Blickpunkt Schule 3/2020

Zeitschrift des Hessischen Philologenverbandes

3/2020 · D 30462

#homeSchooling #e-Learning #future #online #net-Meeting

Bild: Peter Atkins/AdobeStock

Liebe Leserin, lieber Leser,

Unter diesem Vorbehalt stehen auch alle Artikel dieser Ausgabe von Blickpunkt Schule . Sie spiegeln den Stand Ende Mai 2020 zum Redakti- onsschluss wider, nicht den Stand zum Erscheinungsdatum. Insofern bitte ich um Nachsicht, wenn Aussa- gen nicht mehr aktuell und von den Entwicklungen überholt sein sollten. Zu allen wichtigen Themen werden wir aber auch im Juni immer tages- aktuell im Newsletter oder mit

Pressemitteilungen Stellung genom- men haben. Ich hoffe, dass die Zeit der Schulöff- nungen erfolgreich bewältigt worden ist, wünsche Ihnen erholsame Ferien, Gesundheit und uns allen einen guten Schulstart nach den Sommerferien. Mit herzlichen Grüßen

von CHRISTOF GANSS

In eigener Sache Inhalt

längere Zeit haben wir gezögert, die- ses Heft erscheinen zu lassen, da sich zurzeit die Ereignisse überschla- gen und das, was heute noch sicher ist, morgen schon nicht mehr gilt.

Editorial » Eine kollektive Erfahrung: Distanzieren und Desinfizieren! ...................................... 3 Lehren und Lernen in Zeiten von Corona » ’Homeschooling’: Bericht aus der Praxis ....................... 4 » Meine Erfahrungen mit ’Homeschooling’ ...................... 6 » Aktuelles zum Schulportal Hessen ................................. 8 » Unterrichtsersetzende Lernsituationen ......................... 9 » Raus aus der Kreidezeit ................................................. 12 Lehrerausbildung » Rat und Hilfe für Referendarinnen und Referendare ...... 14 nach den Sommerferien schaffen! ............................... 16 » Lehrerausbildung akut gefährdet! ................................ 18 Klartext » Abordnung von Gymnasiallehrkräften an Grundschulen – allenfalls freiwillig ......................... 19 Zeitzeugen | Teil I » Als Schüler im Sudetenland im ZweitenWeltkrieg ....... 23 Veranstaltungen » Einladung zur Vertreterversammlung des hphv .......... 25 » Pensionärstreffen in Alsfeld erst 2021 ......................... 25 Ankündigungen » Jahresgabe für hphv-Mitglieder 2020: USB-Stick mit dem dlh-Ratgeber ................................ 26 » ’Wegweiser durch das Referendariat’ .......................... 26 » Jungphilologen go instagram ...................................... 26 Rechtstipp » Trotz der COVID-19-Pandemie zumPräsenzunterricht ..27 Personalien » Geburtstage .................................................................. 28 » Wir trauern um .............................................................. 28 Hauptpersonalrat » Nachrichten aus dem HPRLL ....................................... 30 » Zusätzliche Hospitationsmöglichkeiten für das aktuelle LiV-Einführungssemster

» Lehren und

Lernen in Zeiten von Corona: ’Home- schooling’: Bericht aus der Praxis

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» Lehrer-

ausbildung: Rat und Hilfe für Referen- darinnen und Referendare

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» Klartext:

Abordnung von Gym- nasiallehr- kräften an

Grundschu- len – allen- falls freiwillig 19

» Rechtstipp: Trotz der

COVID-19- Pandemie zum Präsenz- unterricht

BLICKPUNKT Schule

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Vor und hinter dem Horizont – wie geht’s weiter? Eine kollektive Erfahrung: Distanzieren und Desinfizieren! D ie Pandemie hat gewohnte Arbeitsabläufe gründlich durcheinandergewirbelt und von REINHARD SCHWAB Vorsitzender des Hessischen Philologenverbandes

BLICKPUNKT Schule Editorial

und auszuwerten. Während sich technische Unzulänglichkeiten hof- fentlich schnell mit den notwendi- gen finanziellen Mitteln lösen las- sen, müssen die Folgen für den Lern- zuwachs und den sozialen Bereich genauestens erforscht und evaluiert werden. Digitales Lernen birgt die Gefahr der Vereinzelung; soziale In- teraktion im Lernprozess fördert mehr als nur kognitiven Fortschritt. Die Sozialisierungsfunktion von Schule im zwischenmenschlichen, aber auch gesellschaftlichen Bereich darf nicht unterschätzt werden. Leider gehört es zur traurigen Wahr- heit, dass Corona massive Lücken in die Bildungsbiografien unserer Schüler schlagen wird. Hier kommen gewaltige Aufgaben auf die Bil- dungspolitik zu. Prof. Dr. Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, sieht mit der Corona-Kri- se die Stunde der Lehrkräfte gekom- men; deren Professionalität sei Ga- rant für den Lernerfolg, sowohl im Präsenzunterricht als auch im Fern- unterricht. Auf der Basis gegenwärtiger Erfah- rungen müssen Lösungen erarbeitet werden im Zusammenwirken von Po- litik, Lehrer- und Elternschaft und auch mit Einbezug der Schüler. Ohne eine differenzierte, zielsichere Vo- rausplanung gibt es ein böses Erwa- chen nach der Pandemie. Ich wünsche Ihnen in diesen heraus- fordernden, unsteten Zeiten ein gu- tes Durchhaltevermögen und eine robuste Gesundheit!

damit auch Routine zu Fall gebracht. Vorkrisenverhältnisse sind noch weit entfernt, die Pandemie noch nicht überwunden. Wir müssen uns gerade auf eine ’neue’ Normalität mit Un- wägbarkeiten einstellen, auf eine Normalität, die Schulleben und Un- terricht massiv verunsichert und be- einträchtigt. Im Rahmen der allgemeinen Locke- rungsmaßnahmen öffnen die Schu- len schrittweise: Der Präsenzunter- richt vor Ort ist verkürzt angelaufen mit geteilten Lerngruppen, unter gestiegenem Platzbedarf. Das Gebot der Stunde lautet: distanzieren und desinfizieren. Schulen und Schulleitungen wird da- bei ein enormer Organisationsauf- wand abgenötigt, und Schülerinnen und Schüler müssen in der Corona- Normalität bislang ungewohnte Ver- haltensregeln erlernen. Lehrkräfte sind als Kontrollpersonen gefordert, wenn es um die Beachtung von Ab- standsregeln und Hygiene geht, wenn im Schulgebäude ein Einbahn- straßenbetrieb einzuhalten ist. Noch prägt Unsicherheit, auch eine gewisse Anspannung das Schulle- ben. Lehrer versuchen, das Lernen unter Corona-Bedingungen so gut es geht im Onlineunterricht bzw. in einer Kombination aus Präsenzun- terricht und Heimarbeitstagen, ba- sierend auf analogen und digitalen Lernmedien, fortzusetzen. Unterrichtsmaterialien werden über Cloud-Server-Systeme bereitge- stellt, pädagogische Plattformen genutzt, Lehrkräfte und Schüler in- teragieren über Chat-Gruppen, mit-

unter über Videokonferenzen. Lehr- kräfte haben sehr flexibel, engagiert auf die neue Lage reagiert und Kom- munikationswege für das Lernen auf Distanz erschlossen. Alles in allem sind jedoch die Erfah- rungen bislang sehr unterschiedlich. Auch sind Lerneffekte meist schwer abzuschätzen. Denn die Vorberei- tung auf den digitalen ’Fernunter- richt’ war allzu oft unzureichend und beruhte nicht selten auf dem Ein- fallsreichtum einzelner Lehrkräfte. Vielerorts sind die digitalen Möglich- keiten zu begrenzt, um zuverlässig auf diesem Weg kommunizieren zu können. Ob Onlineunterricht oder digital gestütztes Lernen zu Hause: Alle Schüler müssen einbezogen, technische Unzulänglichkeiten kon- sequent behoben werden. Andern- falls verlieren wir Schüler, besonders die etwas leistungsschwächeren. Ein Teil der Schüler wusste das Mehr an Eigenverantwortung, die ungewohn- ten Freiheiten bei der Gestaltung des Lernprozesses zu nutzen. Viele, ge- rade die Jüngeren, brauchen aber das unmittelbare Reagieren der Lehrkraft, sind auf eine klare Anlei- tung mit hohen Feedbackanteilen angewiesen. Gleichwohl bietet die derzeitige Si- tuation die Möglichkeit, Vor- und Nachteile des Fernunterrichts bzw. des digitalen Lernens zu erfahren

