GOLF TIME 3/2019

BMW Open Pro-Am-PlAtz zu gewinnen

22. JHG. | AUSGABE 3 | MAi 2019 € 6,00 | CHF 7,50 | US $ 8,00

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trio TOTal Cowan, Fleer und MiCkan BeIm skechers-foToshooTIng AugusTA nATIonAl Women’s AmATeur Ladies PrEMiErE

HIstOrIsCHes Idyll Carrossa Hotel Spa Villas auf Mallorca Perle

Robo TesT DRIVER NEUN ModEllE AUF

Adel VerPflichtet der WITTelsBAcher golfcluB Am Puls der ZeIT

dEM PrüFStANd dUrCH MENSCH & MASCHiNE

Tiger und das 15. Major: das wohl grossarTigsTe CoMebaCk der sporTgesChiChTe iM FakTen-CheCk wunder wo d

IntervIew Allen John

Callaway & OgIO Im TAschenrAusch tItleIst-gewInnspIel 20 BAllTesTer gesuchT gOlfregeln WIe WAr dAs gleIch?

EDITOR’S INTRO

PSYCHOGRAMM Gibt es denn noch etwas über Tiger Woods zu sagen, zu schreiben? Haben wir nicht schon von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt den Tiger ausgeschlachtet, ihn tot geschrieben und wieder aus der Versenkung geholt? Und jetzt? Nach seinem 5. Masters-Triumph das sensationellste Comeback eines Sportlers aller Zeiten! Eigentlich müssten die Herren in den Green Jackets nach dem grandiosen Sieg Schlange stehen und dem farbigen Ausnahmesportler die Hand küssen. So wie es 2002 Ehren-Präsident Jackson T. Stephens bei der Siegerehrung in Augusta getan hat. In aller Öffentlichkeit, obwohl damals noch die klare Devise von Augusta Club-Gründer Clifford Roberts galt: „Die Mitglieder sind weiß und die Caddies sind schwarz.“ Stephens konnte einfach nicht anders, als durch diese spontane Geste seiner Hochachtung Ausdruck zu verleihen. Eines ist noch nicht so richtig analysiert worden: Warum findet ein Mensch, der vermeintlich alles hat, aber wirklich alles, dennoch nicht zur Ruhe? Zur inneren Ausge- glichenheit, zum seelischen Frieden? Weshalb sucht er ständig nach etwas, das es gar nicht gibt? Diese Rast-losigkeit endet oft in einer wahren Sucht. Sei es Alkohol, Drogen, oder Sex wie bei Tiger, der sich tatsächlich des- wegen auch einer Entziehungskur unterzogen hat. Dass Ruhm und Reichtum keine Garantie fürs Glücklichsein sind, versuchen wir hier zu analysieren (Cover „Die wahre Erfüllung gefunden?“ ab S. 22). Das Glück gefunden? Zu einer Personalie in eigener Sache: Wir werden ihm nicht die Hand küssen, aber er ist verbal mit Handkuss ebenso herzlich willkommen in unserem Team wie Adrian Kramer, der schon vor zwei Monaten zu uns stieß: Tim Starke, 42, bisheriger Geschäftsführer von Golf.de, ist ab dieser Ausgabe als Verlagsleiter für GOLF TIME tätig. Dass er nicht in ein schwarzes Loch wie einst Tiger Woods fällt, dafür sorgt schon die Realität. Mit Thomas Fischbacher, der bereits vor über zwei Jahren zu uns kam und für die online-Redaktion verantwortlich ist, dürften wir für die Zukunft nunmehr bestens gewappnet sein. In diesen Sinne viel Spaß bei der Lektüre der 140. Ausgabe von GOLF TIME, Ihr Tim Starke

„Haben wir alle nicht schon von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt den Tiger ausgeschlachtet, ihn tot geschrieben und wieder aus der Versenkung geholt? Und jetzt? Nach seinem fünftenMasters-Sieg das sensationellste Comeback aller Zeiten“

Der HANDKUSS Augusta-Ehren-Präsident Jackson T. Stephens küsst 2002 Tiger Woods die Hand (Foto: Sammy Minkoff)

OSkAR BRunntHAleR Chefredakteur

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In halt

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Cover 22 Tiger Woods: Mit seinem fünften Masters- Jackett könnte der einstige Dominator die wahre Erfüllung gefunden haben.

22 Masters tournaMent So emotional hat man Tiger Woods selten erlebt

28 MasTers TournaMenT: Nette Anekdoten rund ums Major im Augusta National GC.

30 neue ZeiTrechnung: Mit dem Augusta National Women’s Amateur spielten erstmals Damen in Augusta. produkte 36 robo TesT driver, Teil ii: Weitere neun aktuelle Modelle der führenden Hersteller auf dem Prüfstand.

42 FirMenproFil: Mit Ogio hat sich Callaway einen der größten Bag-Hersteller geschnappt.

44 inTervieW: Drei Skechers-Spieler über Stil, Regeln und ihre Ziele für 2019.

56 club-FiTTing: Ein falscher Lie-Winkel bietet Potenzial für ein golferisches Desaster. Clubs 62 WiTTelsbacher gc: Der ehemali- ge Ryder Cup-Bewerber verbindet Tradition und Moderne.

die neuesten Modelle iM Härtetest ab seite 36 ROBOTEST driver

73 gc FurTh iM Wald: Seit über 500 Jahren treibt ein Drache im Bayerischen Wald sein Unwesen.

32 Masters-stories Um das grüne Jackett ranken sich zahlreiche Mythen

74 gc adaMsTal & gc schladMing: Ex-Rallye-Weltmeister Franz Wittmann

schreibt mit zwei Prestige-Anlage Geschichte.

76 deuTsche puTTliga: In der sechsten Saison findet die beliebte Serie deutschlandweit in rund 100 Clubs statt. regeln 78 hingeschauT: Dr. Ulrike Gartz und Holger Gartz belichten Regeldiskussionen des Masters Tournaments.

30 augusta national

WoMen‘s aMateur Erst- mals die Ladies in Augusta

rEIsE 80 Mallorca: Im Nordosten der spanischen Insel empfangen die Careossa Hotel Spa Villas ihre Gäste in edlem Ambiente. 84 iTalien: Eine vielseitige Reise mit Golf und Geschichte wartet im Norden Italiens im Radisson Blu Resort Terme di Galzignano. 88 golF TiMe Tours: Mit unserem hauseigenen Golfreise-Veranstalter auf Reisen gehen. TrAInInG 94 The Move acadeMy: Jonathan Taylor erklärt, auf welcher Bahn die Hände während des Schwungs bewegt werden sollten. 96 proFiTipp: Der flache Punch unter den Bäumen ist kein Zauberschlag, wenn man weiß, worauf zu achten ist. 97 MaTThias schWab: Die richtigen Tipps nehmen dem Schlag mit dem Fairwayholz den Schrecken. 100 dr. chrisTian haid: Der Biomechaniker der Universität Innsbruck über Wege, das Knie im Schwung zu entlasten. 102 schusTer & lubenau: Ein gebräuchlicher Haushaltsgegenstand kann dauerhaft zu besserem Putten führen. 104 Friso pFeFFer: Drei Übungen, um dem Löffeln beim Chip entgegenzuwirken für bessere Distanzkontrolle. 98 KagaMi: Ein schlechter Schlag oder ein schlechtes Loch sind noch lange kein Grund, die gesamte Runde abzuhaken.

