiner ersten Rundgänge durchs Haus. Die Kollegen freuen sich und zeigen mir gern ‚ihr Reich‘. Da ich nicht mehr so viele Be- rührungsängste habe vor dieser für mich immer noch besonderen Station, achte ich inzwischen auf Feinheiten, habe Fragen, die mehr ins Detail gehen. Ich stelle mir vor, wie es ist, als Angehöriger hier einzutreten. Dann ist der erste Schritt auf eine Intensivstation ein Schritt auf unbekanntes, beängsti- gendes Terrain. Die vielen Maschi- nen und Monitore, die Geräusche beunruhigen – obwohl sie doch genau das Gegenteil bewirken sollen. Sie sollen – neben der un- ersetzlichen menschlichen Pfle- ge und Zuwendung – Sicherheit und Kontrolle bieten und schnel- le Reaktionen ermöglichen. Und dennoch: Weiß man nicht Be- Fortsetzung Seite 16

ent kurz jemanden, der einfach bei ihm verharrt, kurz da ist und signa- lisiert: „Sie sind nicht allein.“ Mich als Außenstehende, ohne Angehörige in einer schwierigen Lebenssituation, fasziniert dieses Kaleidoskop an Gegensätzen. Es ist eine ganz besondere, eigene Atmosphäre, die auf einer Intensiv- station zwischen Maschinen und Menschen, Helfenden und Hilfsbe- dürftigen entsteht. Eine energiege- ladene Stimmung, die ich in jedem Krankenhaus, in dem ich bisher tä- tig war, immer mit als erstes aufge- nommen habe. Pur. Unverfälscht. Echt. Hier kümmern sich die Mitar- beiter im ärztlichen und im pflege- rischen Dienst um Menschen ‚an der Kante‘. Nach einer schweren Operation, nach einem schweren

Manchmal braucht es vier Hände, um einen Patienten zu versorgen

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THEMA

Geräte auf der Intensivstation

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Monitor EKG, Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung etc. Ernährungspumpe Sondenkost

Beatmung Tubus

Ernährungssonde

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arterielle Kanüle Blutdruckmessung,

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Hämofilter Dialyse (Blutwäsche)

Blutabnahme für Labordiagnostik, Kontrolle Beatmungsparameter

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Spritzen- und Infusionspumpen Medikamentenabgabe, Infusionspumpen, parenterale Flüssigkeits- und Ernährungsgabe

zentraler Venenkatheter

Blasenkatheter

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Beatmungsgerät

persönliche Gegenstände

Grafik: Getty Images, Suna Bay

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THEMA

Intensivbetreuung rund um die Uhr – welche Körperfunktionen werden überwacht?

• Herz-Kreislauf • Lunge-Atmung

• Gehirn-Nervensystem • Leber- Stoffwechsel • Niere-Wasserhaushalt

• Gerinnungsfunktion – Blut • Infektabwehr/Immunreaktion • Temperatur

erschrecken vor der Menge an Kabeln, vor der sehr funktiona- len und nüchternen Atmosphäre der Zimmer und Bettplätze. Ganz sicher ist es hilfreich, dann zu wissen: Hier arbeiten Menschen, die sich der besonderen Aufgabe verschrieben haben, erkrankte, verunfallte, frisch operierte Pati- enten zu versorgen, zu überwa- chen, ihr Leben zu bewahren, ihre Situation, wenn sie nicht mehr änderbar ist, so angenehm wie möglich zu machen. Hier ar- beiten Menschen, die sich jeden Tag zwischen Leben und Tod be- wegen – und die dadurch im bes- ten Fall nicht abgestumpft sind, sondern sensibel für Zwischen- töne. Hier arbeiten Menschen, die schnell reagieren und Ent- scheidungen treffen können. Die eine Haltung haben. Hier arbeiten Menschen – und kümmern sich um Ihre Angehörigen, auch wenn diese zwischen Kabeln, Geräten und Monitoren liegen. Auch wenn es den Anschein vermittelt, dass Technik hier oberstes Gebot ist. Hier arbeiten Menschen, die alles dafür tun, dass es die Patienten so gut wie möglich haben – auch wenn sie in Zeiten von Corona er- schöpfter und angegriffener sind als sonst. (K.M.)

scheid, ist man in großer Sorge um einen lieben Menschen, kann einen diese Atmosphäre voller Geräusche, voller blinkender Mo- nitore, voller notwendiger Proze- duren und schnellen Maßnah- men beängstigen. Man kann sich

Die Medikamentenpumpen werden regelmäßig kontrolliert

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THEMA

Glossar

Anästhesie Ausschaltung der Schmerzempfindung durch Medikament, Narkose Beatmung, invasiv Unterstützung oder Ersetzen der Eigenatmung mit einem Beatmungsgerät. Während der Beatmung erhält der Patient schmerzstillende und beruhigende Medikamente. Mit Beatmungsschlauch (Tubus) ist das Sprechen nicht möglich. ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung) ist ein High-Tech-Verfahren, das bei Lungenver- sagen eingesetzt wird. Das Blut wird extern vom Körper mit Sauerstoff anreichert und von Kohlendioxid befreit. Das Gerät funktioniert wie eine externe Lunge EKG oder Elektrokardiogramm Aufzeichnung der Summe der elektrischen Aktivitäten aller Herzmuskelfasern, Herzspannungskurve Embolie Verschluss einer Vene oder Schlagader durch ein Blutgerinnsel, zum Beispiel bei einer Lungenembolie Infusion Einführung größerer Flüssigkeitsmengen in den Organismus besonders über die Blutwege (intravenös) Intermediate Care (IMC) Hier werden Patienten versorgt, die zwar intensiver pflegerischer Betreuung bedürfen, aber keine intensiv-medizinische Behandlung mehr benötigen, wobei die Vitalparameter (wichtige Körperfunktionen) weiterhin überwacht werden. Drainage Ableitungssystem zum Beispiel von Wundsekret bei Operationswunden

