Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe 25
Dr. Henrik Müller
Fortbildung ktuell – Das Journal
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eine kurze Beschreibung der HER-Rezep-
torfamilie erforderlich. HER1, HER2, HER3
und HER4 stellen vier Zellmembranre-
zeptoren dar. Grundsätzlich bestehen die
HER-Rezeptoren aus einer extrazellulären
Domäne mit Bindungsstelle, einer trans-
membranären Region und einer zytoplas-
matischen intrazellulären Domäne (Abbil-
dung 3). Diese intrazelluläre Domäne be-
sitzt Kinase-Aktivität, sie kann daher Pro-
teine phosphorylieren, damit aktivieren
und sorgt dafür, dass ein extrazellulärer
Stimulus nach intrazellulär weitergelei-
tet und in eine zelluläre Antwort über-
setzt wird.
HER2 muss ein Dimer mit einem Vertreter
der HER-Rezeptorfamilie ausbilden, um
stimuliert werden zu können. Die HER-Di-
merisierung ist dabei ein kritischer Schritt
bei der Rezeptoraktivierung. Nicht alle
der zehn möglichen HER-Dimere sind in
gleichem Maße biologisch aktiv. Dimere
unter Beteiligung von HER2 haben eine
stärkere Signalaktivität im Vergleich zu
Dimeren ohne den HER2-Rezeptor. HER2
und HER3 ergänzen sich dabei ideal und
stellen das biologisch potenteste HER-Di-
mer dar.
Pertuzumab ist ein humanisierter mo-
noklonaler Antikörper, der spezifisch an
die extrazelluläre Paarbildungsdomäne
des HER2-Rezeptors bindet (Abbildung
3). Damit wird ein wichtiger Teilschritt
bei der Aktivierung der Rezeptorkinase
HER2 inhibiert. Die Blockade der Dime-
risierungsdomäne durch Pertuzumab un-
terscheidet sich dabei vom Wirkmechanis-
mus von Trastuzumab. Trastuzumab ver-
hindert durch die Bindung an eine Subdo-
mäne von HER2 die Liganden-unabhän-
gige HER2-Signalaktivität des Rezeptors.
Zusätzlich induziert die Bindung beider
Antikörper auf der Oberfläche von Tu-
morzellen die Aktivierung des körperei-
genen Immunsystems, das die Tumorzel-
len angreift und zerstört. Dieser Prozess
wird Antikörper-abhängige zelluläre Zy-
totoxizität oder ADCC genannt.
Fazit:
Die innovative Kombination von zwei An-
tikörpern mit unterschiedlichen Wirkme-
chanismen führt zu einer effektiveren
Blockade des HER2-Rezeptor-Signal-
weges. Der Substanz Pertuzumab, die als
Weiterentwicklung von Trastuzumab an-
gesehen werden kann, bescheinigt der
G-BA Anhaltspunkte für einen beträcht-
lichen Zusatznutzen (Kategorie 2) bei vis-
zeraler Metastasierung. Ein Zusatznutzen
bei nicht-viszeraler Metastasierung und
lokal rezidivirendem, inoperablem Brust-
krebs gilt dagegen als nicht belegt. Die
Jahrestherapiekosten werden durch Per-
tuzumab um ca. 67.000 Euro auf etwa
140.000 Euro (inkl. Trastuzumab und Do-
cetaxel) erhöht.
3,4,5,6,7
Ocriplasmin (Jetrea®) – ein Arzneimittel
anstelle einer Operation?
Ocriplasmin ist indiziert für die Behand-
lung von Patienten mit einer vitreomaku-
lären Traktion (VMT), auch im Zusammen-
hang mit einem Makulaloch ≤ 400 µm.
Eine vitreomakuläre Adhäsion entsteht,
indem sich im Rahmen des natürlichen
Alterungsprozesses der Glaskörper nicht
vollständig von der Retina bzw. der Ma-
kula ablöst. Die Makula ist ein kleiner
Bereich in der Netzhautmitte. Sie ver-
Beratungsrelevante
Hinweise zu Perjeta®
• Die intravenöse Injektion er-
folgt über eine Dauer von 60
min. (Initialdosis: 840 mg) im
Abstand von 3 Wochen (Erhal-
tungsdosis: 420 mg über 30-60
min.).
• Die unverdünnte Lösung im
Kühlschrank (2-8 °C) lichtge-
schützt im Umkarton lagern;
die verdünnte Lösung ist bei
30 °C für 24 Std. stabil.
• Häufige unerwünschte Arz-
neimittelwirkungen sind: Di-
arrhoe, Alopezie und Neutro-
penie.
1
2
3
Makulaloch
Glaskörper
Netzhaut
Abbildung 4:
Entstehung eines Makulalochs, mit freundlicher Genehmigung der Alcon Pharma GmbH. 1. Natürlicher Alterungspro-
zess 2. Vitreomakuläre Adhäsion 3. Makulaloch infolge einer vitreomakulären Traktion.