62 WittelSBAcHer gc Bayerischer Adel trifft auf Golf im 21. Jahrhundert

42 ProDUKte Aktuelle Schläger, kompakte Trolleys und viel Interessantes mehr im Fokus

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106 ian holloWay: Der hohe Schlag aus dem Bunker ist nicht so schwierig, wie er scheint.

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sTAndArds 3 Editor‘s Intro / 6 Foto-TIME / 10 Go ask ... Allen John / 12 Countdown | News / 20 Tweet it / 60 Das Götz-Zitat / 69 Gewinnspiel / 109 Cartoon / 111 Börsen-TIME / 112 Impressum / 114 TIME-OUT

BAleAreN Traumhaftes Wetter, atemberau- bende Plätze und gutes Essen auf Mallorca

fOTO TimE

grUPPeNBilD (v. l.) Die Garcías (Angela, Azalea und Sergio), die Cabrera-Bellos (Rafa und Sofia) und die Caseys (Pollyanna, Lex und Paul)

FAMILy-TIME Es gehört zur Tradition der Masters- Woche, dass sich am Mittwoch die Weltelite, Legenden und Angehörige zum lockeren Wedge-Zielschießen auf dem Par-3-Kurs des Augusta National versammeln. Zu einem Turnier, das niemand gewinnen möchte. Seit der Premiere 1960 gab es keinen doppelten Triumph mehr (Sieg im Par-3-Contest und Gewinn des Green Jacket). Auch nicht für den Sieger 2019, Matt Wallace (UK), der den Cut bei seiner Masters-Premiere verpasste. Die Highlights am Mitt- woch: Vier Asse (Shane Lowry, Mark O’Meara, Devon Bling und Wallace), ein stark spielender Martin Kaymer (Rang drei), ein Playoff-Thriller zwi- schen Wallace und Sandy Lyle sowie etliche Schnappschüsse. Gt

„Well done, Daddy“: Charley Hoffman wird von seinen Töchtern beglückwünscht

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AUSFlUg „Caddies“, wohin man blickt – die Gruppe

um Charley Hoffman, Brandt Snedeker und Charles Howell III

ASS-ScHÜtze Shane Lowry mit Tochter Iris

FÜrS FAMilieN- AlBUM Francesco Molinari mit Ehefrau Valentina und Nachwuchs

PerFeKt AUSgerÜStet Kevin Kisners Tochter Kate brachte zum Par-3-Con- test ein maßgeschnei- dertes Wedge mit

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COunTdOWn NEWS LEUTE HIGHLIGHTS

A llen John, 31, hat sich 2011 nach einigen Rückschlägen reamateurisieren lassen und versucht sich seit 2019 wieder als Profi auf der Pro Golf Tour. 2018 machte er bei der Porsche European Open auf sich aufmerk- sam, als er – damals noch als Amateur – auf dem geteilten zweiten Platz bester Deutscher wurde. Im Golf Club St. Leon-Rot stellten wir dem Deutschen Fragen der etwas anderen Art. Dein leben steht auf dem Spiel und es gilt, einen Downhill-Putt mit starkem Break aus drei Metern zu lochen. Du darfst den Putt nicht ausführen – wen wählst du für diese Aufgabe? Tiger Woods. gibt es einen Schlag, auf den du besonders stolz bist? Der Abschlag an Loch 17 beim Finale der Porsche European Open 2018 war schon etwas ganz Beson- deres. Es waren etwa 130 Meter mit Wind von rechts vorne auf die links gesteckte Fahne. Mit dem Eisen 9 bin ich voll auf die Fahne gegangen. Der Schlag wurde von der European Tour danach auch zum Shot of the Day gewählt. gibt es einen Schlag in deiner Karriere, bei dem du gerne einen zweiten Versuch gehabt hättest? Der Abschlag auf der 18 in der Finalrunde bei der Porsche European Open 2018. Wenn ich mit dem Wissen von jetzt den Schlag noch einmal machen müsste, hätte ich ihn wahrscheinlich anders gemacht. Dann wäre es vielleicht anders aus- gegangen.

Deine top-3-golfer (tot oder lebendig)? Tiger, Tiger und Tiger (lacht). Natürlich muss man auch Jack Nick- laus und Arnold Palmer nennen. Drei Menschen aus der geschichte, die du gerne auf eine runde einladen würdest? Albert Einstein, Galileo Galilei und Nostradamus. Welcher Sieg hat dir am meisten bedeutet? Mein Sieg bei der Open Michlifen auf der Pro Golf Tour in diesem Jahr als Neuprofi war einfach die Bestäti- gung für meine Entscheidung. Das tollste am leben als tour-Pro? Man sieht Orte, die man sonst nie besuchen würde. Was gefällt dir am wenigsten? Das schwere Gepäck – Golfgepäck und Koffer – durch den Flughafen zu schleppen. Was wärst du geworden, wenn nicht golf-Pro? Ich glaube, wenn ich nie mit Golf in Berührung gekommen wäre, Astrophysiker oder Astronom. Wir nehmen dich mit auf eine Faschingsparty. Als was verkleidest du dich? Ich glaube, ich würde als The Green Hulk gehen. Aber davor gehe ich noch einmal ins Fitnessstudio.

Go Ask

Allen Fun-TalK Allen John über seinen Abschlag an der 18 auf dem Green Eagle Course und die Bedeutung der Lockerheit fürs eigene Golfspiel.

Welche übernatürliche Kraft hättest du gerne? So stark wie Hulk zu sein.

einen Quick-tipp für unsere leser: Woran sollten sie am meisten arbeiten? Die meisten Amateurgolfer sind einfach viel zu verkrampft. Sie sollen lieber die Lockerheit behalten und Golf genießen. Gt

Dein lieblingsschläger? Mein Cleveland

RTX-4 58 Grad, 6 Grad Bounce.

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Deutsche elite

„Wir haben die Vision, die Porsche European Open in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten European-Tour- Events in Kontinentaleuropa weiterzuentwickeln“, so die ehrgeizigen Ziele von Turnierdirektor Richard Atkinson. Folgende Personalie gibt Rückenwind: xander Schauffele , aktuell unter den besten Zehn der Weltrangliste platziert, hat für das Turnier vom 5. bis 8. September „hEimATBESuch“ Die besten deutschen Tour-Spieler geschlossen am Abschlag? Kam selten vor in der Geschichte der BMW International Open. Was weniger an der Beliebtheit und Attraktivität des Events, sondern am Turnierkalender der PGA Tour lag. In diesem Jahr konnten die Verantwortlichen aber sowohl Stephan Jäger als auch Alex cejka , beide in den USA beheimatet, von einem Start überzeugen. Eine Herzenssache vor allem für Jäger, der im GC München-Eichenried spielerisch groß wurde. Auch Maximilian Kieffer, Marcel Siem, Bernd Ritthammer und Florian Fritsch sind mit dabei. Martin Kaymer hatte bereits vor einigen Wochen grünes Licht für eine Teilnahme gegeben. Die deutsche Herren- Elite geht demnach geschlossen an den Abschlag. Seine Premiere gibt der dreimalige PGA-TOUR-Sieger Jhonattan Vegas. Auch die Ryder-Cup-Spieler Thorbjørn Olesen und Sergio García sowie Titelverteidiger Matt Wallace haben zugesagt.

