Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe 13
Arzneimitteltherapierisiken lauern „an
jeder Ecke“, damit aber die Arzneimit-
teltherapiesicherheit (AMTS) nicht zum
Schreckgespenst wird, sollten Apotheker
die für den Patientenalltag wichtigsten,
allgemeinen Aspekte kennen. Gerade
weil das Gebiet AMTS sehr umfangreich
ist und auch sehr speziell sein kann, fragt
man sich zu Recht, wie und wo man an-
fangen soll oder ob man mit seinen bis-
herigen Bestrebungen und Tätigkeiten
auf dem richtigen Weg ist. Man sollte
sich zunächst auf ganz wesentliche Din-
ge oder ein bestimmtes Themengebiet
konzentrieren. In diesem Artikel soll der
Anreiz gegeben werden, sich einmal in-
tensiver mit den (Nicht-)Teilbarkeiten von
Arzneimitteln zu beschäftigen. Es handelt
sich keinesfalls um ein triviales Problem,
sondern hat für den Patientenalltag und
die Arzneimitteltherapiesicherheit ho-
he Relevanz. Besonders tückisch: Die Tei-
lung von Tabletten ist mit vielfältigen Ri-
siken verbunden, welche nicht als solche
vom Arzt oder Patienten wahrgenom-
men werden. Hier sind Apotheker gefor-
dert, durch Aufklärung Abhilfe zu schaf-
fen. Wichtig ist: Jeder Schritt in die rich-
tige Richtung kann dazu beitragen, die
Arzneimitteltherapiesicherheit zu verbes-
sern!
Risikoanfälliger Medikationsprozess
Als Hauptziel der AMTS wurde die Ge-
währleistung eines optimalen Medikati-
onsprozesses zur Vermeidung von Medi-
kationsfehlern formuliert.
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Folglich kann
der Medikationsprozess als Orientierung
dienen, um sich dem Thema AMTS zu nä-
hern. Ziemlich am Ende des Medikations-
prozesses steht die Einnahme durch den
Patienten. Wenn bis hierhin alles „gut ge-
gangen“ ist, kann leider an dieser Stelle
noch eine Menge schief gehen. Anhand
des oft durchgeführten Teilens von Arz-
neimitteln lässt sich sehr schön verdeut-
lichen, dass alle am Medikationsprozess
Beteiligten, also Ärzte, Apotheker, PTA,
Pflegekräfte, Angehörige und der Pati-
ent selbst, die Arzneimitteltherapie sicher
und erfolgreich gestalten aber auch Me-
dikationsfehler mit weitreichenden Kon-
sequenzen verursachen können. Beispiel-
hafte Fehlermöglichkeiten der einzelnen
Akteure beim Teilen von Arzneimitteln
sind:
• Ärzte könnten unkritisch die Teilung
eines Präparates anordnen, ohne zu
überprüfen, ob das Arzneimittel über-
haupt teilbar ist.
• Apotheker und PTA könnten verges-
sen, bei einem Präparate-/Hersteller-
wechsel zu hinterfragen, ob die Anfor-
derung „Teilbarkeit“ an das neue Prä-
parat besteht.
• Pflegekräfte könnten missachten, dass
bei der Teilung bestimmter Arzneimit-
tel gesundheitsgefährdende Stäube
eingeatmet werden können, weshalb
Dr. Verena Stahl
(Herdecke) wurde an
der University of Florida als Semi-Resi-
dent im landesweiten Drug Information
& Pharmacy Resource Center ausgebil-
det. Dazu berufsbegleitende Dissertati-
on zu einem Thema der AMTS, Autorin
für die DAZ, Referententätigkeit, medi-
zinische Entwicklung RpDoc® Solutions
GmbH.
Dr. Verena Stahl
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Fortbildung aktuell – Das J urnal
Nr. 1/2014 der Apothekerkammer Westfalen-Lipp
Fortbildung ktuell – D s Journal
Kein alter Hut: Problemfall Teilbarkeiten
Fast jeder Patient ist betroffen
Tabelle 1:
Aus galenischer Sicht nicht teilbare feste orale Darreichungsformen und
Auswirkungen bei unsachgemäßer Teilung.
Nicht teilbare Darreichungsform
Teilung führt zu
Weichgelatinekapseln
Entleerung des flüssigen/pastösen Inhalts
Hartkapseln mit Pulver- oder Granulat-
füllung
Ungleichförmig aufgeteiltem Inhalt
Magensaftresistent überzogene Tablet-
ten
Zerstörung des magensaftresistenten
Überzugs
Tabletten mit Retard-Überzug
Verlust des Retardierungsprinzips, Dose-
Dumping
Retardtabletten auf der Basis oraler
osmotischer Systeme (OROS, Push-Pull-
Technologie), z. B. Jurnista®, Concerta®,
Cardular® PP
Verlust des Retardierungsprinzips, Dose-
Dumping
Manteltabletten, Manteldragees, Zwei-
schichttabletten, z. B. Adalat® SL 20 mg
Tabletten mit veränderter Wirkstofffrei-
setzung
Gleichzeitiger Freisetzung von Mantel
und Kern, Verlust der zeitverzögerten
Freisetzung der Einzelkomponenten
Dragees
Ungleichen Bruchstücken
Sublingual-, Bukkaltabletten
Zersetzung der Tablette unter Einfluss
von Feuchtigkeit