Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe 29
29
Fortbildung aktuell – Das J urnal
Nr. 1/2014 der Ap thekerkammer Westfalen-Lippe
Fortbildung ktuell – Das Jou nal
Dr. Helge Prinz
theken findet man sie meist als Bestand-
teil der Maßlösung,
c
(HClO
4
) = 0,1 mol/L,
welche die Eigenschaften des Hauptbe-
standteils Essigsäure aufweist (ätzend,
entzündbar). Die zur Herstellung benöti-
gte, 70-%ige Perchlorsäure-Lösung wirkt
außerordentlich ätzend und stark oxidie-
rend. Bei Normaldruck kann sie mit of-
fener Flamme bis zum Siedepunkt erhitzt
werden, zerfällt allerdings explosionsar-
tig bei Anwesenheit geringster Spuren
organischer Verunreinigungen. Generell
steigt das Explosionsrisiko mit der Reakti-
onstemperatur.
Wasserstoffperoxid-Lösung
Im Arzneibuch finden sich die Monogra-
phien Wasserstoffperoxid-Lösung 30 %
sowie 3 %. Wasserstoffperoxid wird vor-
wiegend zum Bleich- und Desinfektions-
zwecke verwendet. In der Zahnheilkun-
de dient es der Zahnaufhellung („Blea-
ching“). Jäger beziehen mitunter Was-
serstoffperoxid aus der Apotheke zum
Bleichen von Geweihen. Konzentrierte
Wasserstoffperoxid-Lösung wirkt je nach
Reaktionspartner stark oxidierend, kann
durch stärkere Oxidationsmittel (KMnO
4
)
jedoch auch zu Sauerstoff oxidiert wer-
den.
Wasserstoffperoxid kann einer stark exo-
thermen Zerfallsreaktion zu Sauerstoff
und Wasser unterliegen (Abb. 10), die ins-
besondere durch Schwermetallionen ka-
talysiert wird. Im Kühlschrank – geschützt
vor Sonnenlicht und Hitze – kann es pro-
blemlos aufbewahrt werden. Bei höheren
Lagertemperaturen und in Gegenwart
von Licht kann sich in den Vorratsbehält-
nissen zersetzungsbedingt ein beträcht-
licher Überdruck von Sauerstoff aufbau-
en.
Apotheken berichteten von heftigen Ex-
plosionen mit erheblichen Schäden, die
von Wasserstoffperoxid-Lösungen in
Braunglasflaschen hervorgerufen wur-
den.
21,22
Schraubverschlüsse von Vorrats-
flaschen aus Kunststoff oder Glas sollten
daher mit Ventilöffnungen gegen Über-
druck gesichert sein (Abb. 11).
Wasserstoffperoxid 30 %wird meist durch
Zugabe von Natriumpyrophosphat vor-
stabilisiert. Zur Herstellung der 3%igen
Lösung versetzt man mit 10 %iger Phos-
phorsäure als Stabilisator (NRF 11.103.
„Wasserstoffperoxid-Lösung 3 %“). Bei
versehentlicher Hautexposition spült man
mit Wasser gründlich ab. Es können sich
kurzfristig juckende weiße Flecken bil-
den, die aber schnell wieder verschwin-
den.
Ähnlich dem Wasserstoffperoxid ver-
hält sich übrigens auch Ameisensäure.
23
Auch sie sollte kühl (< 20 °C) und lichtge-
schützt aufbewahrt werden. Flaschen oh-
ne Druckausgleichsverschraubung kön-
nen spontan zerknallen. Meist steht die
ätzende Wirkung der Ameisensäure im
Vordergrund, sie zersetzt sich jedoch all-
mählich in Kohlenmonoxid und Wasser
(Abb. 12).
Eine deutlich verbesserte Stabilität be-
wirkt die Herabsetzung der Konzen-
tration von 100 auf 99-98 % durch Zu-
gabe sehr geringer Wassermengen. Als
60 %ige Ameisensäure wird die Substanz
zur Bekämpfung der Varroose (Ameisen-
säure 60 % ad us. vet.) gelegentlich nach-
gefragt.
24
Brom
Elementares Brom ist eine braunrote, rau-
chende Flüssigkeit und das einzige unter
Normalbedingungen flüssige Nichtme-
tall. Brom sollte vor Licht geschützt und
Sicherheitshinweis
Die Verwendung von Perchlorsäure
70 % sollte stets in einem speziellen
Abzug geschehen. Dieser darf kein
organisches Material wie Holz oder
Farbe aufweisen. Perchlorsäurefla-
schen bewahrt man am besten in einer
massiven PVC- oder Glaswanne mit
Absorptionsmaterial auf. Mit Granulat
können Spritzer aufgenommen wer-
den.
Entsorgungshinweis
Die Inaktivierung/Entsorgung von
Kleinstmengen geschieht durch Ein-
gießen in Eiswasser, dann wird neu-
tralisiert (Indiaktorpapier, pH 6-8) und
anschließend in einen Sammelbehälter
überführt.
Abbildung 10:
Disproportionierung von
Wasserstoffperoxid unter Sauerstoffbil-
dung.
Abbildung 12:
Zersetzung von Ameisen-
säure unter Bildung von Kohlenmonoxid.
Abbildung 11:
Wasserstoffperoxid in
schwarzer Kunststoffflasche mit Druck-
ausgleichsventil im Schraubverschluss.