Für AllEn JOhn , 31, hätte der zweite anlauf als Golf-Profi gar nicht besser starten können. nachdem sich der Deutsche, der seit seiner Geburt nur über ein hörvermögen von fünf Prozent verfügt, bereits zwischen 2011 und 2013 als Profi probiert hatte – damals aber aufgrund einer langwierigen Ver- letzung abbrechen musste – wollte er es 2019 erneut versuchen. Spätestens nach seiner brillanten Vorstellung bei der Porsche European Open im vergangenen Sommer (Platz zwei) war klar: John hat das Zeug dazu.  Zuvor hatte er zahlreiche Erfolge im team sowie als Einzelsportler gefeiert – darunter auch den Weltmeistertitel 2016 bei den Gehörlosen sowie die Goldmedaille bei den Deaflympics. Bei seinem zehnten Start in diesem Jahr folgte – nach zuvor vier top-ten-Ergebnissen – sein erster Sieg auf der Pro Golf tour. „Es freut mich ungemein, gerade auf diesem Golfplatz gewonnen zu haben“, analysierte John seinen Erfolg bei der Open Michlifen. Mit Runden von 68, 67 und 70 Schlägen hat der Deutsche seinen Debüt-Sieg auf der Satellite-tour perfekt gemacht. auf dem Platz des le Michlifen Golf & Country Clubs lag er nach 54 löchern mit 11 unter Par drei Schläge vor Moritz lampert.

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2019 auf dem Green Eagle Golf Course, vor den Toren Hamburgs, zugesagt. Der 25-Jährige hat einen Bezug zu Deutschland. Sein Vater und Trainer Stefan ist halb Franzose, halb Deut- scher. Zuletzt beendete Schauffele, der sogar einen deutschen Pass hat, sowohl die Open Championship als auch das Masters Tourna- ment als Zweiter. „Ich habe gehört, dass es ein tolles Event in einer fantastischen Stadt ist. Es wird auch etwas Beson-

deres für mich sein, zum ersten Mal in Deutschland zu spielen“, erklärte der viermalige Tour- Sieger. „Das Land liegt mir sehr am Herzen, nicht zuletzt, weil mein Vater von dort kommt.“

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Große Ehre für tiger Woods : Der nun 15-malige Major-Sieger hat die Presidential Medal of Freedom in Empfang genommen. U.S.-Präsident Donald trump in seiner Rede über Woods: „Heute Abend sind wir in Anwesenheit einer wahren Legende, eines außergewöhnlichen Sport- lers, der den Golfsport ver-ändert und neue Dimensionen von Domi- nanz erreicht hat. Er ist darüber hinaus ein großartiger Mensch, ein toller Kerl.“ Die Presidential Medal of Freedom ist eine der höchsten Auszeichnungen für amerikanische Bürger. Woods zeigte sich während seiner Dankesrede sichtlich gerührt, vor allem als er sich bei seiner Fa- milie für die Unterstützung bedankte. Trump ZeichneT TIGER AUS

Golfplätze sind Oasen für die Natur. Aus diesem Grund intensiviert der Deutsche Golf Verband und der Baden- Württembergische Golfverband seine Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Zusammen wollen die Beteiligten das Erschaffen naturnaher Lebensräume und die Verbreitung GEmEinSAm füR diE ARTEnviElfAlT

von Artenvielfalt auf Golfanlagen in Baden- Württemberg fördern. „Gemeinsam werden wir den Umweltschutz weiter stärken und dafür sorgen, dass deutsche Golfanlagen vermehrt Rückzugspunkte für Flora und Fauna sind“, freut sich DGV-Präsident Claus M. Kobold.

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Donald Trump zeichnet Tiger Woods mit der Presidential Medal of Freedom aus

2001: DaviD Toms Siege PGA Tour: 13

2002: Rich BEEm Siege PGA Tour: 3

2003: shaun michEEl Siege PGA Tour: 1

OnE hiT wOndERS Folgende Spieler feierten bei der PGA Championship ihren (bisher) einzigen Major-Triumph.

2009: Y. E. Yang Siege PGA Tour: 2

2011: KEEgan BRaDlEY Siege PGA Tour: 4

2016 JimmY WalKER Siege PGA Tour: 6

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Da dachte sich edoardo Molinari , er setzt mal ein Zeichen – und gibt bekannt, wer denn die langsamen Spieler auf der Tour sind. Der Ryder-Cup-Teilnehmer von 2010 hatte genug von Runden, die mehr als 5,5 Stunden andauern. Er veröffentlichte eine Liste von Spielern, die in diesem Jahr bereits wegen Slow Play verwarnt oder sogar bestraft wurden. 54 Spieler sind darauf zu finden, Geldstrafen (je 3.000 Euro) kassierten Louis Oosthuizen, Erik van Rooyen sowie Adrian Otaegui. Auch Maximilian Kieffer wurde während des Saisonverlaufs bereits drei Mal auf die Uhr genommen. Weniger gut fand Molinaris Maß- nahme Graeme McDowell: „Die Frage ist, was man tun soll. Es geht eben nicht viel schneller. Ändern 20 Minuten sein Leben? Ich mag ihn wirklich gerne, aber das ist für mich eine Trotzreaktion.“ lAhmE EnTEn unzEnSiERT

Der golftest nicht nur angenehme Fragen

erwarten die Kandidaten im Golftest. dieses Mal mit ryder-Cup-Kapitän Jim Furyk.

Nein, aber Mitte der 90er war es bei der Tucson Open einmal sehr knapp. Zum Glück ging die Uhr am Abschlag etwas nach. Damit bin ich durchgekommen.

Schon mal die Startzeit verpasst?

ergebnis birDie

Im Tassenhalter eines Stuhls im Publikum.

Was war der kurioseste Platz, an dem ihr Ball lag? Jemals eine 59 oder besser gespielt? Schon mal ein Hole-in-One bejubelt? Mal einen Putt aus ganz kurzer Distanz ver- schoben? Jemals disqualifiziert worden?

ergebnis birDie

Ja, beides. Auf der Tour gelang mir eine 59 in Chicago und eine 58 in Hartford.

ergebnis eagle

Stolze zehn, die meisten auf der Tour bei regulären Turnieren.

ergebnis birDie

Sehr, sehr viele. Ich erinnere mich gerade an die Hawaiian Open. Es war sehr windig und eigentlich konnte man den Putt nicht verfehlen. Ich habe es dennoch geschafft. Ja, bei der Million Dollar Challenge (heute Nedbank Challenge) in Südafrika. Ich habe einen Drop nicht ordnungsgemäß ausge- führt. Die Regeln der PGA Tour sind nicht immer die gleichen wie die der European Tour. Wie definiert sich lukrativ? Mir macht es nichts, wenn es um ein paar Dollar geht, aber ich habe genauso viel Spaß, wenn nur um die Ehre gespielt wird. Was ich nicht kann, ist gegen einen Kumpel zu verlieren. Das tut immer weh.

ergebnis Par

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Michelle Wie muss auf unbestimmte Zeit auf der LPGA Tour pausieren. Die U.S.-Open- Siegerin von 2014 hat erneut Probleme mit dem im vergangenen Jahr operierten Handgelenk. „Die Gesundheit geht gerade vor“, begründete die 29-Jährige ihre Entscheidung. „Mein Arzt und ich sind Zwangspause

ergebnis birDie

Der lukrativste Zock Ihrer Laufbahn?

ergebnis bogey

Jemals eine Runde mit Kater gespielt? Schon mal einen Schläger aus Wut zerstört?

