Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe 21
Dr. Helge Prinz
Zum Apothekenalltag gehört der Um-
gang mit gefährlichen Stoffen unter-
schiedlichster Art. Dazu gehören z. B.
Ausgangsstoffe und Reagenzien zur Her-
stellung und Prüfung von Arzneistoffen,
entzündbare Flüssigkeiten oder auch di-
verse Chemikalien für gewerbliche An-
wender (Labore, Ärzte, Handwerker)
oder Privatpersonen (Freizeit, Hobby
etc.). Mit der vierten Verordnung zur Än-
derung der Apothekenbetriebsordnung
(ApBetrO) aus dem Jahr 2012 wurden de-
taillierte Vorgaben zur Laborausstattung
gestrichen und Apothekenleiter können
mittlerweile weitgehend selbst entschei-
den, welche modernen und dem Stand
von Wissenschaft und Technik entspre-
chenden Prüfgeräte und Prüfmittel an-
geschafft werden. Infolgedessen wer-
den vermehrt alte Ausgangsstoffe so-
wie Reagenzien, die nicht benötigt wer-
den oder geminderte Qualität aufweisen,
entsorgt. Der Reagenziensatz nach der
alten ApBetrO von 1987 umfasste 63 Ge-
rätschaften, 258 Prüfmittel und 14 Maß-
lösungen. In vielen, insbesondere älteren
Apotheken findet man die Reagenzien
und Ausgangsstoffe früherer Pharmako-
pöen und damit eine größere Anzahl ver-
mutlich nicht mehr benötigter Substan-
zen. Aufbewahrung und Handhabung
bergen bei bestimmten Chemikalien ein
nicht zu unterschätzendes Gefahrenpo-
tenzial. Eine kleine Auswahl solcher Alt-
bestände, basierend auf Aufnahmen des
Verfassers, zeigt Abb. 1.
Neben größeren Mengen an Quecksilber-
salzen, Arsenit-haltiger Lösung (Liquor
Kalii arsenicosi, Fowlersche Lösung) fan-
den sich in einer Apotheke aus den fünf-
ziger Jahren selbst einige mit Blausäure-
Lösung gefüllte Glasampullen (Abb. 2).
Das Herstelleretikett (Fa. Bengen & Co.,
Hannover) lässt in diesem Fall auf eine
ehemals veterinärmedizinische Verwen-
dung der Ampullen schließen, vermutlich
zum Zwecke der Euthanasie bei Tieren.
Das Blausäure-Präparat wurde offenbar
schon 1976 vom Markt genommen.
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Eine
Auswahl ganz unterschiedlicher „apothe-
kenüblicher“ Stoffe mit Gefahrenpoten-
zial zeigt die folgende Aufstellung:
• Aceton Ph. Eur.
-- Pharmazeutische Analytik, Labora-
torien, Lösungsmittel
-- Ausgangsstoff Arzneimittelherstel-
lung
• Kaliumdichromat Reag. Ph. Eur.
-- Reagenz Ph. Eur.
• 2-Propanol reinst Ph. Eur. (Isopropa-
nol)
-- Lösungsmittel, Flächendesinfektion
• Glycolsäure
-- in Gelform zur Aknebehandlung
• Benzin DAB (Wundbenzin), Petrol
ether 40/65
• Ammoniaklösung 25 % techn. (Salmi-
akgeist), Ammoniak-Lösung 10 % DAB
-- Reinigung von Oberflächen, Fen-
stern
Der Chemie(un)fall in der Apotheke
Zum praktischen Umgang mit ausgewählten Gefahrstoffen im Apothekenbetrieb
Fortbildung ktuell – Das Journal
Dr. Helge Prinz
(Münster) ist Apotheker
und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Institut für Pharmazeutische und Me-
dizinische Chemie der Westfälischen
Wilhelms-Universität Münster. In Mainz
studierte er Pharmazie und promovierte
an der Uni Regensburg.
Abbildung 1:
Gefahrstoffe in der Apotheke – eine Auswahl.