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Ihr

Bild: Robert Kneschke/AdobeStock

4 BLICKPUNKT Schule Lehren und Lernen in Zeiten von Corona W ie alle Schulen Hessens wurden auch die Schulen des Bezirks Fulda ins eisig kalte Wasser geworfen: Das Home- schooling in Zusammenhang mit der Corona-Krise kam so spontan, dass keinerlei Vorbereitung möglich war. Auch wenn im Bezirk Fulda einige Schulen bereits seit einiger Zeit Platt- formen wie Moodle, SchulCloud, Schulportal Hessen etc. nutzten, so war deren Verankerung im Schulalltag doch eher als oberflächlich zu be- zeichnen. Wenngleich niemand auf ei- ne solche Situation vorbereitet hätte sein können, so wurden die Versäum- nisse im Bereich der Digitalisierung der Schulen hier – wortwörtlich! – über Nacht greifbar. Dementspre- chend war die Gruppe derjenigen, die sich im Umgang mit diesen Program- men gewappnet sahen, zunächst sehr überschaubar: Für alle Beteiligten – Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern, Schulen und Schulträger – war der Start in das Homeschooling holprig. Dabei deckte das Homeschooling unmittelbar und schonungslos Defizi-

’Homeschooling’: Bericht aus der Praxis

vier unterschiedliche Kommunikati- onswege genutzt werden; Videokon- ferenzen werden teilweise zusätzlich umgesetzt, allerdings in sehr be- schränktem Umfang. Familien, deren Kinder unterschiedliche Schulen be- suchen, sind mit dem Umgang mit mehreren Plattformen teils schlicht überfordert. Was vor allem fehlt, ist der unmittelbare, direkte soziale Kon- takt – eine der Säulen, auf der das Gelingen von Schule beruht. Der Vorwurf, dass das Homeschoo- ling zu noch mehr Bildungsungerech- tigkeit führe, lässt sich bereits an die- sen wenigen Tatsachen ableiten. So wird das Homeschooling zu einer Be- lastungsprobe vor allem für die Fami- lien: Viele Eltern versuchen, ihre Kin- der ohne entsprechende Fachkennt- nisse zu unterstützen, müssen dabei aber gleichzeitig noch Haushalt, Fa- milie und Beruf vereinbaren. Glückli- cherweise bewegt sich die Zahl derje- nigen Schülerinnen und Schüler, die gar nicht im Rahmen des Home- schooling zu erreichen sind, auf sehr niedrigem Niveau. Dennoch sind die Einschnitte gravierend: Da die Schule

von ALEXANDER SCHMITT Vorsitzender des hphv-Bezirks Fulda

te auf, die imVorfeld der Corona-Krise kaum wahrgenommen wurden. So hat beispielsweise die Umfrage eines Ful- daer Gymnasiums ergeben, dass nur in etwa einem Drittel der Familien dauerhaft eine Ansprechperson zur Verfügung steht. Zudem hat sich ge- zeigt, dass eine aktive Teilnahme am Homeschooling häufig bereits an der Technik scheitert – sei es, weil es an unabdingbaren Kompetenzen im Um- gang mit dieser Technik fehlt oder so- gar, weil die notwendige Infrastruktur gar nicht erst vorhanden ist. Es gibt an den Schulen des Bezirks Fulda keine einheitliche Lösung, was die Verwen- dung der zur Verfügung stehenden Plattformen betrifft. Stattdessen fin- det jede Schule ihren eigenen Weg, sodass an manchen Schulen bis zu

mit all ihren Funktionen als Ort der Bildung, der sozialen Kontakte und auch als Schonraum temporär weg- fällt, verdichten sich die Konflikte zu- hause. Lauscht man den Gesprächen, die unter den Lehrkräften im Bezirk Fulda über das Homeschooling stattfinden, so wird häufig als erstes die gestiege- ne Arbeitsbelastung geäußert. Die oben genannte Umfrage des Fuldaer Gymnasiums kommt zu dem Ergebnis, dass achtzig Prozent aller Schüler und Schülerinnen sowie aller Lehrkräfte angeben, dass sie im Homeschooling erheblich mehr arbeiten. Trotz des tra- ditionell hohen Anteils an Home-of- fice-Stunden haben auch Lehrkräfte keinerlei Erfahrung darin, ein volles Stundendeputat vom heimischen Schreibtisch aus – neben Familie und Haushalt – zu gewährleisten; auch wenn das Homeschooling bisweilen ei- ne höhere zeitliche Flexibilität bietet. Dennoch lässt sich dem Home- schooling im Bezirk Fulda nach den

anfänglichen Schwierigkeiten ein ten- denziell positives Zeugnis ausstellen. Die unterschiedlichen Schulträger sind ihren Pflichten nachgekommen und haben die Schulen im Rahmen des Möglichen gut unterstützt. Nach nunmehr gut zwei Monaten des Ler- nens auf Distanz lässt sich eine ge- ordnete Routine feststellen, die dazu beiträgt, die zu befürchtenden Lücken möglichst klein zu halten – dies ist al- lerdings nur möglich aufgrund der ge- meinschaftlichen Anstrengungen, die von den Schulen, den Schulträgern und den Elternhäusern unternommen wurden, sowie aufgrund einer gewiss festzustellenden Experimentierfreude in Bezug auf das digitale Lernen. Erst der Regelbetrieb in den Schulen wird zeigen, wie groß die entstandenen Lücken tatsächlich sind, zumal sich während des Homeschoolings schlecht feststellen lässt, wie welche Lernergebnisse durch wen entstanden sind. Hier muss seitens der Bildungs- politik ein rechtssicherer Rahmen ge-

schaffen werden, der das mehrfach kommunizierte Motto, dass nieman- dem Nachteile entstehen sollten, in die Tat umsetzt. Daher ist ebenso festzustellen, dass das Homeschooling keine Alternative zum Präsenzunterricht in den Schulen darstellt. Der Schub, den die Schulen im Bezirk Fulda nun erfahren haben, ist sicherlich Anlass, Elemente des di- gitalen Lernens in den Alltag zu inte- grieren. Dies ist allerdings nur mög- lich, wenn es weiterhin eine sichtbare Bereitschaft zur Unterstützung der Weiterentwicklung dieser Unter- richtsformen gibt. Bleibt diese aus, verpuffen die durchaus positiven Er- fahrungen und Ideen aus der Home- schoolingphase ergebnislos. Alle Ak- teure des Homeschoolings haben in den vergangenen Wochen viel gelernt, neue Impulse wurden gesetzt, Wege vorgezeichnet – das digitale Lernen könnte jetzt Einzug in die Schulen halten. Nun muss der Schatz gehoben werden!