Katheter flexibler, dünner Schlauch zur Einführung in Adern oder Hohlorgane, zum Beispiel in die Blase PEG-Sonde (Perkutane Endoskopische Gastrostomie) Dient der künstlichen Ernährung direkt über den Magen-Darm-Trakt. Mithilfe eines endo- skopischen Verfahrens (ein kleiner Eingriff) wird ein künstlicher Zugang zum Magen geschaffen. Port Eigentlich Portkatheter. Dauerhafter Zugang in den Blutkreislauf. Pulsoximeter Gerät, das die Sauerstoffsättigung im Blut misst Sepsis Umgangssprachlich „Blutvergiftung“. Eine Entzündungsreaktion des Körpers auf eine Infektion durch Bakterien, Pilze oder Viren. Stroke Unit eine auf Schlaganfallpatienten spezialisierte Intensivstation Tracheostoma künstliche Atemöffnung, notwendig zur Langzeitbeatmung, wenn die normale Atmung gestört ist Weaning Schrittweise Entwöhnung des Patienten vom Beatmungsgerät (to wean (engl.) = entwöhnen) Perfusor Pumpe zur Dosierung von Medikamenten in die Blutbahn Somnolenz Schläfrigkeit, Bewusstseinstrübung

Grafik: Getty Images

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THEMA

Über diese Kanülen wird das Blut mit Sauerstoff versorgt

übernommen werden kann. Es kommt bei Patienten zum Einsatz, deren Lungen oder Herz schwer geschädigt sind. Das Blut des Pati- enten wird außerhalb des Körpers behandelt. Der Gasaustausch, der von der eigenen Lunge nicht mehr geleistet werden kann, wird übernommen, um die Atemfunk- tion sicherzustellen. Dafür wird das Blut über eine große Kanüle entnommen, zum Gasaustausch durch eine Membranlunge geleitet und dem Körper durch eine ande- re große Kanüle wieder zugeführt. Nach fast zehnWochen konnte der junge Patient ins Kölner St. Mari- en-Hospital zum Weaning verlegt werden: mit neurologisch erstaun- lich gutem Ergebnis, einer positi- ven Einstellung, jedoch mit einge- schränkter Leberfunktion. Hier wird nun die schrittweise Entwöhnung von der Beatmung überwacht. „Ich bin ganz besonders stolz auf diese unglaubliche Team-Leistung bei der Betreuung des Patienten. Es gab sehr viele komplizierende Faktoren, zum Beispiel wiederhol- tes Zusammenfallen der massiv geschädigten Lunge. Dennoch ist es uns gelungen, den mehrfach totgeglaubten jungen Mann immer wieder ins Leben zu holen – in den momentanen Zeiten ein Erfolg, der uns unglaublich trägt“, so Profes- sor Dr. Jürgen Lutz, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivme- dizin und Schmerztherapie. (K.M.)

Nach 68 Tagen zurück ins Leben Knapp zehnWochen dauerte der längste ECMO-Lauf auf der Intensivstation des St. Vinzenz-Hospitals.

D er 30-jährige, ungeimpfte Pa- tient war trotz einer Covid-In- fektion für einen dringlichen gefäßchirurgischen Eingriff in das Kölner St. Vinzenz-Hospital verlegt worden. Bereits innerhalb der ers- ten 24 Stunden verschlechterte sich seine Covid-Erkrankung dramatisch – alle konservativen intensivmedi- zinischen Möglichkeiten inklusive einer 18-stündigen Bauchlage wur- den ausgeschöpft – am Ende blieb nur die ECMO. Die ECMO (=Extrakorporale Mem- branoxygenierung) ist ein Verfah- ren, durch das die Herz- und Lun- genfunktion unterstützt und sogar

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THEMA

Abschied auf Intensivstation Wie ein Team hilft, dass der Abschied von der eigenen Mutter gut gelingt. W eit nach 22 Uhr stehen wir mit vier Geschwistern an einem regnerischen

Pflegenden und Ärzten Mamas Bedürfnisse zu vermitteln: bitte keine Fixierung; sollte sie wach werden, muss sie mit den Hän- den sprechen können. Bitte alles in einfachen Worten aufschreiben und ihr vor die Augen halten. Bitte deutliche Gesten nutzen, um ihr anzuzeigen, was als Nächstes ge- schieht. Es wurde stark emotional, als uns klar wurde, dass sie nicht ins Leben zurückfinden würde, aber das ganze Team begleitete, stützte und vertraute uns in die- sem schwierigen Prozess. Schwer genug, zeitig eine Patientenver-

fügung vorzubereiten, aber noch schwerer, für Mamas Entschei- dung einzutreten, nicht weiter be- atmet zu werden und sterben zu dürfen. Mit großem Respekt und viel Zeit haben die Ärzte kurz da- rauf den Tubus gezogen und Ma- mas Atem dem eigenen Rhythmus überlassen, bis sie starb. Wir wa- ren dabei, wir hatten Zeit, ihr liebe Botschaften mit auf den Weg zu geben. Wir waren dankbar für das Team, das uns die Intensivstation für fünf Tage zum Platz für die Fa- milie gemacht und den Abschied erleichtert hat. (M.A.)

