Fortbildung aktuell - Das Journal Nr. 1/2015 (Mai 2015) - page 27

Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe 27
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Fortbildung aktuell – Das J urnal
Nr. 1/2014 der Ap thekerkammer Westfalen-Lippe
Fortbildung ktuell – Das Jou nal
Dr. Helge Prinz
bildet zudem ein extrem leicht entzünd-
bares Gas.
Desaktivierung von Cyanidresten
Es wäre für chemisch Versierte durch-
aus möglich, Kleinstmengen an Cyaniden
durch oxidative Zerstörung in stark alka-
lischem Milieu mittels Hypochlorit oder
Wasserstoffperoxid zu beseitigen. Cyani-
dreste dürfen keinesfalls angesäuert wer-
den (Blausäureentwicklung)!
Bei pH > 11 (stark alkalisch) erfolgt durch
Hypochlorit Oxidation von Cyanid zu Cy-
anat (ungiftig), aus dem durch weiteres
Hypochlorit bei pH 8-9 Kohlendioxid und
Stickstoff gebildet werden. Um sicher zu
gehen, dass alles Cyanid zerstört wurde,
lässt man es am besten 24 Stunden stehen
und prüft dann auf Restmengen an Cya-
nid mittels der Berliner Blau-Reaktion.
14
Um den Transport von Cyaniden oder
Blausäure zu vermeiden, werden diese
oft an Ort und Stelle desaktiviert. Eine ge-
eignete Vorgehensweise zur Behandlung
eingangs gezeigter Blausäurelösung in
Ampullen ist beschrieben.
15
Vor dem Öff-
nen kann der Ampulleninhalt mittels ei-
ner Kältemischung eingefroren werden.
Die geöffnete Ampulle stellt man mit
der Öffnung nach unten in einen Tropf-
trichter mit Schliff und Druckausgleich.
Die aufgetaute Blausäure-Lösung tropft
dann in die in einer entsprechenden Vor-
lage befindliche Oxidationslösung (Hypo-
chlorit, pH 10-11).
Kaliumchlorat
Es handelt sich um das Kaliumsalz der
Chlorsäure. Das Chloratom besitzt die
Oxidationsstufe +V. Die Substanz ist ein
potentes Oxidans, insbesondere in der
Hitze. Für sich alleine ist die Substanz pro-
blemlos handhabbar. Kaliumchlorat war
Bestandteil früherer Reagenziensätze
(Abb. 1)
16
, wurde aber schon im DAB 9
nicht mehr verwendet. Für die Abgabe
in der Apotheke gibt es nur ganz wenige
plausible Gründe und praktisch keine au-
thentisch bekannten medizinischen An-
wendungen. Kaliumchlorat gehört, wie
auch Kaliumpermanganat, zu den über-
wachungsbedürftigen Chemikalien. Es
gelten Dokumentations-, Informations-
und Aufzeichnungspflichten nach §3
ChemVerbotsV, da mit solchen Substan-
zen illegal Sprengstoff hergestellt wer-
den kann. Die Substanz muss getrennt
von brennbaren Stoffen gelagert werden.
An dieser Stelle sei auf ein weiteres Salz
einer Chlorsauerstoffsäure hingewiesen.
In einigen Apotheken wird in letzter Zeit
Natriumchlorit nachgefragt, der Haupt-
bestandteil der Miracle Mineral Soluti-
on (MMS). Natriumchlorit ist das Natri-
umsalz der Chlorigen Säure und fungiert
als gut zu handhabende Speicherform für
Chlordioxid (Abb. 7), einer bei Raumtem-
Sicherheitshinweis
Wegen der Explosionsgefahr darf man
Chlorate nie mit Zucker, Kohle, Schwe-
fel, rotem Phosphor, organischen Sub-
stanzen oder sonstigen Reduktionsmit-
teln mischen. Bereits das Verreiben in
der Reibschale oder das Hinstellen des
Gemisches auf die Arbeitsplatte hat zu
schlimmen Unfällen geführt. Die ge-
fahrlose Mischung der Komponenten
ist in der Praxis nicht ohne weiteres
möglich.
Beim Vermischen mit Salzsäure 36 %
kommt es durch Synproportionierung
zur Bildung von giftigem, grünem
Chlorgas!
Beim Übergießen mit Schwefelsäure
96 % bildet sich explosives Chlordio-
xid!
Cl
+ 3 SO
4
2–
ClO
3
+ 3 SO
3
2–
Chlorat
Sulfit
6 KClO
3
+ 3 H
2
SO
4
4 ClO
2
+ 2 HClO
4
+ 3 K
2
SO
4
+ 2 H
2
O
2 ClO
2
Cl
2
+ 2 O
2
Chlordioxid
3 Cl
2
+ 3 H
2
O
ClO
3
+ 5 Cl
+ 6 H
+
Chlorat
+ konz. HCl
Inaktivierung! durch Reduktion
Cave Chlorbildung!
Explosionsartiger Zerfall beim Erwärmen!
5 HClO
2
4 ClO
2
+ HCl + 2 H
2
O
Chlordioxid
Zersetzung von Chloriger Säure nach
Ansäuern von Chloriten, wie z.B. NaClO
2
Chlorige Säure
Abbildung 7:
Gleichungen zur Beschreibung der Reaktivität von Kaliumchlorat sowie
Freisetzung von Chlordioxid aus Chloriger Säure.
Entsorgungshinweis
Klein(st)mengen an Kaliumchlorat
lassen sich in wässriger Lösung durch
Reduktionsmittel wie Sulfit leicht zu
Chlorid reduzieren (Abb. 7, Gl. 2). Zu
diesem Zweck löst man die Substanz
in Wasser (alle Chlorate sind wasser-
löslich), säuert mit verdünnter Sal-
petersäure an (Indikatorpapier) und
versetzt portionsweise mit Natrium-
sulfit. Die Chloridbildung lässt sich mit
Silbernitratlösung auf Vollständigkeit
überprüfen.
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