Hierzu verweigere ich die Aussage.

der Meinung, dass es momentan das Beste ist, kein Golf zu spielen, um meinem Körper die Möglichkeit zu geben, sich zu erholen.“ Sorgen macht sich nicht nur ihr langjähriger Schwungtrainer David Leadbetter. „Sie ist für mich mehr als nur eine Schülerin“, erklärte die Trainerlegende. „Sie ist fast wie eine Tochter, ich kenne sie schon so lange. Die Sache ist sehr ernst. Die Hände sind für einen Golfer alles. Man sollte nicht die Karriere riskieren.“

ergebnis Par

Nicht ganz in zwei Teile zerbrochen, aber sicher schon mal aus Wut geworfen und verbogen. Darauf bin ich aber wirklich nicht stolz. In Milwaukee waren es sogar sechs Putts zum Quadruple Bogey. Das Lustige daran: Es passierte inmitten einer Birdie-Serie.

ergebnis Par

Wie sieht es mit Fünf-Putts aus?

ergebnis birDie

Der U.S. Open-Gewinner des Jahres 2003, dessen Schwung David Feherty an einen vom Baum gestürzten Oktopus erinnert, hält mit seiner 58 noch immer den Rekord auf der PGA Tour.

total -6

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chiara Horder und Marc Hammer heißen die Sieger der Deutschen Lochspielmeisterschaft. Zum zehnten Mal in Folge wurde der Matchplay-Wettkampf bei Bedingungen von Sonne bis Hagel im Frankfurter Golf Club ausgetragen. Im Finale der Damen bezwang Chiara Horder Paula Schulz-Hanßen vom GC St. Leon-Rot mit 3&2. Hammer siegte bei den Herren ebenfalls mit 3&2. „Es ist krass! Der Sieg kam echt unerwartet. Hier waren so viele gute Spielerinnen am Start, aber beim Matchplay kann eben alles passieren“, erklärte Horder, 16, vom Golfclub München Valley. Hammer wurde im Herren-Finale seiner Favoritenrolle gegen Brandon Dietzel gerecht. Er resümierte: „Ich war in den letzten Jahren hier immer relativ nah dran, habe mich diesmal gut gefühlt und es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht.“ Triumph für horder und hammer

DREI FRAGEN AN… RoryMcIlroy

bestimmt, wer ich als Person bin. Es gab Tage, da hat mein Tagesergebnis die Laune am Abend bestimmt. Das möchte ich unbedingt vermeiden und daran habe ich gearbeitet. Es hat eine Weile gedauert. Das ist der große Unterschied zu früher. ist der career grand Slam, der Sieg bei allen vier Major- events, dein großes ziel? Ich bin ein großer Golf-Fan und weiß ganz genau, wer den Career Grand Slam geschafft hat. Ich kenne die Personen, mit denen ich in einemAtemzug er- wähnt werden könnte. Vielleicht wäre es besser, wenn ich das nicht wissen würde, denn der Druck wäre geringer. Aber so ticke ich nicht. Die ersten Jahre in Augusta hat es mich sehr beschäftigt, mittlerweile weiß ich aber, dass ich öfter scheitern werde als gewinnen. Abraham Lincoln hat 13 Wahlen verloren, bevor er Präsident der Ver- einigten Staaten wurde. Also habe ich noch Zeit.

Du warst vor deinem Sieg bei der Players championship immer wieder vorne dabei, ohne zu gewinnen. Wie sehr hat dich das beschäftigt? Es hat nichts bedeutet, es wäre sicherlich schön gewesen, den ein oder anderen Titel mitzu- nehmen, aber die Resultate waren gut für mich. Sie haben Hoffnung gegeben. Und das Schöne amGolf ist ja, dass es gleich in der nächstenWoche wieder weitergeht. Nicht jeder Sport hat diesen Luxus. Wer weiß, ob ich ohne diese Erfah- rungen in Sawgrass gewonnen hätte. Die ergebnisse sind sehr konstant, ganz anders als die Höhen und tiefen während deiner ersten Jahre auf der tour. Was ist der grund? Es gibt viele Gründe. Ich bin einfach erwachsen geworden und habe mich in den vergan- genenMonaten sehr auf meine Einstellung konzentriert. Ich möchte nicht, dass Golf

Paula Schulz-Hanßen, Siegerin Chiara Horder und Carolin Kauffmann (v. l.) Foto: DGV/stebl

aber das war es wert“, erklärte der 32-Jährige.

14 Yang Kuang war bei der Volvo China Open der zweitjüngste Spie- ler in der Geschichte der European Tour, der den Cut überstand. Sein Alter: 14 Jahre, sechs Monate und zwölf Tage. Nur Guan Tian-Lang war beimMasters 2013 noch jünger. HistoriscH Drei Deutsche un- ter den besten Vier – das gab es noch nie in der Geschichte der Ladies European Tour. Olivia Cowan, Esther Henseleit und Karolin Lam- pert gelang dieses Kunststück bei der Omega Dubai Moonlight Classic.

trAUer Der malaysische Profigol- fer Arie Irawan ist in einem Hotel- zimmer tot aufgefunden worden. Der 28-Jährige verstarb in China, wo er an der Sanya Championship teilgenommen hatte. Irawan starb eines natürlichen Todes. Anläufe benötigte Jorge Campillo, bis er endlich seinen ers- ten Pokal auf der European Tour gen Himmel strecken durfte. 229

r.i.P. MArilynn Die Golfwelt trauert um LPGA-Gründungsmitglied Marilynn Smith. Die Pionierin ist im Alter von 89 Jahren im Kreise ihrer Familie verstorben. „Sie war eine der optimistischsten, liebevollsten und stärksten Damen, mit denen ich befreundet war“, trauerte Sandra Gal auf Instagram. Smith

GeldseGen Tiger Woods’ Sieg beim Masters bescherte nicht nur ihm eine Millionensumme an Preisgeld. Auch James Adducci profitierte. Er setzte 85.000 U.S.- Dollar auf den Triumph – und be- kam 1,2 Millionen zurück.

Der Spanier siegte bei der Trophée Hassan II. „Es hat eine Weile gedauert,

gewann zwei Major- Turniere und 21 Titel auf der LPGA Tour.

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John Daly signiert Hüften, Eddie Pepperell übt sich in Bescheidenheit und zwei Ryder-Cup- Legenden versuchen sich beim Wintersport – die Highlights aus den sozialen Medien. tWeet it!

„Schifoan is des Leiwandste, wos ma sich nur vurstelln kann“, finden auch Thomas Bjørn und Lee Westwood beim Winterausflug.

Großer Sieger, große Worte: Der Superstar bedankt sich nach dem Major-Comeback bei seiner Familie.

Was macht eigentlich John Daly? Er signiert Hüften. Zumindest während der Masters-Woche vor seinem Fanartikel- Truck auf dem Hooters-Parkplatz.

Sein eigenes Spiel war für Martin Kaymer am Final- sonntag gar nicht so wichtig. Es gab schließlich die Tiger- Show zu bestaunen.

Eddie Pepperell war schon immer für seine Bescheiden- heit bekannt.

Mami muss jetzt trainieren – Suzann Pettersen genießt aktuell ihre Auszeit vom Profigolf. Ob die Solheim-Cup-Spielerin auf die Tour zurück- kehren will, steht noch nicht fest.

Nicht viele Menschen freuen sich derart darüber, endlich mal wieder am Wochenende arbeiten zu können. Profi-Golfer schon.

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COVER | TIGER WOODS

Am Beispiel Tiger Woods. Umwirklich glücklich, wirklich zufrieden zu sein, bedarf es mehr im Leben als 15 Major-Siege, 81 Turnier-Gewinne, über eine Milliarde Dollar verdient zu haben und ein ausschweifendes Sexleben zu führen. Eine Analyse.

