Fortbildung aktuell - Das Journal Nr. 1/2015 (Mai 2015) - page 22

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Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe
Der Chemie(un)fall in der Apotheke
l
de Apothek kammer Westfalen-Lippe
• Kaliumpermanganat reinst Ph. Eur.
-- Monographie Ph. Eur., Reagenz Ph.
Eur.
-- Antiseptisch, Bekämpfung bakteri-
eller Infektionen und äußerer Para-
siten bei Fischen
• Natriumhypochlorit-Lösung 12,5 %
(Chlorbleichlauge)
-- Als Bleichmittel oder zur Desinfek-
tion (Stallungen, Latrinen, Kabel-
schächte)
-- Natriumhypochlorit-Lösung,
Rea-
genz der Ph. Eur.
-- Verdünnte Hypochloritlösungen in
der Zahnheilkunde zur Wurzelkanal-
behandlung (1 % und 3 % DAC)
• Ether (Diethylether)
-- Lösungsmittel, Rezeptursubstanz
• Oxalsäure, Ameisensäure, Milchsäure
Ph. Eur.
-- z. B. Bekämpfung der Varroamilbe
(Varroa destructor)
• Salzsäure 36 %, 10 % Ph. Eur.
-- Für Ätzzwecke
• Wasserstoffperoxid-Lösung 30 %, 3 %
Ph. Eur.
-- Bleichmittel (Zähnebleichen, „blea-
ching“), Desinfektion, Bleichen von
Geweihen, Knochen, Schimmelbe-
kämpfung
In jüngster Zeit finden sich einige Bei-
spiele für sogenannte „Chemieunfälle“
im Apothekenbetrieb. Vor einiger Zeit
sorgte ausgelaufene Kresylsäure – es war
wohl letztlich eine Art Seifenlauge – für
einen Feuerwehreinsatz.
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Die obsolete
Bezeichnung Kresylsäure, eine ältere Be-
zeichnung für ein Kresol (o-, m- oder p-
Hydroxytoluol), lässt hier auf einen Altbe-
stand schließen. Auch entsorgte ein Apo-
thekenbetrieb Chemikalien über das Ab-
wassersystem,
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was mittlerweile eine Be-
währungstrafe nach sich gezogen hat.
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Seit dem Jahr 2008 bis dato sorgt auch das
„Pikrinsäurefieber“
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öffentlichkeitswirk-
sam durch Räumung von Gebäuden und
kontrollierte Sprengungen für Schlagzei-
len.
An anderer Stelle löste eine geringe Men-
ge eines zu Boden gegangenen Prüfrea-
genzes – es handelte sich um ca. 30 mL
Piperidin – einen Großeinsatz der Berufs-
feuerwehr aus.
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Einsätze dieser Art er-
scheinen unverhältnismäßig, von den
entstehenden Kosten und der Öffentlich-
keitswirkung ganz zu schweigen. Die un-
beabsichtigte Freisetzung einer so klei-
nen Menge an organischer Base – die
Menge ist natürlich nicht immer entschei-
dend – wäre mit chemischem Sachver-
stand und unter Beachtung der Stoffei-
genschaften durch qualifiziertes Personal
und mit den geeigneten Maßnahmen in-
nerhalb weniger Minuten sicherlich pro-
blemlos zu beseitigen gewesen (s. u.).
Kleinere oder größere Unfälle sind in
einem chemischen Labor zwar nicht unbe-
dingt an der Tagesordnung, können aber
jederzeit vorkommen. Oft ist es einem
Routineeffekt zuzuschreiben („Haben wir
immer so gemacht, ist noch nie was pas-
siert...“), dass eigentlich angebrachte Si-
cherheitsmaßnahmen außer Acht gelas-
sen werden. Im Falle einer unbeabsich-
tigten Stofffreisetzung und auch bei allen
Maßnahmen zur Chemikalienentsorgung,
Desaktivierung und Kleinstmengenbesei-
tigung gilt es, überlegt zu handeln. Pa-
nik ist in solchen Situationen ein schlech-
ter Ratgeber. Im Folgenden sollen an-
hand ausgewählter Stoffbeispiele auf
Gefahrenpotenziale eingegangen sowie
Sofortmaßnahmen zur Desaktivierung
oder Beseitigung aufgezeigt werden.
Generelle Aspekte der Unfallvermeidung
im Labor
„Unfälle geschehen nicht, sie werden ver-
ursacht“, lautet ein gängiger Slogan aus
dem Arbeitsschutz. Zwar wird der Um-
gang mit gefährlichen Stoffen im Labor-
und insbesondere auch im Apotheken-
alltag durch eine Vielzahl von Gesetzen,
Vorschriften und Richtlinien genau gere-
gelt, doch stehen hinsichtlich der Vermei-
dung von Unfällen mit Chemikalien die
Abbildung 2:
Blausäure-Lösung – eine gefährliche Hinterlassenschaft aus dem Apothe-
kenkeller.
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