Abend Ende Januar auf dem Kran- kenhausparkplatz. Wir weinen, wir umarmen uns und lachen, wir ha- ben gerade auf der Intensivstation unsere Mutter verloren. Begonnen hatte das Drama wenige Tage vor- her, als unsere Mutter sich beim Kuchenessen an ihrer Teilprothese verschluckte. Alle Bemühungen der ambulanten Pflegerin und des Ret- tungsdienstes waren erfolglos; mit stark geschwollener Luftröhre und massiver Atemnot kam sie ins Kran- kenhaus. Dennoch ging es ihr im- mer schlechter. Sie wurde ins Koma gelegt und kam, weil es der einzig freie Intensivplatz war, in ein ande- res Krankenhaus. Das war ihr und unser Glück. Als frühere Krankenhaus-Seelsorge- rin dort kannte ich viele aus dem Team. Das hat es uns Geschwis- tern leichter gemacht, in eine of- fene und klare Kommunikation zu gehen, die Abläufe auf Intensiv zu lernen, und uns darin einzufädeln. Als Kinder gehörloser Eltern wa- ren wir zeitlebens Übersetzen gewöhnt, doch nun hieß es, den

Foto: Getty Images

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THEMA

Der Patient steht an erster Stelle

Auf der Intensivstation werden ethische Fragen individuell betrachtet und beantwortet.

M ittwoch, 13:00 Uhr – ‚Ethikvisite‘ auf der Intensivstation im Wuppertaler Petrus-Krankenhaus: Als Mitglied des Ethikteams höre ich als Krankenhaus- seelsorgerin einmal wöchentlich der Pflege- übergabe zu und spitze die Ohren für poten- ziell ethisch relevante Themen wie ‚Zustand nach Reanimation‘, ‚vermuteter hypoxischer Hirnschaden‘, ‚invasive Beatmung‘, Fixie- rung und andere Stichworte. Später, am Patientenbett und im Gespräch mit den Pflegenden, ordnet sich für mich das, was in der Übergabe nur kurz ange- rissen wurde. Denn inmitten der bestmög- lichen medizinischen und pflegerischen Versorgung der schwerkranken Patienten laufen parallel auch die existenziellen und oftmals ethischen Fragen mit: Ist etwas über den Patientenwillen bekannt? Lässt sich ein Behandlungsziel für die nächsten 14 Tage formulieren? Dienen die lebens- erhaltenden Maßnahmen dem Patienten oder beginnen sie ihm möglicherweise zu schaden? Wie kann Leid vermieden wer- den? Welche Erwartungen äußern die Angehörigen? Naturgemäß berühren ethische Fragen auf der Intensivstation immer eine Ent- scheidung, bei der um das Wohl des Pa-

tienten gerungen wird. Weil oft so wenig darüber bekannt ist, welche Entschei- dung der Patient für sich selbst in die- ser schwierigen Situation getroffen hät- te, liegt die Last auf den Schultern der Angehörigen, der Pflegenden und der verantwortlichen Ärzte. Für die Angehö- rigen ist es eine Ausnahme- und Extrem- situation, in der sie vielleicht zum ersten Mal mit dem drohenden Tod eines ihnen nahestehenden Menschen konfrontiert werden. Dabei ist kaum einer von ihnen in der Lage, den Wunsch nach einer The- rapiebegrenzung zu äußern, mag der Zu- stand des Schwersterkrankten noch so ausweglos sein. Zu der Belastung, eine lebenserhaltende Therapie infrage zu stellen, gesellen sich auch wichtige juristische Fragen. Insbe- sondere im Fall einer Therapiebegren- zung, wie etwa der Verzicht auf Katechola- mine (Medikamente zur Wiederbelebung) oder der Dialyse, muss diese Entschei- dung medizinisch einwandfrei begründbar sein. So sehr dies für Ärzte der Intensiv- station zu ihrem täglichen medizinischen Handeln und Versorgen gehört, gibt es doch immer wieder einzelne Patienten, die ethisch besonders herausfordernd sind.

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THEMA

Im Laufe der letzten zehn Jahre wurden daher im Verbund der Cellitinnen zur hl. Maria vom Klinischen Ethik-Komitee ver- schiedene Instrumente, Handlungsemp- fehlungen und Formulare entwickelt, die in solchen Situationen helfen sollen: • Die strukturierte und moderierte ‚Ethi- sche Fallbesprechung‘ sorgt etwa dafür, dass alle medizinischen, pflegerischen, vor allem aber auch die sozialen Fakten über den Patienten zusammengetragen und Handlungsoptionen im multiprofessio- nellen Gespräch abgewogen werden. • Formulare zur Therapiezieländerung und Therapiebegrenzung sollen für die ethische Dimension vor Behandlungsent- scheidungen sensibilisieren und gleich- zeitig für eine transparente und gut doku- mentierte Entscheidung sorgen. • Die ethische Kurzberatung soll die Be- handelnden bei ethischen Konflikten un- terstützen und ein niederschwelliges An- gebot zur Klärung ethischer Fragen sein. • Das dokumentierte ethische Angehöri- gengespräch kann im Alltag bei der Er- mittlung des Patientenwillens hilfreich sein, aber auch eine Stütze bei der Ver- mittlung von schwierigen Entscheidungen darstellen.