Von Oskar Brunnthaler

T iger war den Tränen nahe, am 18. Grün unmittel- bar nach seinem 5. Masters-Triumph. „Dieser Sieg ist für Sam und Charlie“, betonte er immer wieder, „bei meinem ersten Sieg hier 1997 hat mich mein Vater umarmt, jetzt umarme ich als Vater meine Kinder.“ Das ist nicht der Tiger Woods, den wir kennen. Ein anderer Tiger Woods? Der andere Tiger Woods. Auf einmal ein Familienmensch, geläutert nach über zehn Jahren Ups and Downs in einem verrückten Leben, das an Höhepunkten, aber auch an Tiefschlägen kaum zu überbieten ist? Wenn das so einfach wäre, diese Entwicklung zu erklären. Aber versuchen wir zu verstehen, wie schwierig es für einen Aus- nahme-Sportler sein kann, sein muss, mit dem Erfolg, dem Ruhm, der unglaublichen Vergötterung fertigzuwerden. Was sicherlich kein reines Tiger-Woods-Problem ist, auch andere Sport-Idole haben mit diesem Effekt zu kämpfen. Aber gerade bei dem Sohn eines farbigen US-Bürgers und einer Thai- länderin ist die Popularität ganz speziell: Die TV-Einschalt- quoten schnellen um mindestens 50 Prozent nach oben, die Zuschauer auf dem Platz wollen alle nur Tiger sehen – zum Leidwesen der Spielpartner – und auch die Medien schreiben lieber über Tiger und seine Exzesse als nur über denGolfsport. HiStorie 1997 war es Vater Earl, der seinen Sohn umarmte, 22 Jahre später sind es Mutter Kultida und die Kids, die Tiger in Augusta herzen

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COVER | TIGER WOODS

zeitAcHSe Sir Nick Faldo hilft 1997 dem Sensationssieger Tiger Woods, damals 21, ins Green Jacket, 2019 war es Patrick Reed. Nach 14 Jahren das fünfte Masters-Jacket …

Das Wunderkind, das bereits als 2-Jähriger vor einem Millionen-Publikum in der Mike- Douglas-Show seine Golfkünste vorführte, ist dafür verantwortlich, dass in der Folge die Preisgelder explodierten – wovon bis heute alle Spieler profitieren. 1997 kassierte der mit 21 Jahren jüngste Masters-Sieger aller Zeiten 486.000 Dollar, für sein fünftes Green Jacket 2019 gab es knapp über zwei Mio. Dollar. Der inzwischen in Florida lebende Super- Star hat einen wahren Golf-Boom von nie dagewesenem Ausmaß ausgelöst. Vor allem durch seine Genialität und seine Präsenz hat er eine ganze Sportart in nie geahnte Dimen- sionen erhoben. Es gibt heute in der Sport- welt niemanden, dem der Name Eldrick Tiger Woods nichts sagt. Damals verkündete schon der 2006 verstorbene Vater Earl Woods: „Tiger wird den Lauf der Menschheit ver- ändern – wie es kein Mensch vor ihm getan hat.“ Das hat er tatsächlich getan – und Unglaubliches bewirkt. Der HANDKUSS Dieser Tiger Woods ist zum Beispiel der erste Farbige, dem im Augusta National Golf Club ein Präsident die Hand küsste! Das Gold- händchen, mit dem Tiger gerade den dritten Masters-Sieg und den siebten Major-Sieg ein- gefahren hatte. Das war 2002, als Augustas Ehrenpräsident Jackson T. Stephens diese ungewöhnliche Geste in aller Öffentlichkeit

… und auch an der geballten Sieger-Faust von Tiger Woods hat sich seit 1997 nichts verändert

zelebrierte – er konnte einfach nicht anders, als durch diesen Handkuss seine Bewunde- rung für diesen jungen Mann auszudrücken. In einem Club, in dem lange noch die offen ausgesprochene Devise von Augusta-Grün- der Clifford Roberts galt: „Die Mitglieder sind weiß und die Caddies sind schwarz.“ Der Mega-Star stellte in der Tat alles auf den Kopf: Das Ausnahmetalent hat seit 1997 die lebenslange Spielberechtigung beim Masters, und hatte als Farbiger ständig einen weißen Caddie. Der Strahlemann war mit 15 Jahren bereits der jüngste U.S. Junior Ama- teur-Champion (1990) und der erste Sportler der Welt, der in der Folge die Einkommens- hürde von einer Milliarde Dollar knackte, der mit seinen bisher 15 Major-Siegen Rekord- halter Jack Nicklaus (18 Majors) doch noch zu entthronen droht. Der 81 PGA-Tour-Siege auf

seinem Konto hat und nach heutigem Fitness- Befinden für noch weitere Glanztaten gut ist. Tiger ist inzwischen 43 Jahre alt, und es dauerte ganze vierzehn Jahre, bis er nun- mehr wieder ein Green Jacket gewann. Elf Jahre ist es her, dass er zuletzt bei einem Major, den U. S. Open, siegte. Das ist eine Zeitspanne von über zehn Jahren, in der sich ein düsterer Schatten über die beispiellose Karriere legte. Alles schien anfangs perfekt zu laufen im Leben des Tiger Woods – und dennoch gab es auf einmal zahlreiche unerklärliche Geschich- ten um den über 683 Wochen lang Führenden der Weltrangliste. Skandale, Fehltritte, sport- liche Flops, sogar eine Verhaftung. Und die Scheidung 2010 nach sechs Jahren von Elin Nordegren, schwedisches Model und

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ehemaliges Kindermädchen. Dann die pein- liche Bloßstellung am 19. Februar 2010, als sich Tiger vor einem Millionen-Publikum tollpatschig für sein Verhalten entschuldigte. Die ständigen Trennungen von Partnerin- nen, unter anderem von dem amerikanischen Ski-Star Lindsey Vonn, mit dem er vier Jahre liiert war. Die beiden galten als Traumpaar schlechthin, doch der rastlose Tiger fand auch in dieser Beziehung keine Erfüllung. „I can’t get no satisfaction“, schrien sich schon die Rolling Stones in den Siebzigerjahren den Frust einer Wohlstandsgesellschaft, die mit dem Erreichten nie und nimmer zufrieden sein konnte, von der Seele. Der absolute Tiefpunkt: In der Nacht zum 25. November 2009 kamWoods unweit seines Hauses im Villenviertel von Isleworth, vor den Toren Orlandos, von der Straße ab und rammte einen Hydranten. Der Tiger war auf der Flucht vor seiner Frau, die ihn mit einem Eisen 6 aus dem Haus jagte. Dann gingen vor drei Jahren die Bilder der Verhaftung von einem offensichtlich total benebelten Tiger, in Handschellen und von zwei Sheriffs abgeführt, um die Welt. Der anfängliche Verdacht des Drogenkonsums stellte sich schließlich als totale „Verwirrung“ durch den Konsum von Medikamenten, die der völlig Orientierungslose nach einer Operation zu sich nehmen musste, heraus. Von den sportlichen Pannen und den ins- gesamt 14 Operationen an Rücken und Knien gar nicht zu reden. Wie konnte es passieren, dass der beste Spieler der Welt, der seine Karriere jahrelang minutiös geplant hatte, die Kontrolle über sein Leben, seine Karriere verloren hatte? Und in der Weltrangliste auf Platz 1.091 abrutschte? Ehemalige Weggefährten und Coaches wie Butch Harmon oder Hank Haney stellen ungefragt, allerdings messerscharf, fest, dass Woods neben seinen körperlichen Defiziten

