Fortbildung aktuell - Das Journal Nr. 3/2014 (Dezember 2014) - page 20

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Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe
Fortbildung aktuell – Das J urnal
Nr. 1/2014 der Apothek rkammer Westfalen-Lippe 20
der Therapie mit Temozolomid. Bei der
emetogenen Potenz eines Zytostatikums
unterscheidet man in: sehr schwach eme-
togen, schwach emetogen, moderat/mit-
tel emetogen und hoch emetogen (siehe
Tabelle 5). Je nach Emesisrisiko werden
unterschiedliche Wirkstoffkombinationen
verschiedener Antiemetika miteinander
kombiniert (siehe Tabelle 6).
Zusätzlich unterscheidet man drei Formen
des durch Zytostatika ausgelösten Erbre-
chens:
1. das akute, während einer Chemothe-
rapie und innerhalb 24 Stunden da-
nach,
2. das verzögerte, später als 24 Stunden
nach der Therapie,
3. das antizipatorische Erbrechen.
4.
Zum antizipatorischen Erbrechen kommt
es als Folge von vorangegangener Übel-
keit und Erbrechen während einer frühe-
ren Chemotherapie. Wie in der Tabelle 7
angegeben, muss ein 5-HT
3
-Antagonist
spätestens 30 Minuten vor der Einnahme
des Zytostatikums eingenommen werden.
Bei einer hoch emetogenen Zytostatika-
therapie wird zur Prophylaxe ein 5-HT
3
-
Antagonist mit Dexamethason und Apre-
pitant kombiniert. Aprepitant/EMEND
wird über drei Tage als Teil eines Thera-
pieschemas, das Dexamethason und ei-
nen 5-HT
3
-Antagonisten enthält, einge-
nommen. Die empfohlene Dosis beträgt
125 mg oral einmal täglich eine Stunde
vor Beginn der Therapie an Tag 1. An den
Tagen 2 und 3 je 80 mg oral einmal täg-
lich. 12 mg Dexamethason und der 5-HT
3
-
Antagonist werden an Tag 1 der Thera-
pie 30 Minuten vor Therapiebeginn ein-
genommen. Bei einer hoch emetogenen
Therapie werden im weiteren Verlauf
8 mg Dexamethason an den Tagen 2 bis 4
eingenommen.
6
Orale Zytostatika
– a Jo nal
de Apothek rkammer Westfalen-Lipp
Tabelle 8:
Einstufung von Vinorelbin i.v. und oral in Emesis-Risikogruppen: intravenö­
se und orale Therapie (Multinational Association of Supportive Care in Cancer).
Einstufung
Substanzen
Intravenöse Therapie
Minimal
Bleomycin
Busulfan
Cladribin
Fludarabin
Vinblastin
Vincristin
Vinorelbin
Bevacizumab
Orale Therapie
Hoch
Hexamethylmelamin
Procarbazin
Moderat
Cyclophosphamid
Vinorelbin
Temozolomid
Imatinib
Gering
Capecitabin
Everolismus
Tegafur Uracil
Lapatinib
Etoposid
Lenalidomid
Sunitinib
Thalidomid
Fludarabin
Minimal
Chlorambucil
6-Thioguanin
Hydroxyharnstoff
Gefitinib
Melphalan
Sorafenib
Methotrexat
Erlotinib
Das Zytostatikum Vinorelbin/Navelbine®
wird intravenös appliziert als minimal
emetogen eingestuft. Peroral verabreicht
ist es moderat emetogen und eine anti-
emetische Prophylaxe ist dringend erfor-
derlich (Tabelle 8). Eine Prophylaxe ist in
jedem Fall effizienter als die Therapie der
Emesis, gerade auch um eine „konditio-
nierte Emesis“, also das antizipatorische
Erbrechen zu vermeiden. Bei Auftreten
von Übelkeit bzw. Erbrechen im vorherge-
henden Therapiezyklus, erhält der Patient
am Vorabend des nächsten Zyklus Loraze-
pam zur Anxiolyse und zur Intensitätsstei-
gerung der Emeseprophylaxe.
7
Die orale Dosis von 60 mg/m
2
Vinorelbin
entspricht einer i.v.-Dosis von 25 mg/m
2
.
Bei NAVELBINE® Weichkapseln ist die
Häufigkeit des Auftretens von Übelkeit
und Erbrechen höher als bei der i.v. Dar-
reichungsform (Tabelle 8).
8
Wahrschein-
lich ist dieser Effekt darauf zurückzufüh-
ren, dass dem Organismus eine signifi-
kant höhere Menge des Arzneistoffes zu-
geführt wird.
9
Dies ist ein Beispiel dafür,
dass eine orale Zytostatikatherapie im
Vergleich zur i.v. Zytostatikatherapie de-
finitiv nicht „harmloser“ oder frei von Ne-
benwirkungen ist.
Bei der Abgabe von Zytoralia ist es wich-
tig, den Patienten an die Hand zu neh-
men, ihm seine Therapie zu erklären, aber
auch supportive Maßnahmen, wie die be-
sprochene Emeseprophylaxe, zu kennen.
Interaktionen zwischen Kinase­
inhibitoren und Nahrungsmitteln
Mögliche Interaktionen mit einer beste-
henden Arzneimitteltherapie gelingt es
im Vorfeld oder begleitend zu erkennen.
Daraus lassen sich nötige Schritte für eine
Therapieänderung ableiten.
Zu Interaktionen kommt es jedoch nicht
nur zwischen zwei Arzneistoffen. Auch
Nahrung und Nahrungsbestandteile
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