Ethische Fragen auf der Intensivstation – sie werden immer schwierig bleiben. Als Ethikbeauftragte versuchen wir so gut wie möglich, die Verantwortlichen in Medizin und Pflege im Sinne des Patienten zu un- terstützen. (M.K./L.S.)

Krankenhausseelsorgerin Pfarrerin Michaela Kuhlendahl

Ethikreferentin Lisa Schüttler

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THEMA

Was uns antreibt

Das CellitinnenForum hat Kollegen auf den Intensivstationen der Krankenhäuser imVerbund gebeten, folgende Aussagen zu ergänzen:

„Intensivpflege kann sehr belastend sein. Sie bringt einen manchmal an seine Grenzen, vor allem jetzt in der Pandemie. Aber ich würde mich immer wieder für diese Arbeit entscheiden, weil ...

… es eine erfüllende und ab- wechslungsreiche Aufgabe ist und wir einen unglaublich guten Zusammenhalt im Team haben.“ Silke Peggau, Stationsleitung Intensiv und IMC, Heilig Geist-Krankenhaus

... sie spannend und abwechs- lungsreich ist, man schnell ein klares Ergebnis seiner Arbeit sieht, jeder Tag anders ist und unsere Arbeit sehr dringend benötigt wird!“ Elisabeth Botzet, Leitung Intensivpflege, St. Vinzenz-Hospital

… ich hier das beste Team habe, das man sich vorstellen kann. Gemeinsam die Herausforderungen der Pandemie anzunehmen und Menschenleben retten zu können, macht mich im Herzen zufrieden mit meiner Arbeit.“

Kristel Orquiola , Pflegekraft Intensivstation St. Marien-Hospital

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CellitinnenForum 01 | 2022

THEMA

... ich Notfallmedizin sehr mag und wir auf der Intensivstation die Patienten und ihre Angehörigen an einem Scheitelpunkt im Leben kennenlernen und ein Stück begleiten können.“

Katharina Hokenmaier , stv. Leitung Intensivpflege am St. Franziskus-Hospital, Köln

Die Bilder stammen von dem Instagram-Kanal „Mighty Marien Nurses“ (= starke Pflegekräfte) der Intensivstation im St. Marien-Hospital, Köln, der über den Alltag dort berichtet, manchmal durch- aus auch augenzwinkernd.

…. weil die bestmögliche Akutversorgung der Patienten auf dem aktuel- len Stand der Intensivpfle- ge und Behandlung sehr von Bedeutung ist.“ Maimouna Togo , Stv. Pflegerische Leitung der Intensivstation am Petrus-Krankenhaus

Fotos: Abbildungen vom Instagram-Account der Intensivpflege am St. Marien-Hospital, Köln @mighty-marien-nurses

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THEMA

Wenn die Niere versagt Blutwäsche auf der Intensivstation kurz erklärt. U nter dem Begriff Dialyse ver- steht man in der Regel ein Verfahren, das die Funktion

um gelöste Substanzen, die eigent- lich über den Harntrakt ausgeschie- den werden müssten, aus dem Blut zu ‚waschen‘. Auf einer Intensivstation haben es die Ärzte und Pflegenden dage- gen häufig mit einem akuten Nie- renversagen zu tun, das seinen Ursprung in einer Komplikation nach einer schweren Operation hat oder in Kombination mit einem Multiorganversagen auftritt. Dann wird anstelle des Dialysators eine Hämofiltration zur Blutwä- sche eingesetzt. Während einer pumpengetriebenen ‚kontinuier- lichen venovenösen Hämofiltrati- on‘ (CVVH), wie sie auch auf der Intensivstation am Kölner Heilig Geist-Krankenhaus genutzt wird, wird beständig ein Teil der Blutin- halte, die ausgeschieden werden müssen, abfiltriert. Das ausge- filterte Volumen wird durch eine Elektrolytflüssigkeit direkt ersetzt. Dieses Verfahren ist besser bei kreislauf-instabilen Patienten auf der Intensivstation einsetzbar, ge- rade bei Patienten mit einer Blut- vergiftung“, erklärt Professor Dr. Stefan Weber, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie und Leiter der interdisziplinären Intensivsta- tion am Heilig Geist-Krankenhaus. (J.P.)

der Nieren ersetzt, wenn diese nicht mehr ausreichend arbei- ten können. Eine funktionierende Niere filtert täglich rund 1.800 Liter Blut und befreit es sowohl von überschüssigem Wasser als auch von Abfall- und Ausschei- dungsprodukten, die ansonsten zu lebensgefährlichen Vergif- tungserscheinungen führen wür- den. Bei einer Dialyse wird das Blut durch einen Dialysator gefil- tert. Dabei wird ein Dialysat, eine Lösung unter anderem aus Elek- trolyten und Glukose verwendet,

