Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe 19
den Erfolg der Therapie wichtig, dass der
Patient umfangreich über seine Therapie
informiert wird. Bei der oralen Zytostati-
katherapie kann allein schon die quanti-
tative Aufnahme des Arzneistoffs durch
viele Störfaktoren beeinflusst werden, die
zu subtherapeutischen Wirkstoffspiegeln
führen.
Eine Unterdosierung ist nicht nur nicht
wirksam, sie führt auch zu einer Resi-
stenz-Entwicklung gegen das Zytostati-
kum. Es ist daher unerlässlich, dem Pati-
enten so viele Informationen wie möglich
an die Hand zu geben. Zum einen erfor-
dert das ein umfangreiches Gespräch bei
der Abgabe des Arzneimittels, um mög-
lichst sicher zu sein, dass der Patient al-
le wichtigen Punkte verstanden hat. Zum
anderen ist es wichtig, den Patienten
nicht „alleine“ zu lassen. Das heißt, er
braucht feste Ansprechpartner, die er je-
derzeit erreichen kann und er benötigt ei-
nen „Fahrplan“, um zu wissen, wie er sein
Zytostatikum einnehmen muss.
Ein Hilfsmittel kann das Merkblatt für Pa-
tientinnen und Patienten, die den Wirk-
stoff Temozolomid einnehmen, sein (sie-
he
, Download im in-
ternen Bereich unter
).
Individueller und besser angepasst an die
Bedürfnisse des Patienten ist der mit Hilfe
der DGOP-Oralia-Datenbank
-
oralia.de) erstellte Einnahmeplan am Bei-
spiel von Temodal® Hartkapseln (Abb. 2).
Der Patient markiert auf dem Plan die er-
folgte Einnahme und gibt seine Befind-
lichkeit und evtl. aufgetretene Neben-
wirkungen an. Diese Daten bringt er zum
nächsten Beratungstermin mit in die Apo-
theke, so dass sie dort ausgewertet wer-
den können. So kann man dem Pati-
enten verständliche Zusammenfassungen
zu Neben- und Wechselwirkungen mit-
geben, die sich auf Nahrungsmittel und
freiverkäufliche Arzneimittel beziehen,
dem Arzt wichtige Aspekte mitteilen, sich
selbst per orale Chemotherapeutika infor-
mieren und nach folgendem Muster ei-
nen individuellen und eindeutigen Thera-
pieplan erstellen, um Fehleinnahmen zu
vermeiden.
5
Emetogene Potenz von Zytostatika und
Antiemetika
Übelkeit ist laut der Fachinformation eine
häufig auftretende Nebenwirkung unter
Stephan Ludigkeit
19
Fortbildung aktuell – Das J urnal
Nr. 1/2014 der Apothekerkammer Westfalen-Lipp
Fortbildung ktu ll – Das Journal
p
Tabelle 5:
Emetogene Potenz von Zytostatika. *lt. ESMO/MASCC Guideline mittelgradig
emetogen, nach Erfahrung des Autors eher schwach emetogen; ** bei Trabectedin
Interaktion mit Aprepitant beschrieben, s. Fachinfo (© onkologie2014.de; 29.7.2014).
Emetogene Potenz der wichtigsten Zytostatika,
Antikörper und molekularen Inhibitoren
Sehr schwach
Emetogenität
< 10 %
Bevacizumab, Bleomycin, Busulfan, Chlorambucil, Chlorodeoxyade-
nosin, Cladribin, Erlotinib, Fludarabin, Gefitinib, Hydroxyurea, Lenali-
domid, Melphalan, Mercaptopurin, MTX (< 100 mg/m²), Pentostatin,
Rituximab, Sorafenib, Thioguanin, Vincristin, Vinblastin, Vinorelbin
i. v.
Schwache
Emetogenität
10-30 %
Asparaginase, Bendamustin, Bortezomib, Capecitabin, Catumaxom-
ab, Cetuximab, Cytarabin (< 1 g/m²), Decitabine, liposomales Doxoru-
bicin, Etoposid, 5-Fluorouracil, Gemcitabin, Lenalidomid, Mitomycin,
Mitoxantron, MTX (> 100 mg/m²), Panitumumab, Pemetrexed, Suniti-
nib, Taxane, Temsirolimus, Thalidomid, Topotecan
Mittlere
Emetogenität
30-90 %
Anthrazykline (Mono-Tx), Alemtuzumab, Azacitidin, Carboplatin,
Clofarabin, Cyclophosphamid (< 1.500 mg/m²), Cytarabin (> 1 g/m²),
Ifosfamid, Irinotecan, Ifosfamid, Imatinib, Oxaliplatin, Temozolomid,
Trabectedin*,**, Treosulfan, Vinorelbin p.o.
Hohe
Emetogenität
> 90 %
Anthrazykline (in Kombination mit anderen Zytostatika, z. B. AC, FEC,
TAC, VAIA), Cisplatin, Carmustin (BCNU), Cyclophosphamid (> 1.500
mg/m²), Dacarbazin (DTIC), Dactinomycin, Pentostatin, Procarbazin,
Streptozotocin, jede HD-Tx
Tabelle 6:
Leitlinien zur Therapie von Emesis/Nausea (MASCC*, ASCO, NCCN).
*Multinational Association for Supportive Care in Cancer; **Dosierungen:
Dexamethason: 8-12 mg p.o. oder 8 mg i.v., bei unzureichender Wirksamkeit +
Lorazepam (1-2 mg i.v./p.o., evtl. schon beginnend am Abend vor der Therapie!).
Metoclopramid20-50 mgp.o.oderalsKurzinfusion(±Lorazepam).Beiextrapyramidalen
NW von MCP: Dimenhydrinat, Domperidon o. alternativ 5-HT
3
-Antagonist
(© onkologie2014.de;29.7.2014).
Risikogruppe Emesisrisiko Akutes Erbrechen
Verzögertes Erbrechen
Minimal
< 10 % keine präventiven Maß-
nahmen
keine präventiven Maß-
nahmen
Niedrig
10-30 % Dexamethason o. Dopami-
nantagonist**
keine präventiven Maß-
nahmen
Moderat
30-90 % Tag 1: 5-HT
3
-Antagonist +
Dexamethason
Tag 2 + 3: Dexametha-
son o. 5-HT
3
-Antagonist,
(evtl. + NK1-Antagonist)
Hoch
> 90 % Tag 1: 5-HT
3
-Antagonist +
Dexamethason+NK1-
Antagonist (i.v. oder p.o.) ±
Lorazepam
Tag 2 + 3: Dexametha-
son (evtl. auch Tag 4) +
NK1-Antagonist (p.o.)
(nicht nötig, wenn Tag 1
i.v.) ± Lorazepam
Tabelle 7:
Applikation und Dosierung der 5-HT
3
-Antagonisten. Wenn orale Gabe, dann
spätestens 30 min vor Tx; NW: Kopfschmerzen, Obstipation, leichte Flush-Symptomatik
(© onkologie2014.de; 29.7.2014).
5-HT
3
-Antagonisten
HWZ Dosis i.v
Dosis p.o.
Granisetron (Kevatril®, zahlr. Generika)
9 h 1-3 mg
2 mg
Ondansetron (Zofran®, zahlr. Generika)
4 h 8-16 (32) mg 12-16 (32) mg
Palonosetron (Aloxi®)
40 h 250 μg (Bolus)
500 μg
Tropisetron (Navoban®)
8 h 5 mg
5 mg