Fortbildung aktuell - Das Journal Nr. 3/2014 (Dezember 2014) - page 15

Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe 15
Orale Zytostatika
Orale Zytostatika stehen weder für eine
„harmlosere“ Chemotherapie, noch sind
alle der eingesetzten Substanzen brand-
neu. Es handelt sich in jedem Fall um
hochwirksame Substanzen, die schwe-
re Nebenwirkungen verursachen kön-
nen, welche ein erhebliches Interaktions-
potential haben und deren Therapieer-
folg von der genauen Einhaltung eines
Therapieschemas abhängig ist. Ein Thera-
pieschema gibt genau vor, wann und un-
ter welchen Bedingungen der Arzneistoff
eingenommen werden muss.
Einfluss von Therapieadhärenz auf den
Therapieerfolg
Die Therapieadhärenz ist zum einen wich-
tig für den optimalen Erfolg, aber auch
zur Vermeidung von unerwünschten Arz-
neimittelwirkungen oder Wechselwir-
kungen. Die Information und die Schu-
lung des Patienten sind für die Adhärenz
an ein Therapieregime sehr wichtig, denn
wird der Patient nur wenig oder gar nicht
über seine Therapie und Krankheit infor-
miert, so wirkt sich das definitiv negativ
auf seine Mitarbeit bei der Therapie aus.
1
Die Ergebnisse einer Studie, die im Jahr
2013 in Frankreich durchgeführt und in
den „Annals of Oncology“ im Januar 2014
veröffentlicht wurde, stimmen nachdenk-
lich: Nur 54 Prozent der 157 Onkologen
geben an, ihre Patienten zu Therapie­
beginn mit zusätzlichen Informationen
zur Therapieadhärenz oder zur Vermei-
dung von Nebenwirkungen versorgt zu
haben. Nur 53,5 Prozent der Ärzte ge-
ben den Patienten Therapiepläne mit In-
formationen zur Dosierung des Zytostati-
kums.
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Folgender Fall, der sich in einer deut-
schen Klinik ereignete, ist somit nicht ver-
wunderlich: Eine junge Frau suchte, nach
einem zehnminütigen Aufklärungsge-
spräch zur oralen Tumortherapie durch
den Onkologen, unterbrochen von drei
Telefonaten und trotz eines erhaltenen
„Informationszettels“, erst einmal zwei
weitere Onkologen auf. Erst dann, drei
Wochen nach dem Gespräch, entschloss
sie sich, mit der Therapie zu beginnen.
Zytostatikaklassen
Im Jahr 1946 wurden zum ersten Mal die
beiden Alkylantien Chlorambucil und Cy-
clophosphamid synthetisiert, Stickstoff
– Lost Derivate, die peroral verabreicht
werden können. Leukeran® und Endo-
xan®, so die Markennamen der Substan-
zen, sind fester Bestandteil vieler Thera-
pieregime.
Eine neue Generation oraler Zytostatika
stellen die verschiedenen Kinaseinhibi-
toren (small molecular Kinase Inhibitor
= smKI) dar. Mit ihnen besteht die Mög-
lichkeit, Signalwege, die das Zellwachs-
tum kontrollieren, den programmierten
Zelltod regulieren oder aber DNA-Repa-
raturmechanismen koordinieren, gezielt
anzugreifen („targeted therapy“).
Ob die „Klassiker“ oder die „Neu-
en“ – sämtliche Zytoralia sind erklä-
rungsbedürftige Arzneistoffe. Ohne fun-
diertes Wissen zur Pharmakologie und
Pharmakodynamik dieser Substanzen,
verbunden mit einer optimalen Beratung,
ist die Therapie entweder zum Scheitern
verurteilt oder aber lebensgefährlich.
Grundlagen und Begriffsbestimmungen
Um 400 v. Chr. taucht zum ersten Mal ein
Wort für Krebs in der medizinischen Lite-
ratur auf: Karkinos, das griechische Wort
für Krebs. Hippokrates kam auf die Idee,
weil ihn ein Brustgeschwür in seiner Um-
klammerung aus geschwollenen Blutge-
fäßen an die kreisförmig abgespreizten
Beine eines Krustentieres im Sand erin-
nerte. Der Begriff Onkologie leitet sich
vom griechischen Wort Onkos ab. Onkos
ist der griechische Begriff für eine An-
schwellung oder Masse, allgemein für ei-
ne Last.
3
Umgangssprachlich wird das Wort Krebs
als ein Sammelbegriff für alle malignen
Erkrankungen gebraucht. Die Onkologie,
ein Teilgebiet der inneren Medizin, be-
schäftigt sich mit der Entstehung und Be-
handlung solider Tumoren, während sich
die Hämatologie ganz allgemein mit Er-
krankungen des Blutes und des blutbil-
denden Systems beschäftigt. Darunter
fallen dann auch die bösartigen Erkran-
kungen des blutbildenden Systems, wie
Leukämien oder Lymphome. Mit dem
Stephan Ludigkeit, PharmD,
(Coesfeld)
ist Apothekenleiter der Ahorn-Apothe-
ke in Coesfeld. Er hat den Abschluss als
Doctor of Pharmacy von der Universität
in Florida seit 2007, ist Fachapotheker
für „Allgemeinpharmazie“ und in den
Bereichen „Naturheilverfahren und Ho-
möopathie“ und „Geriatrische Pharma-
zie“ weitergebildet.
Stephan Ludigkeit
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Fortbildung aktuell – Das J urnal
Nr. 1/2014 der Apothekerkammer Westfalen-Lipp
Fortbildung ktuell – D s Journal
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