Lehren und Lernen in Zeiten von Corona

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Bild: kebox/AdobeStock

6 BLICKPUNKT Schule Lehren und Lernen in Zeiten von Corona meiner Oberstufenkurse eigene Lern- videos, Tafelbilder, Musterlösungen und Aufgaben zur gezielten Vorberei- tung auf Klausuren an. Die Vorberei- tung auf eine Stunde im Stile von flipped classroom gelingt dadurch sehr gut und die meisten Schülerin- nen und Schüler nehmen das Angebot auch dankend an. Ich wähnte mich imVertrauen auf meine mehrjährige Erfahrung mit dieser Plattform in der Sicherheit, der Start hin zu völligem Ersatz des Prä- senzunterrichts würde schon nicht allzu aufwendig und schwierig verlau- fen. Doch ich lag meilenweit dane- ben! Verschiedene Plattformen innerhalb einer Schule An meiner Schule hatte sich die Idee der Verwendung von Microsoft Teams durchgesetzt, das den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern in Text- form als auch in Audio-/Videokonfe- renzen, Dateiaustausch und Aufga- benbereitstellung (u.v.m) ermöglicht. Die Möglichkeiten schienen gar gren- zenlos zu sein! Sich alle Funktionen an einemWochenende einzuprägen, er- schien folglich auf den ersten Blick utopisch.

Meine Erfahrungen mit ’Homeschooling’ S chon seit einiger Zeit biete ich über das schuleigene Moodle für Schülerinnen und Schüler von BJÖRN BOCK Mitglied des Pädagogischen Ausschusses im hphv

Microsoft Teams kann man entwe- der online oder über eine zusätzliche Software benutzen, deren Oberfläche je nach Betriebssystem visuell stark differiert. Auch manche Funktionen sind in den Apps für Android und iOS nicht vorhanden, was zu Verständi- gungsschwierigkeiten führt. Die Schülerinnen und Schüler an meiner Schule sind von zu Hause aus zu einem sehr hohen Prozentsatz gut mit Geräten ausgestattet. Dennoch gab es zum Beispiel bei Familien mit ei- ner größeren Anzahl von Kindern die Nachfrage nach Leihgeräten. Hier konnte die Schule einige Geräte auslei- hen, die zumTeil auch vom Förderver- ein oder Eltern bereitgestellt wurden. Der Unterricht Während der Audiokonferenzen muss eine sehr hohe Disziplin herrschen, damit es nicht zu Verständigungspro- blemen kommt. So sollte jeder sein Mikrofon und seine Kamera deaktivie- ren, um die Datenmengen zu mini- mieren und für Ruhe zu sorgen. Um Meldungen anzuzeigen, konnten die Schülerinnen und Schüler die Funkti- on ’aufzeigen’ benutzen oder ihr Mi- krofon aktivieren. In meinem Fach Mathematik ist es absolut notwendig, dass man wäh- rend der Rechnungen oder Erklärun- gen sehen kann, was die Person gera-

Hinzu kam, dass viele Kolleginnen und Kollegen, die bis zu dieser Zeit noch nicht mit einer Plattform gear- beitet hatten, es vorzogen, nur mit Microsoft Teams zu arbeiten. Aus Rücksicht auf jüngere Schülerinnen und Schüler verzichtete ich auf den Einsatz von Moodle in den Jahrgangs- stufen 5 und 6, sodass die Kinder nicht zwei verschiedene Systeme be- nutzen mussten. Ich war wieder bluti- ger Anfänger … Erste Schritte Trotz aller Bemühungen eines Sup- portteams aus fähigen Lehrkräften meiner Schule hatten manche Schü- lerinnen und Schüler und deren El- tern Schwierigkeiten bei der Erstan- meldung. Das Supportteam war während der ersten drei Tage gefühlt nur damit beschäftigt, alle einge- henden Anfragen zu bearbeiten. Letztendlich waren alle Schüler- accounts aktiv und man konnte gemeinsam loslegen.

de schreibt. Hier lag für mich und da- mit auch für die Lernenden das größte Problem: die fehlende Ausstattung bei den Schülerinnen und Schülern! Was im Präsenzunterricht ganz ein- fach an der Tafel vor aller Augen ge- lingt, wird im Onlineunterricht zur Zerreißprobe, denn man kann nur sehr schwer auf Schülerlösungen zurück- greifen. Hier wäre eine flächende- ckende Ausstattung von Geräten mit Stifteingabe vonnöten. Unter diesen Umständen ist hauptsächlich Unter- richt durch Instruktion möglich. In vielen Stunden hatte ich das Ge- fühl, dass ich nicht dreißig Schülerin- nen und Schüler in meinen Videokon- ferenzen sitzen hatte, sondern noch mindestens ebenso viele Personen im Hintergrund — sei es a)wegen notwendiger Hilfestellung im Umgang mit den Geräten, b)um die Kinder zu gezielten Nach- fragen anzuregen oder c) einfach aus reinem Interesse. Sicherlich findet das Arbeiten in man- chen Haushalten in nur einem Zimmer statt, Geschwisterkinder sind eben- falls parallel im Onlineunterricht oder die Eltern arbeiten von zu Hause aus, doch die Anwesenheit zusätzlicher Personen führt unweigerlich bei allen Beteiligten zu Zurückhaltung: Erstens fällt es manchen Lernenden schwerer, ihre Ideen und Antworten vor einem umso größeren Publikum auszuspre- Unterhaltung für die ganze Familie

chen und zweitens fühlte ich mich als Lehrkraft unter der Kontrolle von Au- ßenstehenden. Transparenz Auch wenn ich eine Vielzahl positiver Rückmeldungen von Eltern erhielt, blieben Ratschläge, Aufforderungen zu Fortbildungen oder schlichtweg Anweisungen der Eltern in einem amüsanten Befehlston – noch dazu über die Schüleraccounts (!) – nicht aus. Zugegebenermaßen arbeiten si- cherlich viele Elternteile beruflich mit dieser Plattform und fühlen sich da- her imstande, Ratschläge zu erteilen. Offensichtlich ist ihnen die äußere Struktur der Plattform dann aber wichtiger als das, wofür sich die Lehr- kräfte einsetzen: fundierten, gut vor- bereiteten, anregenden Unterricht auch in dieser Situation anzubieten! Mehrwert Nach einigen Wochen Fernunterricht im Homeschooling lässt sich eine er- nüchternde Zwischenbilanz ziehen. Die Kluft zwischen hoch motivierten Schülerinnen und Schülern und de- nen, die sich zu gern ein zweites Mal zur Mitarbeit anregen lassen, klafft im Fernunterricht noch wesentlich weiter auseinander, als sie das ohnehin schon tut. Der Hinweis des Hessischen Kultusministeriums, dass der Fernun- terricht in Ermangelung einer rechtli- chen Grundlage keinerlei Relevanz für

die Bewertung haben darf, ist zwar gerechtfertigt, führt aber bei man- chen Schülerinnen und Schülern zu der Annahme, dass eine kontinuierli- che Mitarbeit nicht notwendig sei. Ausblick Unter der Annahme, dass ein regulä- rer Schulbetrieb im ’neuen Schuljahr’ immer noch nicht möglich sein wird, müssen sich aus meiner Sicht vier zentrale Dinge verändern, um die Un- gerechtigkeit in Ausstattung und Leh- re auszugleichen: • zentrale Bereitstellung adäquater, digitaler Unterrichtsmaterialien, sodass Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, interaktiv zu lernen und nicht ausschließlich von den persönlichen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Ressurcen und nicht zuletzt der Volution der Lehrkräfte abhängig zu sein, • Bereitstellung von Geräten für alle Beteiligten (Lernende und Lehren- de) sowie Zugang zu einer Internet- verbindung mit hohem Daten- durchsatz für schulische Belange, • Betreuung der Lehrenden und Lernenden im Umgang mit den Geräten (Einweisung/technischer Support/IT-Administration etc.), • Klärung rechtlicher Belange wie Datenschutz, Dienstumfang für sowohl im Präsenzunterricht als auch im Fernunterricht eingesetzter Lehrkräfte, akzeptierte Grundlagen zur Beurteilung, Anwesenheits- pflicht u.v.m.

