Fortbildung aktuell - Das Journal Nr. 1/2015 (Mai 2015) - page 28

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Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe
F rtbildung aktuell – Das Journal
Nr. 1/2014 der Apoth kerkammer Westfalen-Lippe 28
– as
r al
de Apothek k mmer Westfalen-Lippe
Der Chemie(un)fall in der Apotheke
peratur gasförmigen Verbindung, die als
Bleichmittel für Textilien und Papier ver-
wendet wird. Chlordioxid wird aus Chlo-
riger Säure (Bildung beim Versetzen von
Chlorit mit Säuren, siehe Abb. 7, Gl. 5)
freigesetzt. Die radikalische Substanz
besitzt oxidierende Eigenschaften und
wirkt auf Schleimhäute reizend bis ät-
zend. Die Verbraucherzentrale NRW, das
Bundesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit sowie das Bun-
desinstitut für Arzneimittel und Medizin-
produkte warnen vor der Einnahme von
MMS.
17-19 Die Substanz wird in Gegenwart
verdünnter Säuren als Wundermittel ge-
gen Krebs, Malaria, diverse Infektionen
usw. im Internet verstärkt beworben. Es
wird empfohlen, MMS nicht einzuneh-
men und Restbestände als Sondermüll zu
entsorgen.
17
Kaliumdichromat
Die Substanz ist ein Arzneibuchreagenz
(Abb. 1) und erfüllt alle Kriterien eines Ur-
titers. Sie wird zur Herstellung von Maß-
lösung (0,0167 mol/L) in der (Di)Chroma-
tometrie oder auch zur Kontrolle der Ab-
sorption in der UV-Vis-Spektroskopie ver-
wendet (2.2.25, Ph. Eur.). Außerdem wird
Kaliumdichromat für homöopathische Zu-
bereitungen eingesetzt. Noch vor Jahren
als lediglich reizend (Xi) charakterisiert,
gilt Kaliumdichromat heute als CMR-Sub-
stanz (Handschuhe) und darf an Privat-
personen nicht abgegeben werden. Ka-
liumdichromat ist insbesondere in saurer
Lösung ein starkes Oxidationsmittel und
kann als Feststoff heftig mit Reduktions-
mitteln reagieren.
Kaliumpermanganat
Kaliumpermanganat ist ebenfalls ein sehr
potentes Oxidans. In saurer Lösung wird
Permanganat zu farblosem Mn(II) redu-
ziert, im Alkalischen je nach pH zu Braun-
stein MnO
2
oder grünem Manganat(VI).
Die Substanz findet Verwendung in der
Permanganometrie (Gehaltsbestimmung
von Wasserstoffperoxid Ph. Eur.), thera-
peutisch als Antiseptikum, z. B. als Kin-
derarztverschreibung bei Windeldermati-
tis, bei parasitären Fischkrankheiten oder
zur Geruchsbeseitigung.
Perchlorsäure
Perchlorsäure 70 % wird im Arzneibuch
zur Herstellung von Maßlösungen für
Wasserfreie Titrationen gebraucht – nach
Mischen mit Essigsäure 99 % R. In Apo-
Entsorgungshinweis
Die Desaktivierung kleinerer Mengen
geschieht am besten durch reduktive
Umwandlung in das weniger gefähr-
liche Cr(III), z. B. durch Eintragen in
eine Natriumthiosulfat unter Ansäuern
(pH 2-3 (Abb. 8).
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Die Reduktion ge-
lingt auch sehr gut mit Sulfit in schwe-
felsaurem Milieu. Die resultierende
Cr(III)-Lösung ist flüssiger Schwerme-
tallabfall.
Entsorgungshinweis
Klein(st)mengen zerstört man reduk-
tiv mit Natriumthiosulfat oder Sulfit in
saurer Lösung (Abb. 9). Mangan(II) gilt
im Gegensatz zu Manganat(VII) als nur
schwach wassergefährdend. Kalium­
permanganat ist als stark wasserge-
fährdender Stoff eingestuft (WGK 3).
!
Cr
2
O
7
2–
+ 3 HSO
3
+ 5 H
+
2 Cr
3+
+ 3 SO
4
2–
+ 4 H
2
O
orange
grün
Abbildung 8:
Inaktivierung von Dichromat durch Reduktion.
Sicherheitshinweis
Kaliumpermanganat reagiert mit zahl-
reichen oxidierbaren organischen und
anorganischen Stoffen wie Metallpul-
vern. Es kann als Ausgangsstoff für
Sprengstoff und zum Bau illegaler Feu-
erwerkskörper verwendet werden. Da
die Substanz die Haut dauerhaft braun
färbt, empfiehlt sich das Tragen von
Handschuhen beim Umgang mit der
Substanz.
Sehr heftig reagiert Kaliumpermanga-
nat u. a. mit konzentrierter Salzsäure
(Chlorgasentwicklung), Schwefelsäure
(Bildung von Mn
2
O
7
, Verpuffungsge-
fahr) und Wasserstoffperoxid (O
2
-Ent-
wicklung, Abb. 9). Mit mehrwertigen
Alkoholen wie Glycerin reagiert festes
Kaliumpermanganat in einer stark exo-
thermen Reaktion unter Selbstentzün-
dung.
2 Mn
2+
+ 5 O
2
+ 8 H
2
O
2 MnO
4
+ 5 H
2
O
2
+ 6 H
+
Mn
2
O
7
+ H
2
O + 2 KHSO4
2 KMnO
4
+ 2 H
2
SO
4
Mangan(VII)-oxid
2 Mn
2+
+ 5 Cl
2
+ 8 H
2
O
2 MnO
4
+ 10 Cl
+ 16 H
+
2 Mn
2+
+ 5 SO
4
2–
+ 3 H
2
O
2 MnO
4
+ 5 HSO
3
+ H
+
Desaktivierung:
Abbildung 9:
Reaktion von Permanganat mit Salzsäure, Wasserstoffperoxid und kon-
zentrierter Schwefelsäure.
1...,18,19,20,21,22,23,24,25,26,27 29,30,31,32,33,34,35,36
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