Die kontinuierliche, pumpengetriebene ‚Blutwäsche‘

Substituat

Hämofilter

Patient

Filtrat

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THEMA

Der neurologische Patient Auf den Intensivstationen arbeiten unterschiedliche Fachrichtungen zusammen. E ine Besonderheit auf den Intensivstationen stellen un- ter anderem Patienten dar,

die dem Fachbereich Neurologie zugeordnet werden. Dabei geht es nicht nur um die ‚klassische‘ Behandlung von Schlaganfallpati- enten auf einer Stroke Unit (beson- dere Schlaganfalleinheit), sondern um die Versorgung von Patienten mit anderen schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Hirnhautent- zündungen. Auch schwere Ver- läufe der Autoimmunerkrankung ‚Myasthenia gravis‘ können eine Behandlung auf einer Intensiv- station notwendig machen. Bei dieser Erkrankung ist die Sig- nalübertragung zwischen Nerven und Muskeln gestört. Das kann zur Folge haben, dass die Pati- enten bei einem schweren Schub sogar zu schwach sind, um zu schlucken oder selbstständig zu atmen. Auch schwer betroffene Patienten mit einem ‚Guillain- Barré-Syndrom‘ gehören auf eine Intensivstation. Bei einigen Patienten führen solche Autoimmunerkrankungen zu Läh- mungen und Schluckstörungen, so dass sie kontinuierlich überwacht werden müssen. In schweren Fäl- len ist manchmal eine künstliche Beatmung erforderlich oder eine Therapie mit Immunglobulinen,

Rund um die Uhr werden die Vitalparameter kontrolliert

erklärt Carola Hagedorn, leitende Oberärztin in der Kölner Klinik für Neurologie am Heilig Geist-Kran- kenhaus und Fachärztin für Neu- rologie, spezielle neurologische Intensivmedizin und Palliativmedi- zin. Auch die besondere Medikati- on für neurologische Patienten ist ein wichtiger Punkt. Bei Patienten mit schweren epileptischen Anfäl- len ist sogar häufig eine intensiv- medizinische Behandlung erfor-

derlich. Die spezielle Medikation gegen Epilepsien ist dann thera- pieentscheidend. Die Klinik für Neurologie am Heilig Geist-Krankenhaus sieht sich als medizinischer Versorger für den Kölner Norden und dessen Um- gebung. In Zusammenarbeit mit den Kollegen der Intensivstation des Hauses werden auch intensiv- pflichtige neurologische Patienten versorgt. (J.P.)

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Das Leben ist kein Sonntagsspaziergang

Unbequeme Gedanken zur Auferstehung.

G ebeten wurde ich, über die Auferstehung zu schreiben. Das ist ja nicht ganz ohne. Es kommt mir ein wenig so vor wie damals, als der Apostel Paulus auf dem Athener Marktplatz, dem Are- opag, sprach (Apg 17, 16 – 34). Da sagten die einen: „Was will denn dieser Schwätzer“ und andere: „Er scheint ein Verkünder fremder Gott- heiten zu sein.“ Und als Paulus dann von der Auferstehung Jesu spre- chen wollte, da winkten die Athener ab: „Darüber wollen wir Dich ein an- dermal hören“ (Apg 17, 32). Vielleicht ist auch ein wenig Areo- paghier bei uns inunserenHäusern und Einrichtungen in der Vielfalt von Kulturen und Weltanschauun- gen, von Lebensgeschichten und Prägungen, von Sichtweisen und Weltbildern bei Patienten und ih- ren Angehörigen, bei Mitarbeitern in den verschiedenen Berufen. Ein Stück davon erlebe ich – wäh- rend ich schreibe, ist noch Weih- nachtszeit – wo symbolträchtige Weihnachtsbäume zu bloßer De- koration werden; wo scheinbar christliche Veranstaltungen sich in zeitgeistiger Beliebigkeit verlieren. Da wo Kultur als Ausdruck sinnstif- tender Erfahrung, verdichtet in tra- ditionellem Brauchtum, nur noch

austauschbare Äußerlichkeit ist, ist der Christ in seinem Sendungs- auftrag angefragt. Da stellt sich für eine christliche Einrichtung auch die Frage nach der Unverwechsel- barkeit des eigenen Profils, und zwar in respektvoller Toleranz ge- genüber allen, die die christliche Antwort auf die Frage nach dem Sinn unseres Lebens und unse- rer Welt nicht teilen. Aber umso schwerer wird es in einem solchen Kontext, über die Auferstehung zu schreiben, sofern die vielen auf dem Areopag unserer Einrichtun- gen dieses Magazin tatsächlich lesen oder es doch nur in Stapeln, wenn auch namentlich etikettiert, in Dienstzimmern unbeachtet lie- gen bleibt. Was tat der heilige Paulus? Nun, er verließ Athen.Vermutlich frustriert. Aber immerhin schlossen sich ihm einige an (Apg 17, 34). Doch hat diese Erfahrung Paulus verändert. Aufgrund der schmerzvollen Erfah- rung wird ihm ein anderes Thema fast wichtiger als die Auferstehung oder, besser gesagt, zur Voraus- setzung, um über Auferstehung glaubwürdig sprechen zu können: nämlich das Leid. Das Kreuz. So schreibt er nach dieser zweiten

Pfarrer Ulrich Hennes leitet seit 2020 die Seelsorge der Kölner Krankenhäuser der Hospitalverei- nigung St. Marien