BLICKPUNKT Schule Lehren und Lernen in Zeiten von Corona 7

Der Hessische Philologenverband wünscht seinen Leserinnen und Lesern erholsame Sommerferien

Bild: Alexander Raths/AdobeStock

Aktuelles zum Schulportal Hessen

Auch sind Videokonferenzen über das Portal (noch) nicht möglich. Jedoch werde auch diese Option gerade geprüft und zeitnah angeboten werden. Um das Schulportal grundsätzlich zuverlässig nutzen zu können, benötigt man einen Browser, eine Breitbandanbin- dung der Schule, eine gute Internetverbindung im heimi- schen Umfeld sowie natürlich ein adäquates Endgerät. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt noch fraglich, ob es bis zum Be- ginn des neuen Schuljahres gelingt, alle Schülerinnen und Schüler so auszustatten, sodass gleiche Voraussetzungen für das Homeschooling geschaffen werden können. Zwar ist es mit den zusätzlichen Geldern des Digitalpaktes den Schulen möglich geworden, Endgeräte anzuschaffen und auch im Bedarfsfall an Schülerinnen und Schüler zu verlei- hen, aber auch hier hört man schon vielerorts, dass es be- reits Lieferengpässe gebe. Die Frage, wann auch Lehrkräfte endlich mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden, wird in diesem Zusam- menhang notwendiger denn je. Ein weiterer Baustein der Digitalisierung sind die dienst- lichen E-Mail-Adressen für Lehrkräfte, die im Idealfall nach den Sommerferien für alle hessischen Lehrkräfte und Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter an Schulen bereitgestellt werden. Das Land schafft somit die Voraussetzungen für eine funktionsfähige und gesicherte Kommunikation, fern- ab von privaten Mailadressen. Seit Mitte Mai findet ein Testlauf mit knapp 300 Teilnehmern statt, zum jetzigen Zeitpunkt geht man davon aus, dass dem geplanten Start im Juni nichts imWege steht. Trotz allem darf man nicht vergessen, unter welchen Vo- raussetzungen Lehrkräfte zurzeit noch arbeiten, nämlich bisher ohne dienstliche Endgeräte, ohne dienstliche E- Mail-Adresse, ohne uneingeschränkte Rechtssicherheit bei der Nutzung von Videokonferenzen. Darüber hinaus orga- nisieren sie die Kombination aus Präsenzunterricht und di- gitalem Lernen. Abschließend lässt sich jedoch feststellen, dass durch den derzeitigen Krisenmodus viele Dinge des digitalen Schullebens beschleunigt wurden. Positiv ausgedrückt, wird man von den Entwicklungen der letzten Wochen auch in Normalzeiten profitieren können.

von ANNABEL FEE Stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Philologenverbandes

G rundsätzlich ist es sehr zu begrüßen, dass mit dem ’Schulportal Hessen’ der Weg für eine ein- heitliche Lösung zur Wissensvermittlung und Be- reitstellung von Daten über internetbasierte Formen gera- de eingeführt wird. Alle Nutzer haben somit die gleichen Voraussetzungen, denn in der Praxis zeigt sich besonders in den letzten Wochen durch die Corona-Pandemie und dem ’erzwungenen Homeschooling’, die große Bedeutung einer konformen Lösung für alle Beteiligten. Der Umfang und die Qualität des Homeschooling ist nach wie vor sehr heterogen. Viele Arbeitsaufträge der Lehrkräfte gehen nach wie vor per E-Mail an die Eltern, was an sich schon auf Probleme stößt, denn die unterschiedli- chen (technischen) Voraussetzungen stellen viele Familien vor Herausforderungen. Das von der hessischen Lehrkräfteakademie betriebene ’Schulportal Hessen’ geht aus mehreren Komponenten (La- nis, Mahara, Moodle) hervor. Es wurde von der Akademie ent- wickelt, wird von ihr vollständig supportet und ist kostenlos. Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern wird mit dem Schulportal ein datenschutzrechtlich und technisch einheitlicher Zugang zu einer Plattform geboten, die über landeseigene Server betrieben wird und durch die Nutzung von Open-Source-Software möglichst unabhängig von einzelnen Anbietern ist. Die Praxis und die Nutzung des Schulportals stellt je- doch die Betreiber in der jetzigen Situation vor größere Probleme; zurzeit können rund 1000 Schulen mit dem Por- tal arbeiten, bis zum Sommer sollen allerdings alle Schulen (rund 1850) angemeldet sein. Ursprünglich war dieses Ziel bis Ende 2021 anvisiert mit dem Gedanken, den Präsenz- unterricht lediglich zu begleiten. Aufgrund der Corona- Pandemie soll es ihn nun weitestgehend ersetzen, was das System schlicht und ergreifend überfordert. Deshalb gibt es seit dem 20. April sogar einen ’Aufnah- mestopp’ für Schulen, um das bestehende System nicht zu gefährden, bis es weiter stabil ausgebaut wird. Auch in der momentanen Praxis und der Nutzung des Schulportals monieren viele Lehrkräfte und vor allem auch Schülerinnen und Schüler, dass es oft zu langen Ladezei- ten, Fehlermeldungen und sogar Abbrüchen kommt. Die Überlastungen des Servers besonders amVormittag ma- che es oft nicht möglich, Arbeitsaufträge vor dem Nach- mittag zu erhalten.

8 BLICKPUNKT Schule Lehren und Lernen in Zeiten von Corona

BLICKPUNKT Schule Lehren und Lernen in Zeiten von Corona 9

Bild: MQ-Illustrations/AdobeStock

Unterrichtsersetzende Lernsituationen Rechtliche Klärungen, Empfehlungen und Informationen

Zusammenfassung für die Praxis Diese Zusammenfassung ist für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie er- hebt keinen Anspruch auf Vollstän- digkeit und Richtigkeit. 1. Einordnung und Ziel- setzung der unterrichts- ersetzenden Lern- situationen keinem Lernenden soll ein durch die Schule zu verantwortender Nachteil entstehen. Dabei ist zu bedenken: · Es soll nicht suggeriert werden, dass die schulische Arbeit in gewohnter Weise fortgeführt werde – gleichzeitig aber auch keine verlängerten Ferien. · Lehrkräfte können keine mit regulärem Unterricht vergleich- bare Lernbegleitung leisten. · Eltern können Arbeit der Lehr- kräfte nicht ersetzen. Zielsetzung: • Herstellung fairer Bedingungen,

Leistungsbeurteilung & Leistungsbewertung:

sichtigen, indem diese Leistungen […] positiv in die Gesamtbetrach- tung einfließen«.

• § 73 Abs. 2 des Hessischen Schul- gesetzes »die mündlichen, schrift- lichen, praktischen und sonstigen Leistungen, die die Schülerin oder der Schüler im Zusammenhang mit dem Unterricht erbracht hat. Für die Leistungsbewertung sind die im Unterricht vermittelten Kenntnisse und Fähigkeiten maßgebend.« • § 3 Abs. 1 der Zweiten Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus in Zusammenhang mit § 33 Nr. 3 des Infektionsschutzgesetzes: Schülerinnen und Schüler müssen dem Unterricht fernbleiben = »keine Grundlage für eine dementsprechende Leistungs- bewertung«. • »keine Bewertung des Wissens und der Kompetenzen, die sich Schüle- rinnen und Schüler in der unter- richtsfreien Zeit selbst angeeignet haben« • Es ist aber möglich, »besondere Leistungen der Schülerinnen und Schüler entsprechend zu berück-

• Aufgabe der Lehrkräfte nach Wiederaufnahme des Schul-

betriebs: Gesamtbild verschaffen über Gesamtqualität der Bearbei- tung der Aufgaben + wertschät- zende Rückmeldung zum Lern- stand. –> »Nach einer solchen Phase des Übergangs und der Wiederauf- nahme der regulären Unter- richtsarbeit können diese Inhal- te […] auch Gegenstand von Leistungsnachweisen werden und insofern einer Leistungsbe- wertung unterliegen.« 2. Erläuterungen zur Ausgestaltung unterrichtsersetzender Lernsituationen • Alle Hinweise dieses & des folgen- den Kapitels (Kapitel 2 & 3) haben »empfehlenden Charakter«.

