Fortbildung aktuell - Das Journal Nr. 1/2015 (Mai 2015) - page 26

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Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe
F rtbildung aktuell – Das Journal
Nr. 1/2014 der Apoth kerkammer Westfalen-Lippe 26
– as
r al
de Apothek k mmer Westfalen-Lippe
Der Chemie(un)fall in der Apotheke
schutz“). Dieses Piktogramm wird für
mehr oder weniger nur „wasserdichte“
Handschuhe benutzt, die Durchbruch-
zeiten von < 30 Minuten für die gelisteten
Chemikalien aufweisen.
Vollwertige, mit einem Erlenmeyerkol-
benpiktogramm versehene, chemikali-
enbeständige Schutzhandschuhe nach
DIN EN 374 erzielen bei mindestens drei
von zwölf definierten Prüfchemikalien
(Abb. 4) mindestens Level 2 (Durchbruch-
zeit > 30 min) (Tab.1).
Das in Abb. 4 rechts zusätzlich zu sehende
Piktogramm „Bakteriologische Kontami-
nation“ ist für Chemikalienschutzhand-
schuhe eigentlich unbedeutend. Es kann
aber auf wasserdichten Handschuhen auf-
gebracht werden, da dann auch eine Un-
durchlässigkeit gegenüber Bakterien und
Pilzen, nicht jedoch Viren, angenommen
wird (wird nach EN 374 nicht gesondert
geprüft).
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Einzelfallbetrachtung ausgewählter
Gefahrstoffe
An dieser Stelle soll auf eine kleine Aus-
wahl gefährlicher Stoffe mit Arzneibuch-
bezug, deren Gefahrenpotenzial sowie
denkbare Maßnahmen zur Desaktivie-
rung eingegangen werden.
Arsentrioxid
Arsentrioxid („Arsenik“) ist ein primärer
Standard (Urtiter) zur Herstellung von Ar-
senitlösungen (Natriumarsenit-Lösung 0,1
mol/L; Ph. Eur., 4.2.2 Maßlösungen) nach
Lösen in Alkalihydroxid (Abb. 5). Arsenit
(AsO
3
3–
) ist hervorragend zur Einstellung
von Iodlösungen geeignet, wurde aber
im Arzneibuch für diesen Zweck mittler-
weile durch Thiosulfat ersetzt. Im Rahmen
der Grenzprüfung auf Arsen (Arsenlösung
10 ppm As) wird Arsentrioxid ebenfalls
eingesetzt und zur Herstellung der Refe-
renzlösung in Alkalihydroxid gelöst.
Arsentrioxid findet außerdem Verwen-
dung zur Herstellung homöopathischer
Zubereitungen (Arsenii trioxidum ad pra-
eparationes homoeopathicae). Eine Ent-
sorgung/Desaktivierung ist im Apothe-
kenlabor kaum möglich. Man sollte die
Substanz ggf. durch kommerziellen Ent-
sorger im Originalbehältnis abholen las-
sen.
Blausäure und Cyanide
Gelegentlich kann man lesen, dass bei
Apothekeneinbrüchen auch hochgiftiges
Cyanid entwendet wurde. Kaliumcyanid
gehörte ehemals zur Grundausstattung
des Apothekenlabors mit Prüfmitteln
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und findet sich daher manchmal im Apo-
thekenlabor. Beim Kaliumcyanid (Cyan-
kali) handelt es sich um das Kaliumsalz
der sehr schwachen Cyanwasserstoffsäu-
re („Blausäure“, pKs 9.40
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), die demnach
durch stärkere Säuren äußerst leicht aus
ihren Salzen vertrieben werden kann. Bei
Cyaniden kann durch Protolyse bereits bei
Wasserkontakt Blausäure entstehen. Cya­
nide neigen auch an der Luft zur Blausäu-
rebildung, allerdings ist der charakteri-
stische bittermandel- oder marzipanar-
tige Geruch der Blausäure nicht von allen
Menschen wahrnehmbar. Beim Einatmen
der Dämpfe besteht akute Lebensgefahr.
Tückisch ist der niedrige Siedepunkt der
Blausäure von 25,6 °C. Die Flüssigkeit ver-
dunstet schon bei Raumtemperatur und
Abbildung 5:
Bildung von Arsenit aus Ar-
sentrioxid.
Sicherheitshinweis
Arsentrioxid ist ein starkes Gift und
gilt als krebserzeugend nach TRGS 905
(Abzug! Handschuhe! Staubbildung
vermeiden). Natriumarsenit ist ein
Kontaktgift, bei Herstellung von Arse-
nitlösungen sollten unbedingt Hand-
schuhe getragen werden.
Abbildung 6:
Klein(st)mengeninaktivierung von Cyanid durch Oxidation zu weniger ge-
fährlichen Folgeprodukten.
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