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Missionsreise durch Griechenland seine Briefe an die Galater und die Korinther. Und da spricht er aus- führlich vom Kreuz. Die Botschaft des Paulus aufgrund seiner eige- nen Erfahrung von Mühen, Enttäu- schung, Ablehnung, Verfolgung, Steinigung, Spott, Schiffbruch und aufgrund der Begegnung mit den Menschen in Athen und andern- orts lautet: Wir können die Wirk- lichkeit dieses Lebens, das

chen dürfen. Und sprechen müs- sen. Nicht früher, aber auch nicht später. Mir kommen diese Gedanken ausgerechnet am Gedenktag des heiligen Johannes vom Kreuz († 1591), dessen Name Pro- gramm und der für die in unseren Einrichtungen tätigen indischen Karmelitinnen prägend ist. Jo- hannes schreibt, dass wir Trost

und Fülle des Le- bens, wir könnten auch sagen Auf- erstehung, nicht ohne die Mühe vielfältigen Lei- dens und die Be- schwernisse des Kreuzes erlan-

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird,

oft kein Sonn- t ag s s pa z i e r - gang ist, son- dern geprägt ist von Krankheit Enttäuschung, Konflikten, Ge-

dann ist es noch nicht das Ende.

gen. Oder einfacher gesagt: ohne Kampf kein Sieg, ohne Mühe kein Glück, ohne Karfreitag kein Ostern, ohne Tod keine Auferste- hung. Nicht mehr Paulus, son- dern der nicht ganz so fromme irische Schriftsteller Oscar Wilde hat einmal gesagt: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, dann ist es noch nicht das Ende.“ Jesu Tod war noch nicht das Ende, sondern er ist auferstan- den. Unser Leiden und unser Tod sind noch nicht das Ende, sondern wir dürfen auf die Auferstehung hoffen, auf ein Leben bei Gott ohne Schmerz, ohne Leid, ohne Tränen, ohne Tod. Im letzten Kapi- tel der Bibel lesen wir: „Gott wird alle Tränen von ihren Augen ab- wischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher

walt, Streit, Flucht, Terror, Krieg, Tod nicht einfach überspringen. Wir können die unangenehmen Seiten des Lebens nicht verdrän- gen, als ob es sie nicht gäbe. Wir müssen die Realität ernst neh- men, wie sie ist – wo wird man das leichter nachvollziehen können als in einem Krankenhaus? Aber wir dürfen diese Lebenswirk- lichkeit annehmen in der Überzeu- gung, dass Gott uns darin nicht al- lein lässt. Denn in Jesus Christus ist er selbst in aller Konsequenz Mensch geworden, hat für uns gelebt und gelitten bis zum Tod am Kreuz. Paulus nennt das Got- tes Kraft und Gottes Weisheit (1 Kor 1, 24). Und nach all dem Erlit- tenen ist das Leben mit dem Tod eben nicht zu Ende. Als Christen dürfen wir auf mehr hoffen. Müs- sen nicht trauern „wie die ande- ren, die keine Hoffnung haben“ (1 Thess 4, 13). Das ist der Moment, wo wir von der Auferstehung spre-

Oscar Wilde

war, ist vergangen.“ Frohe Ostern! (U.H.)

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Beate Schultes ist auf dem Weg zur Arbeit. Nur wenige Minuten benötigt sie zu Fuß von ihrer Haustür bis zum Heilig Geist- Krankenhaus. Die Zeit nutzt sie, um sich an der frischen Luft auf den Tag und seine Herausforde- rungen einzustimmen.

Ein Tag mit ... der Kranken- hausseelsorgerin Beate Schultes B eate Schultes gehört seit 2020 zum Team der katholi- schen Krankenhausseelsor- ge im Heilig Geist-Krankenhaus in Köln-Longerich. Zuvor arbeitete sie als Gemeindereferentin im Kölner Norden, wo sie mit ihrer Familie bis heute lebt. Schultes ist von Geburt an blind. Das Leben mit Einschrän- kung in einerWelt, die für Menschen ohne sichtbare Behinderungen an- gelegt ist, sensibilisierte sie in be- sonderer Weise für die Nöte und Sorgen der oft Schwererkrankten in der Klinik. Ihnen kann sieWege auf- zeigen, Unveränderliches zu akzep- tieren, ohne zu kapitulieren. (S.St.)

Im Büro wartet Arbeitsplatzassistentin Brigitte Bartz auf sie. Die Assistentin begleitet Schultes zum Erstkontakt mit den Patienten. Durch ihre Be- schreibungen klären sich für die Seelsorgerin die äußeren Umstände in den Krankenzimmern: In welcher Verfassung ist der Patient, ist er an medizinische Geräte angeschlossen und möchte oder kann er überhaupt ein seelsorgliches Gespräch führen? „Ich weiß dann sehr schnell, worauf ich mich einstellen muss“, erklärt Schultes.

An der wöchentlich statt- findenden Teamsitzung nehmen alle Seelsorger aus den Kölner Cellitin- nen-Krankenhäusern teil. Auf der Tagesordnung stehen Themen wie die Planung von Gottes- diensten, die Arbeit am Seelsorgekonzept oder die Aufteilung der Rufbe- reitschaft.

Die Krankenhausseelsorgerin nimmt sich die Zeit, um in der Kapelle Gott um Beistand für die Anliegen der Patienten und Angehörigen zu bitten.

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Mit Larissa Bartsch, Psychoonkologin des Kranken- hauses, arbeitet Schultes eng zusammen. Beide sind Expertinnen im Umgang mit emotionalen Ausnahme- situationen. Sie unterstützen Patienten in seelischen Konflikten und Krisen, die während des Kranken- hausaufenthaltes entstehen oder dorthin mitgebracht wurden.