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Erläuterungen zu unterrichts- ersetzenden Lernsituationen • Vornehmlich Üben und Festigen bereits erarbeiteter Lerninhalte. • Je älter die Schülerinnen und Schüler, desto mehr Wert liegt auf selbstständigem Arbeiten. • An weiterführenden Schulen ge- gebenenfalls »die Einführung von kleinen Bausteinen neuer Lern- inhalte« und fächerübergreifendes, projektorientiertes Lernen. • So gestaltetes Lernen bildet kein unterrichtliches Lernen nach Stundenplan ab. • Lehrkräfte sollten besonderen Fokus auf Verfügbarkeit/Erreich-

c. Inhaltliche Gestaltung • Fokus auf klare Aufgabenstellun- gen, einfache Sprache, vertraute Aufgabenformate (vgl.: ’Kontakt und Kommunikation mit Schüle- rinnen und Schülern’). • Initiierung von Arbeitsprozessen, die »nach Wiederaufnahme des Unterrichts zusammengeführt werden können« (zum Beispiel arbeitsteilige/differenzierende Gruppenarbeiten). • Insbesondere bei der Bearbeitung neuer Themen mit älteren Schüle- rinnen und Schülern ist die Möglichkeit des Video-Chats in Betracht zu ziehen. • Lebenspraktisches Lernen sollte nicht vergessen werden: Hygiene- maßnahmen und Gestaltung des häuslichen Arbeitsplatzes themati- sieren, Bewegungspausen anbieten. d. Rückmeldeprozesse • Foto-/Video-Dokumentation von Arbeitsergebnissen durch die Schülerinnen und Schüler. • Lerntagebücher führen lassen. • Selbstkontrolle durch zur Verfügung gestellte Lösungen. • Feedback ferner per Telefon, Video-Chat, Lernplattform oder QR-Code-Rallye möglich. • Festen Zeitpunkt für Rück- meldungen vereinbaren und zeitnah reagieren. • Umfragen für Schüler- und Eltern-Feedback erstellen. 4. Empfehlungen zum Medieneinsatz in unterrichtsersetzenden Lernsituationen

• Beratungsangebote der Schule sollen weiterhin zur Verfügung stehen: sozialpädagogische Angebote und BFZ-Kontakte. … mit Schülerinnen und Schülern: • Die Klassenleitung koordiniert die Aufgabenverteilung aller Fächer an die Schülerinnen und Schüler der Klasse und fragt ab, ob alle Schülerinnen und Schüler erreichbar sind. · Gegebenenfalls – insbesondere bei älteren Schülerinnen und Schülern – gehen die Fachlehr- kräfte direkt auf die Schülerinnen und Schüler zu. • Erreichbarkeit von Lehrkräften in der Schule oder zu Hause per Telefon oder E-Mail. • Zum inhaltlichen Vorgehen vgl. Punkt 1 (’Kontakt und Kommuni- kation mit Eltern’). · Bewährt haben sich Angebote »von Arbeitsmaterialien, deren Bearbeitungsweisen und Aufga- benformate vertraut« sind, Lern- videos, Wochenpläne · Austausch der Materialien »per Post, per E-Mail, durch digitale Lernplattformen […] oder durch Klassenbriefkästen an der Schule«. • Schülerinnen und Schülern werden Anleitungen zum Umgang mit Arbeitsaufträgen und gegebenenfalls Plattformen zur Verfügung gestellt. … mit Kolleginnen und Kollegen bzw. Schulleitung: • Bereits etablierte Wege der Kommunikation werden genutzt. • Möglichkeit zur Vereinbarung von Zeitfenstern zum Austausch in Jahrgangs-/Fach- und weiteren Konferenzen bzw. schulischen Gremien. b. Vermittlung • Möglichkeit der Bereitstellung von Arbeitsmaterial in analoger Form sollte vorhanden sein (sortierte Arbeitsmappen, Wochenpläne). • Bündelung bei Klassenlehrkraft

10 BLICKPUNKT Schule Lehren und Lernen in Zeiten von Corona barkeit für die Schülerinnen und Schüler legen, um wenigstens ein Mindestmaß von Interaktion zu ermöglichen. • Aufgabe der Eltern ist es, das Umfeld für derlei Lernsituationen zu schaf- fen (Raum, Atmosphäre, Rahmen/ Lernzeiten) – keine Übernahme des ’aktiven Parts’ der Lernbegleitung. 3. Empfehlungen aus der Praxis • Alle Hinweise dieses und des vorigen Kapitels (Kapitel 2 & 3) haben »empfehlenden Charakter«. a. Kontakt und Kommunikation … mit Eltern: • In Abstimmung mit Schulleitung bündeln Klassenlehrkräfte die Informationen, »zu welchem Zeit- punkt und in welchem Umfang ein Fach […] zu bearbeiten ist«. • Schule informiert Eltern (und Schulelternbeirat) über Erreich- barkeit und Kommunikationswege und hält sie über aktuelle Entwick- lungen auf dem Laufenden. • Den Eltern werden Anleitungen zum Umgang mit Arbeitsaufträgen und ggf. entsprechende Platt- formen zur Verfügung gestellt. • Eltern erhalten unterstützende Hinweise zur Organisation der Lernzeiten & Tagesstruktur. • Schulen sorgen für Sichtbarkeit der aktuellen Hygienebestimmungen im Schulgebäude.

Schulportal Hessen und Einsatz von Lernplattformen

• Schulen sind Wahl und Einsatz von Lernplattformen grundsätzlich frei- gestellt, jedoch »in eigener Verant- wortung und unter Beachtung aller datenschutzrechtlichen Vorgaben«. • Land Hessen stellt ’Schulportal

sorgt für guten Überblick über generelles Arbeitspensum einer Klasse/eines Kurses.

Hessen’ (https://schulportal. hessen.de/schulregistrierung/) kostenfrei zur Verfügung.

individuellen Förderung […] ein umfassendes Unterstützungspaket aus ihrem Fortbildungs- und Beratungsrepertoire zusammen- gestellt. ·· Hinweise zu digitalen Materialien (Links, Apps, Lernverlaufs- diagnostik ’quop’) · Empfehlung zum Umgang mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen · Empfehlung zum Umgang mit ADHS/ADS • Schulleitungen und Lehrkräfte können sich zunächst an das regionale Projektbüro wenden, welches gegebenenfalls eine Weitervermittlung zu passenden Angeboten anbietet. · Südhessen: Ansprechpartnerinnen unter: https://www.uni-frankfurt. de/49234469/Unterst%C3%BCtz ungsangebot_in_Zeiten_von_ Corona · Mittelhessen: lernwerkstatt@ kultus.hessen.de · Nordhessen: PIFNO@gmx.de • Weitere Informationen zu den Projektbüros Individuelle Förderung sind zu finden unter: https://kultus ministerium.hessen.de/foerder angebote/lesen-schreiben- rechnen/foerdermassnahmen- zum-lesen-schreiben-rechnen 6. Weiterführende Informationen Schulfahrten, Unterrichtsgänge und Betriebspraktika • Keine Schulfahrten, Schüleraus- tausche, Studien- und Klassen- fahrten – keine Betriebspraktika – keine Wanderungen und Exkur- sionen zunächst bis zum Beginn der Herbstferien 2020. • Keine Neubuchungen von Klassenfahrten außerhalb Deutschlands für das Schuljahr 2020/2021. Konferenzen und Versammlungen • Konferenzen müssen auf »das not- wendige Maß begrenzt werden. […] Video- oder Telefonkonferenzen

