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Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe
Fortbildung aktuell – Das J urnal
Nr. 1/2014 der Apothek rkammer Westfalen-Lippe 16
Begriff„Tumor“ beschreibt man zunächst
einmal eine Schwellung oder Geschwulst,
ohne Aussage darüber ob es sich um eine
bösartige oder gutartige Gewebeschwel-
lung handelt. Eine Warze ist beispiels-
weise ein gutartiger Tumor. Im normalen
Sprachgebrauch wird Tumor aber meist
mit einer bösartigen Geschwulst gleich-
gesetzt.
Malignes Wachstum, Krebs, liegt also
dann vor, wenn die Zellen des Tumors
infiltrativ wachsen, also über Gewebs-
grenzen hinweg in benachbartes, gutar-
tiges Gewebe hinein. Wenn sie destruktiv
wachsen, also das gutartige, umgebende
Gewebe zerstören und wenn sie meta-
statisch wachsen, also in entfernten Ge-
weben und Organen Tochtergeschwüls-
te bilden (Tabelle 1). Auch das Zellgewe-
be des Tumors lässt Rückschlüsse auf die
Malignität zu. So ist ein wenig differen-
ziertes Zellgewebe, das wenig Ähnlichkeit
mit dem Ausgangsgewebe aufweist, auch
ein Zeichen für die Malignität einer Ge-
schwulst.
Beim Typing des Tumors macht man Aus-
sagen über sein Herkunftsgewebe, also
eine Charakterisierung des histologischen
Tumortyps. Grading steht für die Einord-
nung der Differenzierung des Tumorge-
webes (Tabelle 2). Wie ist die Ähnlichkeit
zum Ausgangsgewebe? Eine Verände-
rung korreliert, wie bereits erwähnt, mit
der klinischen Malignität und damit zur
Prognose. Staging beschreibt die Tumor-
ausbreitung zum Zeitpunkt der Erstdia-
gnose bzw. des Therapiebeginns.
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Die Stadieneinteilung erfolgt hier mit Hil-
fe des TNM-Systems. Die Kriterien für die-
ses System wurden in den 50er Jahren des
letzten Jahrhunderts von der UICC (Union
Internationale contre le Cancer), Interna-
tionale Vereinigung gegen Krebs, www.
uicc.org, festgelegt. Im Laufe der Jahre
wurde diese UICC-Klassifikation immer
wieder ergänzt und aktualisiert. Mit Hilfe
der Buchstaben, die sich hinter dem Kür-
zel TNM verbergen, lassen sich die lokale
Ausbreitung des Tumors, der Lymphkno-
tenbefall und Metastasierungen beschrei-
ben. Der Buchstabe T (=Tumor) steht für
die örtliche Ausdehnung des Primärtu-
mors, N (=Node) für vorhandene oder
fehlende Lymphknotenmetastasen, der
Buchstabe M (=Metastasis) steht für das
Fehlen oder Vorhandensein von Fern-
metastasen. Die Ziffern 1 bis 4 beschrei-
ben in der T-Kategorie die Größe des Tu-
mors. Die Kleinbuchstaben von a bis d hel-
fen bei Prostata- und Brustkrebs zur noch
genaueren Einteilung. Die Zahlenzusät-
ze der N-Kategorie richten sich nach der
Lage und Zahl der von Metastasen be-
fallenen regionären Lymphknoten (Lk).
Metastasen in nicht regionären Lymph-
knoten gelten als Fernmetastasen. Diese
werden mit Hilfe des Buchstabens M be-
schrieben. Man unterscheidet hier aller-
dings nur M0 bei Abwesenheit von Meta-
stasen, oder M1 bei Anwesenheit von Me-
tastasen. Der Zusatz von Kleinbuchstaben
gibt hier an, wo sich Metastasen im Kör-
per befinden. Das TNM-System ist am Bei-
spiel Prostata-Karzinom in Tabelle 2 ver-
deutlicht.
Orale Zytostatika
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Nr. 1/2014 der Apothe erkammer Westfalen-Lippe
– as Jo rnal
de Apothek rk mmer Westfalen-Lipp
Tabelle 1:
Merkmale von benignen und malignen Tumoren (© DGOP; Nov. 2012).
Neoplasmen
Benigne – gutartig
Maligne – bösartig
Langsames Wachstum
Unreife (Aplasie) der Zellen
Nur mech. Rückwirkung
auf den Allgemeinzustand
Invasiv, infiltrierend, zerstörend;
Reduktion des Allgemeinzustandes
Keine Metastasierung
Metastasierend
Selten rezidivierend
Rezidivierend
Gut abgrenzbar
Schlecht abgrenzbar
Keine oder wenige Zellveränderungen;
geringe Mitoserate
Hohe Mutationsrate;
viele Atypien, hohe Zellteilungsrate
Tabelle 2:
Klassifizierung des Prostatakarzinoms mit dem TNM-System (© onkologie2014.de; 29.7.2014).
TNM
T1 weder tast- noch sichtbar (Zufallsbefund)
T1a
Tumoranteile < 5%
T1b Tumoranteile > 5% des resezierten Gewebes
T1c
Tumordiagnose durch Nadelbiopsie (ein oder beide Lappen)
T2
Tumor begrenzt auf die Prostata
T2a
ein Lappen ≤ 50 %
T2b ein Lappen > 50 % T2c beide Lappen betroff.
T3
Tumordurchbruch durch die Prostatakapsel
T3a uni- oder bilateral
T3b Einbruch in die Samenblase
T4 Tumorinfiltration in andere Nachbarstrukturen als Samenblasen: Blasenhals, Sphincter externus, Rektum, in Levatormus-
kel, Beckenwand
N1 regionäre Lk-Metastase
M1a nicht regionäre Lk-Metastase M1b Knochen-Metastase M1c andere Organ-Metastase