Die Besprechung ist beendet. Die Seelsorgerin macht sich auf den Weg zu einer Patientin. An den Krankenbet- ten reicht manchmal ein aufmunterndes Wort, doch sehr oft geht es um existen- zielle Fragen. Schultes hört zu, tröstet und bietet Perspektiven an.

Regelmäßig spricht die Seelsorgerin mit Ärzten und Pflegenden, um zu er- fahren, welche Patienten oder Angehö- rige ihren Beistand wünschen. Auch an den Pflegekräften geht der berufliche Alltag nicht spurlos vorüber. Für deren Sorgen und Nöte hat Schultes ebenfalls ein offenes Ohr.

Mit der Dokumentation der Patien- tenbesuche klingt der Arbeitstag für die Krankenhausseelsorgerin am PC aus. Bevor sie nach Hause geht, vertraut sie im Andachtsraum noch alle Menschen, die ihr an diesem Tag begegnet sind, Gott an.

Fotos: Ansgar Bolle, multimediadesign

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Station 3: Der Zusammenbruch unter der Last des Kreuzes wird auch an den Stationen 7 und 9 dargestellt

Station 5: „Auf demWeg trafen sie einen Mann aus Kyrene namens Simon; ihn zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.“ (Mt 27, 32)

Station 1: „Pilatus sagte zu ih- nen, was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Christus nennt? Da antworteten Sie alle: Ans Kreuz mit ihm!“ (Mt, 27, 22)

Ausdrucksstarke Passion In den Kreuzwegbildern im Bonner

Im Zuge der 2001 erfolgten Neu­ einrichtung der Hauskapelle er­ hielten die Schwestern Unserer Lieben Frau (SND) einen holzge­ schnitzten Kreuzweg für ihr Bon­ ner Haus Maria Einsiedeln, das sie 2006 an die Seniorenhaus GmbH der Cellitinnen zur hl. Maria über­ tragen haben. Die Passionsbilder waren eine Schenkung der Bene­ diktinerinnen vom Heiligsten Sak­ rament und stammten aus deren im Jahr 2000 geschlossenen Klos­ ter Mariahilf in Bonn-Endenich. In Verbindung mit den wunderbaren, von Schwester Maria Canisa SND entworfenen Buntglasfenstern, verleiht dieses bemerkenswerte Ausstattungselement dem Sakral­

Seniorenhaus Maria Einsiedeln kommt der Leidensweg Jesu den Menschen besonders nahe. K reuzwege mit in der Regel 14 bildlichen Darstellungen des Leidensweges Jesu sind tra­

nen der Passion Jesu nach den Evangelien, ergänzt durch nicht­ biblische, legendäre Zusätze und solche, die das Leidensgeschehen vertiefen, wie die normalerweise dreimal vorkommende Darstellung des unter der Last des Kreuzes zusammenbrechenden Heilands. Kreuzwege hängen in Augenhö­ he und laden ein, betend, singend und betrachtend, allein oder in Ge­ meinschaft, die Stationen der Rei­ henfolge nach zu begehen.

ditionell an den Seitenwänden von Kirchen und Kapellen angebracht. Die nach Materialien, Herstellungs­ methoden und Entstehungszeit un­ terschiedlichen ‚Stationen‘ kommen als Gemälde vor oder man findet sie als Plastik oder Skulptur im Re­ liefformat auf einer Trägerplatte. Ne­ beneinander hängend bieten die Tafeln eine Schilderung von Sze­

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Station 6: Das Bild des ge- quälten Jesus ist im Schweiß- tuch abgebildet, das ihm der Legende nach Veronika gereicht hat

Station 8: „Es folgte ihm eine große Menge des Volkes, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten.“ (Lk 23, 27)

Station 14: „Josef kaufte ein Lei- nentuch, nahm Jesus vomKreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Fel- sen gehauen war.“ (Mk 15, 46)

raum der Kapelle eine besonde- re Wirkung. Es ist zu spüren, wie sehr sich der unbekannte Künstler oder die Künstlerin mit der Härte und Unausweichlichkeit des Lei- denswegs Jesu auseinandersetzt. Ohnehin konfrontiert jede Kreuz- wegmeditation den Betrachter mit eigenen Ängsten, mit Schuld und Versagen, mit Leid und Schmerz, aber auch mit der Hoffnung, dass das Leben mächtiger ist als der Tod. Der Kreuzweg in Maria Einsiedeln lässt nicht unberührt. Er hat nichts auch nur ansatzweise Gefälli- ges. Mit eindrücklichen Gebärden agieren die Figuren auf das We- sentliche reduziert. Die Formen

des Schnitzwerks sind mit klarer Linienführung vereinfacht, um den Ausdruck der Darstellung zu ver- stärken. Nichts lenkt den Blick vom Thema der einzelnen Station ab. Einfühlsam wird Menschlichkeit erfahrbar und drastisch zugleich die Gewalttätigkeit des grausamen Geschehens. Die Dramatik wird nochmals gesteigert durch die tra- pezförmigen Untergrundflächen, aus denen die figürlichen Darstel- lungen herausgeschnitzt sind. Der Betrachter ist hier wie mit da- bei, vor allem in den Stationen der menschlichen Begegnungen, die auf dem Passionsweg gesche- hen. So ist Simon von Cyrene, der Mann, der gerade von der Feldar-

beit kommt, und gezwungen wird, für Jesus das Kreuz zu tragen (vgl. Mt 27,32), als Rückenfigur ausgearbeitet. Man sieht seinen Hinterkopf und nur andeutungs- weise sein Gesicht. Dahinter lässt sich die Absicht erkennen, dass sich der Betrachter selbst in ei- ner Haltung sehen kann, die nach dem Wort der Apostels Paulus dazu auffordert: „Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2). Selbst die größte Not wird durch das Mitgehen anderer gelindert – eine grundlegende Erfahrung und ein Hoffnungszeichen auch auf den Kreuzwegen unseres Lebens. (W.A.)