vor allem in einem Bereich die größten Probleme hat – nämlich in seinem Kopf. Noch viel schlimmer muss es für Woods in dieser dunklen Lebensphase allerdings gewesen sein, dass ihm auf einmal aus dem Lager seiner Konkurrenten eine Emotion entgegengebracht wurde, die so überhaupt nicht in sein Weltbild passte: Die Kollegen auf der PGA Tour hatten Mitleid. Ja Mitleid. Mit ihm, dem Größten aller Zeiten. Nicht nur Rickie Fowler oder Billy Horschel sprachen in Interviews kopfschüttelnd ihr Mitgefühl aus, auch Ex-Ryder-Cup-Spieler und inzwischen witziger TV–Entertainer David Feherty erklärte damals: „Tiger tut mir wirklich leid. Er hat eine Menge Probleme zu lösen – und wir halten mit den TV-Kameras die ganze Zeit voll drauf.“ Tiger ist da nicht wirklich eine Ausnahme – unzählige andere Spitzensportler haben oder hatten mit solchen Problemen zu kämpfen. Ein Boris Becker kann auf eine ähnliche „Karriere“ zurückblicken – mit dem einen Unterschied: Tiger schaffte das sensationelle Comeback, das niemand wirklich in diesem Ausmaß für möglich gehalten hätte, während Boris imagemäßig wie auch wirtschaftlich Es passt überhaupt nicht zusammen, wie so vieles nicht zusammenpasst. So wie es auch keine generelle Erklärung oder Verhaltens- muster gibt. Vielmehr ist die Antwort: Es gibt nicht wirklich Regeln im Leben dieser Licht- gestalten. Ein Problem, das für Otto Normal- verbraucher nur schwer nachvollziehbar ist: haben sie doch alles, wovon Normalsterbliche träumen – Geld, Glanz, Glamour, Gloria; Ruhm, Ansehen, tolle Partner, Familien. Vermeintlich. Denn Reichtum, Berühmt- heit, Karriere sind nicht wirklich der Stoff, der wahres Glück bedeutet. Die Herrschaften haben alles, und doch finden sie nicht zur ordentlich abgewirtschaftet hat. KeiN VerHAlteNSMUSter

10 von 20 Tiger-TiTeln Insgesamt hat GOLF TIME seit der Gründung 1998 genau 20 Tiger-Woods-Titel produziert. Wir haben die zehn markantesten Cover herausgesucht, die am besten den Werdegang des Ausnahmeathleten, die Ups und Downs, beschreiben.

1998 „Das Jahr des Ti- gers – und was die Tigermania für Deutschland bedeu- tet“ war der erste GOLF TIME-Titel überhaupt

2001 Mit seinem vierten Major-Sieg in Folge machte sich der „beste Golfer aller Zeiten“ unsterblich: „Tigers Master Show – Best Ever“

2002 Bereits damals erste Zweifel, wie lange der Körper „Tigers Overdrive“ stand- halten würde – als gäbe es keine bio- logischen Gesetze

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COVER | TIGER WOODS

leBeNSABScHNitte Tiger Woods mit der amerikanischen Ski-Legende Lindsey Vonn 2015 beim Par-3-Turnier mit den Kids Charlie Axel und Sam Alexis …

… und 2019 nach dem 5. Masters-Sieg mit der aktuellen Lebensgefährtin Erica Herman, mit dem Schild „Wife“ unterwegs und Sohn Charlie Axel

Turnieren sind Tradition, die Ehe mit Vikki und seinen vier Kindern vorbildlich. Tiger spricht von „Bernie“, wie er ihn nennt, als großes Vorbild, speziell seine Fitness beein- druckt ihn und gibt ihm Hoffnung, nach seinem durchstandenen Tief noch längere Zeit an der Weltspitze mithalten zu können. NeUer leBeNSABScHNitt Dass Erfolg nicht unbedingt in dieser inneren Orientierungslosigkeit münden muss, beweist zum Beispiel auch ein Roger Federer, 38. Das Schweizer Tennis-Idol kann noch immer mit den besten Tennis-Cracks der Welt mithalten, verheiratet mit Mirka und mit vier Kindern der absolute Familienmensch. Auch er hat mit der Popularität, dem Reichtum und dem unfassbaren Glück kein Problem. Zurück zu Tiger, inzwischen wieder die Nr. 6 der Weltrangliste: Ist dieses unglaubliche Comeback am 14. April im Augusta National

GC die Wende in dem zuletzt so ruhelosen, unbefriedigenden und aufreibenden Tiger- Leben? Hat auf einmal durch diesen histori- schen Sieg der Mega-Star den Sinn im Leben wiedergefunden? Durch seine beiden Kinder, durch Sam und Charlie, die zuletzt bei den großen Turnieren immer dabei waren? Wie z. B. bei den The Open 2018, wo er ausgerech- net gegen Francesco Molinari verlor, und jetzt davon spricht, dass „er glücklich ist, seine Kinder dabei zu haben“ und er überzeugt sei, dass „sie diesen Tag im Leben nie vergessen werden“. Hat dieser Tiger Woods endlich die wahre Erfüllung in seinem Leben gefunden? Zu hoffen wäre, dass Tiger endlich den Sinn des Lebens, die Ruhe und den inneren Frieden vor Augen hat. Die Familie als Halt in einem bisher rastlosen Leben. Dank eines unglaublichen sportlichen Comebacks – das hoffentlich auch als menschliches Comeback in einen neuen Lebensabschnitt führt. Gt

Ruhe, zum inneren Frieden, zum Einklang mit sich selbst. Nie genug zu bekommen, immer das Gefühl zu haben, da muss es doch noch mehr geben. Selbst die wildesten Orgien werden langweilig, wenn sie zur Routine werden. Sie laufen ständig hinter einem un- definierbarem Etwas hinterher, das es gar nicht gibt. Es befällt sie eine stete Rastlosig- keit, die nur so zu erklären ist, dass sie, in dem Wissen, eigentlich alles zu haben, ständig nach etwas suchen, das ihnen vermeintlich fehlt. Das es aber gar nicht gibt. Zum Beispiel die innere Ruhe, die Zufrie- denheit mit sich selbst. Kurz – was allgemein als Glück bezeichnet wird. Viele finden im Glauben die Antwort auf diese Rastlosigkeit. Bestes Beispiel ist in der Golfszene Bernhard Langer, 61, so ungefähr das totale Gegenteil von Tiger Woods. Da gibt es in über 40 Jahren Golf-Karriere kein einziges Skandälchen, Bernhards Bibelstunden am Dienstag vor den

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HINTER GRUND KRAMSKI-INTERVIEW: COUNT DOWN DIEVORLÄUFIGEN TEAMS FÜRDEN RYDER CUP IN PARIS IM FOKUS UNDER COVER WIEDIE PROSDIE CHANCEN DERGEGNER BEIMMASTERS EINSCHÄTZEN

PORTRÄT ST. EURACH LAND-UND GOLFCLUB AUFNEUENWEGEN PREMIERE TEAM-EUROPAMEISTERSCHAFT IN BAD SAAROW

DIE HIGHLIGHTS AUSORLANDO DIENEUESTENPRODUKTE DER65.PGA MERCHANDISE SHOW TEIL2

DER PROPHET IM EIGENEN LANDE...