Materialien &Werkzeuge für digital unterstützte unterrichtsersetzende Lernsituationen • Empfehlungen des Landes Hessen finden sich unter https://lehrkraefte akademie.hessen.de/service/ anregungen-zum-digitalen-lernen. Nutzung von Messenger-Diensten • Schulen und Lehrkräfte haben wei- terhin »Fürsorgepflicht gegenüber Schülerinnen und Schülern« mit Blick auf ihre »Daten und ihre infor- mationelle Selbstbestimmung«. • Auch hier sind die datenschutz- rechtlichen Vorgaben einzuhalten. • Der Hessische Datenschutzbeauf- tragte empfiehlt die Nutzung der App ’Signal’ (kostenlos: https:// signal.org/de/). Weiterleitung eingehender Nachrichten für Landesstandard- und Landesfunktionspostfächern des Landes Hessen • Die Weiterleitung von E-Mails sogenannter ’Funktionspostfächer’ (Schulamt, Schulleitung usw.: … @schule.hessen.de) an private Postfächer ist vorübergehend er- laubt (aktuell bis 10. Mai 2020). Verteilung von Materialien über Plattformen bzw. Veröffentlichung auf der Internetseite • Die bereits bekannten Standards zur Vervielfältigung und Veröffent- lichung von Material im schulischen Bereich sind einzuhalten – das gilt auch für Prüfungsaufgaben des Landes Hessen. • Viele Verlage/Rechteinhaber ver- zichten momentan auf eine Durch- setzung ihrer Rechte und geben Material über die geltenden Stan- dards hinaus frei – Informationen sind bei den Rechteinhabern direkt einzuholen. 5. Angebote der Projekt- büros zur individuellen Förderung • Zur Unterstützung der Lehrkräfte in dieser besonderen Situation haben die drei Projektbüros zur

sind zu bevorzugen« (Angebote: https://djaco.bildung.hessen.de/). • Klassen- und Kurselternversamm- lungen nur, »wenn sie unabdingbar sind«. • Besondere Regelungen der maß- geblichen Verordnungen (Konfe- renzordnung, Verordnung über die Schülervertretung und die Studie- rendenvertretungen, Verordnung für die Wahl zu den Elternvertre- tungen) zu befristeten Möglichkei- ten von Beschlussfassungen in elektronischer Form oder mittels Videokonferenz sind zu beachten (siehe Hygieneplan Corona für die Schulen in Hessen vom 22. April 2020). Hinweise zu weiterführenden Informationen und rechtlichen Regelungen • Informationen zum Umgang mit dem Coronavirus an Schulen: https://kultusministerium.hessen. de/schulsystem/aktuelle- informationen-zu-corona • Antworten auf häufig gestellte Fragen: https://kultusministerium. hessen.de/schulsystem/corona virus-schulen/haeufig-gestellte- fragen • Eine Übersicht für Schulleitungen system/coronavirus-schulen/fuer- schulleitungen-und-lehrkraefte • Schreiben an die Schulen: https://kultusministerium.hessen. de/schulsystem/coronavirus- schulen/fuer-schulleitungen/fuer- schulleitungen-schreiben und Lehrkräfte: https://kultus ministerium.hessen.de/schul

BLICKPUNKT Schule Lehren und Lernen in Zeiten von Corona 11

Der Ausschuss für berufspraktische Fragen (BPA) Vorsitzender: Boris Krüger krueger@hphv.de Verfasser dieses Textes: Alexander Schmitt a.schmitt@rhoenschule.de

Instagram-Account: @hphv_jungphilologen

Fulda/Kassel/Wiesbaden, 27. Februar 2020

Quelle: Handreichung des Hessischen Kultusministeriums vom 26. April 2020

Bild: Song_about_summer/AdobeStock

Raus aus der Kreidezeit Wie digitales Lernen den Unterricht unterstützt

12 BLICKPUNKT Schule Lehren und Lernen in Zeiten von Corona I n Zeiten von COVID-19 stehen Lehrkräfte und Schüler vor vielfäl- tigen Herausforderungen. Zwar versuchen Schulen den Lehrbetrieb allmählich wieder aufzunehmen, doch an einen regulären Unterricht ist noch lange nicht zu denken. Zwi- schen individuellen Schichtmodellen, Abstands- und Hygieneregelungen sind Pädagogen auf der Suche nach sinnvollen Möglichkeiten für ihre Schülerinnen und Schüler. Als Lösung präsentieren sich häufig digitale Bil- dungsmedien – sei es in Form von in- teraktiven Lernvideos, Online-Wör- terbüchern, Webinaren oder natur- wissenschaftlichen Simulations- Apps. Zukunftsorientierter Unterricht geht somit weit über das simple Schreiben von E-Mails und das Ver- senden von eingescannten Arbeits- blättern hinaus. Mithilfe der Lehr- kräfte vernetzen sich Schülerinnen und Schüler in datenschutzkonfor- men Messengerdiensten, überneh- men während des Chattens die Auf- gabenverteilung der virtuellen Lern- einheit, diskutieren aufkommende Fragestellungen und halten ihre Er- gebnisse in cloudbasierten Textverar- beitungsprogrammen fest. Online verfolgen Pädagogen jeden Lernfort- schritt und geben bei Bedarf Hilfe- stellung. Lehrer verteilen somit nicht nur Aufgaben und sammeln Ergeb- nisse nach Unterrichtsende ein, sie präsentieren sich stattdessen durch moderne Onlinekomponenten als Lernbegleiter.

Auf der digitalen Überholspur

rung erlaubt den Fachkräften und Ju- gendlichen einen Austausch auf neuen Kommunikationskanälen wie Online- foren oder Instant-Messengerdiens- ten. So überprüfen Pädagogen online mit einer Lösungssoftware, wer noch Unterstützung benötigt und wer sich schon an weiterführenden Aufgaben versuchen kann. AlsWissensförderer können sich Lehrer gezielt auf das Ver- mitteln von Inhalten konzentrieren, um so das Maximum aus ihren Schülern herauszuholen. Homeschooling macht Schule Bereits außerhalb der Schulzeiten kommen Kinder und Jugendliche mit digitaler Technik in Berührung – sie nutzen Social Media, streamen ange- sagte Blockbuster oder vernetzen sich in Videospielen mit Heranwachsenden rund um den Globus. Für einen effekti- ven Medienumgang ist daher eine schrittweise Heranführung durch qua- lifizierte Lehrkräfte wichtig. Dabei gilt: Altersgerechte Onlinemedien wie spe- ziell entwickelte, interaktive Lernvideos erleichtern einen schülerzentrierten Unterricht. Schulen sollten digitale Medien dennoch nicht um der Technik Willen einsetzen, sondern stets den pädagogischen Mehrwert für die Schü- lerschaft in den Mittelpunkt stellen. Zudem bedeutet der Umgang mit digi- talen Medien eine grundlegende Ver- änderung der Arbeitsweise. Schließlich entwickeln sich nicht nur digitale Lö-