Fotos: Ansgar Bolle, multimediadesign

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Gottesdienste für Menschen mit und ohne Demenz

Die Pandemie hat die Vielfalt an gottesdienstlichen Formen erweitert. Schon seit einigen Jahren gibt es in den Seniorenhäusern der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria besondere Gottesdienste, die gerne von Menschen mit demenzieller Veränderung besucht werden.

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Ü ber Handy spielt Mitarbeiterseelsorgerin Maria Adams in der Kapelle des Senioren- hauses Marienheim in Bad Münstereifel, die Glocken des Ulmer Münsters ein. Das Glo- ckengeläute signalisiert den Bewohnern, die nach und nach in die Kapelle begleitet werden, hörbar: „Hier ist jetzt Gottesdienst!“ Während des fünfminütigen Läutens heißt sie die Einzelnen auf Augenhöhe oder mit Handkontakt an der Schulter zum Gottesdienst willkommen. „Erst danach kann ich mit einem Impuls anfan- gen“, erläutert die Mitarbeiter-Seelsorgerin, „dann sind die Bewohner wirklich da.“ Die liturgischen Wechselgebete tun ihr Übriges, damit die Bewohner im gottesdienstlichen Rhyth- mus ankommen, denn das ist lang gelerntes und geübtes Wissen, von „Der Herr sei mit euch“ bis zum „Und mit deinem Geiste“. Zur Orgelmusik be- wegen sich die Münder der Bewohner, weil sie fast mühelos die alten Liedtexte abrufen und wieder- geben. „Spätestens beim Vaterunser sind alle präsent“, berichtet Adams, „und die Stimmung ist dicht, emotional aufgeladen. Wenn ich die Kommunion austeile, erlebe ich fast niemanden, der nicht weiß, was das bedeutet. Dann lege ich das Heilige Brot noch mal so gern in die zitternden Hände, und weiß: Da geschieht Begegnung mit Gott.“ Seit der Pandemie finden die Wortgottesdiens- te, gestaltet von Beate Müllers, Begleiterin in der Seelsorge im Seniorenhaus St. Adelheidis-Stift in Bonn–Vilich, in einer ungewöhnlichen Umgebung statt, nämlich im Hausrestaurant, denn in der haus- eigenen Kapelle finden nicht alle Bewohner unter den gegebenen Abstandsregeln Platz. Zunächst war es sehr ungewohnt, im Restaurant einen Altar aufzubauen und eine einladende At- mosphäre zu schaffen. Es mussten Absprachen mit der Hauswirtschaft getroffen werden, damit der Gottesdienst ohne Störung gefeiert werden konnte. „MANCHMAL KANN MAN EINE STECKNADEL FALLEN HÖREN …“

Eine besondere Herausforderung bestand darin, Musik auszuwählen, die die Bewohner anspricht, aber nicht zum Singen animiert, da das Singen ei- nen wesentlichen Teil der früheren Gottesdienste ausmachte. Mittlerweile genießen die Bewohnerin- nen klassische Musikstücke und bekannte Kirchen- lieder, die sie teilweise mit summen. Große Aufmerksamkeit entsteht beim gemein- samen Beten bekannter, alter Gebete und nicht zuletzt beim Friedensgruß, den Müllers jedem Einzelnen persönlich bringt. Die Bewohner genießen diese Zeit des inne- ren und äußeren Gebets, in der sie in Stille ih- ren Gedanken nachhängen und sich in einer Gemeinschaft wissen. Dann sind alle äußeren Widrigkeiten für eine Weile vergessen und oft ist die Atmosphäre so konzentriert, dass man eine Stecknadel fallen hört. „DER GROSSE SCHIRM VERDEUTLICHT DEN SEGEN GOTTES“ Gottesdienst mit allen Sinnen - so hat Ruth Gies, seelsorgliche Begleiterin im Seniorenhaus St. An- gela, die Gottesdienste benannt, zu denen beson- ders die Bewohner mit Demenz eingeladen wer- den. Sie feiern diese Gottesdienste in der Kapelle mit einem bekannten Gottesdienstverlauf. Beson- ders hilfreich ist hierbei, dass einige ehrenamtliche Mitarbeiterinnen beim Transfer und in der Feier unterstützen. „Mit allen Sinnen“ bedeutet, dass die Botschaft des Gottesdienstes nicht nur mit Wor- ten, sondern besonders mit Musik, Sehen, Tasten, Berührung und Symbolen gestaltet wird. Der gro- ße Schirm verdeutlicht den Segen Gottes. Berührt reagieren die Einzelnen, wenn sie den Segen unter diesem Schirm erhalten. Berührte Reaktio- nen kommen bei der Salbung mit Lavendelöl oder dem Verteilen eines Lichtes. Berührt ist auch Gies selbst während dieser Gottesdienste. Die monatlich stattfindenden Gottesdienste wer- den im Wochen- und Monatsplan veröffentlicht. Viele Bewohner, die selbstständig entscheiden können, nehmen sehr gerne daran teil. (M.A.)

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