DAS SENSATIONELLECOMEBACKVONWOODS PHÄNOMEN TIG R

F

LIEBLINGSLOCH PAUL LAWRIE FUN-TALK STEPHAN JÄGER TOUR TIPPS TIGERWOODS REGEL-TIME FREEDROP,ODER?

2005 Mit seinem vierten Masters-Sieg war nach einer längeren Durststrecke der Titel klar: „Tiger is back“ – und wieder die Nr. 1 der Welt

2007 Das scheinbar

2008 Zweimal hinterein- ander „nur“ 2. beim Masters, eine dritte Knie-Operation danach. Die Titel- zeile lautete da- nach „Ausgetigert“

2009 „Neues Glück“ war der Titel zum Comeback des zwei- fachen Familien- vaters. Haben die Entzugserschei- nungen ein Ende?

2010 Die Hintergründe des Skandals und was dieser für Woods und seine Golf-Karriere bedeutet. Titel: „Das gespaltene Ich“

2015 Kann das sein? „Tiger am Ende!“ Keiner will es wirklich glauben: Woods in der Krise – Hintergründe seines Absturzes

2018 Tigers Rückkehr deutet sich mit dem „sensationel- len Comeback des Jahres“ an. Titel: „Das Phänomen Tiger“. Happy End?

perfekte Familien- Glück - „Das Tiger- Baby“! Eins und eins macht drei (Sam Alexis ist die neue Nr. 1 der Nr.1)

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Bekommt Bernhard Langer einen eigenen Award? Wie steht es umMartin Kaymers Geduld? Wer gewinnt das Duell zwischen Pepperell und dem Phantom? Fragen über Fragen, alle Antworten imMasters-Splitter. Side Stories AuGustA

Die Deutschen

Den geschafften Cut (Platz 51) verbuchte Martin Kaymer als kleinen Erfolg. Was ganz gut zeigt, wo er aktuell steht. Auf Position 190 der Weltrangliste. In einer Position, in der es darum geht, auf den 189. zu schauen und nicht weit nach oben zur Welt- spitze. Sich Schritt für Schritt wieder nach oben zu arbeiten, und nicht auf den großen Knall zu spekulieren. Kaymers Ziel für die kommende Saison: zunächst die Top 100, dann die Top 50. Eine mental nicht ganz einfache Aufgabe. „Ich muss akzeptieren, wo ich gerade stehe.“ Die Erwar- tungshaltung sei sehr hoch. Man misst Kaymer eben an den mas- siven Erfolgen der Vergangenheit. Aber mittlerweile Jahre später sieht die Golfwelt anders aus. Die Konkurrenzsituation ist enorm, Kaymer aktuell spielerisch nicht auf dem Niveau vergangener Tage. „Ich versuche allgemein, geduldig zu sein“, erklärte er. „Aber langsam wird es schwierig mit der Geduld.“

Bernhard langer war am denk- würdigen Finalsonntag sogar Thema in der Sieger-Presse- konferenz von Tiger Woods. „Bernie“ sei das beste Beispiel, dass man auch noch in hohem Alter Spitzengolf spielen kann, lobte Woods. Nicht ganz zufrie- den war Langer vor allemmit dem Wochenende seines 37. Masters. Ausgerechnet am Schlusstag lie- ferte er seine schlechteste Runde ab (78) und wurde geteilter 62ster. Das Ziel, in den roten Zahlen abzuschneiden, also insgesamt unter Par, konnte er nicht er- füllen. Dennoch: Dass sich ein 61-Jähriger im Feld voller Welt- klasse-Spieler ins Wochenende durchkämpfen kann, ist und bleibt sensationell. Beim Media- Dinner der US Golf Writers Association wurde Langer mit dem Byron-Nelson-Preis als bester Senior Player geehrt. Insgesamt zum achten Mal (!). Es wird ge- munkelt, dass die Auszeichnung demnächst in „Bernhard Langer Award“ umgetauft wird.

DAs PhAntom

Immer, wenn eine ungerade Anzahl an Spielern den Cut übersteht, taucht Jeff Knox auf. Der 56-Jährige gehört zu den besten Golfern unter den Mitgliedern im Augusta National und begleitet den Spieler, der ansonsten alleine auf die Runde hätte gehen müssen. In diesem Jahr hatte Eddie Pepperell das Vergnügen. „Ich war mir nicht sicher, ob ich mit ihm

AufstAnD Der AmAteure Vier Amateure waren auch am Wochenende noch dabei beim ersten Major des Jahres. Zum ersten Mal seit 20 Jahren gab es einen Vierkampf (1999 setzte sich Sergio García gegen Tom McKnight, Matt Kuchar und Trevor Immelman durch) um den Silver Cup für den besten Amateur. Am Ende holte sich Viktor Hovland , amtierender Gewinner des U.S. Amateur, den Titel. Der Norweger notierte Runden von 72, 71, 71 und 71 Schlägen und hatte einen Schlag Vorsprung vor Alvaro Ortiz. „Ich könnte kaum glücklicher sein“, erklärte er. Hovland war der erste Norweger überhaupt beim Masters in Augusta.

spielen würde, bis ich ihn auf dem Platz sah und er tatsächlich Bälle schlug“, erklärte Pepperell und ergänzte: „Dann sah ich ihm zu und dachte: ,Er hatte einen wirklich schönen Schwung. Das könnte eng werden.‘ Der Kurs ist wahrscheinlich ein wenig zu lang für ihn in seinem Alter, aber er ist ein guter Spieler mit brillantem Kurzspiel.“ Das Resultat: Pepperell kam auf 72 Schläge, Knox auf 74 (inklusive einiger geschenkter Putts). „Ich war besser als Rory“, scherzte Pepperell. Der Nord- ire hatte damals im direkten Vergleich mit dem Phantom von Augusta das Nachsehen.

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Ceaser Salad / Wedge Salad Prime Bone-In Cowboy Ribeye

Macaroni&Cheese, Creamed Spinach, Steamed Broccoli, Corne Créme Brulée Dessert Vanilla Créme Brulée, Tiramisu, Chocolate Crunch & Praline Cheesecake Weine 2016 Chateau Montelena, Napa Valley, Chardonnay 2013 Caymus, Napa Valley, Cabernet Sauvignon Served in honor of Mr. Patrick Reed

serveD in honor... Jeden Dienstag vor dem Masters-Turnier wird zum champions-Dinner geladen, erst- mals 1993, als Fred Couples das Green Jacket gewann. Zu Tisch bittet traditionsgemäß der amtierende Masters-Champion, diesmal Patrick Reed. Das Menü, das der Texaner ser- vieren ließ, hat er sich schon als 13-Jähriger ausgedacht. „Ich könnte Ribeye zum Früh- stück, mittags und abends essen“, erklärte Reed. Das Gleiche gilt für „Mac and cheese“. Einfache Entscheidung.

nAchwuchs brilliert Zum vierten Mal wurde am Sonntag vor dem Masters der Drive-, Chip- und Putt-Wett- bewerb unter den Kids ausgetragen. Masters- Champion 2018 Patrick Reed bzw. andere Green-Jacket-Gewinner wie Bubba Watson oder Adam Scott kümmerten sich um die Jugendlichen (9 – 14 Jahre), begleiteten sie auf den diversen Bewerben, gaben Tipps und über- reichten auch die Pokale an die Gewinner. „Der Drive-, Chip- und Putt-Wettbewerb hat wie unsere Turnierserien das Ziel, eine neue Generation dazu zu inspirieren, Golf zu ihrer lebenslangen Leidenschaft zu machen“, analysierte Fred Ridley, Chairman im Augusta National Golf Club. Matthew Vital (Alterklasse 12 – 13) mit Bubba Watson und Augusta-Mitglied Condoleezza Rice

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ProMiNeNte StArteriNNeN Se Ri Pak, Lorena Ochoa, Nancy Lopez und Annika Sørenstam (v. l.) in Augusta

in Augusta revolution ändert sich schön langsam, und dieser 6. April ist so ein denkwürdiger Meilenstein: An diesem Tag haben 30 junge Damen beim Finale des erstmals ausgetragenen Augusta National Women‘s Amateur den heiligen Rasen an der Magnolia Lane betreten dürfen. Zuvor, wie bei den Herren beim Masters Turnier am Donnerstagmorgen, eröffneten vier Damen, begrüßt von Augusta-Präsident Fred Ridley, 66, mit ihren Abschlägen freudig das Turnier: Nancy Lopez, Lorena Ochoa, Annika Sørenstam und Se Ri Pak.