Unabhängig von System und Lernort nutzen Heranwachsende digitale Lö- sungen nicht nur imKlassenzimmer, sondern auch in den eigenen vier Wän- den, amWochenende oder unterwegs. Mit multimedialen Optionen greifen Kinder durch softwaregestützte Unter- richtsprogramme auf individualisierte Lernangebote und -inhalte zurück, ar- beiten an möglichen Schwächen und bekommen zugleich ein generelles Verständnis dafür, wie Smartphone, Laptop, Tablet und Co. für denWis- senserwerb genutzt werden können. Von pädagogischen Fachkräften koor- diniert, lernen Schüler frei vom Prä- senzunterricht die Grammatik von Fremdsprachen, mathematische Zu- sammenhänge oder naturwissen- schaftliche Phänomene. Dabei gilt: Ei- ne Internetverbindung allein garantiert längst keinen guten Unterricht – der Mix aus pädagogisch wertvollen Kon- zepten ist entscheidend. Präsenzun- terricht und analoge Einheiten erwei- sen sich als genauso sinnvoll wie digi- tale Lösungen. Egal ob imKlassenzim- mer oder im digitalen Raum: UmHe- ranwachsenden einen wirklichen Mehrwert zu bieten, müssen die kom- munikativen Rahmenbedingungen stimmen. Hierfür holen die Lehrbeauf- tragten die Lernenden auf ihrem indivi- duellen Leistungsniveau ab. Technische Lösungen fördern soziale Prozesse, er- setzen diese aber nicht. Die Digitalisie-

sungen ständig fort, sondern auch die pädagogische Arbeitsweise von Lehr- kräften. Durch die Digitalisierung er- halten sie neue Komponenten, die pro- fessionelle Fortbildungen sowie Hard- warelösungen erfordern. Sind die Leh- renden erst einmal professionell auf die Herausforderungen und Chancen des digitalen Unterrichts vorbereitet, können innovative Konzepte geplant und ausprobiert werden. Mit pädagogischem Sachverstand Bei der schulischen Digitalisierung geht es umweit mehr, als Kinder und Jugendliche lediglich mit digitalen Gadgets auszustatten. Onlinelösungen erlauben personalisiertes Lernen für alle, machenWissen für jedermann mit einer Internetverbindung zugänglich und folgen dabei dem Ideal ’Bildung für alle’ nachWilhelm von Humboldt. Schulen entwickeln sich durch digitale Angebote zu Institutionen, die die indi- viduelleWissensförderung in den Mit- telpunkt stellen und sich vom Einheits- lernen verabschieden. Lernschwächere erhalten so einen einfachen Zugang zu personalisierter Bildung, während leis- tungsstärkere Schüler ihr Wissen an anspruchsvolleren Aufgaben testen. Dass digitales Lernen in Zeiten von Co- rona und Unterrichtsausfällen längst keine zusätzliche Belastung mehr ist, zeigen bereits jetzt interaktive Bil- dungsmedien wie die des öffentlichen FWU Institut für Film und Bild inWis- senschaft und Unterricht. Im Auftrag der Bundesländer entwickelt das Me- dieninstitut audiovisuelle Inhalte, die sich an die jeweiligen Lehrpläne an- passen und den Inhalten der schuli- schen Bildung entsprechen. Zukunfts- orientiert ausgerichtet, liefert es einen Großteil der Titel in interaktiven Versio- nen, die aktuellen pädagogischen Er- kenntnissen entsprechen, und zeigt den Jugendlichen so neue, motivieren- de Lernwege auf. Schließlich soll nicht dieTechnik im Fokus stehen, sondern die schulischen Inhalte der jeweiligen Fächer beziehungsweise Jahrgangs- stufen. Speziell so konzipiert, dass die Onlinematerialien in der vorhandenen

Unterrichtszeit ideal zum Einsatz kom- men, bieten sie sowohl Lehrkräften als auch Schülern einen echten Mehrwert. Sequenzen, die die Kerninhalte des Mediums in wenigen Minuten zusam- menfassen, Arbeitsblätter, die das Un- terrichtsgeschehen direkt in eine wei- terführende analoge Einheit lenken, sowie Grafiken, Bilder und kleinere Lernspiele, die den Onlinelösungen spielerische Komponenten hinzufügen, tragen zumWissensgewinn bei. Jegli- che Medien stehen sowohl imKlassen- zimmer als auch in den eigenen vier Wänden zum Streamen zur Verfügung. Unabhängig von der schulischen Inter- netverbindung können pädagogische Fachkräfte den Digital Content herun- terladen, speichern und in der kom- menden Unterrichtseinheit präsentie- ren. Heranwachsende greifen zudem auf spezielle Schülerversionen für zu Hause zurück. Da das Lernen somit zeitlich und räumlich ungebunden ist, werden nicht nur neue Lernpotenziale geweckt. Das eigenständige Erarbeiten des Unterrichtsstoffs ermöglicht eine Potenzierung der Wissensaufnahme. Kombiniert mit analogen Bildungsma- terialien, unterstützt Digital Content so den persönlichen Kompetenzge- winn. Von Experten entwickelt und auf ihreTauglichkeit für den schulischen Unterricht getestet, helfen Onlineme- dien, komplexeThemen wie die Kern- spaltung, Photosynthese oder den Aufbau und die Funktion des Nerven- systems audiovisuell zu vermitteln. Im Gegensatz zur analogen Lernland- schaft sind digitalen Medien damit so gut wie keine Grenzen gesetzt. Selbstbestimmt lernen Die Verantwortung für erfolgreiches Lernen liegt nicht allein aufseiten der Lehrkräfte, sondern auch bei den Schülern. Gemeinsam entscheiden die Mitwirkenden über den Erfolg mo- derner Lernmöglichkeiten. Während Pädagogen auch künftig Wissen zur Verfügung stellen, Inhalte koordinie- ren und Konzepte vorgeben, bringen sich Jugendliche aktiv im Unterrichts- szenario ein. Anders als beim klassi- schen Frontalunterricht treten sie

Zum Autor

Holger Kis- termann ist Marketing- und Ver-

nicht mehr nur als Rezipient in Er- scheinung, stattdessen reproduzieren sie eigenständig Wissen. Mit digitalen Medien recherchieren sie aktiv nach Informationen, erarbeiten sich neue Erkenntnisse und teilen Gelerntes mit dem Plenum. Damit Lehrer den ange- strebten Wissenserwerb gewährleis- ten, entwickeln sie auf Grundlage des Digital Contents weiterführende ana- loge Einheiten. Statt bisher bekannte Unterrichtssettings fortzuführen, ste- hen digitale Medien für eine zukunfts- fähige Lernkultur, die zur modernen Schule beiträgt – unabhängig von Zeitpunkt und Ort. triebsleiter des öffent- lichen FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unter- richt. Die Experten digitaler Medien produzieren seit 1950 im Auftrag der Länder audiovisuelle Medien für die schulische und außerschulische Bildung – ent- sprechend den Lehrplänen des jeweiligen Bundeslandes. Pro Jahr entstehen so mehr als sechzig neue Titel, die fortlau- fend der online zugänglichen FWU-Mediathek hinzugefügt werden. Digital abrufbar sind mehr als 8000 teils interaktive Medien. Interaktive Online- medien des FWU schöpfen das Lernpotenzial der Schülerinnen und Schüler auf neue Art und Weise aus, abstrakte Unter- richtsthemen lassen sich visuell vereinfacht darstellen. Schulen erhalten FWU-Medien im kom- munalen Medienzentrum oder direkt unter www.fwu.de . Weitere Informationen unter: https://www.facebook.com/ FWU-Bildungsmedien Bild: ©Wilson Ortiz

BLICKPUNKT Schule Lehren und Lernen in Zeiten von Corona 13

14 BLICKPUNKT Schule Lehrerausbildung

Viel Arbeit für den BPA während der Corona-Pandemie: Rat und Hilfe für Referendarinnen und Referendare

In den vergangenen Wochen hat sich der Ausschuss für berufsprakti- sche Fragen (BPA) gemäß seiner Zielsetzung vermehrt mit den Sor- gen und Nöten der Referendarinnen und Referendare in den schwie- rigen Zeiten der Corona-Pandemie auseinandergesetzt, vor allem von denjenigen, die sich aktuell im Prüfungssemester befinden. I n einer Pressemeldung vom 4. April 2020 forderte der BPA die Kon- kretisierung der wenige Tage zu- vor getroffenen Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz. Im Hinblick auf das Prüfungssemester in Hessen sollte das konkret bedeuten: von BORIS KRÜGER Vorsitzender des BPA im Hessischen Philologenverband

schluss der Kultusministerkonfe- renz folgend Vorleistungen höher gewichtet werden. • Bei den Kriterien zur Bewertung gilt es zu beachten, dass die Referen- darinnen und Referendare der Si- tuation geschuldet nur schwer Zu- gang zu Fachliteratur haben (ge- schlossene Bibliotheken). Bei der Bewertung von theoretischen Aus- arbeitungen (inklusive Unterrichts- entwürfen) ist diesem Umstand un- bedingt Rechnung zu tragen. • Sollten aufgrund der Schulschlie- ßungen vor den Osterferien noch fehlende Leistungen (inklusive Lehrproben) aus dem Modul des Prüfungssemesters nicht zeitnah nachgeholt werden können, so soll- ten auch diese unkompliziert durch eine höhere Gewichtung von Vor- leistungen gemäß Beschluss der Kultusministerkonferenz kompen- siert werden können. • Bei der anstehenden Bewerbung an Schulen sollten die Schulleitungen die besonderen Umstände, unter

