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6/2016

forum

poenale

AUFSÄTZE 349

Stämpfli Verlag

Zusammenfassung:

Bei Entführungen, schweren Dro­

hungen oder Erpressungen treten in der Praxis immer

wieder Unsicherheiten über die jeweiligen Zuständigkei­

ten von Polizei und Staatsanwaltschaft bzw. das anwend­

bare Recht auf. Dieser Beitrag untersucht die Gründe

dafür und prüft, welche Regeln bei der Überlagerung

von Gefahrenabwehr und Strafverfolgung zur Anwen­

dung kommen und auf was bei der Zusammenarbeit von

Polizei und Staatsanwaltschaft in diesem Zusammen­

hang zu achten ist.

Résumé:

En cas d’enlèvements, de menaces graves ou

d’extorsions, des incertitudes quant à la délimitation des

compétences de la police et du ministère public, d’une

part, quant à la détermination du droit applicable,

d’autre part, surgissent régulièrement dans la pratique.

L’auteur de la présente contribution analyse d’abord les

causes de cette situation, examine ensuite quelles règles

s’appliquent lorsque la prévention des dangers et la pour­

suite pénale se superposent, détaille enfin à quoi il

convient de veiller s’agissant de la coopération entre la

police et le ministère public dans ce contexte.

chen Lagen zu leistende Medienarbeit, welche zusätzlichen

Druck bedeutet.

In Bedrohungslagen arbeitet die Polizei mit einer beson­

deren gesamtschweizerisch einheitlichen Einsatzkonzep­

tion, dem sog. Sonderprozess.

54

Dieser dient der möglichst

optimalen Führung solcher Einsätze und erleichtert die –

gerade in solchen Lagen – oft nötige kantonsübergreifende

Zusammenarbeit.

Zu den eingehend thematisierten ungewohnten Zustän­

digkeiten und Rollen in solchen Lagen und der ausseror­

dentlich grossen Belastung kommt somit unter Umständen

eine im Vergleich zum Alltag besondere Einsatzorganisa­

tion. Auch vor diesemHintergrund ist augenscheinlich, dass

Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Zuständigkeit und Rolle

in solchen Gemengelagen innerhalb der eigenen Organisa­

tion, aber auch zusammen thematisieren müssen, und zwar

nicht erst unter dem Druck einer Lage, sondern vorgängig,

z. B. mit gemeinsamen Übungen.

Stichwörter:

Polizeirecht, Strafverfolgung, Gemengelagen

Motsclés:

droit de police, poursuite pénale, situations

confuses

54

Die Grundlagen wurden am 4.6.2009 von der KKPKS verabschiedet

und 2010 in den einschlägigen Lehrgängen und Dokumentationen des

SPI eingeführt (vgl. Aebi, Einführung der Einsatzorganisation und

Standardaufträge in Sonderlagen bei der Schweizer Polizei, Krimina­

listik 2011, 485, 488 u. 492).