AugustA NAtioNAlWomeN’s AmAteur Die weltbesten Amateurinnen entzauberten den Bann der ehrwürdigen Herren in den Green Jackets. D as spezielle Datum ist schon ein paar Wochen her, aber der 6. April 2019 ist im Sport-Tagebuch rot anzukreuzen. Dieser Samstag zählt mit Sicherheit zu einem der denkwürdigsten Tage in der Geschichte des Frauen-Golfsports.

Fred Ridley, Vater von drei golfspielenden Töchtern und überzeugt, dass es eine gute Idee war, die Augusta National Women’s Amateur ins Leben zu rufen, in seiner Begrüßungs- ansprache auf der ersten Tee-Box: „Es ist eine Freude zu sehen, welche Begeisterung die 72 Teilnehmerinnen hier bei diesem Turnier ausstrahlen.“ In der Tat ist dieses erste Damen-Turnier im Augusta National seit seiner Gründung 1934 „ein epochales Ereig- nis“, so Präsident Ridley.

Von vielen Medien kaum registriert und seit jeher von den Fairways des Augusta National Golf Club verbannt, hatte es das scheinbar schwache Geschlecht lange nicht leicht, im von Männern dominierten Golfclub an der Magnolia Lane akzeptiert zu werden. Das

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(„ich sah alles nur noch verschwommen...“), erholte sich rasch wieder und legte ein fulmi- nantes Finish hin: auf den letzten sechs Löchern ein Eagle und drei Birdies – genau jenes Resultat, das Jack Nicklaus 1986 bei seinem Masters-Sieg hinzauberte. Von wegen schwaches Geschlecht. „Ich finde, in Augusta National zu gewin- nen, noch dazu das erste Damen-Turnier, die 18 hochzumarschieren mit all den Zu- schauern, ist eine Erfahrung, ein Erlebnis, das mit nichts zu vergleichen ist. Einfach ein- malig“, strahlte die erste Siegerin der Augusta National Women‘s Amateur. öSterreicHeriN ScHAFFt cUt Es hatten auch drei deutschsprachige Ama- teurinnen die Ehre, in Augusta dabei zu sein – wenn auch nicht so erfolgreich wie Jennifer Kupcho: Die Österreicherin Emma Spitz, 18, Girls-British-Open-Siegerin, schaffte als einzige den Cut. Die Deutsche Leonie Harm, amtierende Britische Amateurmeisterin, sowie Sophie Hausmann verpassten den Cut, durf- ten aber am Tag vor der Finalrunde selbst eine Trainingsrunde auf dem Augusta National spielen. Dass einmal tatsächlich auch Frauen im Augusta National abschlagen werden, war nur eine Frage der Zeit. Und wenn Augusta- Kritiker sich bemühen, dieses erste Damen- Turnier auf dem heiligen Rasen an der Washington Road als einen reinen PR-Gag abzutun, dann kann man nur dagegenhalten, dass sie es nicht einmal für notwendig ge- halten haben, sich vor Ort von der Euphorie und Ausstrahlung dieses ersten Damen- Turniers zu überzeugen (siehe bitte auch TIME OUT auf Seite 114). Gt

tHoMAS FiScHBAcHer GOLF TIME-Redakteur

STREBEnnAch PERfEkTiOn MeiNUNg Thomas Fischbacher über seine Premiere beim Masters in Augusta. Als kürzlich ein unbekannter Täter im Hochsommer, wenn der Augusta National nicht mal für Mitglieder geöffnet ist, höchst illegalerweise eine Drohne über die exklusive Anlage an der Washington Road fliegen ließ, offenbarte der heilige Gral der Golfplätze sein ungeschminktes Gesicht: zahlreiche kahle, braune Stellen. Nicht das so gewohnte blühende Früh- lingsgewand der Masters-Woche. Nicht weiter ungewöhnlich, aber doch so unge- wohnt. Man kennt Augusta eben nur aus dieser ersten vollen Woche des Aprils, in der alles so perfekt ist. Es war mein erstes Mal beim Masters. Und es dauerte nicht lange, bis Augustas Streben nach Perfektion sichtbar wurde. Es geht los auf dem Parkplatz, dessen kahle Stellen grün besprüht werden. Geht weiter beim digitalen Angebot, das seit diesem Jahr die Funktion aufweist, jeden Schlag eines jeden Spielers quasi umgehend nach Ausführung als Video anzubieten. Man könnte diese Liste ewig fortführen. Es ist ein besonderer Augenblick, zum ersten Mal unter der großen Eiche ein Interview zu führen, die kleine, aber feine Whisky-Sammlung in der Bar im ersten Stock des Clubhauses zu bestaunen oder festzustellen, dass dort auch Score- Karten für Bridge ausliegen. Dazu die Memorabilien in den Vitrinen, die Bilder der Legenden, Bernhard Langers Maha- goni-Spind im Champions Locker. An meinem ersten Tag in Augusta spielten auf dem Platz übrigens aus- schließlich Frauen: die weltbesten Amateurinnen bei der Einspielrunde des Augusta National Women’s Amateur. Was zeigt: Neben dem Bewahren all der Traditionen, der Regeln und Eigenheiten gibt es im Augusta National auch Wandel. Frei nach dem Motto „Alles zu seiner Zeit“. Es war historisch. Wie so vieles in Augusta.

erSte DAMeN-troPHÄe Augusta-Präsident Fred Ridley, Siegerin Jennifer Kupcho aus N. Carolina

eiNFAcH UNglAUBlicH „Es war eine große Ehre für mich, als Erste mit meinem Abschlag dieses Turnier eröffnen zu dürfen“, bedankte sich die 21-jährige Jennifer Kupcho bei der Siegerehrung acht Stunden später. „Und dann auch noch den letzten Putt zum Birdie zu lochen, war ein- fach unglaublich.“ Die Weltranglisten-Erste und Favoritin von der Wake Forest University (North Carolina) lieferte eine Traumrunde mit –5 am Schlusstag (gesamt –10 vor der Mexikanerin Maria Fassi –6) ab. Dabei schlugen die Damen von den gelben Tees ab, der Platz spielte sich insgesamt um 900 Meter kürzer als von den Herrenabschlägen. Die beiden Vorrunden wurden zuvor im nahe gelegenen Champions Retreat Golf Club ausgetragen, der Schlusstag im Augusta National Golf Club. Kupcho, zwischen Bahn acht und zwölf von einer Migräne geplagt

PreMiere Sophie Hausmann und Emma Spitz, Girl-British-Open-Siegerin, im Augusta National GC

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