• Es müssen schnellstmöglich rechts- sichere Lösungen für die Staatsexa- mensprüfung ausgearbeitet wer- den, die keinen Mehraufwand ge- genüber ’normalen’ Examenslehr- proben bedeuten. • Sollten keine normalen Unterrichts- besuche möglich sein, müssen die Referendarinnen und Referendare schnellstmöglich wissen, welche Er- satzleistungen stattdessen erbracht werden sollen. Möglich wäre bei- spielsweise die Durchführung mündlicher Prüfungsgespräche via

Online-Konferenztools (wie Skype, Zoom, Jitsi, Microsoft Teams, Blizz, GoToMeeting, WebEx u.v.m.) in den Fächern auf Basis zuvor ausgearbei- teter Unterrichtsentwürfe. • Die Prüfungsform der mündlichen Prüfung sollte jedoch nicht über- strapaziert werden – bei mündli- chen Prüfungen statt Lehrproben sollte die normal vorgesehene mündliche Examensprüfung entfal- len. Stattdessen sollten dem Be-

zehn Prozent und mündliche Prüfung zwanzig Prozent. Der BPA unterstützte diese Position in einer Pressemeldung vom 18. April 2020 aus den folgenden Gründen: • Die Absage der mündlichen Prüfung zum 1. Staatsexamen als Präjudiz. • Die Knappheit der Vorbereitungs- zeit. • Die fehlende Unterrichtspraxis in ei- ner theoretischen Prüfung. • Die enorme strukturelle Benach- teiligung durch einen gestaffelten Wiederbeginn der Schule. • Die psychischen und physischen Belastungen durch die Corona-Pan- demie. • Die Einschränkungen im öffent- • Die fehlende Widerspiegelung der Qualität der praktizierenden Lehr- kraft durch die Qualität eines schriftlichen Unterrichtsentwurfes. • Die dadurch geringe Wertschätzung der geleisteten Ausbildungszeit. Wünschenswert wäre aus Sicht des hphv die Durchführung des 2. Staats- examens in der üblichen Formmit zwei Unterrichtsbesuchen und einer münd- lichen Prüfung zu einem späteren Ter- min gewesen, um dem Praxischarakter des Referendariats gerecht zu werden. Da jedoch die Zeit zwischen der Wie- dereröffnung der Schulen und den Sommerferien sehr eng bemessen sein würde, würde dies praktisch nicht um- setzbar sein. Die angestrebte Fallprü- fung bot den LiV zumindest die Mög- lichkeit, schlechte Vornoten auszuglei- chen. Die acht Praxis- bzw. Ausbil- dungsschwerpunkte, die eine LiV bis- her für die mündliche Prüfung vorbereitet hat, sollten unbedingt in der Fallprüfung oder einer Ersatzprü- fung berücksichtigt und geprüft wer- den. Einen komplettenWegfall einer mündlichen Abschlussprüfung lehnte der hphv aus diesen Gründen ab. Er richtete abschließend den Aufruf an alle Mitglieder des hphv, die Online- Petition zu unterschreiben. Leider soll- te sie letztendlich erfolglos bleiben. In dieser Zeit beschäftigte sich der BPA vermehrt auch mit Einzelanfragen lichen Leben, zum Beispiel die Schließung der Bibliotheken.

von Mitgliedern zur 2. Staatsprüfung und setzte sich gegen ungerechte Re- gelungen ein. So müssen Referenda- rinnen und Referendare, die Ende 2019 ihre 2. Staatsprüfung nicht bestanden haben, ihren Vorbereitungsdienst so lange verlängern, bis wieder halbwegs reguläre Examensunterrichtsbesuche möglich sind. Diese ’Wiederholer’ kön- nen ihren Vorbereitungsdienst also nicht nach den Regelungen abschlie- ßen, die für alle Kandidatinnen und Kandidaten im aktuellen Prüfungs- durchgang gelten, und bleiben weiter im Ungewissen, wann sie ihre 2. Aus- bildungsphase endlich beenden kön- nen. Dies ist verbunden mit den ent- sprechenden finanziellen und berufli- chen Nachteilen. Hier intervenierte der BPA zusammen mit Stephan F. Dietz, unserem Justiziar, zunächst erfolglos bei der Lehrkräfteakademie, konnte aber Anfang Juni erreichen, dass die Betroffenen nun wählen können: Ent- weder lassen sie sich wie die Prüflinge des aktuellen Durchgangs eher theo- retisch auf der Grundlage von zwei Unterrichtsentwürfen prüfen oder sie legen nach den Sommerferien, wenn hoffentlich noch mehr Präsenzunter- richt möglich ist, ihr 2. Staatsexamen in der üblichenWeise mit zwei Unter- richtsbesuchen ab. Letztlich ein schö- ner Erfolg für uns, der viel Durchhalte- vermögen erfordert hat. Ähnlich erging es ihm bei der Aus- einandersetzung mit der Lehrkräfte- akademie um die Bewertung des Moduls 8 (Unterrichten in den Fächern in der gymnasialen Oberstufe, MGYO). Für den BPA lag eine Ungleichbe- handlung bezüglich der Leistung und Benotung vor: Viele Referendarinnen und Referendare, die bereits einen Un- terrichtsbesuch abgeleistet hatten, mussten eine weitere Ausarbeitung als Ersatz für den zweiten noch ausste- henden Unterrichtsbesuch vorlegen, während bei anderen, die noch gar keinen Unterrichtsbesuch für das Mo- dul absolviert hatten, die Durch- schnittsnote der übrigen sieben Mo- dule als Wertung gebildet wurde. Hin- zu kam die zeitliche Ersparnis für die zweite Gruppe, die gerade im Prü- fungssemester und dazu noch

Bild: shintartanya/AdobeStock

BLICKPUNKT Schule Lehrerausbildung 15

denen die Examina abgelegt wur- den, berücksichtigen. Damals existierte noch ein Flicken- teppich an Entscheidungen, weswe- gen es den Referendarinnen und Re- ferendaren an Orientierung fehlte. In jedem Fall sollte es vonseiten des Kultusministeriums klare Weisungen geben, welche die Studienseminare und Ausbilderinnen und Ausbilder einheitlich umsetzen können. Erst dann könnte für die hessischen Refe- rendarinnen und Referendare Sicher- heit geschaffen werden. Eine Woche später wurde die gefor- derte Rechtssicherheit vom Kultus- ministerium geschaffen. Dabei wurde von der Lehrkräfteakademie festge- legt, dass die beiden Examenslehr- proben durch eine sechzigminütige Besprechung von zwei Unterrichts- entwürfen ersetzt werden sollten. Die betroffen Referendarinnen und Refe- rendare im Prüfungssemester initiier- ten dagegen eine Online-Petition , die folgende Alternative für die 2. Staatsprüfung 2020 vorschlug: Erhö- hung der Gewichtung der Vorleistun- gen und Durchführung einer mündli- chen Prüfung (Fallprüfung gemäß § 51 HLBGDV) mit folgender Umver- teilung: Unterrichtsbesuche sechzig Prozent, pädagogische Facharbeit zehn Prozent, Schulleitungsgutachten

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